Porträts

Nach vierzehn Jahren Wohnens in Frankfurt, bin ich gestern erstmalig im Goethemuseum gewesen. Das tat ich auch nur, weil gleich nebenan im Forum Fotografie eine Ausstellung von Porträts zu sehen war, die während einer Performance von Marina Abramovic im MoMa entstanden sind. Sie spiegeln in der Vielfalt der Besucher das eine Gesicht der Künstlerin wieder, die allen, so lange sie konnten in die Augen schaute. Das muss für die Künstlerin ein schmerzhafter Prozess gewesen sein. Auch dieser Schmerz ist in den Porträts sichtbar. 75 Tage saß sie 1545 Menschen gegenüber.

Mein Tagebuch lag gestern auf verschiedenen Tischen herum und ich schrieb etwas sporadisch, sonntäglich trödelnd zwischen den beiden Balkonen und dem Schreibtisch.

Auf einem Spiegelchen auf der Schreibtischplatte liegen drei kleine Bergkristalle, die ich in Schelllack tauchen möchte. Ich überlege, sie an einen dünnen Zwirn zu binden. Immer wieder zu tauchen und dann daran aufzuhängen. Vielleicht wäre es sogar möglich die auf diese Weise mit einem Dreiecksgitternet zu verbinden. Heute hätte ich Zeit, etwas länger im Atelier zu bleiben, um mich damit beschäftigen zu können.

Spiegelnde Unendlichkeit mit Bewegungsverzögerung

Immer wieder erneut die Spiegelsituation im Pavillon gegenüber. Ein paar Etagen weiter oben könnte ich von dort aus auf meinen Schreibtisch schauen. Ich frage mich, ob es zwischen zwei gegenüberstehenden Spiegeln durch die endlose Perspektive nicht zu rückkopplungsähnlichen Verzögerungen kommen müsste. Im lichtschnellen Hin und Her sollte sich doch die Zeit addieren um dann in der Ferne zum Verschleppen von Bewegungen zu führen. So würde ich ganz gerne den Vortrag beginnen, zu dem ich in den Pavillon eingeladen bin.

Im Atelier stellte ich weitere Collagenobjekte her. Lange getrocknete Grashalme tauchte ich in Schelllack, um sie dann auf Transparentpapier zu legen. Darauf hatte ich zuvor eine Wegesequenz gezeichnet und sie zusammengefaltet, so dass sich symmetrische Strukturen entwickelten. Diese wurden zum einen durch die Gräser und zum anderen durch das Fließen des Lacks gebrochen.

Ich kam noch nicht dazu, mit Dreiecksgitterstrukturen zu arbeiten, in die ich Transparentpapierobjekte einfügen könnte. Ich weiß auch nicht ob ich es noch bis zur Ausstellung schaffen werde, dem Ganzen eine Dichte zu verleihen, die ausstellenswert wäre. Aber auch ohne diese habe ich schon genügend Material, mit dem ich den Raum füllen kann.

Dem kalten Grün kann ich mit kaltem Rot nicht auf den Leib rücken. Der kalte Kristall verlöre seine Scharfkantigkeit, würde ich ihn immer wieder in Schelllack tauchen, bis eine bernsteinfarbene Schicht ihn rund und sanft umschlösse.

Flüssigkristall

Nach meinem letzten Bergkristallfund und der Kristallisation von G`s Weg spielen die Dreiecksgitternetze wieder eine größere Rolle innerhalb meiner Zeichnungen. Gestern ist im Atelier ein Transparentpapierobjekt entstanden, bei dem ich ein Kristallareal aus der Sequenz übernommen habe. Daraus ist die Silhouette eines Kleides entstanden. Ich lernte dabei, wie das Gehirn die Dreiecksangebote zu einem Umriss zusammenstellt, ohne dass ich darüber nachdenken musste. Ab einem bestimmten Zeitpunkt, als mir auffiel, was der Umriss darstellte, sträubte ich mich etwas dagegen und gab ihm eine andere Note. Vollends verschwand der illustrative Charakter des Blattes, als ich es zusammenfaltete und damit dann weiter arbeitete. Der Schellack verflüssigt die angetrocknete Tusche und damit die kristalline Struktur noch etwas. Somit steigt die Spannung zwischen den verschiedenen Schichten.

All diese Zeichnungen produziere ich im Hinblick auf die Ausstellung auf der Mainzer Landstraße. Gleichzeitig befindet sich der Vorgang aber sehr unauffällig im Strom der allgemeinen Kontinuität.

Der Hügel von Waldmaterial auf einem weiß gedeckten Tisch erzeugt eine besondere Wirkung. Die Fichtennadeln, Zapfenschuppen, Ästchen und die Erde bekommen in der städtischen Umgebung etwas Fremdes und Wertvolles.

Nach all der Kristallarbeit scheint es mir auch richtig eine metallenes Dreiecksgitternetz mit in den Raum zu hängen. Vielleicht könnte ich sogar noch ein Holz-Transparentpapierobjekt bauen, das Artefakte in Schellack eingeschlossen beherbergt.

Beruhigende Lackschichten | blasige Aufregung

Wenn die Linien eines HANG GANGS mit denen aus der Stadt übereinander gelegt würden, könnte Ich am Hang probieren anhand dieser Orientierung, den Mainzer Weg in den Wald zu transferieren und ihn dann dort auch zu gehen. In der Stadt müsste zunächst eine „Basic-Wanderung“ unternommen werden mit Wegpunkten und Rundumfotos. Wahrscheinlich ist es wenig sinnvoll, das vorher vollständig durchdenken zu wollen. Gut wäre es, noch vor dem nächsten HANG GANG, eine Stadtwanderung zu machen, um im Wald das Pendant gehen zu können.

Im Atelier beschäftigte ich mich mit der Waldlinie, die auf der Mainzer verschiedene Räume berührt und sie somit öffnet und in Besitz nimmt. Das Ganze zeichnete ich auf Transparentpapier und verarbeitete dann verschiedene Varianten mit Schelllack weiter. Drei dieser collagierten Arbeiten könnten zu einem neuen Zweig der Arbeit führen.

Diese Beschäftigung ist eine gute Abwechslung gegenüber den anderen Suchaktionen, die mich eher etwas einengen. Die Leuchtstoffkathedrale lässt etwas auf sich warten. Gestern hatte ich in einer Überlagerung von einem Waldfoto mit senkrechten Stämmen und einem Ausschnitt des Kristallbereiches der Wegesequenz von Gudrun, ein kathedralenähnliches Bild gefunden. Mir fällt ein, dass ich die digitalen Varianten meiner Kristallarbeit vom Anfang des vergangenen Jahres noch nicht mit einbezogen habe. Diese Technik beherbergt noch weitere Möglichkeiten, das Bildmaterial des Leuchtstoffkristalls anzureichern.

Das Material. Das ich im Wald gesammelt hatte, habe ich auf einen Tisch gekippt. Nun verarbeite ich es mit Schelllack, wodurch kleine Skulpturen entstehen, die das Holz beruhigen. Zwischen den Transparentpapier-Schichten hingegen geht es eher um blasige Aufregung.

Vor dem Atelier liegt der große Stein mit den Kristalleinschlüssen, den ich aus dem Wald mitgebracht habe. Ich möchte ihn in das Schaufenster legen.

Waldweg mit Stadtarealen | Ausstellungsstein

Gestern habe ich begonnen, mit der Linie, die ich als letzte am Hang aufgenommen hatte, zu arbeiten. Ich schob sie auf die Mainzer Landstraße und bearbeitete diese Bild dann mit einem „Konturenfinder“. Dieser stellt Verbindungen zwischen der Linie und an der Straße gelegenen Arealen her, die von der Linie nach ihrem Transfer berührt werden. Diese Tiefenschärfe lässt sich stufenlos regulieren, sodass die Areale mal größer und mal kleiner sind.

Am Hang pflegte ich gestern meine Landschaft und die darin stehenden Objekte. Ich ging ruhig und versuchte schon über das Material nachzudenken, das ich mit ins Atelier nehmen wollte. In einer Tüte sammelte ich Tannenzapfenschuppen, Rindenteile, Tannennadeln und viele Dinge, die es dort im Übermaß gibt.

Auf dem Rückweg habe ich einen großen Stein mit schönen Kristalleinschlüssen ausgegraben. Als flache Platte steckte er recht tief im Boden. Um mir keinen Kristall entgehen zu lassen, grub ich ihn ganz mit den Fingern aus. Er passte gerade so in den Rucksack und sein Transport bis zum Auto war eine Herausforderung. Deswegen ging der Rückweg schnell.

Gestern hatte ich erstmalig das Gefühl, dass es sich bei diesem Hangweg um eine gepflegte Landschaft handelt.

Koppelungen | Kristalline Bildentsprechung

Vor mir auf dem Schreibtisch liegt die Tabelle loser Kopplungen organisationaler und gesellschaftlicher Handlungen, die mir Eberhard gestern in die Hand gedrückt hat. Mein gestriger bildlicher Arbeitsansatz war, dass ich für die stark reduzierten und gleichzeitig verdichteten Beziehungsbeschreibungen verschiedener gesellschaftlicher Felder, wie Religion, Politik oder Kunst ein Äquivalent ähnlicher künstlerischer Verdichtung schaffen wollte. Es geht dabei um die gegenseitigen Einflüsse. Ich bezog mich dabei auf meine gegenwärtige Arbeit der Verflechtung, Kristallisation und erneuter Verflüssigung. Grundlage war die Wegsequenz von G`s HANG GANG Linie. Aus diesem Feld wählte ich vier Quadrate aus, die ich wie die gesellschaftlichen Felder der Tabelle anordnete. Dann lagerte ich sie nach diesem System transparent übereinander und erreichte so eine bildliche Entsprechung für die gegenseitige Beeinflussung der Bereiche. Der Einfachheit halber habe ich das mit einem Grafikprogramm gemacht, um nicht zu viel Zeit dafür aufwenden zu müssen. Im weiteren Verlauf nahm ich mir die Zwischenräume vor, die frei geblieben waren und umrandete sie. Das Gleiche tat ich mit den dunklen Überlagerungen der Linien. Somit habe ich eine strukturelle Entsprechung entworfen.

Vorher am Nachmittag widmete ich mich noch mal der Verdichtung von G`s Wegegeflecht. Aus der ins Kristalline transferierten Konzentration entstanden am Ende wieder Felder, die zu einer Verflüssigung des Ganzen tendierten. Das jetzt weiter zu führen, würde einen Zeitaufwand bedingen, der die anderen Projekte für die Ausstellung gefährden würde. Ich muss mit dieser Sequenz zum Schluss kommen und die Kathedrale finden.

Abbildungen von Stadtorten in der Stadt, die Wegpunkten im Wald entsprechen, könnte ich an diesen stellen im Wald fotografieren und umgekehrt

Verdichtetes Dreiecksnetz | Leuchtstoffkristall

Im Atelier begann ich sofort an der Leuchtstoffkathedrale zu arbeiten. Ich verdichtete das Dreiecksgitternetz so, dass sich schon schwarze Felder bildeten. In diesem Moment dachte ich das Leuchten durch Negativeffekte herzustellen. Das ist allerdings nicht die einfache Lösung, eine Umrisszeichnung des Erinnerungsbildes herzustellen.

Leuchtstoffkathedrale, Schwebendes Boot, armlose Puppe, klare Bilder, die aber noch klare Umrisse brauchen.

Den kleinen elektronischen Bilderrahmen will ich mit tausend Bildern eines Zeitraums von einem Jahr bespielen. Dieser soll in Augenhöhe, ganz nahe an der Scheibe des Schaufensters hängen. Diese Zeichnungen ergänzen die datierten Notizen des Arbeitstagebuches, die ich ebenfalls teilweise auslegen will.

Morgen werde ich im Wald beginnen, Material zu sammeln, das ich für die Installation benötige. Wenn es zur Verfügung steht, werde ich sehen, was ich damit anfangen kann: zu Asche verbrennen, in Schelllack gießen oder einfach im Raum platzieren.

Datumsbilderinnerung

Am Morgen dachte ich an die Mauer. Wahrscheinlich hat sich das Bild dieses Datums direkt mit solchen aus dem Grenzzusammenhang verbunden. Ich erinnere mich an einen französischen Sänger, der während eines Auftritts im Palast der Republik das harmlose Liedchen vom Butterfly sang, dabei aber die Zeile „die Mauer muss weg“ in seiner Heimatsprache einfügte. Ganz gegenwärtig ist mir auch das ohnmächtige Gefühl der Vergeblichkeit gepaart mit der Sehnsucht nach der unermesslichen westlichen Freiheit hinter dieser Grenze. Ich wusste, dass meine Altersgenossen mit Interrailtickets und wenig Geld durch ganz Europa fuhren.

Gestern stand direkt am Rhein über dem Webeschild eines Immobilienhändlers die gekritzelte Parole: „Islam statt Demokratie“. Dass ich darauf so vehement reagiere, liegt sicherlich an meinen Jugenderinnerungen. Dennoch überraschen mich die Radikalität und der Fanatismus der dritten Einwanderergeneration immer wieder.

Am Abend hörte ich während ich in der Dämmerung meine Pflanzen am Atelier wässerte, barocke geistliche Chormusik aus Spanien und dachte dabei an den sanften Moselwein des Nachmittags.

Kölner Arbeitszimmer

Köln. Nahe bei meinem Buch liegen lauter fremde Dinge auf dem fremden Schreibtisch. Durch das gekippte große Fenster dringt der vertraute Ruf von Ringeltauben. Noch steht die Sonne hinter den Schieferdächern der Häuserzeile, die nach Südosten ausgerichtet ist.

Das Arbeitszimmer einer Schriftstellerin. Die Wände sind mit zusammengehörenden Fotos bedeckt. Straßenszenen – kleinere und große geografische Zusammenhänge, Grundrisse, Stadtkarten und Landkarten zeigen, wohin die Fotos gehören.

Das Sammelsurium von Fotos. Körbe Blechkanister Karren – die Dürftigkeit aus einer anderen Zeit. Die Materialität hat für mich etwas Anziehendes – keine Plastikgegenstände, die in ihrer Unverwüstlichkeit unverschämt lange überleben.

Kaum eines meiner eigenen Arbeitsbilder hat mich in diesen Morgen verfolgen können. Nur wenn ich zurückblättere, Steigt wieder die Neonkristallkathedrale auf.

Kristallisierte Bewegung

Gegen vier Uhr dreißig bin ich am Morgen aufgestanden, um mich ins Auto zu setzen, um zu einer Party auf dem Tevesgelände zu fahren. Am Nachmittag berichteten mir die Veranstalter, welchen Charakter das Ganze haben sollte. Dabei ging es um Skulptur, um elektronische Bild-Experimente und um elektronische Musik.

Unter der Eisenbahnbrücke stand ein Laserprojektionsgerät, das von tiefen Beats untermalt scharfkantige Muster an die alten Gemäuer warf. Wenn es dann bei der Skulptur auch um handwerkliche, fern vom Elektronischen gelegene Fähigkeiten geht, deckt sich Dilletantismus auf.

Jetzt am Morgen, mit der Sonne auf dem Balkon im Rücken, sitze ich unter der akustischen Glocke der Stadt. Besonders das ständige kreisen des Flugbetriebs baut eine akustische Architektur zwischen Stadt und Stratosphäre.

Im Atelier arbeitete ich an Gudruns Wegsequenz weiter. Ihr Weg schwang ausschweifend über die zehnprozentige Steigung und reizte mich zu einer Einschränkung des verflüssigten Gehbildes. Ich floh in der Verdichtung zur Kristallisation. Strukturell lehnt sich das an Trixel-Planet an. Interessant dabei ist insbesondere der Übergang von den weich fließenden Formen zum Kristall, der dann zur skulpturalen Form wird. Ich bin neugierig wie sich bei dieser Sequenz die Leuchtstoffkathedrale herauskristallisiert.

Am frühen Morgen sah ich neben der Mondsichel eine deutliche Venus. Das kalte Ende der Nacht erlebte ich wie auf dem Boden eines sehr klaren Swimmingpools, auf dessen stiller Oberfläche Leuchtkörper treiben.

Ich denke derzeit an Kleinskulpturen aus gegossenem Schelllack mit eingeschlossenen Materialien. Vielleicht kann ich tote Insekten einschließen, wie in Bernstein.

Interferenzen bei Photonenstrukturen

Dicht gedrängte Müdigkeit auf der Documenta gestern. Ich schaue darauf, um an dem haften zu bleiben, was für mich außerhalb des Hirns der Kuratorin Kristov-Bakardiev übrig bleibt.

So gab es eine Annäherung an die Physik der Quantenmechanik in mehreren Experimentaufbauten. Diese ähneln schon in ihrem Äußeren manchen künstlerischen Exponaten. Oder sollte man, wie die Chefin mein, nur noch von Werken sprechen? Im Stadium ihrer Forschung sind die Physiker verblüfft, dass Teilchen, die durch zwei Spalten geschossen werden, zu Interferenzen neigen, wie es eigentlich nur Wellen tun. Die schöne Wissenschaftlerin in ihrem blauen Kleid erklärte uns lächelnd, dass sie an dieser Stelle aufhören zu fragen, bzw., dass das Wissen um diese Verhaltensweise, das Verhalten der Teilchen wieder verändert…

Eine Arbeit aber hat mich denn doch in ihrer Einfachheit berührt. Eine Künstlergruppe aus Mumbai, die sich CAMP nennt, stellte Handyvideos von indischen Seeleuten zusammen, die sie sich gegenseitig schicken. Abenteuerliche Holzschiffe, vierstöckig mit Ziegen beladen unter der gnadenlosen Sonne des Arabischen Meeres.

Wegpunkte | Berlin | Delhi

Gestern war ich noch mal alleine am Hang. Vier Wegpunkte habe ich gesetzt, die ich nun auf den Verlauf des transferierten Weges auf der Mainzer verschieben werde. Gestern nahm ich auch noch die Autofahrt mit auf. Das tat ich eigentlich nur aus dem Grund, dass das GPS unterwegs lange genug die Möglichkeit hat, Satelliten zu suchen, um dann am Start des Weges schon genauere Aufzeichnungen machen zu können. Die Punkte werden auf ihrer Reise in die Stadt Verwandlungen unterworfen, die durch die Arbeit im Atelier entstehen. Es handelt sich um die Steinplatte am Anfang des Weges, um die Spiralschichtung, an der ich mit Monika gearbeitet habe, um das Bootsgeflecht, das die Erinnerungsfigur von Maj in sich trägt und um die Grasspirale am Endpunkt des Weges.

Gestern grub ich im Bereich einer älteren Bodenskulptur nach Kristallen. Diese Verbindung zwischen Erdaushub und Steinsetzung kommt schon an einigen Stellen des Weges vor. In der Nähe des Weganfangs habe ich an einem schweren Stein einen großen Kristall gefunden. Ich widerstand dem Impuls ihn heraus zu brechen und werde ihn einfach in meine Führung einbauen.

C. hat meinen Vorschlag für eine Dialogwanderung zwischen Delhi und Berlin, also zwischen mir und Vinzenz an die Universität in Delhi weitergeleitet. Dort sind sie offen dafür.  Schon vor ein paar Jahren hatte ich den Gedanken, Delhi wandernd zu erschließen.

Ohne Verdichtung keine Kathedrale oder Katze oder Schlange

Gestern probierte ich die erste Leuchtstoffkathedralenidee und scheiterte am beschriebenen verkürzten Vorgang. Ich muss dabei bleiben die Linien zunächst in einem abstrakten Labyrinth oder Geflecht zu verdichten, sei es mit den Aufzeichnungen des HANG GANGS oder mit denen eines Objektgeflechtes. Die aneinander gereihten Leuchtstoffröhren sahen falsch aus, ich merkte es gleich.

A. holte ich am Mittag für unseren HANG GANG auf Teves ab. Im Wald war er ziemlich schnell unterwegs. Ganz anders als in der Ruhe der Frauen, drängte er vorwärts, erklomm die Steigung, packte an, schritt aus. Deutlich wird das auch auf der GPS-Linie, die erst nach einem Viertel des Weges zu genügend Satelliten Kontakt aufgenommen hat, um eine differenzierte Linie zeichnen zu können. Auch seine Erinnerungsbilder kommen aus größerer Entfernung, sofern das sein Alter zulässt. Als prägnantes Bild erhielt sich mir eine tote Schlange, die ein Englischlehrer in seinen Rucksack packte, um sie seiner Katze mitzunehmen. Pinienzapfen auf dem Schulhof, Lagern im Gras. Zu Hause konnte ich dann gleich gestern  seine Linie und die Fotos von unterwegs auf die Rechner spielen. Nun beginne ich damit zu arbeiten.

Heute ist der Mittwoch für meinen HANG GANG. Ich werde nun die Koordinaten der Installationen aufnehmen, die bisher eine Rolle bei den Erinnerungsfiguren spielen: das Bootsgeflecht, der Spiralstapel mit der armlosen Puppe – und vielleicht suche ich noch ein Geflecht für die Kathedrale. Die Wegpunkte werde ich dann auf die Mainzer transferieren.

Leuchtstoffröhren | Wegaufzeichnung | Transfer

Eine Idee für das Erinnerungsbild von G., der Leuchtstoffröhrenkathedrale. Wenn ich ihre Wegverschlingungen auf Google Earth sehr stark vergrößere, so bestehen sie aus lauter aneinander gereihten und zusammengesetzten Geraden. Fügte ich dies zu einer stark überlagerten Sequenz, bei der nur die vorderen Röhren nicht überzeichnet würden, wäre es zugleicht das Konzept für ein Leuchtstoffröhrenobjekt und wäre die dreidimensionale Umsetzung der Erinnerung. Soweit möchte ich aber diesmal nicht gehen. Es wird nur erst mal die Zeichnung geben.

Ich unternahm gestern einen Stadtgang durch die Mainzer, über den Güterplatz bis zu Jahanara. Dieser Ort vor den Futterstübchen fällt mit dem Endpunkt des Taunusweges zusammen, wo ich in ritueller Widerholung mit Gängen ein Stück Rasen in Spiralform lege – der Schwindel jedes Mal. Der Anfang des Weges mit der Steinplatte, auf der stehend man das erste Viertel der Wegzeichen überblicken kann, ist vor das Schaufenster an der Galluswarte projiziert. Zwischen diesen Orten, den Figuren auf dem Weg und den transferierten Wegpunkten auf der Mainzer Landstraße, will ich nun Beziehungen herstellen.

Fichtenäste im Schaufenster

Am Morgen hatte ich meine Tagebucharbeit zügig hinter mich zu bringen, was den Zeichnungen oft eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Was ich allerdings derzeit mit ihnen will, könnte ich kaum formulieren, was mir aber auch recht ist.

Jan erklärte ich gestern, wie ich meine Holzinstallationen baue. Auf der Heimfahrt aus dem Spessart kamen wir am Schaufenster in der Mainzer vorbei. Einerseits überlege ich noch, wie ich mit der Symmetrie des Regals umgehe. Andererseits kommt mir in den Sinn, dass ich die gebogenen und verwitterten Fichtenäste dort zu einer Figur zusammenstellen könnte. Das Ganze ist eine Frage meiner Transportkapazität oder eine Frage dessen, was ich alleine ohne Hilfe hinkriegen kann. Diese Unabhängigkeit ist mir nach wie vor wichtig. Ich weiß schon, welche Äste sich am leichtesten abtransportieren lassen. Sie liegen ganz unten am Hang und sind recht kräftig und groß.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten

Das Wasser für die Kaffeemaschine wird abgekocht. Beim Abkühlen fällt Kalk aus, den ich aus einem Filterpapier nach dem Trocknen in ein kleines Porzellangefäß fülle. Mit den vielleicht zehn Gramm möchte ich dann eine kleine plastische Arbeit anfertigen.

In diesem Zusammenhang denke ich an die Dinge, die ich in das Regal meiner Schaufensterausstellung legen kann. Ganz gerne hätte ich mehr Waldmaterialien außer den Kristallen. Moos könnte ich mir vorstellen, Fichtennadeln oder verrottetes Holz. Auch Umwandlungen der Stoffe in andere Zustände wie Asche oder in Schelllack eingegossen würden passend sein. Vergehen, Versteinern, Zersetzung und Fäulnis sind Prozesse, die von der Atmosphäre eines Waldes etwas in die Stadt transportieren können.

Während der Arbeit am Handprint Frankfurt habe ich Fundstücke in Schellack eingegossen und zwischen Transparentpapierlagen geklebt. Das Papier kann Zeichnungen oder Schrift tragen, Fragmente der gewanderten Linien oder Rollsequenzen davon. Die Rollenproblematik stellt sich vielleicht von alleine dar, wie sie mit Zeit, Wiederholungen, Rhythmus und Musik zutun hat. Es wäre gut wenn ich im Schaufenster nichts zu erklären hätte.

Gestern Nachmittag habe ich die Wegesequenz von G. weiter verdichtet. In meinem Rolltor sitze ich dabei ein wenig wie auf einer Bühne. Alle können sehen, was ich da mache, können fragen. Es ist etwas wie eine Performance. Nun entsteht die Frage, ob ich das in das Schaufenster ausweiten sollte. Abzuwägen wäre, ob diese Art von Performance an einer so verdichteten Verkehrszusammenballung etwas mit mir und meiner Arbeitsweise zutun hat. Sollte ich es vielleicht einfach probieren? Die Zeit wäre jedenfalls nicht verloren, denn es würden Zeichnungen entstehen. Vielleicht ist diese Darstellung der langsamen Arbeit in einem Gehäuse, die richtige Reaktion auf den Ort der S-Bahn-, der Straßenbahn- und der Bushaltestelle. Gegen den Lärm der Güterzüge des ständigen Autoverkehrs, gegen die Zunahme der Geschwindigkeiten.

Freie Linien modellieren

Bei der Rollverdichtung der Wanderlinie von G. bin ich wieder ganz in meinem Element. Die Zeit dafür habe ich mir gestern im Atelier genommen und genoss die meditativen Stunden, die ich dabei am Tisch, im geöffneten Rolltor sitzend verbrachte. Zuvor vergrößerte ich noch Details von ihrem Weg, die bei geringerer Auflösung in ihrer engen Verknotung kaum zu entwirren waren. Nun kann ich mir auch vorstellen, die Kathedrale aus Leuchtstoffröhren auch in diesem Geflecht zu finden.

Ich sollte auch die Linie von M. verdichten, um noch mehr Material zum Auffinden fremder Erinnerungsbilder zu haben. Es sind nun noch weitere Teilnehmer für den HANG GANG zu finden.  Sie werden mich mit weiterem Material versorgen, das letztlich zu dem neuen Relief wird.

Ich hätte Lust, einmal freie Linien zu modellieren, oder die, die gewandert und durch die Rollsequenzen verdichtet worden sind. Das hieße den Prozess der Figurenfindung zu verkürzen und in den Arbeitsgang der Malerei zu verlegen. Das Relief wäre also vollständig abstrakt und Figuren würden erst später durch die Bemalung hinzukommen. Grundbausteine wären nur die Wanderungen der Teilnehmer. Wenn das Netz entsprechend dicht ausfällt, vervielfachen sich die Möglichkeiten der Figurenfindung.

Im Wald habe ich das Material eines zusammengestürzten Baus für einen neuen benutzt. Zwischen zwei Bäume flocht ich einen Stapel oder stapelte ein Geflecht. Ich überlegte, bei den Installationen gegenständlicher zu werden, verwarf das aber gleich wieder. Die Figuren müssten zu kunstvoll werden, und woran erinnert ein Boot im Wald? Allzu eng wären die Möglichkeiten.

Die Ausstellung auf der Mainzer wird nun langsam klarer. Eine zentrale Rolle wird ein Regal spielen. Die Dynamik der Veränderungen würde von seiner sich wandelnden Bestückung ausgehen und sich auf die verschiedenen Themen beziehen. Da gibt es beispielsweise das Thema KRISTALLWALD „Freie Linien modellieren“ weiterlesen

Wegzeichnung | Schaufenster | systemisches Zeichnen

Bei einem Besuch bei Schulz & Souard habe ich feststellen müssen, dass die Ausstellung der Reliefs wegen des Scheibenformates nicht so einfach ist. Der Einblick ins Schaufenster ist einfach zu klein, d.h. zu niedrig. Somit werde ich mich also auf andere, kleinere Formate beschränken müssen. Vielleicht kommt aber so dem Transparentpapierstreifen „WHERE…“, den ich für das Musikstück von David Morrow gemacht habe dadurch erstmalig eine Öffentlichkeit zu.

Im Schaufenster aber steht ein schönes Regal, das sich bestens für Waldmaterial und  teilweise zusammengerollte Transparentpapierstreifen eignen würde. Diese könnte ich dann nach und nach einzeln unterhalb des Regals ausgerollt zeigen. Vielleicht ist es sogar ein Glücksfall, dass die Höhe für die Reliefs nicht reicht, und ich komme so zu mehr neuem Material, das ich zeigen kann.

Gestern zeichnete ich den verschlungenen Weg von Gudrun auf einen größeren Transparentpapierbogen. Das ist eine sehr schöne Linie, die vielleicht noch mehr als Überlagerungsmaterial hergibt. Am Morgen dachte ich darüber nach, diese „Rollengesträuche“ auch als Geflechte für die Erinnerungsbilder zu nutzen.

Im Atelier arbeitete ich am „Finanzkommunikationsgeflecht“ weiter. Je mehr ich damit zutun habe, umso mehr wird mir klar, dass ich mich mit dieser Materie länger beschäftigen müsste, um etwas belastbareres Material erstellen zu können. Diese systemische Arbeitsweise liegt mir eigentlich sehr, müsste aber in diesem Fall eine Perspektive bekommen.

Fließendes Holz

Einen langen Nachmittag habe ich am Hang verbracht. Die Lichtflecken und starken Kontraste machten manchmal die Raumorientierung etwas schwierig. Immer mehr größere Figuren beginnen sich zu bewegen, drohen in sich zusammen zu sinken und werden von mir gestützt, umgebaut oder zurechtgerückt. Die hohen Temperaturen und die daraus resultierende Holztrocknung lassen die Konstruktionen ins Fließen kommen. Das Materialvolumen nimmt ab, die Oberfläche wird glatter und die klebrige schwellende Feuchtigkeit fehlt. Somit war ich gestern am ehesten mit Korrekturen befasst und Arbeitete eine Weile am Spiralstapel weiter. Zwischen die größeren Zweige legte ich Kleinstmaterial. Langsam geht mir in dessen Nähe das Material aus. Es muss von anderen Baumkreisen herkommen, deren Bearbeitung schon längere Zeit auf meinem Plan steht.

Gestern dachte ich mal daran große Figuren, die sich immer mehr in Diagonalen zusammenziehen, also in einer Spiralbewegung zum Boden sinken, nicht mehr weiter zu stützen, aber den Zusammenbruch zu dokumentieren. Die Energie die zum Holzwachstum, zum Abholzen und zum Bau der Figur nötig war, wird noch einmal anders, langsam sichtbar. Vor Augen hatte ich das Bild dieser alten Holzstapel und viele kleinere neue Geflechte und Schichtungen, Gräben oder andere Zeichen.

Werkcharakter des Archivs | fremde Erinnerungen

Zeitiger als sonst war ich gestern im Atelier, weil ich mit Herrn Schulz, meinem Aussteller zwölf Uhr verabredet war. Ich stellte fest, dass es immer mehr Konzentration bedarf, um die Komplexität der Arbeit jemandem zu erklären, der noch nichts davon gehört hat. Drei Tafeln des KRAFTFELDES legte ich draußen unter das Dach vor dem Atelier, damit er sie anschauen kann und sieht, was an Gestaltung auf ihn zukommt. Ich versuchte die Ebenen möglichst anschaulich aufzufächern und zu erläutern, woher die Zusammenhänge stammen. Auf die Frage nach Texten, die das Ganze etwas hinterleuchten, zeigte ich ihm mein aktuelles handschriftliches Tagebuch und erzählte von der Datei, die ich teilweise für die Ausstellung ausdrucken will. Klaus-Ludwig Schulz ist der erste Vorsitzende der Frankfurter Künstlergesellschaft, die schon 1857 gegründet worden ist.

Es ist spannend für mich, dass nun erstmalig das Tagebuch Gegenstand einer Ausstellung wird, somit den Sprung vom Archiv zum Werk vollzogen wird.

Nach unserer Begegnung habe ich an das Erinnerungsbild von M., einer Puppe ohne Arme gezeichnet. Ich merkte, dass das Aufnehmen und Verarbeiten fremder Erinnerungen weitaus schwieriger ist, als bei einer solchen Arbeit auf einen eigenen Fundus zurückgreifen zu können, wie ich das bisher mit meinen Transparentpapierrollenbildern gemacht habe. Allerdings schließen sich nun mit den neuen Figuren auch neue Welten auf. Als nächste steht eine Lichtkathedrale aus Leuchtstoffröhren auf dem Programm. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich mit den Gesträuchen umgehen soll, die die Motive umgeben. Sie zu reduzieren würde die Überlagerungen der Einzelmotive einfacher machen.

Nach der zweiten Stufe der Arbeit am Erinnerungsbild wendete ich mich dem Diagramm aus der Commerzbank zu. Dabei begann ich in bewährter Weise rollend Ornamentbänder zu zeichnen. Die ersten zwei sollen „Vertrauen“ und „Beschreiben“ als Zeichen wiedergeben. In der nächsten Phase werden sie nicht nur waagerecht verdichtet, sondern auch senkrecht überlagert, wo sie sich kreuzen. Diesen ersten Ansatz muss ich nun über eine zeit verfolgen, um herauszubekommen, wie sich die Vorgehensweise bewährt. Es gibt genügend Möglichkeiten, neue Ansätze zum Zeichnen zu finden. Ich bin auf das fertige A3-Blatt aus Transparentpapier gespannt, das über der Tabelle liegen wird.

Kristalline Verlangsamung

Es stauen sich einige zeichnerische Vorhaben, von denen ich nicht weiß, wann ich sie in Angriff nehmen kann. Ich wollte mich eigentlich in dieser Woche noch um die gewanderten Linien von M. und G. kümmern. Außerdem warten ihre Erinnerungsbilder auf meine Atelierbearbeitungen. Die Zeichnungen zur Tabelle aus der Commerzbank stelle ich mir recht frei vor. Ich will locker gezeichnetes ornamentales Material benutzen um die Überlagerungen so wie das Diagramm einzurichten.

Stattdessen arbeite ich an Projektbeschreibungstexten.

Heute habe ich ein Treffen mit Herrn S., für den ich auch noch ein paar Dinge heraussuchen will. Ich denke mittlerweile auch daran, innerhalb der Installation auch ein paar von den SYNAPTISCHEN KARTIERUNGEN zu zeigen. Sie reihen sich gut in die Rollenthematik ein, wobei hier eher Motive und Strukturen durch das Rollen zum Fließen gebracht werden. Das ist ein gegensätzlicher Aspekt zu den Figurensequenzen, die her eine kristalline Form einer extremen Verlangsamung aufweisen.

Am Gate of India

Meine Erinnerungen an das Gate of India, und die Parks, die es umgeben, stammen von einem kleineren Handprint, den ich dort gelaufen bin. Ich erinnere mich an vor Mikrofonen sitzende Prediger, die vor kleineren Menschenansammlungen sprachen, an die Zeltunterkünfte der Arbeiter, die mit dem Bau der U-Bahn beschäftigt waren, an einen reich verzierten Tempelwagen vor einem Museum und an die großen Wasserbecken, in denen sich die Menschen wuschen.

Common Circle | Pariser Platz

Mir geht Carolas Idee durch den Kopf, mit Vinzenz eine Dialogwanderung zwischen Berlin und Delhi zu unternehmen. Welche Art von Wissen dabei „generiert“ werden kann, müsste man überlegen. Natürlich wäre es gut, das Ergebnis ganz offen zu lassen und nur Strukturen, Vorgehensweisen und den Umfang vorher in etwa zu bestimmen. Als Startpunkte könnte man Common Circle und Pariser Platz nehmen. Die Echos der Stadtlandschaften, die in unseren Wanderungen erscheinen, die sich auch aufeinander beziehen, verknüpfen die Städte auf eine Weise, die dazu dienen kann etwas Neues in ihnen zu erkennen. Ich reagiere in Delhi auf ein Echo des Brandenburger Tores…. Zu den gelaufenen Strukturen kommen Fotografien, Fundstücke und abgeformte Architekturfragmente hinzu. Der Gips, mit denen die Artefakte gegossen werden wird mit Staub der Städte versetzt. Die Abgüsse können wir uns in Briefen einander zuschicken, sie in die jeweils entgegen gesetzten Wanderungsareale einfügen, wieder installieren und  fotografieren. Nun kann man die Gedanken mit Carola und Vinzenz weiterentwickeln. Weitere Ergebnisse entstehen während des Arbeitens vor Ort.

Eine andere Idee wäre auch, Handprint Berlin und Handprint Delhi zu koppeln. Arbeitstagebücher würden entstehen.

Puppe mit Maske | rituelles Wandern

Der zeichnerische Angriff auf das Erinnerungsbild von M. begann in der gestrigen Affenhitze im offenen Rolltor. Ich hatte den Gedanken aufgegeben, dass sich das Bild mit der Figur der Erinnernden übereinander schiebt. Ich hatte auch kein Foto aus dem Wald dabei und es erwies sich, dass es gut so war. Ich war also während des Zeichnens auf der Suche nach einer Puppe und tastete mich langsam an ihren armlosen Umriss heran. Der Kopf bekam eine afrikanische Maske. Das geschah von ganz alleine, ähnlich wie sich die Beschreibung der im Wald gestapelten Spirale mit der Struktur der Mentorenstadt befasste. Diese intuitive Vorgehensweise bedarf der späteren Klärung, damit die Schichten aufgedeckt oder hinzugefügt werden können.

In diesem Zusammenhang denke ich an mein Vorhaben eigener Erinnerungszeichnungen in Berlin und stelle mir die Frage, ob es sinnvoll wäre, sie aus Transparentpapiersequenzen, die sich mit gewanderten Figuren beschäftigen, zu entwickeln.

Ich bemerke, dass ich durch die Tagebuch- und Archivarbeit über mein Tun ganz gut im Bilde bin. Es kann sogar sein, dass die Fortentwicklung dadurch mit mehr Inhalten aufgeladen wird und zu einer größeren Verdichtung kommt.

G. hatte nach dem Studium der unseren Gang betreffenden Bemerkungen auf meiner Website noch mal Stellung dazu bezogen, dass sie mit der Verbindung zu sakralen Räumen nicht Religiosität meinte. Gleichzeitig gibt sie mir Recht, wenn ich den HANG GANG als eine rituelle Wanderung deute.

HANG GANG mit G.

Der Spiralstapel etwa in der Mitte des HANG GANGS wurde gestern noch einmal dichter. G. hat vorsichtig mit gebaut und hat einige deutliche Spuren hinterlassen.  Nach meiner Nachfrage fasste sie noch einmal die Erinnerungsbilder zusammen, von denen sie schon unterwegs in größeren Zusammenhängen gesprochen hatte. Ihre Essenz für mich ist ein Raum, der mit einigen Leuchtstoffröhren in eine Kathedrale verwandelt wurde. Diesen Kathedralenblick hat sie am Hang wieder gesehen, inmitten der Verdichtungen der Orte, die sie mit heiligen Orten verglich. Somit hatte unser Gang etwas von einer rituellen Wanderung, deren religionsnaher Charakter mir nun stärker ins Bewusstsein tritt. Passend dazu unser gemeinsamer Gang am Ende des Weges, der das Gras in die Spiralrichtungen biegt.

Dieses Ritual hat seinen Ursprung in den Wanderungen, die ich als Reaktion auf Vorgänge in der Stadt unternahm. Sie waren eine Kompensation der Zumutungen, die sich auch aus dem geografisch-topografischen Projekt für die Frankenallee ergeben hatten. Letztlich löst sich nun eine unvollendete Arbeit in einem freien räumlich ausgedehnten Vorhaben, dessen Zeit und dessen Raumausdehnung unbestimmt sind. Auslöser für dieses Ritual war demnach eine unaufgelöste Situation in der Stadt. Zunächst waren die Wanderungen nur eine Kompensation der Enge, in der die Gedanken zu den Wanderungsspuren und deren Folgen für den urbanen und geistigen Raum nicht wurzeln konnten. Ein engmaschiges Netz von Querwaldein-Wanderungen führte zunächst zu einer genaueren Kenntnis des Hangs dsn Kleinen Feldberges.

Die Idee, die Waldgegend zu gestalten kam erste nach einigen Jahren. Der Impuls war das schlechte Gewissen, die Mittwochnachmittage in dieser Weise zu vertrödeln. Das erwuchs aber sicherlich auch der Kraft, die ich aus diesen Wanderungen schöpfte. Diese Energie wird nun wieder dem Raum zuteil, bzw. den Menschen, die sich am Ritual beteiligen. Die Reaktionen derer können sehr unterschiedlich ausfallen, so unterschiedlich, wie auch die Raumbezüge zwischen den Installationen, die sich zu diesem weiten Ensemble zusammenfügen. Ich stelle diese Arbeit als Reaktion auf die Vorgänge in der Stadt vor. Nun geht es um die Reaktion der Stadt auf diesen Wald.

Gespräche | Bildsysteme | Raster

Der Spiralstapel ist bei genauer Betrachtung sogar in fünf nahezu Vertikalen eingeflochten. Es sind Stängelchen und keine Stämme, die sich noch hinzugesellten. Aus einer Aufnahme habe ich eine brauchbare Vorlage für eine Transparentpapierzeichnung gemacht. Die könnte nun wieder der Ausgangspunkt für die Sequenz sein, mit der ich die Puppe, deren Arme ausgerissen sind entwickle. Meine Sicht auf die fremde Erinnerung wird eine entscheidende Rolle spielen. Die Körper der Erinnerung und der Erinnernden verbinden sich.

Der Spiralstapel ist nun schon der Projektionsraum für verschiedene Vorgänge. Das könnte den Schlüssel für die künstlerische Begleitung verschiedener Kommunikationsstrukturen bieten. Die Zeichnung die ich auf Transparentpapier gemacht hatte, legte ich auf die tabellarische Aufstellung von Herrn Schnebel, legte noch eine kleinere Sequenz hinzu und fotografierte das Ganze. Die Überlagerungen innerhalb meiner Sequenzen kommen den losen Kopplungen in gewisser Weise nahe. Dort begegnen sich Figuren und Strukturen aus unterschiedlichsten Bereichen.

Auch die Mentorenstadt mit ihren verschiedenen Geschwindigkeiten findet hier ihre Entsprechungen. Die unterschiedlichen Radien der Rollbilder stellen Raumzeitmaße dar. Ein  System zur Unterstützung von Kommunikationsvorgängen könnte entstehen.

Ich erinnere mich an meine Holzschnittserien aus den achtziger Jahren. Bei ihnen ging es um die Überwindung einer linearen Erzählstruktur. Es sollte ein Geflecht aus Motiven entstehen, das sich gleichzeitig aus verschiedenen Erzählebenen speist.

Mit der Tabelle könnte ich diesen Anfang, den ich nicht weiter verfolgt hatte, weil Bilder an sich schon verschiedene Zeitebenen in sich tragen, fortsetzen. Es wäre die Einrichtung eines Bildrasters aus verschiedenen Motiven, die übereinander gedruckt zu einem größeren Format zusammen finden könnten.

Zeichen reagieren aufeinander

HANG GANG mit Monika. Ihre Kommentare sind sehr sparsam. Umso spannender die Erinnerungsbilder, deren zeichnerische Umsetzung nun auf mich wartet. Ich werde versuchen, sie wieder aus den Gesträuchen, die wir uns angesehen, oder an denen wir gemeinsam gebaut haben, zu entwickeln. Vielleicht gelänge es mir auch, ihren Weg, den ich mit GPS aufgezeichnet habe mit in die Bildfindung einzubeziehen. Gerne würde ich ein Zeichen in eines der entstehenden Gesträuche verstricken.

Ich kam während unserer Wanderung dazu einiges zu reparieren, zu fotografieren und weiter zu flechten. In dem derzeitigen starken Sonnenlicht hat man nicht so sehr viel vom Weg. Die kontrastreichen Lichtflecken mit den dazugehörigen Schatten verhindern einen weiten Überblick über das Baugeschehen am Hang. Das ändert sich bei Nebel oder dann, wenn das ganze Grün etwas abnimmt, das Gras nicht mehr so hoch steht und die Büsche die Blätter verlieren.

Ich werde mich künstlerisch mit einem Papier von Hernn Dr. Schnebel auseinandersetzen, dessen tabellarische Aufstellung „Lose Kopplung in organisationalen und gesellschaftlichen Handlungen“ heißt. Es geht um Kommunikationssysteme zwischen verschiedenen Welten. Vielleicht geht es in meinem Falle eher um Zeichen, die miteinander reagieren und zu Bildkompositionen werden.

HANG-GANG

Gespräch über die Zusammenhänge von Spiralform und unterschiedliche Geschwindigkeiten. Ich erzählte von den Zusammenhängen zwischen dem Spiralobjekt am Hang und der Einrichtung einer Struktur für die Mentorenstadt Frankfurt. Das Verhältnis des Objektes zu diesem Vorgang in der Stadt ist vielfältig. Letztlich aber wird die Verbindung nicht durch mein Nachdenken am Schreibtisch deutlich. Wichtig ist, was während der Arbeit im Wald passiert, und wie es auf die Stadt wirkt.

HANG-GANG

Das Spiralprinzip wird in mehrfacher Weise auch in den Sequenzen auf den Transparentpapierrollen angewandt. Auch im zweidimensionalen Bereich der Tagebuchzeichnungen tritt sie immer häufiger auf. Gewanderte Spiralen haben auch eine dreidimensionale Struktur. Man könnte sie mit Draht nachbilden.

Manchmal sitze ich im Cafe gegenüber und spiele mit dem Schreibtisch-Kontrapunkt Pingpong. Im September sollte ich ja einen Vortrag über meine Arbeit halten und würde dabei ganz gerne über das FRANKFURTER KRAFTFELD sprechen. Dabei habe ich das Gefühl, dass die Spiegelsituation zwischen Cafe und Arbeitsplatz eine besondere Herausforderung bildet. Ich habe darüber noch einiges nachzudenken: das Spiegelbild spiegeln, die spiralförmige Videorückkopplung, die Geschwindigkeit mit der das geschieht.

Verdichtung im Spiralraum

Gerade habe ich mich für eine Wanderung morgen Nachmittag verabredet. Ich werde das Navigationsgerät mitnehmen, damit wir die gelaufene Linie aufzeichnen können. Dasselbe tue ich dann auch am Donnerstag mit einer weiteren Teilnehmerin. Alle Linien will ich dann in einer Bilddatei bündeln und sie zur weiteren Bearbeitung bereitstellen. Kein Ziel, nur Neugier…

Die größeren und höher auflösenden Formate, aus denen ich nun die Archivbildstreifen zusammensetze, machen besonders auf der Website einen besseren Effekt und einen  qualitativen Sprung. Das war ein Vorschlag von Vinzenz! Eine Veränderung der Qualität der Transparentpapiersequenzen, wäre vielleicht auch über eine simple Vergrößerung des Formates zu erreichen.

Ich möchte es hinkriegen, dass ich bei den Führungen auch etwas mehr bauen kann, als bei den letzten Wanderungen, während derer ich Interessenten den Weg zeigte. Es reizt mich beispielsweise sehr, die Spiralarchitektur als Kommentar zur Struktur der Mentorenstadt weiter zu verdichten. Somit kann ich in dieser Phase das Projekt nur mit Kunst begleiten. Die Verdichtung des Spiralobjektes könnte ich jetzt schon zeichnerisch vorwegnehmen.

Die Spirale taucht als Thema immer mal auf. Vinzenz schickte ich meine im Park gelaufenen Spiralen und bat ihn um einen gewanderten Kommentar.

Stapelsequenz | Kontrapunktwanderungen

Beim Nachdenken über diese Transparentpapierzeichnung habe ich einen gewissen Erneuerungsdruck. Die Bootssequenz hatte ein eindeutiges Ziel, war auch ganz anders angelegt, nicht auf Verdichtung aus. Diese Sequenz begibt sich wieder ins Ungewisse und bildet aber vielleicht dadurch einen besonderen Nährboden für neue Erinnerungsbilder meiner Mitwanderinnen. Durch eine konzentrierte Verdichtung kann eine ganze Erinnerungsszenerie entstehen.

Der Handprint Berlin ist bislang etwas zersiedelt. Das kommt aber einer neueren Struktur entgegen. Die Wanderungslinien sind etwas dezentralisiert und müssen später zu einem Gebilde zusammenwachsen.

Vielleicht lassen sich kontrapunktische Wanderungen mit Vinzenz anfertigen. Ich würde gerne einen Wanderungsdialog mit ihm beginnen.

Elektrischer Kontrapunkt | Spiralstapel

Gestern zeichnete ich im Atelier noch mal mit den Linien des Stapels aus dem ich das Erinnerungsboot gewonnen habe. Ich begann mit zwei Takten einer Fuge auf Transparentpapier. Das Zeichnen hat sich gestern wieder deutlich mit der Musik verbunden. Ich hörte dabei „die Kunst der Fuge“ von Bach, „Different Trains“ und „Electric Counterpoint“ von Reich.

Ich las vorgestern einen Bericht über die Kompositionsarbeit an „18“ von Steve Reich. Die Übereinstimmungen der Vorgehensweisen mit meinen Rollbildern oder mehr noch bei meinen Transparentpapiersequenzen sind vorhanden und bestätigen mich auch in meinem Tun.

Es gibt im Wald bildnerische Kommentare zum Geschehen in der Stadt. Der Raum, den eine Skulptur im Wald einnimmt, die man durchschreiten und in dieser Weise körperlich spüren kann, an der ich unter verschiedenen Licht- und Wetterbedingungen immer weiter baue, hat seine Entsprechung im urbanen Raum. Der Spiralstapel beispielsweise lehnt sich an die Vorgänge beim Einrichten der Mentorenstadt Frankfurt an. Die Verbindung entstand erst nach der Arbeit an Ihm in meinem Kopf. Die Räume überlagern sich und werden auch durch die Erlebnisse mit meinen Begleitern in andere Gefilde transferiert.

In der kommenden Woche werde ich zwei Erinnerungsbilder hinzu bekommen, mit denen ich dann schon beginnen kann ein neues Geflecht zu produzieren.

Baumkreise | Spirale

Meine Gedanken kreisen noch um den Spiralstapel im Wald. In meiner Erinnerung schlang er sich gestern um einen Stamm einer einzelnen alten Fichte. Auf den Fotos muss ich nun erkennen, dass es drei kleinere Stämme sind. Mittlerweile stellte ich mir die Struktur so vor, dass sie sich wie eine geschlossene verfilzte Decke um den Stamm wickelt. Die Dichte der Äste, die als Auflage dienen, würde das ermöglichen. Nun aber, bei genauerer Erinnerung und beim Anschauen der Fotos, kann ich von einem noch kompakteren und tieferen Geflecht ausgehen, das auch Querhölzer aufnehmen kann. Nun könnte es allerdings sein, dass das Material in diesem Baumkreis, der eigentlich aus drei Baumkreisen, die sich überlagern besteht, dann knapp wird. Es spräche aber auch nichts dagegen, wenn ich mich aus den anderen benachbarten Kreisen bedienen würde. Die räumliche Nähe zu ihnen würde das leicht machen.

Dieses Vorhaben rückt nun auch endlich das Potential in den Mittelpunkt, das dieses Areal der alten Fichten mit ihren Baumkreisen in sich trägt. Schon seit einer Weile schleiche ich um diesen Platz herum und will ihm mehr Gewicht geben. Von sich selbst aus hat das Areal schon eine ganz andere Präsenz als die Umgebung. Aber gerade diese Auffälligkeit hat mich in letzter Zeit eher davon abgeschreckt, mich noch mit eigener Gestaltung daran zu machen, dieser ebenbürtig zu begegnen. Nur die Baumkreise und ein paar Steine in den Astgabeln scheinen mir aber mittlerweile zu wenig zu sein.

Beziehung von Waldräumen und Stadträumen

Das selbst gesteckte Ziel, dass am Hang von jeder Installation aus mindestens eine weitere in bequemer Sichtentfernung den Verlauf des Weges anzeigt, ist längst erreicht. Mittlerweile geht es darum, auf Schritt und Tritt kleinere Veränderungen zu zeigen. Diese zunehmende Dichte franst manchmal etwas nach den Seiten aus. Den kleinen Holzstapel, den ich als Vorlage für das Erinnerungsmorphing des schwebenden Bootes benutzt habe, fotografierte ich gestern noch mal aus verschiedenen Perspektiven. In sichträumlicher Nahe befinden sich die Steinsetzung von Hans Zitko und mein Kristallbergwerk SIEGFRIEDSGRAB.

Keiner dieser Orte, fällt mir nun auf, existiert unabhängig von Orten in der Stadt. Der Raum der Steinsetzung, des SIEGFRIEDSGRABS und des Erinnerungsbootes, wird von einer Linie beschrieben, die ich gerne in der Mainzer Landstrasse nachvollziehen will.

Unweit davon habe ich zwischen den Baumkreisen damit begonnen, in das dichte, dürre untere Geäst einer alten Fichte, einen neuen Stapel zu legen, der sich spiralförmig nach oben und nach unten ausbreitet und sich um den Stamm windet. Das hat nun eine neue Qualität. Zwar ist die Struktur immer noch widerborstig und wild, folg aber schon einem ziemlich komplexen Prinzip, das, wenn ich nicht aufpasse, in die Designfalle führt. Solange das Holz aber unbearbeitet in seiner verqueren Form und den unterschiedlichen Längen einen bedeutenden Anteil des Ganzen ausmacht, glaube ich davon verschont bleiben zu können.

Gleichzeitig war ich an dreidimensionales Zeichnen erinnert. An einer Stelle habe ich begonnen, die Linien weiter in den Raum zu bauen, indem ich benachbarte Astgabeln als Auflage für überbrückende Hölzer nutzte. Die Kontinuität in den Gesträuchen, die von der Hyperbelform der alten Fichtenäste dominiert sind, wird nun langsam durch andere Strukturen aufgelöst. Eine Formenvielfalt beginnt.

Erinnerungssequenz 01

Gestern Nachmittag nahm ich mir im Atelier die Zeit, um die erste Erinnerungsfigurensequenz zu zeichnen. Eine Erinnerung an die schwebenden Boote in einer Werft. Ich arbeitete in der Weise, wie ich es vorher schriftlich geklärt hatte. Dieses „manuelle Morphing“ funktioniert sehr gut. Diese Art zu zeichnen manifestierte sich schon früher in Zeichnungsserien, die sich mit Morphing beschäftigten. Aber vor meiner Beschäftigung mit den Möglichkeiten von Computern, zeichnete ich schon Serien, bei denen sich aufeinander folgende Blätter mit vorausgegangenen Motiven beschäftigten. Das ist eine immer wiederkehrende Arbeitsweise. Somit hat die Handzeichnung durch den Rechnereinsatz eine Bestätigung erfahren und später auch umgekehrt.

Nun könnte ich dieses Boot auf Stützen in ein Eigengesträuch verwickeln, indem ich es in bewährter Weise übereinander rollend  verdichte. Das führt aber nicht zum eigentlichen Ziel des Projektes. Als nächstes steht die Überlagerung und Verdichtung mit anderen Motiven auf dem Plan. Dafür muss ich weitere Teilnehmer für Hangwanderungen gewinnen, die ihrer Erinnerungsphantasie freien Lauf lassen.

Die Arbeit an der Bootssequenz verlief in umgekehrter Richtung, als die bisherigen Sequenzen. Die Verdichtung erfolgt durch eine Konzentration auf die Linien, die für die Darstellung des Gegenstandes benötigt werden. Durch die Beschaffenheit und den Rhythmus der Linien, fügt sich das entstandene Boot in das Astgeflecht ein.

Verwischen und Erinnern neu aufbauen

Walderinnerung wird täglich verwischt und wieder neu aufgebaut. Rückblickend ist die Energie, die ich in der kontinuierlichen Entwicklung meiner Arbeit aufgebaut habe in einem Kreis eingeschlossen. Ich bin versessen auf stetige Produktion, dass die Rückgriffe auf diese Kraft zu kurz kommen.

KRAFTFELD und WHERE… als Voraussetzung von FRANKFURTER KRAFTFELD

Gestern bearbeitete ich den Ausschnitt des Fotos vom Hang der oben abgebildet ist. Es ist eine der neuen Installationen, die ich zum Ausgangsmaterial für das erste Erinnerungsbild des FRANKFURTER KRAFTFELDES machen will. Zunächst reduzierte ich das Material auf die für mich brauchbaren Umrisslinien. In dieses Geflecht kann ich nun das Boot hinein projizieren, das von langen Stützen in der Schwebe gehalten werden soll. Diese Ausgangsfigur, die im Wald in der zweiten Hälfte des Weges steht, würde ich gerne in der Sequenz, in der ich sie mit einem manuellen Morphing zum schwebenden Boot verwandele, würde ich dann im Stadtraum wieder erstehen lassen. Sie soll in Augenhöhe um einen Laternenmast als Panorama eines sich verdichtenden und wieder auflösenden Rapports dieses Verwandlungsvorganges geklebt sein. Einige solcher Wegpunkte, die auf dem vom Wald in die Stadt projizierten Weg liegen. Würden genügen, um eine Brücke zu den Erinnerungsfiguren zu schlagen, die das Material für das Geflecht des FRANKFURTER KRAFTFELD Prozesses bilden.

Ich selber bin mir auch noch nicht ganz klar über die Ausstellung an der Mainzer Landstraße. Auf alle Fälle muss aber das große Relief KRAFTFELD eine Rolle spielen. Außerdem habe ich vor die Transparentpapierrolle zu „WHERE…“ insbesondere mit der Wegesequenz auszustellen. Diese Voraussetzungen erklären dann die anderen Motive und machen den ganzen Prozess deutlich.

Parklinien

Den Satellitenkontaktintervall des GPS-Navigationsgerätes habe ich auf einen Rhythmus von fünf Sekunden eingestellt. Jetzt werden die mit meinen Gängen gezeichneten Linien feiner. Vorher wurden nur bei Richtungsänderungen oder nach dreißig Sekunden Punkte gesetzt. Diesen neuen Modus habe ich gestern im neuen Park ausprobiert. Dort besteht ein perfekter Empfang und es bieten sich große Flächen zum Gehen von Figuren an. Die gestrige Figur besteht aus labyrinthischen Ornamenten. Sie kringeln sich verspielt in Spiralen und finden wieder heraus. Vielleicht ergeben sich noch mehr Gelegenheiten, auf der Parkfläche weitere verschiedene Figuren zu gehen. Gerne würde ich etwas vertrackter und aggressiver gehen, einem Gesträuch näher kommen.

Interessant wird es, wenn die jetzt gewanderten Linien mit altem Satellitenfotomaterial konfrontiert sind. Dann kreuzen sich die Schwünge mit den Gleisen des alten Güterbahnhofes und berühren die darauf stehenden Waggons. Interessanterweise ging ich am östlichen Ende des Parks eine gerade Linie genau parallel zum Verlauf der alten Eisenbrücke mit den Hohen Blechwänden, die vor dem Ruß der Lokomotiven schützen sollten. Ich dachte schon, dass die alten Gleisstrukturen oder solche einer viel älteren Landschaft beim freien Gehen auf dieser Fläche heute noch eine Rolle spielen könnten.

Erinnerungsbildgenerator

Zwei Hirschkühe flohen unweit des SIEGFRIED IDYYLS, nachdem sie lange hinter kleinen Fichten still lagen, unbemerkt und den Blicken verborgen. Dann sprangen sie auf und stoben in gestrecktem Galopp bis zum nächsten Dickicht. Das Aufspringen verursachte ein fast donnerndes Geräusch, nur kurz berührten die Hufe zwischen den weiten Sprüngen den weichen Boden. Spürbar war die nahe Angst, die in Geschwindigkeit umgesetzt wurde.

Mein Spiralgang am Ende des Weges am Westhang des kleinen Feldberges löst ziemlich starken Schwindel aus. Ich stehe dann einen Moment benommen in der Mitte des gekämmten Graskreises und bewege mich nicht, um nicht zu stürzen.

Ein zweiter Gang, gleich an einem darauf folgenden Tag hat mir gut getan. Besonders verbunden fühle ich mich derzeit mit den kleinen sorgfältig gebauten Stapeln. Sie grüßen mich aus ihrem ebenbürtigen Maß auf Augenhöhe. Zur Seite und nach unten hin sind sie solide von Stangen, die auf dem Boden stehen im Geflecht lehnen und mit eingeflochten sind, abgestützt. Aus der Umrisszeichnung einer solchen Figur würde ich gerne die Zeichnung einer ersten Erinnerungsfigur von Maj entwickeln. Ein über dem Grund gestütztes, schwebendes Boot.

Die Methode, ein solches Motiv zu entwickeln, könnte mit der Transparentpapier–Sequenzen–Technik gelingen. Ich würde die Umrisszeichnung der Waldfigur langsam in das Erinnerungsbild umwandeln – ein manuelles Morphing

Gestern druckte ich die Linie aus, die Maj Vorgestern am Hang gelaufen war. Ihre Zeichnung ist von der meinen sehr verschieden, viel ausufernder, verschlungener und verspielter. Mein Gang ist dagegen schnell, streng und geradlinig. Wenn ich zur zeichnerischen Suche nach den Umrissbildern auch noch die gelaufenen Linien mit hinzunehme, ergibt sich eine weitere Ebene, nämlich die der geografischen Zugehörigkeit der entstehenden Erinnerung. Es kann aber sein, dass diese Ebene nicht zur Klärung des Ganzen beiträgt. Vielleicht sind die unterschiedlichen Wanderungslinien eine gesondertes Thema.

Umrissbilder für FRANKFURTER KRAFTFELD

Im Atelier begann ich gestern eine klassische Erinnerungssequenz zu zeichnen. Als ich vor etwa zweieinhalb Jahren begann, mit den Tools von „Syncronus Objects“ zu experimentieren, arbeitete ich mit einer Videoaufnahme, die ich aus einem Fahrenden Zug zwischen Kolkata und Varanasi gemacht hatte. Drei verwischte Aufnahmen arbeitete ich zu Strichzeichnungen um, die zu abstrakten Umrisszeichnungen wurden. Ein Detail des Triptychons übernahm ich dann gestern auf ein neues Transparentpapier und begann es während des Zusammenrollens mehrmals übereinander zu zeichnen. Ich umzeichnete das Motiv mit einer Linie, sodass es einen etwas zerfransten Umriss ergab. Während dessen las ich einen Text über „18“ von Steve Reich. Seine Kompositionsprinzipien finden in den Figurensequenzen und in der Kombination von Erinnerungsbildern Eingang.

Meiner Bitte, mir ein durch den Gang inspiriertes Erinnerungsbild zur Verfügung zu stellen, kam Maj gestern während eines Gangs am Hang prompt nach. Die Dinge und Bauten in den Bäumen, an Stellen, wo sie eigentlich nicht hingehören erinnerten sie an die Werft ihrer Eltern. Dort waren die Bootskörper aufgehängt, oder mit Balken abgestützt an Land, in der Luft schwebend.

Dieser von Stützen getragene Bootskörper könnte das erste Erinnerungsbild für das Frankfurter Kraftfeld werden.

Ich denke darüber nach, auf der Mainzer zunächst das Kraftfeldrelief von Zweitausendzehn vollständig als Voraussetzung für die Folgearbeit auszustellen. Es bildet einen Höhepunkt in meiner bisherigen Arbeit.

Kristallwuchs | Architektur | Bewegungsrichtung

Geräusche des Luftsichelns – Schwirrhölzer – Fragmentierung der umherfliegenden Erinnerungsworte. Zurück auf dem Waldboden folgt der Fuß den Versuchungen des weichen Fichtennadelbelages, „der den Füßen entgegen zu kommen scheint“. Dort, wo unter dünner Decke Steine aneinander reiben, was sich durch die Knochen dem Hirn oder dem Hirnkörper mitteilt, grabe ich nach. Gestern zog ich einen rechteckigen Brocken heraus, der an einer Kristallader gebrochen aus der dunklen Erde leuchtete. KRISTALLWALD. Die durchsichtig, wie geschliffen gewachsenen Kuben verheißen Schätze architektonischer Ordnung, spannungsvoll und gläsern, wie in der Stadt.

Bei angenehm kühlem Wetter bin ich gestern den Hang hinaufgestiegen und hinabgewandert. Eine der angelehnten Figuren war ganz umgestürzt und wurde von mir neu und stabiler wieder aufgerichtet. Ansonsten stand mir der Sinn nach kleineren kompakten gestapelten Bauten, die sich auf die kreisförmig herausstehenden Äste der Baumstämme legten. Kleine Rundbauten, sorgfältig geschichtet und leicht teilweise vom Boden her leicht abgestützt.

Öfter kommt mir der Gedanke, am Hang etwas Neues zu beginnen. Manchmal begebe ich mich etwas abseits vom Pfad und bemerke sofort die Materialfülle, muss dabei zugleich an das Gespräch mit Herrn Schnebel denken. Dann begegne ich sofort im Gegensatz zur vorausgegangenen Einengung, herausfordernden Situationen. Erst jetzt kommt mir der Gedanke, dass der Pfad wie ein selbst gewähltes Gefängnis funktionierte, obwohl ich die ganze Zeit die Freiheit und weite des Waldraumes behauptete. Auch das Materialangebot zieht mich weg vom Weg, und der Seitenraum im rechten Winkel zur sonstigen Richtung beginn eine wesentliche Rolle zu spielen.

Die Seitenkanten der Kristalle aus den Schichten der Steine erinnern mich sofort an die letzten gewanderten Linien in Berlin. Es würde sich wahrscheinlich lohnen, eine neue GPS – Kartierung mit allen Windungen und Räumen des Weges anzufertigen, um die Beziehungen der Kristallkanten, der GPS – Kartierung und der Stadtstruktur in Augenschein nehmen zu können.

Taunus | Mumbai | Norman Foster Tower

Im Atelier habe ich gestern eine neue Transparentpapierrollensequenz begonnen. In ihr habe ich die Umzeichnung eines Stücks Holzgeflecht vom Hang am Kleinen Feldberg mit dem letzten Handprint aus Mumbai verbunden. Das begann ich weil ich die Figurensequenz Nummer Dreizehn zu Hause liegen gelassen hatte.

Am frühen Abend traf ich mich mit Eberhard Schnebel im Norman Foster Tower der Commerzbank. Wenn man das imposante Foyer durchschritten hat und mit einem der Schnellen Aufzüge an einer der Außenecken über die Stadt katapultiert wurde, ernüchtert das funktionale Innere des Baus. Die Gärten in den verschiedenen Etagen sind originell, aber das Großartigste sind die Ausblicke auf die Stadt und das Umland. In dieser Atmosphäre gelang uns ein erster Meinungsaustausch zum Thema Kunst und Management. Aus der Nüchternheit der Geldmaschine werden wir das Gespräch nun erst einmal in mein Atelier tragen. In diesem Spannungsfeld, das programmatisch werden kann, sollen die Gedanken weiter gedeihen.

Fortführung des GPS-Dialogs

Den Grenzgang mit Vinzenz habe ich gestern zu einer großen zusammenhängenden Kartierung zusammengestellt. Mit den stark vergrößerten GPS-Linien kann man nun etwas mehr anfangen, sie beispielsweise auf Transparentpapier durchzeichnen und sie so zum Ausgangsmaterial für Sequenzen und so weiter benutzen.

Öfter weichen meine Texte von den Inhalten der Abbildungsstreifen ab. Ich entdecke das als ein weiteres Mittel, gleichzeitig auftretende Arbeitsweisen zu dokumentieren.

Gestern zeichnete ich an der dreizehnten Figurensequenz weiter. Wie sinnvoll es ist, einen Teil davon mit der Grenzwanderung zu kombinieren, zu überlagern, ist nicht zu überlegen, sondern nur auszuprobieren, also mit der Tuschefeder rauszukriegen.

Ich will auch noch die anderen Aufzeichnungen des GPS-Gerätes an Vinzenz schicken. Vielleicht kann er mit den Zahlenkolonnen etwas anfangen. Die Palast-Schlosswanderung bekommt er auch. Er hatte ja auch die Idee aus den Daten eine dreidimensionale Arbeit herzustellen. Das wäre mit Draht möglich. Die Hauptsache ist, dass unsere Arbeit auch bei ihm weitergeht, dass er die Möglichkeiten des Mittels auch für sich nutzen kann. Nicht zu unterschätzen ist das Aufrufen von Gefühlen durch die Erinnerung mit den gegangenen Linien. Ein GPS-Dialog zwischen Äthiopien und hier könnte aufgespannt werden.

Choreografische Auslöser und Verstärker | Ostgang von Vinzenz

Vinzenz auf der Ostseite unseres dialogischen Ganges. Daneben Teile seines Parts.

Im Zusammenhang mit den Kartierungen fallen mir immer wieder die Figurenbeziehungen im „Ring des Nibelungen“ ein. In irgendeiner Weise haben die Bewegungen auf der Bühne mit denen zutun, die zu meinen Wanderungsfiguren führen. Die choreografischen Varianten, wie abruptes Stehen bleiben, weiche Bögen beschreiben, rhythmisch Zickzack laufen und rückwärts, seitwärts oder stur geradeaus laufen, lösen Emotionen aus, oder verstärken die, die die Bewegung ausgelöst haben.

Interessant wäre ein Gespräch mit Tänzern darüber.

Raum zwischen zwei Fluchtunneln | Grenzgang

Während der Archivarbeit gestern, als ich die zwölf Tagebuchzeichnungen, die ich in Berlin gemacht hatte scannte, begann ich mit den Grenzganglinien zu arbeiten, die ich mit Vinzenz gelaufen bin. Zunächst übertrug ich sie in Google Earth, um sie besser vergrößern zu können. Dann schnitt ich die Karte mit den Linien frei aus, womit ein collagenartiger Charakter das übernahm, was ich gestern mit skulptural meinte. Nun muss ich die dreizehn Einzelteile noch zusammenfügen, um eine brauchbare Vorlage für die Durchzeichnung auf einen großen Transparentpapierbogen zu bekommen. Die ganzen Windungen und Wendungen unserer Gänge sind tatsächlich nur in starker Vergrößerung zu erkennen.

Handprint Berlin

Beim Anschauen der Linien des Grenzgangs von Vinzenz und mir habe ich einen Skulpturalen Eindruck. Mir ist, als müsse ich mit dieser Figur mehr machen als die Kontinuität der Transparentpapierumdrehungen fortzusetzen. Es gäbe natürlich eine Menge Möglichkeiten, sie beispielsweise farbig zu behandeln, sie mit einem dunklen Hintergrund zu versehen und dann eine dreidimensionale Datei daraus zu machen.

Und plötzlich beginne ich mich auch von der Starrheit des Handprints zu verabschieden. Ich will neue Möglichkeiten entdecken. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, eine Handlinie in der Stadt zu laufen, die aber nicht von Wanderungen ausgefüllt wird, sondern von solchen umgeben ist. Die Handlinie ist dann nur eine Erinnerung an das Eingesperrtsein zwischen Grenzen. Somit bekommt der Berlin-Handprint seine eigene Wendung. Schon länger hatte ich mit der alten Konzeption für Berlin gehadert, denn das ist eine Stadt mit einer anderen Geschichte für mich. Und die schlüssige Veränderung der Vorgehensweise ist nun vielleicht gefunden. Das ist das Ergebnis der Berlinreise.

Dialogisches Gehen als Kommentar

Die Linien, die ich ging, bezogen sich auf die, die Vinzenz vorher gegangen war. Dadurch entstand ein dialogisches Zeichnen, während dem die eigenen Linien Kommentare zu denen des anderen waren. Ich werde das zu Hause genauer untersuchen können.

Neben dem Dom auf der anderen Straßenseite steht nun ein Stück Beispielarchitektur, das die Fassade des zukünftig neu aufgebauten Schlosses. Das ist eine gediegene Steinmetzarbeit, die in ihrer künftigen Zusammenstellung das Gesprengte Schloss ersetzen soll.

Unser Kommentar dazu war die nochmalige Durchmessung des noch freien Palastareals. In weiten Schwüngen und großen geraden Linien belegten wir noch einmal dieses Stück öffentlichen Raum. Die Betonstützwände, die das Areal zu den Straßen hin abgrenzen waren beklebt mit Antischlossparolen.

Vor einiger Zeit habe ich ja schon einmal eine Figur an selber Stelle gezeichnet. Nun stelle ich fest, dass diese Zeichnungen als Kommentare auf ihre Umgebung immer ruppiger werden. Auch die Bewegungen werden absichtsvoll eckiger oder kleinteiliger. Freie Figuren bekommen dadurch mehr Spannung.

Friedhöfe und Hinterlandsmauern | Grenzdurchbrüche

Gestern war ich mit Vinzenz unterwegs in der Stadt. Wir hatten verabredet, gemeinsam eine Stadtwanderung  zu unternehmen. Ich schlug ihm vor, an seiner eigenen fünftägigen Stadtwanderung anzuknüpfen, die er vor ein paar Wochen mit seinem Künstlerpartner unternommen hat. Wir suchten in der Universität auf der Kartierung des Projektes nach dem Punkt, an dem sie die ehemalige Grenze überschritten hatten. Diesen Punkt trugen wir dann in meine Berlinkarte ein und fuhren dann los, um die Stelle zu suchen.

Die Situation stellte sich so dar, dass der Übergang über die Grenze eine kleine Fußgängerbrücke war,  die über einen Arm des Landwehrkanals führte. Somit gelangte durch den Kontrast von Enge auf der Brücke und den zwei Geländen auf den beiden Seiten des Ufers schon eine gewisse Spannung in die Arbeit. Wir teilten uns so auf, dass er den Ostteil und ich den Westteil übernahm. Auf der Mitte der Brücke war dann jeweils die Übergabe des GPS-Gerätes.  Die Figuren habe ich nun noch nicht auf den Rechner übertragen, aber ich bin schon sehr gespannt.

Ihre Spannung bezog die gegangene Zeichnung aus der Verengung in der Mitte, durch die enge Brücr, dessen Düseneffekt zu einer zwischenzeitlichen Beschleunigung führte.

Mauerstreifen in Berlin

Wie geplant fuhr ich zum Mauerstreifen in der Bernauer Straße und besah mir die Situation. Das Sichtlinienkonzept ging deswegen nicht auf, weil am Ende überall auf dem Todesstreifen vollständige Sicht und somit ein Schussfeld vorhanden war, das keine Hindernisse kannte. Es gab keine uneinsehbaren toten Winkel mehr, und war deswegen der Idealzustand der Gesamtorganisation des damaligen Staates.

Ein anderes geografisches Element stellen die Nachzeichnungen der Fluchttunnel dar. Die Räume zwischen den Tunneln habe ich langsam kartiert, mit meinen schritten ausgemessen. Die Spannung zwischen ihnen und dem Stasitunnel, der selbst von den Grenzsoldaten geheim gehalten werden sollte, versuchte  ich im Gehen zeichnend zu zeigen. Die Gedanken währenddessen kreisten um das Nähen. Die Punkte, an denen die Linien verankert sind, die gleichzeitig Wendepunkte des Gehens sind oder Scharniere in verschiedenen Winkeln bilden, wären beim Nähen die Einstichpunkte der Nähnadel. Es wäre also nicht verkehrt, diese Wege einmal zu nähen.

Und dann bekam ich Lust auf ständige Grenzdurchbrüche, auf kontinuierliches Wechseln der Seiten. Und im weiteren Nachdenken hatte ich das Gefühl, die Stadtteile durch diese Bewegungen wieder zu verbinden, die zerschnittene Tischdecke auf diese Weise zu vernähen.

Außerdem interessierten mich die Friedhöfe, deren Gräberfelder entweder an die Grenze stießen oder wegen der Einrichtung des Todesstreifens umgebettet worden sind. Während der Betrachtung dieser Räume fielen mir öfter Stellen von Massenbestattungen auf. Dort lagen Menschen in Massengräbern, die oft zusammen in einem Gebäude vor Fliegerangriffen Schutz suchten, und von den getroffenen Häusern verschüttet und getötet worden sind. Eigenartig verschachtelt sind dann noch die Grabstätten der unterschiedlichen Gemeinden wie St. Hedwigsgemeinde, Französische Gemeinde und Berliner Domgemeinde. Die Friedhofsmauern gingen über in die Hinterlandmauern und ergaben in den Abgrenzungen untereinander eigenartige Labyrinthe.

Eingriffe | Besitzansprüche

Immer gewisser wird mir, dass eine Arbeit, wie „Siegfried Idyll“ im Wald eine weitere emotionale Schicht beisteuern kann. Die Rezipierbarkeit des Stoffes erscheint mir sogar erheblich erweitert. Der sommerlich wuchernde Wald ist wie geschaffen für eine weitere mythologische Schicht, die gleichzeitig auf die Tiefe des geschichtlichen Zusammenhangs deuten kann und die Einflüsse der Geschichten auf unsere Urteilskraft.

Es ist mir außerordentlich unangenehm, meinen Wald alleine zu lassen, den Weg und seine Wächter nicht pflegen und behüten zu können. Vielleicht ist es mir aber dadurch eher möglich, die Arbeit nach Berlin zu verlängern, sie dort unter anderen Vorzeichen fortzusetzen. Es entsteht der Impuls, in den Stadtraum einzugreifen, mit kleineren Veränderungen winzige Besitzansprüche geltend zu machen.

Tote Räume auffüllen

Aufgewacht bin ich mit den SIEGFRIED IDYLL- Klängen im Kopf. Manchmal dachte ich daran, den Weg bis zur so bezeichneten Stelle zu verlängern. Dann aber scheue ich den erhöhten Arbeitsaufwand. Ich merke, dass ich mit der derzeitigen Länge genug zutun habe. Ich möchte diesen Bereich ja auch noch weiter verdichten. Diese Intensivierung und Steigerung der Anzahl der Installationen hat eine Verknappung des Baumaterials nahe des Pfades zur Folge. Dieser Umstand könnte zu einer Verbreiterung des Raumes führen, wenn ich keine längeren Transportwege in die unmittelbare Nähe der bisher begangenen Linie inkauf nehmen will.

Die Kartierung der Sicht- und Schussfelder am kommenden Dienstag und Mittwoch in Berlin entspricht einer verdichteten Erinnerung. Wieder verläuft die Bewegung in diesen Räumen kontrapunktisch. Jeder tote Raum, der durch Absperrungen und Schusswaffenbedrohungen mit einer nur minimalen Choreografie der Posten entleert wurde, zieht nun eine besondere Dichte an Bewegungen von Neugierigen und Erinnerung suchenden nach sich. Die dichte Leere des Todesstreifens will ich nun gerne mit einer sichtbaren Wegebündelung meiner GPS-Wanderungen auffüllen.

Bei meinem vergangenen Besuch der Stadt waren die „verwaisten“ Friedhöfe in direkter Nähe der ehemaligen Grenzanlagen, teilweise von Leichen entleert, die spannendsten Räume. Die Intensität der Wanderung am Holocaustmahnmal würde ich gerne am ehemaligen Todesstreifen wieder erreichen. Nicht weit entfernt leuchtet die Idee von kleineren Eingriffen in die Stadtlandschaft auf.

Figurensequenz | SIEGFRIED IDYLL | Grenzüberschreitung

Während eines kleinen Gewitterregens habe ich am Ateliertisch eine Arbeit fortgesetzt, die ich schon vor ein paar Monaten begonnen hatte. Es  handelt sich dabei um eine Figurensequenz zweier zerklüfteter Gestalten, die vor vielleicht fünf, sechs Jahren auf einer der großen Transparentpapierrollen entstanden sind. Ich generierte sie damals aus den Tagebuchzeichnungen die noch gegenständlich waren, mit Figurenfragmenten und Gegenständen spielten. Eines ging ins Andere über. Auf Transparentpapier veränderte sich das Ganze natürlich, Umrisse mussten gefunden werden wo sich die Zeichnungen eher im Unbestimmten verloren. So entstanden größere Gruppen von Figuren, von denen ich einige dann für einen Workshop einzeln herauszeichnete. Sie dienten mir in den letzten Monaten als Material für die Figurensequenzen.

Ich bin erstaunt, wie sicher ich Siegfried Idyll im Wald identifiziert hatte. Nachdem ich nun drei Viertel des „Rings“ gesehen habe, kommt mir die Bezeichnung des Ortes noch richtiger vor. Die Bühnenhandlung, von der ich nicht viel wusste, nur das Orchesterstück gehört hatte, bestätigt meine Interpretation der Musik. Sowohl das Naive, Heldenhafte als auch der erotische Aspekt des Beischlafes mit Brünhilde trifft im Wald auf eine Weiterführung des Gedankens. Sein gewaltsamer Tod, als auch die erotische Verbindung finden im Graben den der Tornado-Kampfjet in die Flanke des Kleinen Feldberges geschlagen hat ihre Entsprechung. Morgen Abend schließt sich der Ring mit der „Götterdämmerung“. Ich muss mir noch mal das Ringmotiv im Zusammenhang mit meinen Rollbildern genauer vor Augen führen. Wiederholungen mit leichten Veränderungen und zunehmender Verdichtung.

Die Räume verschiedener Arbeitsbereiche fangen an in meinem Kopf zu korrespondieren. Am ehesten verbinden sich der ehemalige Mauerstreifen in Berlin und der Hang emotional miteinander, indem sie im direkten Kontrapunkt stehen. Am Hang kann ich mich flexibel ausweiten und den Weg beliebig vergrößern. Der Mauerstreifen ruft gegenteilige Wirkungen hervor. Er erinnert mich an meine Ohnmacht. Immerhin aber trotzte ich dem Grenzregime, dem ich mich ihm als Soldat entzog. Der Palast der Republik, zu dessen Bau ich anstatt an die Grenze abkommandiert wurde, symbolisiert somit für mich den Beginn meiner Grenzüberschreitung.

RING | Rolle | SIEGFRIEDIDYLL

Man könnte diese „Archivarbeit“ mit der an den Transparentpapiersequenzen vergleichen. In der Rückschau begegnen mir Ideen, die ich „durchzeichnend“ wieder neu einfügen kann. Weniger hat es mit den Kurzen Sequenzen, als mit den fünfzig Meter langen Rollen zutun.

SIEGFRIEIDYLL scheint mir nach dem Anschauen von drei Vierteln des „Rings“ in der Frankfurter Oper noch zuteffender als Ortsbezeichnung für die Absturzstelle des Tornados im Wald des Kleinen Feldberges.

Neue Waldstrukturen

Im grellen Licht, zwischen den starken Kontrasten zwischen Schatten und Licht, fiel es mir schwerer, mich gestaltend zu orientieren.

Nach den Regengüssen der letzten Tage, war das hohe Gras schon im Wind getrocknet. Aber direkt unter der Oberfläche ist der tiefe Boden noch feucht, atmet noch Winter aus. Das merke ich besonders, wenn ich in meinem Kristallgraben hocke, um weiter zu graben.

Ich muss erkennen, dass die Brocken die ich zutage fördere denen, die manchmal obenauf auf der Fichtennadeldecke liegen, ganz ähnlich sind. Es ist also weniger das Graben nach Schätzen, was mich antreibt. Eher geht es um ein langsam am Boden entstehendes Zeichen, um den längeren Prozess, der diesmal zu einem Ergebnis führen wird, das vielleicht von längerer Dauer sein wird, als die Holzgestelle und Geflechte, die den Park bevölkern. Sie bekommen schon überhand nehmende Diagonalstrukturen, die von einiger Instabilität zeugen. Diese Zustände sind aber sehr interessant, weil dynamisch.

Öfter sind die Biegungen der Äste nun in sich gekehrt, weisen einander die konkaven Seiten ihrer Bögen zu. Das ist ein neues Gestaltungsmittel, das ich nun langsam weiterentwickeln werde. Vorerst stellt es noch keine stabilisierenden Strukturen.

Im hochwachsenden Gras sind die Holzkonstruktionen, geschweige denn die Bodenskulpturen von den Forstwegen aus immer schwerer erkennbar. Im Verhältnis zu meiner sonstigen Arbeit ist dieser Weg sehr groß dimensioniert. Im Verhältnis zum Wald ist er verschwindend klein.

Waldraum | Management

Morgen gibt es ein Gespräch über Kunst und Management in der Commerzbank im Turm von Norman Foster.  Ein paar Gedankendazu habe ich gestern von der Bankseite aus bekommen. Interessant ist die Tatsache, dass sich zeichnend manche Gedanken erst entwickeln. Eher geht es um diese Methoden, neue Herangehensweisen aufzudecken. Dieses Einüben von Denkmethoden kann durch Workshops in den Arbeitsrhythmus eingebracht werden. Indem diesen Vorgängen Raum gegeben wird, kann man Konzentration und Entspannung verbinden. Ich denke beispielsweise an das Zeichnen eines Labyrinths auf Transparentpapier, das sich mit der Rollmethode überlagern lässt. Daraus dann neue Figuren zu generieren, wäre der nächste Schritt. Dieser Konkretionen bedarf es, um den Nutzen der Methoden klarer werden zu lassen. Spielerisch im Kleinen zu beginnen neue Wege zu gehen, deren Nutzen nicht sofort auf der Hand liegt, das ist  zu vermitteln.

Ring | Wald | Kontrapunkt

Tatsächlich ist es so, als schlössen sich die Räume der Waldinstallationen mit dem Gesträuch der Beziehungen in „ Der Ring des Nibelungen“ zusammen, den ich gerade in der Frankfurter Oper sehe. Beim Betrachten der tragischen Wotanfigur, denke ich sie mir einerseits zwischen den Figuren am Hang, oder innerhalb der Beziehungslinien des Counterpoint Tools von Syncronus Objects. Der Pfad, den sie nicht verlassen kann steht voller Geflechte, deren Beziehungen zueinander seinen Raum definieren. Zwischen alle dem Holz ist sie irgendwann eingewoben und kann bewegungslos nur noch auf das eigenes Ende sinnen.

KRISTALLWALD | SYNAPTISCHE KARTIERUNGEN

Gestern zeichnete ich doch an der Kristallsequenz weiter, saß dabei wie gewohnt in meinem Tor und konnte das Treiben an mir vorüberziehen lassen. Mehrmals wechselte ich zum Schriftmotiv KRISTALLWALD und war oft nahe dran, mit der Struktur der SYNAPTISCHEN KARTIERUNGEN in das Bildgeschehen einzuwirken. Könnte sein, dass sich das unebene Papier dabei etwas störrisch verhält.

Schriftsequenz

In einem Zustand der Kristallsequenz, in der noch viele Strukturen offen zutage treten, eine flächige Verdichtung erst auf etwas fünfundzwanzig Prozent der umrissenen Fläche einsetzt, habe ich die Arbeit daran aus zwei Gründen unterbrochen. Erstens stellte sich ein Gefühl von Überdruss ein, das durchaus mit dem von Überflüssigkeit zutun hat. Außerdem wollte ich den derzeitigen Zustand der Zeichnung festhalten, also scannen, wenn nicht die Arbeit daran abbrechen, um die Sequenz unvollendet zu lassen.

Als folgende habe ich mit einer Schriftsequenz begonnen, den Überlagerungssequenzen ein neues Element hinzuzufügen. In meiner zittrigen Schulschrift aus der fünften Klasse schrieb ich das Wort KRISTALLWALD auf den Streifen. Diesmal zeichnete ich die Überlagerungen weniger akribisch in einem eher emotionalen rhythmischen Strich. Das Beharren auf einer Weise Waldinstallationen zu bauen, Transparentpapierzeichnungen oder Tagebuchzeichnungen zu zeichnen wird regelmäßig infrage gestellt. Manche dieser Kontinuitäten halten viele Jahre an, verschwinden dann oder pausieren, um dann später wieder aufgenommen werden zu können. KRISTALLWALD ist vielleicht eine Zäsur, die auf Transparentpapier und im Wald stattfindet. Oder es ist einfach eine Erweiterung.

WESENTLICH

Statt Mittwochnachmittag war ich gestern Donnerstagvormittag im Wald. Wolken hingen in den Fichtenhängen, das Licht neutral verteilend, so dass man kaum feststellen konnte um welche der hellen Tageszeiten es sich handelte. Dieses Fehlen einer Koordinate steigert den Grad der Orientierungslosigkeit in der genau richtigen Weise. Alles scheint objektiver in einer zurückhaltenden Lichtstimmung. Mich erinnert die Stimmung an den Anfang des Handkestückes, oder mir fällt diese Stimmung in dieser Weise wegen des Textes erst auf, ich habe ein Vergleichsbild. Das Unwissen um die Zeit und den Ort, auch ein Fichtenhang ist zunächst auswechselbar, eröffnet die Chance auf mehr Konzentration auf DAS WESENTLICHE.

Ich beobachtete die Reaktionen von Wanderern, die meinen Pfad auf den Forstwegen kreuzten, beobachtete sie in dem sehr kurzen Zeitraum in dem sie die Möglichkeit haben die Bauten und ihre Massierung zu sehen. Meistens bekommen sie es nicht mit, weil sie auf den Weg vor sich schauen, sich unterhalten oder weniger seitwärts in die Tiefe der Fichtenkathedralen schauen.

In Siegfrieds Grab finde ich nun immer mehr Kristalle. Der reichliche regen wäscht mir die obenauf liegenden Steine, wodurch die glitzernden Strukturen sichtbar werden. Aus einem Stamm, der schon länger modernd am Boden liegt, brach ich ein paar Äste in der weise heraus, dass ich an ihrem Ansatz ein Stück des morschen Stammes mit heraus brach. Diese Stäbe mit Knäufen steckte ich mit ihrem dünnen Ende in den weichen Boden und gruppierte sie so zu einer rhythmischen Reihe. Eine andere Möglichkeit, die eine weitere Formenvielfalt erlaubt probierte ich, indem ich die gebogenen, nackten Fichtenäste mit der konkaven Seite ihrer Biegung zueinander stellte. So entsteht ein in sich gekehrtes Bild.

Der Pfad franst manchmal etwas unklar aus. Die allgemeine Richtung bleibt durch die Bauten, die unübersehbare Wegzeichen bleiben, nur vor den Füßen weiß man nicht so recht wohin sich zu wenden ist.

Am Nachmittag schrieb ich in meinem Ateliertor das Handkestück erinnernd. KRISTALLWALD – heute Abend beginnt der „Ring“.

Kristallstadtwege

Bevor ich gestern zum Festival der neuen Europäischen Stücke fuhr, war ich noch im Atelier, um die Kristallsequenz weiter zu führen. Die Struktur und dichte der Linien erinnert mich an die Handprintwanderungen, anderen Abbildung in Tuschezeichnungen auf Transparentpapier. Indem ich die Wege erinnere, habe ich das Gefühl, mich zu wiederholen.

Ein schönes Bild für den Verlauf des langen Zeitraums, den das Bühnenstück Handkes  umfängt, ist das ständige Rieseln von grünen Flocken, deren Herkunft nicht ganz klar ist. Langsam bedeckten sie den Boden und  bildeten eine wachsende Schicht, in der Spuren hinterlassen worden sind, die immer wieder durch das weitere Rieseln wieder verschwanden.

Kristallsequenz | Inbesitznahme

Das sind ein Ausschnitte der Kristallsequenz und Tagebuchzeichnungsfragmente.

Gestern dachte ich über einen Timecode nach, der sich an den Tagebuchzeichnungen und ihren Entstehungstagen entlang bewegt. Das könnte eine Grundstruktur für das dreiteilige Schaufenster in der Mainzer Landstraße bilden, das ich im September gestalten werde. Wenn ich das allerdings täglich bearbeiten wollte, würde mich das etwas überfordern. Die Thematik des täglichen Dokumentationsarchivs, das sich zum Werk hin entwickelt, kann ich auch in Dreitagesschritten zeigen, indem ich die drei Tafeln alle drei Tage weiter nach Links verrücke und die, die am weitesten Links steht wieder am rechten Beginn neu gestaltet platziere. So wären immer neun Tage präsent. Die einzelnen Tafeln können sich mit den Schichten der Gestaltungen, die vor sechs Tagen darauf gelangt sind, teilweise überlagern. Somit kommt es zur Durchlässigkeit des kontinuierlichen Arbeitsprozesses.

Endlossequenzen in Panoramaabbildungen festgehalten, würde ich gerne an den aus dem Taunus transferierten Wegpunkten präsentieren. Sie sind Markierungen meiner Inbesitznahme.

Laufen | Erinnern

Passend zur Arbeit mit den Erinnerungsbildern war ich auf einer Reise in die eigenen Erinnerungen.

Erinnerungsorte in Waltershausen: Markt, Burgberg, Schloss Tenneberg, Kräuterwiese, Herrenweg, der Teich, aus dem ich meinen Bruder zog, damit er nicht ertrinkt, Erdfall, Försterwiese und wieder hin zur großen Kräuterwiese. An ihr liefen wir längs entlang, vorbei am Samtenen Ärmel bis zur Perlenkette von Fischteichen an dessen unterstem immer noch die Gaststätte Bellevue geöffnet hat.

Raumstation

Gestern im Sternenhimmel, der bis zum Horizont reichte zog die Internationale Raumstation an den Himmelskörpern ruhig und schnell vorbei. Die sanfte Bewegung eines leuchtenden Punktes.

Kristallsequenz

Auf meinem Zeichentisch im Atelier liegt die neu begonnene Kristallsequenz. Die Struktur des ausgegrabenen Steines ist in sich schon beim ersten Durchzeichnen sehr dicht geworden. Somit wird sich das Liniengeflecht bei rollender Weiterarbeit recht schnell zusetzen.

Mikro- und Makrokartierungen

Im Atelier habe ich begonnen eine Kristallsequenz zu zeichnen. Ich scannte den Stein und bearbeitete dann das Bild in der Weise, wie ich mir das gestern vorgenommen hatte. Dann legte ich die Konturenabbildung unter das Transparentpapier und begann zu zeichnen. Schon bald gingen mir die verschiedenen Wanderungen durch den Kopf, die ich in Frankfurt, Wien, Berlin, im Wald und in Indien unternommen hatte. Meine Vermutung der Zusammenhänge zwischen dieser Mikrokartierung und den großen GPS-Kartierungen, ist also nicht aus der Luft gegriffen.

Stadt-Kristall-Kartierungen

Vor mir liegt ein Kristall den ich in der Steingrube gefunden habe. Quer zu ihrer Längsausdehnung sind die tektonischen Flächen etwas geriffelt. Im Kontrast zu diesen klaren Flächen stehen kleinere kristalline Partikel, die aus den Ecken heraus funkeln. Ich bearbeite diese Strukturen mit Bildbearbeitungsprogrammen und werde sie dann auf Transparentpapier zeichnen, vielleicht Sequenzen damit herstellen. Diese gezeichneten Minimalkartierungen kann ich dann mir den Großen GPS-Kartierungen zusammenbringen.

Kristall

Während ich gestern Nachmittag am Hang arbeitete regnete es die ganze Zeit. Die Steine, die ich oben auf den Wall gelegt habe, der meine Grube umfängt, waren vom Mutterboden ganz rein gewaschen. Ausschau haltend auf solche Exemplare, die ich mit in die Stadt nehmen könnte, fand ich einen schönen Kristall. Fast scheint es, ein Schatz läge vergraben, und ich sei Derjenige, der auf ihn stieß. So entsteht ein Geschichtenwald, in dem immer neue Erzählungen zur Welt kommen. Die Intention der Einzelführungen ist es, diesen Erzählungen Figuren zuzuschreiben, zuzeichnen. Ob die Erinnerungen mit Kristallen oder Geflechten zutun haben oder von ihnen ausgelöst werden, wird sich zeigen.

Manche meiner aufgeschichteten, angelehnten und verflochtenen Figuren sind nun schon ein Jahr alt. Sie bekommen Schieflagen und „Haarausfall“. Sie müssen gestützt werden, brauchen Pflege und neue Schöpfe müssen geknüpft werden. Manche der Veteranen lassen sich nicht mehr aufrichten. Ich kann ihren Zusammenbruch nur herausschieben. Dann aber wenn alles am Boden Liegt, kann ich das Material für eine Wiederauferstehung nutzen oder für eine Wiederaufschichtung.

Die Wegpunktprojektionen auf der Mainzer Landstrasse gehen mit Zeichnungen von Transparentpapiersequenzen von Geflechten und Kristallen zusammen. Ideal wären Zylinderförmige Flächen für das Tapezieren von Panoramaaufnahmen der endlosen Zeichnungen. Das System sollte selbsterklärend sein. Die Herkunft der Zeichnungen kann mit den GPS-Koordinaten illustriert werden. Mit diesen Koordinaten kann man sich auch im Wald auf die Suche machen.

Labyrinth | Ring

Aus der Beschäftigung mit „Der Ring des Nibelungen“ wurde ich zu einer Transparentpapiersequenz inspiriert, die mit einem frei gezeichneten Labyrinth beginnt, das sich im weiteren Verlauf einmal rappotierend wiederholt. Während des Zeichenvorgangs wurde die Spitze der Feder von verschiedenen Formen und Wendungen der vorausgegangenen Linien angezogen und abgestoßen. Und so wanderte die Tusche manchmal spiegelnd und manchmal in andere Richtungen ausbrechend über das Blatt davon. Ich arbeitete mit zwei unterschiedlichen Rollradien, deren kleinerer in der zweiten Arbeitsphase zu den Überlagerungen führte. Der größere erste war nur für die Wiederholung zuständig. In der dritten Runde nahm die Dichte auch durch die Strichstärke zu, die während des Zeichnens in einer Weise zulegte, dass ich in der vierten Runde von einer überwiegend schwarzen Fläche ausgehen kann.

Dass Wagner  mit vielen Künstlern gemein hat, die Inspirationslegende zu lieben, das heißt den Versuch das künstlerische Konzepts auf einen Initialimpuls zurückzuführen, schreibt Peter Wapnewski in seinem Buch über den „Ring“. Wie man auch immer die Konstellationen bewerten mag, in deren Raum eine Idee beginnt, ihre eigene Figur zu bilden, so gehört die Suche nach auslösenden Faktoren zur künstlerischen Arbeit hinzu.

Mich bringt oft ein Stück Lektüre im Atelier zum Zeichnen. In diesem Fall zeichnete ich ein Labyrinth, das sicherlich auch der allgemeinen Vielfalt von diesem Opernzyklus herrührt. Aber das Labyrinth ist erst die Vorstufe zum Geflecht.

Mainzer Landstrasse

Gestern Nachmittag war ich bei dramatischem Wetter auf der Mainzer Landstraße unterwegs. Von Westen her rückten Staffeln finsterer Schauertürme heran, deren Lichtwechsel den Fotografien immer besondere Stimmungen schenkten.

Den Reiz dieses Stücks Stadt zu entdecken, kann nur im Kontrast zu den Waldwegpunkten gefunden werden. Sie kann ich mir gut neben den lag gestreckten Commerzbankhandelssälen vorstellen, in denen die virtuellen Gewinne zur Beschleunigung in einer Unterdruckkammer führen. Hermetisch abgeschlossen, keine Neugier erlaubt!



Lücken in den Archivstreifen

Schon vor einer Weile hatte ich mir vorgenommen, mir den Mauerstreifen genauer anzusehen. Vielleicht könnte ich ein paar kleinere Hände laufen und dabei die Sicht- und Schussfelder der Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik in das zu bearbeitende Material mit einbeziehen. Ich stelle mir das Ausblühen dieser dreieckigen Felder vor, wie sie von spitzen Blättern zuwachsen und Erinnerungsbilder hervortreten.

Gestern begann ich mich mit dem „Ring“ von Wagner zu befassen. Gedanklich knüpfe ich an „Nibelungen“ von Hebbel in Dresden an. Das Holzschnittbuch, das ich vor achtundzwanzig Jahren dazu gemacht hatte, wies schon die Rollbildstruktur auf, die ich heute in verschiedener Weise benutze. Beobachtungstürme, Todesstreifen, fliegende Popstars, die brennende Halle schließen sich zu einem Erinnerungsstreifen ohne einen Timecode zusammen. Transparentpapierrollen, Figurensequenzen, Regale voller Tagebücher – all das sind Erinnerungsstreifen. Die neuen Geschichten befinden sich in den Lücken, weiße Flächen, die durch die Erfindung von Brückengeschichten aufgefüllt werden oder ein einfaches Schweigen erzeugen. Zwischen den Bildern auf den Rollen lagern die Geschichten, Gesten und Linienbündel, die noch nicht erzählt, getanzt oder gezeichnet worden sind..

Das Schimmern in der Tiefe

Ich schaute mir gestern noch einmal die Fotos vom vergangenen Donnerstag vom Hang des Kleinen Feldberges im Taunus an. Meine Aufmerksamkeit blieb an den Aufnahmen der ausgehobenen Grube haften. Die Nahaufnahmen der Geröllkonglomerate durchsetzt von schwarzem Mutterboden und den Hohlräumen, deren Dunkelkammern die goldenen Pünktchen einschlossen deren Leuchten aus der Tiefe mich einen Moment lang irritierte. Das geheimnisvolle Schimmern das ich erinnere, aber nicht fotografiert habe.

Wiederholung, Verwischung und Überlagerung der Erinnerungsbilder

Ich überlege Details der Ausstellung zum FRANKFURTER KRAFTFELD innerhalb des Großprojektes „entlang der mainzer“. Die Projektraum- oder Archividee versuchte ich gestern im Atelier zu entwerfen. Dazu stellte ich die große Hartfaserplatte auf die Staffelei, an die ich schon vorher ein paar Dinge geheftet und geklammert hatte, was mich auf die Idee einer solchen Gestaltungsweise brachte. Gestern nahm ich mir dann die bislang ausgedruckten Fotos, Figurensequenzen auf Transparentpapier, Rollbilder und Kartierungen vor und montierte sie zu einem Streifen. Dieser veränderte sich im Verlauf des Nachmittags und wovon ich fünf einzelne Zustände fotografierte. Es ist zu sehen, dass die Bilder von rechts nach links wandern, dass sie sich überlagern, dass manche wegfallen und viele neu hinzukommen.  Alle Produkte, die im Projektzeitraum entstehen, sollten in diesem Rahmen eine Rolle spielen. Die Arbeitsweise, mit der ich die täglichen Abbildungsstreifen herstelle, sollte ich auch bedenken. Dort überlagern sich immer neu hinzukommende Arbeiten. Dieses Prinzip könnte mit dem „Förderbandprinzip“ der Rolle kombiniert werden.

Das Thema heißt Erinnerung oder erinnern der Erinnerung. Das geschieht mit Verwischungen, Rolltechnik und Geflecht. Wiederholung, Verwischung und Überlagerung der Erinnerungsbilder.

Diagonalen auffangen | Goldstaub in Hohlräumen

Bei diesem dampfenden Wetter arbeitete ich gestern noch mal im Taunus am Hang. Eine der Konstruktionen, die ich von einer Seite her an einen Baum gelehnt hatte, fing an in Diagonalen zu rutschen, die um den Baum herumführten. Die Verdrehung in die Schräglage wurde vom Geflecht ineinander verhakt und geklemmt noch gehalten. Diese Dynamik wollte ich so lange als möglich erhalten und stand vor der Aufgabe die rutschende Konstruktion von der anderen Seite her abzustützen. Dafür bot sich ein Materiallager an, das in etwa fünfzehn Metern Abstand, bereits von Tannennadeln bedeckt am Boden lag. Es bestand wieder aus abgeschlagenen gebogenen Tannenästen deren spannungsvolle Biegungen nun die Diagonalen auffangen sollten. Das Verfahren ähnelt dem des Zeichnens solcher bewegter Strukturen.

Neben der Pflege des Gesamtbestandes arbeitete ich insbesondere an der zweiten freistehenden Figur weiter. Außerdem hob ich mit meinen Händen die Steingrube, mein Siegfriedgrab weiter aus. In einer Tiefe von etwa vierzig Zentimetern traf ich auf Hohlräume, zwischen dem losen Geröll, in denen die Gesteinsoberflächen mit kleinen gelben Punkten besetzt waren, die in der Dunkelheit wie Goldstaub schimmerten. Ich konnte diese Partikel nicht identifizieren, dachte am ehesten an Sporen.

Nebel | Grabung | Gestein

Der Wald war voller Feuchtigkeit und Wolken, vor deren Nebel sich meine Figuren besonders gut und deutlicher abhoben. Der Raum staffelte sich augenscheinlich zu einer Kulissenlandschaft. Die Einflüsse des Wetters sind bei der Wahrnehmung des Hangs von großer Bedeutung. Die Fotografien bekommen durch den Nebel einen ganz anderen Klang. Die wilde Verfilztheit der figuralen Architekturen explodiert raumgreifend. Ich bin vorwiegend reparierend unterwegs gewesen. Auch große und feste Geflechte bekommen Schieflagen und drohen einzustürzen. Diese Fließrichtungen des Holzes versuche ich zu erhalten und weiter zu bauen indem ich Äste in denselben Richtungen dazulege, -lehne, -flechte.

Die meiste Aufmerksamkeit widmete ich der Steingrube, die ich weiter aushob. Siegfrieds Grab, das auf seine Bestattung wartet weitet sich zu einem Gang aus, der der Geröllader folgt, sich so seine Form sucht, mit der er Kontakt zu den anderen Eingriffen in das Waldgeschehen findet. Wurzeln die weit oben liegen, werden untertunnelt. Langsam beginnen sich die Steine für mich zu interessieren. Unterschiedliche Farben, Konsistenzen und natürlich auch unterschiedliche Formen rufen das Gegeninteresse bei mir auf. Zunächst sind sie schlammverschmiert, wodurch ihre Zeichnung verborgen bleibt. Die Steine aber, die ich schon Wochen zuvor auf den Rand der Vertiefung legte, sind vom reichlichen Regen der letzten Tage sauber gewaschen worden. Die Struktur des Gerölls schafft einen Kontrast zu den eher ausgefransten Holzgeflechtbauten. Es gibt Brocken mit grünen Einschlüssen, rötlichen Färbungen und weißen Kristallen.

Durch die Grabung erschließt sich eine neue Welt, deren Konsistenz sich eher mit der Stadt verbinden lässt. In meinem Kopf entsteht die Möglichkeit, diese Steine aus der Geröllmasse herauszulösen, um sie in einem Raum in der Stadt zu installieren und ihnen somit eine andere Geltung zu verschaffen.

Wegpunkte | Rollbilder

Langsam schließen sich die Wegpunkte auf der Mainzer mit denen am Hang zusammen. In diesem Zusammenhang werden die gezielten Begehungen des Stadtareals notwendig. Urbane Stadtmaterialität und Baustruktur können bestimmten Stellen im Wald zugeordnet werden. Unter diesem Blickwinkel verändert sich auch die kontinuierliche Arbeit an den Objekten, Verflechtungen und Bodenstrukturen. Ein weiterer, mir wichtiger Blickwinkel sind die Rollbildsysteme, die in den verarbeiteten Abbildungen und deren Zusammenstellungen eine Rolle spielen sollen. Das Fortlaufende eines Weges mit einem Bildstreifen zu vergleichen genügt nicht. Eine erste Rotationsbewegung habe ich mit den Wegpunktfotografien geschaffen, deren Ausrichtung rechtsdrehend, in alle vier Himmelsrichtungen an jeden Punkt vorgenommen wurden. Diese Arbeitsweise könnte in der Stadt wiederholt werden. Somit werden die Herstellungsprinzipien der Rollbilder und der Transparentpapierrollen fortgesetzt. Deswegen wird es notwendig, auch diese Exponate im Projektschauraum zu zeigen.

Im Atelier arbeitete ich gestern an den Papierrollbildern weiter. Das Material bewegt sich etwas unbändig, neigt zu Verwerfungen und Faltenbildungen. Die Farbschichten stabilisieren das Packpapier, und je mehr von ihnen übereinander gerollt sind, umso nuancenreicher kann der Farbreichtum ausfallen. Bei näherem Überlegen, ist der ganze Schaufensterprojektraum ein einziges Rollbild, ein erzählender und verdichtender Streifen.

Am Morgen hatte ich die Idee, Tafeln des Kraftfeldes von Zweitausendzehn mit in den Raum zu stellen. Außerdem würde ich gerne kleine Rollsiegel entwickeln, wie sie immer wieder von Archäologen in mesopotamischen Schichten und anderswo gefunden werden. Solche Gegenüberstellungen machen den Inspirations- und Arbeitsprozess deutlicher. Das Kraftfeld, das auch aus dem Verfolgen von kontinuierlichen, systemischen Prozessen über lange Zeiträume, immer mehr Energie in sich aufnehmen kann, dessen Konzentration wird so deutlicher.

Flüchtiges | Festes

Am Morgen dachte ich daran aus der Steingrube am Hang eine größere amorphe Bodenfigur zu machen, die mit etwas mehr Platzbeanspruchung Verbindung zu der zweiten freistehenden Figur aufnimmt. Ich bin gespannt, in welchen Zustand sich der Weg nach dem starken Regen und dem Wind darstellt. Die sich verändernde Qualität der Installationen beschäftigt mich derzeit am meisten. Alles Vage und Schüttere beginnt mich zu konzentrierteren Festsetzungen zu reizen, als Kontrast zum Flüchtigen.

Nibelungen | Wald

Gestern habe ich beginnen, mich mit dem Ring des Nibelungen zu beschäftigen. Spannend sind für mich die mit der Bibel verwobenen religiösen und mythischen Stoffe des Nordens. Es ist abzuwarten inwiefern das meine künftige Arbeit beeinflussen wird. Sicher aber werden die Waldthemen davon betroffen sein, mit denen ich dann auf die Mainzer Landstraße gehe.

Rollbilder

Ich arbeitete an den Rollbildern weiter. Dazu habe ich mir einen speziellen Tisch gebaut, der eine durchhängende Plastikplatte hat, auf der eine Rolle mit zehn Zentimetern Durchmesser hin und her rollen kann. Mit ihr und Farbspritzern, die durch diese Bewegungen verteil wurden, grundierte ich das Packpapier und konnte dann in die noch feuchte, dünne weiße Farbe andere Farbtöne sprenkeln. Daraus können schöne zarte Stimmungen entstehen.

Arbeitstagebuchprojektraum

Seit einiger Zeit steht in meinem Atelier eine Hartfaserplatte, an die ich mit schwarzen Metallclips bearbeitete Fotos aus den Wald, Transparentpapiersequenzen, Geflechte jeglicher Art und auch Rollbilder befestigt habe. Diese Wand zeigt eine lebendige Dokumentation einer Arbeitsphase. In dieser Weise könnte ich mit ein Schaufenster wie einen Projektraum vorstellen, der den Verlauf des Arbeitsprozesses FRANKFURTER KRAFTFELD dokumentiert. Periodisch würden die Arbeiten weitergerückt, übereinander gestapelt und fortlaufend ausgetauscht werden. Somit würde der Fortgang der Arbeit transparent werden. Die Menschen können im Vorübergehen verstehen, wie Kunstschaffen funktionieren kann. Deutlich wird die Parallelität der Vorgänge anhand der parallel entstehenden Kunstwerke. Gleichzeitig könnte eine Miniaturausführung der Ausstellung am Anfang des Weges  an seinem Ende im Schaufenster des Futterstübchens stattfinden. So würden sich Anfang und Ende miteinander kurzschließen.

Gerstern habe ich erstmals veröffentlicht, dass ich auf dem Weg in Wald am Hang Einzelführungen machen werde. Die Gegenleistung der Teilnehmer werden ihre Erinnerungsbilder sein, die sie mir geben, damit ich sie im Atelier zu Umrissbildern umformen kann. Sie sollen vom Erlebnis des gestalteten Hangs inspiriert sein. Dann wandern die Bilder auf die Mainzer Landstraße in die Ausstellung oder den Projektraum FRANKFURTER KRAFTFELD, werden dort weiter verarbeitet und werden zu den Reliefdreiecken, die ich dann im Wals wieder vergraben werde.

Das Schaufenster würde eine Art Arbeitstagebuch von FRANKFURTER KRAFTFELD werden und bei entsprechender Gestaltung würde sich vielleicht der Widerspruch zwischen Werk und Dokumentation lösen lassen, die Unterscheidung würde hinfällig. Die Einzelführungen im Wald würden mir Gelegenheit zu zusätzlicher Pflege des Weges geben.

FRANKFURTER KRAFTFELD | Wegpunktprojektionen

Es entwickeln sich Arbeitsschritte, mit denen ich die Spannung zwischen dem Weg am Hang, dem Frankfurter Kraftfeld und den Gegebenheiten auf der Mainzer Landstrasse erforschen und für weitere Phasen der Arbeit nutzen will.

Außerdem denke ich an kleineren Eingriffe in den öffentlichen Raum, wie immer diese ausfallen, wenn man Dinge vom Wald in die Stadt holt und sie dort den Gesträuchen der Erinnerungsbilder gegenüberstellt.

Möglich wäre außerdem, zwei oder drei Spaziergänge im Wald und auf der Mainzer anzubieten, die sich aufeinander beziehen. Ich möchte dabei ausprobieren, wie sich die Wegpunktprojektionen im Kopf übereinander lagern lassen.

Verdichtende Aufnahme vorhandener Gegebenheiten

Das eindrücklichste Erlebnis im Wald gestern war das weitere Ausheben der Steingrube in Verbindung mit dem Gefühl in den Schoß der Mutter Erde zurückzukehren. Mit jedem herausgelesenen Stein komme ich näher, versinke in dem tiefen, noch unerklärbaren Schutt. Insekten werden vom feuchten Erdreich zwischen den Steinen angezogen vom Geruch des immer noch anhaltenden Winters in der Tiefe. Mit bloßen Händen spüre ich die Scharfkantigkeit, Kühle und das Gewicht der Steine. Die Lust, mich noch weiter hineinzuwühlen wächst, mich dann hineinzulegen um ganz darin zu verschwinden.

Eine weitere freistehende Figur ist entstanden, die eine Verbindung zwischen den Baumkreisen und dem darauf folgenden Zentrum mit den stabilen Geflechten und der ersten freistehenden Figur bildet. Beim Hinabsteigen leuchtete sie in warmem Gegenlicht.

Ich merke, wie ältere Ästestapel auf den unteren Ästen der Bäume schütter und verstaubt wirken. Sie haben nicht mehr die Kraft des Neuen, als sich die Wegzeichen noch in ihren anfänglichen Versuchsstadien befanden. Alle Versuche, die nun miteinander verglichen werden können, sind ja nur unterschiedliche Varianten, deren Gestalt sich nach dem vorhandenen Material und den sie umgebenden Situationen richtet.

Somit verändern sich die Gestaltungen, der Weg in einem Prozess sich verdichtender Aufnahme der vorhandenen Gegebenheiten unter Maßgabe meines Glücks, das zwischen Spannung und Einklang siedelt.

Orte auf dem projizierten Pfad

Im Atelier zeichnete ich an der Querwaldeinsequenz 01 weiter, führte sie zu einem Zwischenstand, der deutliche Zeichen eines mechanisch-muskulärem Systems aufweist. Es ist als spiegelten die Linienbündel die körperliche Betätigungen, die mit den Wanderungen und der Arbeit am Hang zutun haben.

Diese Linien waren auch gestern Bestandteil eines Spazierganges, bei dem ich das Gebäude der DWS, den Güterplatz und Liaquats Laden berührte. Er liegt am Ende der Wegeprojektion, die vom Hang auf die Mainzer Landstrasse führt. Mit Liaquat sprach ich nun erstmals über das Projekt, und wie ich seine Familien darin einbinden will. Nun ist es tatsächlich ein Problem, Familien, die völlig in ihr Geschäft eingebunden sind, dort heraus zu holen, sie auf den Pfad der Kunst zu locken. Er wird aber dabei sein.

Noch schwieriger aber Dürfte es beim DWS werden. Dieses renommierte Geld- und Kunstinstitut wirkt nach außen völlig abgeschlossen.  Etwas habe ich schon recherchiert. Sie arbeiten mit Galerien zusammen, zeigen junge Arbeiten. Es gibt Verantwortliche für Kunst und die Publikationen, die damit zutun haben. Ein anderer Weg wäre es, mit den Rauchern vor der Tür zu sprechen und mit ihnen eine private Beziehung zu knüpfen, Geschichten von ihnen zu erfahren und mit ihnen Erinnerungsbilder ihrer Familien zu generieren Lösungen werden sich unterwegs ergeben.

Ein weiterer interessanter Ort ist der Güterplatz. Völlig vernachlässigt, von den Grabungen für neue Versorgungsleitungen durchwühlt, liegt er inmitten eines boomenden Zentrums von Bauaktivität.

Wald- und Erinnerungsgeflechte

Die anvisierten Einzelführungen im Wald verschaffen dem Projekt eine neue Dimension oder eine weitere Ebene. Jede Begegnung kann im Arbeitstagebuch protokolliert werden. Die Familien von Liaquat und Ilja können in dieser Umgebung zu ihren Erinnerungsbildern des „Frankfurter Kraftfeldes“ kommen. Die Gegenüberstellung mit den Geflechten im Wald bekommt so Sinn. Das Projekt „entlang der mainzer“ bringt mich somit zu einer weiteren Bereicherung der Arbeitsschritte. So kann ich die Projekte zusammenhalten und etwas konzentrieren. Ein weiterer Schritt der Arbeit ist die Collage, die ich mit den Jugendlichen auf Teves anfertigen will.

Einzelführungen

Gestern kam ich auf die Idee, den Wald immer nur einzelnen Gästen zu zeigen. Dieser Gedanke der Einzelführungen entspricht dem Charakter der Arbeit, die ich fast vor Gästen schützen zu müssen meine. Das ist wie in einer Experimentalkammer, in der niemand außer mit etwas zu suchen hat. Die Vorsicht mit der ich es nun doch präsentiere, hat etwas Systemimmanentes. Es geht nämlich nicht um ein Gemeinschaftserlebnis von miteinander schwatzenden Gruppen, sondern um die ganze Aufmerksamkeit des Einzelnen.

Romafamilien | FRANKFURTER KRAFTFELD

Seit einiger Zeit versammeln sich verschiedene Romaclans auf dem Grünstreifen der Allee vor meinem Schreibtischfenster. Gestern waren es sechzig Menschen, die außer Lärm auch noch viel Müll produzieren, den sie dort zurücklassen. Es handelt sich um rumänische und polnische Familien. Dabei kam mir die Idee, mit ihnen zu meinem FRANKFURTER KRAFTFELD zu arbeiten. Das hieße aber, dass ich einen engen Kontakt aufbauen müsste, dann aber mit ihnen auch  über den Müll reden könnte.

Steilwand | Kraftfelder

Im Atelier zeichnete ich gestern an der Wegsequenz, die ich eigentlich zu beiden Seiten auslaufen lassen wollte. Jetzt aber entschied ich die Verdichtung an eine Diagonale im Format heranzuführen. Das wird die Kante der Schwärze sein, von der aus es in die weiße Tiefe geht, die „Steilwand“.  Diese Linie beschreibt zugleich auch noch einmal den Verlauf des Weges.

Am Morgen dachte ich daran, die Betondreiecke aus denen ein Bild zusammengesetzt werden kann, dieses Puzzle also im Wald zu vergraben. Irgendwann, wenn längst alles vergessen ist, wird es vielleicht ausgegraben und das Bild wird „entziffert“.

Gerne würde ich mit dem GPS noch mehr zu den Verhältnissen der Räume zwischen den Wegzeichen ergründen, die Kraftfelder, die aus den unterschiedlichen Größen und Richtungen entstehen, ergründen.

Wegabschnitte

Die drei Abschnitte des Weges erscheinen mir schon recht plastisch vor Augen, wobei der mittlere mir noch etwas Schwierigkeiten bei der Zuordnung seiner Installationen bereitet. Er ist wiederum in drei Teile aufgesplittert. Im unteren Zentrum befindet sich der Platz mit dem Kreuzstein von Vinzenz, dem Steingesicht im Baum und verschiedenen Figuren, die an Bäume gelehnt dort ausharren. Die Mitte ist etwas weniger reich ausgestattet. Das ist eine dramaturgische Schwäche. Zwischen den Baumkreisen, die mittlerweile etwas Pflege und Ausbau gebrauchen könnten, künden nur wenige Zeichen vom begleitenden Pfad. Der obere Bereich ist wieder verdichteter. Übersichtlich und Kompakt stehen dort die Figuren in einer leichten, dem Hang angepassten Senke. In diesem gut zu überschauenden Areal bauen sie Beziehungen zueinander auf.

WÄLDNERISCHE Angebote für die Stadt

Wenn sich die freistehende Figur noch erweitern sollte, gelangt sie längs vielleicht doch noch an einen Baumstamm und erweitert sich zu einer Wand im Waldraum. Mittlerweile richten sich die Größen der Elemente nach der des Materialangebotes. Es würde mich nicht wundern, wenn sich der Weg zugunsten dieser Angebotsräume ausbuchten würde. Und neue Figuren entstehen dort, wo die Forstarbeiter Bäume gefällt hatten und das Restmaterial liegen ließen. Nun sind diese Orte schon reichlich übermoost, die gebogenen Tannenäste sind kahl und etwas morsch. Manchmal liegen die Baumwipfel noch mit den Ästen am Boden, Die kann ich dann aus den morschen Stämmen herausbrechen. Wenn es deswegen kracht, bekomme ich einen Schreck in all der Stille. Jedenfalls melde ich mich in dieser Weise bei den Tieren mit Jungen an, die dann ihrerseits keinen Schreck mehr zu bekommen brauchen. Auch beim Ausheben der Grube, beim wühlen in den Steinen gab es, wenn ich die Brocken aufeinander warf, fremde Töne.

Für das Obere Ende des Weges habe ich ja nun das Ritual der Spiralwanderung gefunden. Dieses Gehen von innen nach außen und umgekehrt in der gleichen kreisförmigen Richtung, hat eine besondere körperliche Wirkung. Außerdem erinnert es mich an mancherlei Labyrinthe auf Felswänden, in Kirchen und in barocken Gärten.

Es wird eine WÄLDNERISCHE Landschaft.

Noch kommt mir beim Gehen im Wald, die Mainzer Landstraße nicht in den Sinn. Auch beim Gehen auf der Mainzer erscheinen mir die Bilder des Waldes noch nicht. Sicher stellt sich das erst ein, wenn ich den Waldweg auf der Mainzer gelaufen bin.

Steingrube | freistehende Figur

Der Mittwoch ist mir der wichtigste Arbeitstag. Es ist, als würde ich ihn die ganze Woche herbeisehnen. Einerseits ist es die Neugier, wie weit mein Weg die Wetter oder Eingriffe von anderen Waldläufern schadlos überstanden hat. Andererseits ist es der Hang zur Pflege und Erhaltung der Figuren und des Fußweges. Die geschieht meistens im Vorübergehen. Mit den Füßen schiebe ich ein paar Tannenzapfen oder Zweige beiseite, oder lege herab gefallene Zweige wieder in meine Gesträuche ihrer Herkunft. Nun kommen noch die Flächen hinzu auf denen ich das Gras spiralförmig mit den Füßen umlege, so dass mir schwindelig dabei wird, denn die Radien sind eher klein. Bei allem Arbeiten und Erleben, beim Bauen und Fotografieren spielt das Wetter bzw. dessen Licht eine herausragende Rolle.

Im Wald habe ich nun zum ersten Mal eine freistehende Figur gebaut. Zunächst stellte ich drei Stangen mit ihrer Biegung so zusammen, dass sie ein Gleichgewicht hielten. Vorsichtig stellte ich eine um die andere gebogene Stange aus einem Tannenast hinzu und bekam auf diese Weise etwas ähnliches, wie ein Tipigestell. Als es stabil stand, begann ich Querstreben hineinzulegen und es mit diesen zu verflechten. Das hilft gegen Verdrehungen aus denen ein solches Gestell zusammenbrechen kann. Außerdem habe ich die Geröllgrube weiter ausgehoben und die heraus geklaubten Steine am Rand der Grube abgelegt.

Arbeitstagebuchstreifen 141_2012

Die Transparenz der Abbildungen, die ich manchmal für die täglichen Bildstreifen erzeuge, geht etwas über den Charakter der Dokumentation hinaus. Halten sich die so übereinander gelegten Motive so die Waage, verweben sie sich und zeigen die Struktur der parallel laufenden Vorgänge in anderer Art. Kontraste zwischen ruhigen Tagebuchzeichnungsflächen und Strukturen aus dem Wald, sind dann oft klarer und erholsamer. Die Darstellung von Parallelität und Vermischung bleibt eine Herausforderung.

Im Atelier begann ich gestern mit den Stoffen zu arbeiten, die für die Collage eine Rolle spielen werden. Ich probiere Klebstoffe aus, die wetterfest sein sollen. Überlappungen der Fliesschichten im Gegenlicht sind ein eigenes Thema. Darauf habe ich dann begonnen Rollstrukturen auszuprobieren. Das Gelang erst als genügend Wasser mit im Spiel war.

Danach nahm ich mir die unfertigen Packpapiere vor, die auf den Tischen lagen. Ihnen fehlten insbesondere rötliche Spuren, die ich mit etwas Weiß und Wasser über die Flächen sprenkelte und sie dann mit den Rollen verteilte. Eines der Bilder brachte ich erneut mit zur Beobachtung nach Hause. Und ich habe das Gefühl, dass es fertig ist, oder dass es sinnlos wäre, daran weiter zu arbeiten. Mit ein paar Startschwierigkeiten konnte ich dann aber am Abend aber noch eine gute Phase schneller und konzentrierter Arbeit anhängen.

Schriftzeit | Gehzeit

Während einer Wanderung gestern, fiel mir auf einer Wanderkarte wieder auf, dass noch zwischen den Altkönig und der Saalburg weitere Ringwälle bestehen. Ich glaube, dass sie ähnlich wie meine Steinflächen auf dem Weg, unter einer dünnen Humusschicht verborgen sind.

Wenn ich meinen Blick auf das Hin und Her auf der gegenüberliegenden Seite der Frankenallee richte, und dann eine laufende Figur im Blick habe, den ich darauf auf meine Tagebuchseite der Schrift nach folgen lasse, den Blick dann wieder hebe, bin ich meistens erstaunt, wie weit die Person schon gelaufen ist. Gehzeit und Schriftzeit haben unterschiedliches Tempo.

Querwaldein-Kraftfeld-Kreislauf

Ich versuchte in einem Gespräch den Kreislauf des Projektes Querwaldein und Frankfurter Kraftfeld zu erklären. Und währenddessen wurde mir klar, dass der Rücktransport des in der Stadt erarbeiteten Materials in den Wald ein Gleichgewicht zu dem Material bilden kann, das ich vom Wald in die Stadt transportiere. Es besteht vor allem aus dem projizierten Weg, aber auch aus Fotos und Pflanzen.

Vielleicht kann ich die Ausgrabung mit den gegossenen Dreieckssteinen auffüllen.

Wegzeichen | Kraftfeld

Im Tor des Ateliers sitzend zeichnete ich weiter an der Wegzeichensequenz. Sie verdichtet sich in der Weise, die ich das angestrebt habe. Nun ist die Frage, ob der derzeitige Zustand des Streifens nicht mehr zu erzählen hat, als die nun folgenden, in denen die Verdichtungen weitergeführt würden.

Beim Nachdenken über die große Malerei, die auf einer Collage aus dem Rohmaterial vom Internationalen Bund entstehen soll, kam ich darauf, dass ich zunächst eine Rollsequenz anfertigen sollte, die die darunter liegenden Bilder zusammenzieht und größtenteils überdeckt. Im nächsten Arbeitsgang können Motive der Wegzeichen aus dem Wald, die ich in den Umzeichnungen auf Transparentpapier gefunden habe, wie ein Zeitungsklischee in Punkte gerastert werden. Dann erfolgt eine Projektion auf den Rollbilduntergrund.  Ich freue mich auf die Arbeit auf dem Hof, wegen seines großzügigen Platzangebots. Ein Band von zwei Metern Höhe und vielleicht von einer Länge von acht Metern wäre ganz gut handhabbar. In der Nächsten Phase könnten die Umrisse der Erinnerungsbilder als neue Schicht eine Rolle spielen. Somit bildete dieses Material ein Arbeitsgang von FRANKFUTER KRAFTFELD.

Flächen | Ausgrabung | Reliefs

Rollbilder in der Form von Transparentpapiersequenzen werden in diesem Sommer wieder in die plastische Arbeit an kleineren Reliefs münden. Falls ich die Ergebnisse dann in Beton gieße, kann ich sie auch im Außenraum weiterverwenden.

Oft denke ich an die begonnene Ausgrabung. Spannen ist, nachzuschauen, ob die Steinschicht noch weiter hinab reicht, ob dann bald wieder Erdschichten kommen und welchen Rückschluss das zulässt. Außerdem wird dort dann ein neuer Platz entstehen, in dessen Nähe jetzt schon einige Bodenzeichen aus Stein bestehen. Mit einer Grabung komme ich an noch mehr Steinmaterial heran, mit dem ich dann weiter gestalten kann. Die ausgehobene Grube kann umrandet werden, was mich nun wieder an die Bootshäuser der Wikinger erinnert, die Teil ihrer Wanderungsspuren sind. Das Gestein das dort lose übereinander liegt, ist sehr hell und eignet sich für auffällige Bodenzeichen.

Die Grasinselfläche in der nähe des oberen Wegendes hat sich nach Nordosten und Südwesten zum Pfad hin geöffnet, ist somit ein Teil des Weges geworden. Sie stand das ganze Jahr unter meiner Beobachtung und wurde gepflegt. Währenddessen veränderte sich der Anblick wegen der unterschiedlichen Wachstumsphasen sehr stark. Unterwegs entstanden mehrere solcher Flächen, die sich um unspektakuläre Steine bildeten, um eine halbversunkene Flasche oder um besondere Wurzel herum.

Ausgrabung | Kreislinien | Nebel

Es war kühl gestern am Hang, so um die zehn Grad. Gewitter zogen mit Hagel vorüber, und dann schien gleich wieder die Sonne auf das feuchte frische Gras, das dann zu dampfen begann. Am Fuß einer der Figuren hatte ich begonnen Steine unter einer dünnen Humus- und Moosschicht frei zu räumen. Manchmal merkt man beim Gehen unter den Füßen einen wackeligen, etwas spröden Untergrund, der nach Geröll klingt. In diesem Raum von etwa dreißig mal dreißig Metern, nahm ich mir eine Stelle vor und begann sie auszugraben, um die Steine an die Oberfläche zu bringen. Nun frage ich mich, ob diese Strukturen Ergebnisse natürlicher Erosionsvorgänge sind oder menschengemachte Kulturreste. Ein Rest von Zweifel bleibt, der mich nun zum Ausgräber werden lässt. Es steht mir ja frei zu graben, das Material ans Licht zu bringen, weil es niemanden interessiert.

Menschen, die den Wald durchstreifen nimmt man in den Augenwinkeln als dunkle, aufrechte, längliche Silhouetten wahr. Das Hirn formt sie zu dem, was es kennt und vergleichbar ist, zu Menschenbildern. Gestern hatte ich das Gefühl, am Rand meines Wahrnehmungshorizontes öfter Menschen zu sehen, die wie ich unterwegs sind. Bei diesem Wetter ist das nur äußerst selten der Fall. Ich konnte eigentlich sicher sein, dass ich alleine war. Durch Schwenken des Kopfes in Richtung dieser Wahrnehmung, stellte ich jedes Mal fest, dass es sich dabei um die Figuren handelte, die ich selber neben die Bäume gestellt hatte. Sie bevölkern den Raum und lassen das Gefühl entstehen, nicht alleine zu sein. Oberhalb des zweiten Querweges, dort wo jemand den „Kreuzstein“ von Vinzenz umfunktioniert hatte, entsteht ein neuer Platz, der lose von Figuren umstanden ist. In seiner Mitte allerdings steht ein Stein, der dem Platz einen Zusammenhalt bietet. Den oberen Abschluss des Weges bildet wieder ein Platz, in dessen Mitte ein eher unscheinbarer Stein steht. Das Gras um ihn herum habe ich in einem Radius von etwa zwei Metern zu einer Spirale gelegt. Ich glaube nun zu wissen, wie die Kreise bei Richard Long entstanden sind. Sie entstehen von selbst. Der tastende Blick umschreibt sie von einem Standpunkt aus. Schon der Mittelpunkt beschreibt diese Kreislinie.

Rollbild | Wegsequenz | Andreaskreuzstruktur

Die Wegsequenz, die ich gestern zeichnete, verfolgt wieder eine etwas andere Strategie. Anfang als auch Ende, oder beide Enden laufen eher aus. Habe ich auf beiden Seiten Enden, so befindet sich der Anfang irgendwo dazwischen. Er ist ein Quell hinter der Verdichtung.

Ein längeres Gespräch über eine Kooperation auf Teves. Zunächst soll eine große Collage zusammengestellt und dann übermalt werden. Gerne würde ich dann das große Bild auf dem Platz zwischen Restaurant und meinem Atelier malen, weil da genügend Arbeits- und Ausweichfläche vorhanden ist. Vielleicht gelingt eine große Malerei unter meiner Leitung, die aus verschiedenen Schichten zusammengesetzt ist. Ich könnte mit vorstellen, ein Rollbild in der neuen Technik zu erzeugen, um es dann mit Motiven zu überarbeiten. Konkrete Figurationen aus dem Wald, Wegzeichen vom Hang oder ein Stück Siegfriedidyll.

In den Tagebuchzeichnungen setzt sich immer deutlicher eine Andreaskreuzstruktur durch, die zwar immer wieder verwischt wird und dennoch präsenter erscheint.

Kraftfeld im Taunus

Gestern Besuch von Nils Grube im Atelier. Wir hatten uns verabredet, um über eine Zusammenarbeit beim FRANKFURTER KRAFTFELD zu sprechen. Die Arbeit am Hang, das wurde mir gestern stärker als vorher bewusst, ist etwas sehr persönliches. Das hat mit Impulsen zutun, die von Glücksgefühlen herrühren, die ich während dieser Art zu Arbeiten habe.  Sie sind das Maß, das unser Tun bestimmt. Bei der Annäherung an FRANKFURTER KRAFTFELD sprachen wir auch über die Inbesitznahme von Raum durch Arbeit oder durch Spiel. Dies ist auch meditativen Vorgängen ähnlich, die geheiligten Gegenständen immer mehr Wirkung zuspielen. Eine große Konzentration führt zu mehr Aufmerksamkeit, die andere Menschen anzieht, die wiederum Konzentration aufbringen und damit den Ort stärken. Dieser geografische Kraftfeld – Aspekt spielte auch bei der Akquise des Tevesgeländes eine wesentliche Rolle. Nun bekomme ich das Gefühl, dass ein solcher vorgang auch am Hang im Taunus stattfinden kann, oder schon begonnen hat.

Waldwegzeichen | Schichten

Die Verknüpfung der Waldwegzeichen mit den Zeichnungen und anderen Geflechten in diesem Zusammenhang beginnt mich mehr zu interessieren. Die Verwischungen der Aquarellfarben mit dem Handballen innerhalb der Tagebuchzeichnungen und die per Kameraschwenk erzeugen weitere Schichten, die sich innerhalb der Abbildungsstreifen überlagern.

Tagebuchzeichnung | Schwenk | Graskreis

Für die Arbeit auf der Mainzer Landstrasse im Projekt „entlang der mainzer“ von römer9,  würde ich gerne die Verflechtungen der der Wegzeichen mit einbeziehen und sie denen der Erinnerungsbilder gegenüberstellen. Betonabgüsse der städtischen Verflechtungsdreiecke könnte ich theoretisch auf den Waldboden legen, oder sie eingraben und dann mit Tannennadeln bedecken. FRANKFURTER KRAFTFELD am Kleinen Feldberg.