Getier

Der große Abrissgreifer kommt herangefahren, wie eine Belagerungsmaschine aus dem Mittelalter. Die Konstruktion der Zangen ornamentiert den Zerstörungsvorgang. Zementstaub legt sich über das Gelände, wie schon in der vergangenen Woche. Atemmasken erfüllen nun mehrere Zwecke.

Unbeeindruckt davon gehen die Tiere meines „Waldes“ ihren Lebensstrategien nach. Die Echsen wechseln von der Efeuinsel an der Atelierwand hinüber zu meinem Stapel aus Totholz, Erde und wachsenden Kräutern. Große Mengen von Kleinstlebewesen sind dort unterwegs. Verschiedenes Getier schwimmt auch in der Seerosenwanne. Das Eidechsenwäldchen besteht aus Ebereschen, Weiden, Eichen, Ahorn, Haselnuss, Birken, einem Walnussbaum und aus einer Robinie, die ich sehr im Zaum halten muss. Es gibt auch noch Gehölze deren Namen mir nicht bekannt sind. Sie bilden gemeinsam die schattigen Räume der Revierkämpfe, der Jagden und der Fortpflanzung. Außerhalb liegen die sonnigen Steine, deren Menge stetig zunimmt, weil ich einen Steinhaufen am Bahndamm, auf meinem Weg hierher, Brocken für Brocken abbaue und an den Rand des Gärtchens lege.

Über das Wochenende stand das bemalte Relief auf der Staffelei unter Beobachtung. Heute will ich das nächste Exemplar des Reliefs Nummer 6 herstellen. Dann male ich Nummer 11 fertig.

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Und doch zieht es mich immer wieder hinaus, das Grausige zu schauen.

Auf der Reliefmalerei stellte sich mit der Tanzfigur von 2003, eine weitere ein. Nach einigem Probieren hat sich nun also eine Methode entwickelt, das Tanzthema mit dem großen Doppelportrait der Väter zu verbinden. Mit diesem Schritt, nimmt die Arbeit nun Fahrt auf. Mit leichterem Gang, kann der Kopf nun wieder gehoben werden und viel Neues erscheint im Blickfeld.

Die gestrigen zeichnerischen Vorgänge erinnern mich an meine Malerei in den Neunzigerjahren, als ich viel im Ballettsaal gezeichnet und mit dem des Tanzensemble des Heidelberger Theaters zusammengearbeitet habe. Diese Auseinandersetzung mit Bewegung, hat mir viel Material in die Hand gegeben, aus dessen Fundus, seien es die Zeichnungen, Erinnerungen und bildnerische Herangehensweisen, ich nun schöpfen kann. Indem mir das bewusst wird, blättere ich nun in den alten Zeichnungen, verbinde sie mit den Wandmalereien in Alchi oder Tabo und fahre auf den Reliefs mit Tusche und Schellack fort.

Kammermusik von Schostakowitsch begleitet die Abrissarbeiten in der Nachbarschaft. Noch sind die schönen Ornamente der Geländer an den großen Fenstern aus den optimistischen Sechzigerjahren zwischen dem steigenden Schutt sichtbar. Brutal springt der Greifer in die Fensterhöhlungen und auf der Folie dahinter erscheint das angstvolle Portrait des Komponisten aus den Dreißigern, dessen Musik mein Atelier anfüllt. Staub legt sich auf meine Atemwege. Ich schließe alle Tore meines Raumes und doch zieht es mich immer wieder hinaus, das Grausige zu schauen.

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Arbeitsschritte

Die Überlagerungen auf Rolle 8, also die Verdopplung des gefundenen Figurenensembles und Verflechtung mit den Splitterkanten der Scherben 20, 34 und 35 im dritten Scherbengericht, kosteten gestern mehr Konzentration, als ich mir das für die Umsetzung dieser klaren Idee von gestern vorstellte. Die zusätzlichen Bruchkanten und die Oberflächenbeschaffung, veränderten bei der Übertragung von Rolle 8 auf Relief 11, die Figuren noch einmal, sodass eine Szene mit einer anderen Ausstrahlung entstand und sich weiter dorthin entwickeln wird, wenn ich sie fertig male. Bisher gibt es nur die gezeichneten Linien der beiden Varianten nebeneinander, getrennt von einer Tanzfigur aus 2003. Alle Tuschzeichnungen habe ich mit Schellack abgesperrt, wodurch die nächsten Arbeitschritte fließender werden. Die Tuschelasuren können lange stehen, trocknen und lassen sich besser verarbeiten.

In den Collagen für die Website klären sich manche Zusammenhänge und Klänge auf andere Weise. Ich kann die Motive aus anderen Perspektiven überprüfen, die Weiterarbeit entwickeln. Manchmal „teile“ ich die Buchmalereien mit meinem Enkel, der auch kreisende Linien malt.

Nach den Amseln, Meisen, Spatzen, Rotkehlchen, Eichelhähern und Rotschwänzchen, kommen nun auch die Ringeltauben und die gefährlichen Elstern zum Trinken in mein Gärtchen. Obwohl ich in einem Schlagloch auf dem Beton eine Wasserstelle betreibe, ziehen sie die Seerosenwanne und meinen Bottich zwischen den Weiden vor.

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Forsythe-Training

Zunächst begann ich gestern auf Rolle 8, in die Frottage des Reliefareals, das ich als nächstes bemalen wollte, in die Splitter der Scherben 16, 18 und 33, des dritten Scherbengerichtes, ein Figurenensemble einzuarbeiten. Die Vorlage übertrug ich dann, mit Änderungen, die durch die Einbeziehung der Oberflächenstruktur der modellierten Splitter entstanden, auf die entsprechenden Scherben des Reliefs.

Nun aber kann ich, mit der lange praktizierten Technik des Durchzeichnens, währen ich das Transparentpapier aufrolle, die Figurengruppe erneut in die Splitter rechts davon einfügen und gleichzeitig durch Überlagerungen verdichten. In der Wiederholung der Motive ergäben sich neue Zersplitterungen. Eine weitere Übertragung der Ergebnisse auf das Relief, würde wieder mit den Veränderungen durch die Oberflächenstruktur begleitet. Diese Vorgehensweise würde auf allen Reliefs dieses Portraitexemplares durchhaltbar sein.

Die Figuren, die gestern entstanden, sind etwas steif und wenig tänzerisch. Die Bruchkanten der Splitter überschneiden sich mit den Gelenken, in denen die Glieder einzeln verdreht werden, wie beim Forsythe-Training.

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Rokoko-Apfelmännchen-Prinzip

Die Produktion stockte gestern etwas. Ich saß vor dem Wind im offenen Rolltor am Tisch und arbeitete an der Reliefmalerei weiter. Fehler, die ich machte lenkten mich auf andere Wege. Ich dachte, diesen Arbeitsschritt doch mit Frottagen auf Rolle 8 zu begleiten. So könnte ich mit dem entsprechenden Areal des Reliefs, per Formfrottage, schon vorher Inhalte und Strukturen auf Transparentpapier probieren.

Die gebogenen Weidenruten im Gärtchen, entwickeln nun Äste an den Peripherien, die von den Bögen aus nach außen wachsen. Wenn die genügend verholzt sind, lassen sie sich in gleicher Weise biegen. Ein Rokoko-Apfelmännchen-Prinzip. Mittendrin, die erste Libelle des Jahres. All das lehnt sich gegen das allgemeine Herunterfahren aller Bewegung im Zusammenspiel mit der windigen Trockenheit und den Bedrohungen, die daraus erwachsen, auf.

In diesen Monaten des Rückzuges denke ich über die Kraft nach, die es noch brauchen wird, die begonnene Reliefmalerei auf allen 16 Tafeln, in dieser abwechslungsreichen Dichte, durchzuhalten. Schon die erste Tafel, mit der Nummer 11, ganz oben rechts, ist anspruchsvoll und fordert mich ganz.

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Unruhige Komposition

Während der Buchmalereien am Morgen dachte ich an Jasper Jones, an seine farbigen Linienmuster, mit denen er sich lange beschäftigte. Innerhalb der Gravitationsschwünge, auf den daraus entstehenden Flächen, fertigte ich ähnliche Linienansammlungen an. Relevant wurde dieses Vorgehen für mich aber erst, als ich im zweiten und dritten Format des Tages, die Flächen und ihre Muster langsam auflöste.

Ich zeigte gestern meine neue Reliefmalerei B., um mir die Unsicherheit, die sich mit ihnen verbindet, zu nehmen. Das 11. Relief, mit dem ich die Tuschmalerei begann steht nun auf dem Mahagonigrafikschrank, meinem Gesellenstück, im scharfen Seitenlicht. Ich kann es mit dem vergleichen, das ich für das erste große Väter-Doppel-Portrait bemalt habe. Aus der Ferne vermischen sich Gegenständlichkeiten, gezeichnete Muster und Scherbenstrukturen zu einer unruhigen Komposition. Erst aus der Nähe können die Einzelheiten erkannt werden. Gestern Abend sah ich mit noch einmal die Wandmalereien von Alchi an, deren Detailfreude mich anspornt.

Im Gärtchen blühen die schönen weißen Dolden der Ebereschen und ziehen die Insekten an. Später, dann wenn die roten Beeren wachsen, kommen die Meisen, die Amseln und manchmal auch ein Eichelhäher. Am Wochenende habe ich die Pflanzenregale rausgestellt, die ich mit ein paar Sukkulenten füllen will. Alles andere, was rundherum wächst wird vom Ostwind weiter ausgetrocknet. Ich wässere meine Pflanzen regelmäßig, auch die der Nachbarn, die nicht da sind. Wenn ich meine Totholzstapel rücke, kommen mir viele kleine Lebewesen unter die Finger, die sich da wohl fühlen, aber auch von den Mauereidechsen gejagt werden.

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Geschwindigkeiten

Die Feder meines Füllers zwingt mich langsamer und kleiner zu schreiben. Dadurch entsteht etwas mehr handschriftlicher Text, und ich beschäftige mich länger mit meinem Erinnern, Hinschauen und Tasten.

Weniger ernsthaft malte ich gestern weiter an meinem Relief. Die Angst vor Banalität weicht dem Spielerischen. Allzu konkrete Anspielungen kann ich mit einem Schellack-Tusche-Gemisch zurücknehmen oder ganz verschwinden lassen.

Die Buchillustrationen meiner Kindheit erscheinen manchmal auf der Projektionsleinwand hinter meinen Augen. Die süßlichen Wunschländereien der Erwachsenen. Auf derselben Leinwand überfallen mich aber auch morgens beim Aufwachen, sehr schnell laufende Diashows. Was da inhaltlich abläuft ist schwer zuzuordnen. Aber ich glaube, dass es sich um zusammenhangslose Bildfolgen handelt, die aus abstrakten Strukturen und gegenständlichen Szenen bestehen. Meist versuche ich dieses schmerzliche Bombardement schnell zu beenden, indem ich die Augen öffne. Aber das ist in meiner derzeitigen Arbeitssituation vielleicht nicht richtig, denn das was ich jetzt male, ist genau so etwas in anderer Geschwindigkeit.

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Figuren-Raum-Erinnerungen

Die derzeitige Tuschmalerei, die abstrakte Elemente auf das Relief Nummer 11 bringt, löst die gegenständlichen Erinnerungen aus, Figuren-Raum-Erinnerungen. Ähnlich bin ich bei der Wandmalerei in der Kaschemme vorgegangen und habe mich damit drei Monate wohl gefühlt. Es ist auch jetzt so, dass diese Arbeitsweise einen Schub auslöst, der aus der Neugier kommt, was in dieser Weise noch alles entstehen wird. Weil mich das ganz und gar beschäftigt, sehe ich bei der Bearbeitung von Rolle 8 einer Pause entgegen.

Das Relief steht zur Beobachtung auf der Staffelei und ist ein Magnet für mich, der mich in Gravitationsschwüngen darum herum kreisen lässt. Die Wege führen um den Zeichentisch, durch das offene Rolltor und das Gärtchen, in dem sich die Eidechsen aufwärmen. Amseln graben meine Blumenbeete um, baden im Seerosenbottich und lassen mich nahe an sich heran.

Parallel zu der Lektüre von Aleida Assmanns Intervention zur Erinnerungskultur, denke ich über die Folgen der medialen Aufarbeitung der Nazigeschichte im Fernsehen der DDR nach. Sie hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen. Die Abzählreime der Kindheit verflochten sich mit den Appellen von KZ Insassen, bei denen abgezählt wurde, um jeden 3. zu erschießen. Aufgaben, denen ich als Kind nicht gewachsen war, waren in meiner rückwärtigen Erwartung immer mit dem Tod bedroht. Die zeitliche und strukturelle Nähe meiner gesellschaftlichen Umgebung zum Naziregime ahnte ich offensichtlich. Der Jugendwerkhof als Konzentrationspunkt für Erinnerung.

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Neu zusammengesetzt

Mit der Tuschmalerei erinnere ich mich. Die abstrakten Muster, mit denen ich die Splitter der Reliefs fülle, rufen vergessene Gegenstände auf und bilden untereinander, durch das Sichtbarmachen, neue Zusammenhänge. Teilweise verfließt die Tusche im Wasser, franst aus und bildet Wolken. Dort hinein schneiden dünne Linien, die ich mit der Rohrfeder ziehe. Schellackschichten festigen das zarte Geschehen, machen es unangreifbarer, sorgen aber auch dafür, dass Tuschewolken ganze Areale abdecken können, ohne sie gänzlich verschwinden zu lassen. In dieser Weise begab ich mich gestern in die Malerei am zweiten Väterportrait. Aus Bewegungen, die eher langsam und feinmotorisch bestimmt sind, folgte bisher nur manchmal eine größere Geste. Mit fortschreitender Arbeit wird sich das ändern.

Frau Kanamüller vom Stadtplanungsamt schickte mir eine dicke Broschüre über unsere gemeinsame Arbeit an der Sozialen Stadt. Aus dieser Tätigkeit wuchs, nachdem ich das Gelände zunächst alleine besetzt hatte, unser Teves als ein „Leuchtturmprojekt“. Alle Werkgruppen, die bisher hier entstanden sind, verbinden sich mit dieser Arbeit und entwickeln sie vor allem weiter.

Aleida Assmann beschreibt in ihrem Buch „Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur“, eine Hinwendung zur Geschichte, wie ich sie in diversen Arbeiten, ausgehend von den Wanderungsspuren unternahm. In den Zersplitterungen des Väterprojektes bilden sich auch die Fundstücke der Ausgrabungen ab, die ich zum Zwangsarbeitergedenken machte. Die zersplitterten Erzählungen des Ortes, an dem ich arbeite, werden auch neu zusammengesetzt und ergeben so die Sinngebung der hiesigen, erzählenden Arbeit.

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Arbeitsleben

Die Abrissmaschinen donnern und endlich beginnt das Arbeitsleben wieder. Die Sonne kommt seitlich durch das Glas, heizt das Atelier schnell auf und fällt als Streiflicht über das Relief mit der Nummer 11, das ich nun bemalen möchte. Im Liniengeflecht hält es Figuren bereit, die ich sichtbar machen und wieder verschwinden lassen kann. Sie gehen eine Beziehung mit den Umrissen der Tanzzeichnungen auf Rolle 8 ein.

In der Nähe von Schlossborn, hinter dem Feldberg, haben wir einen Weg entdeckt, der an einem Bach und Fischteichen vorübergeht, zwischen Waldrand und hügeligen Wiesen. Nahe unter der Wasseroberfläche stehen sonnenbeschienene Rotfedern in den Teichen, am Rand ein Graureiher. Wenige Menschen sind dort unterwegs, manche zu Pferd. Aus den Hängen tritt an vielen Stellen Wasser. Sumpfdotterblumen, Schilf und Weiden wachsen in teilweise naturbelassenen Auen.

Während der Feiertage räumte ich den Großteil meiner Pflanzen, die ich zum Überwintern in Regalen vor den Fenstern stehen hatte, nach draußen. Dort stehen sie auf dem Beton und erweitern das Gärtchen. Nachdem die Temperatur gefallen ist, sind die Eidechsen wieder verschwunden. Nur manchmal stecken sie ihre Köpfe aus dem Lochziegel unter der Acrylkuppel in die Sonne.

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Getier

Im offenen Rolltor steht auch in diesem Sommer ein Zeichentisch direkt vor dem Ateliergarten. Dahinter, in den Weiden und Holzstapeln, gestalte ich Biotope für Schwebfliegen und Eidechsen . Sie ernähren sich von den Pilzen, Milben, Asseln in den Löchern in den Steine und Hölzer. In den Wasserbottichen baden die Vögel und bringen ihrerseits Getier und Samen mit. Schnecken, Regenwürmer und Spinnen kommen aus den Überwinterungsquartieren, gleiten und huschen zwischen den allgegenwärtigen Eidechsen.

Am Bahndamm habe ich 5 Weiden gepflanzt, die Rohstofflieferanten für weitere Objekte werden sollen. Deswegen gieße ich sie täglich, wie auch den Garten.

In den Buchmalereien bildete sich heute eine gewisse Strenge und Zurückhaltung, wenig Spiel… Auf Rolle 8 verdichtete ich die Figurensequenz mit drei Paaren weiter. Zwischen den dunklen Tuschefeldern, bleiben durchscheinende Linien stehen. Sie schaffen eine Formenvielfalt und etwas Unruhe. Was sich daraus entwickeln wird, weiß ich nicht. Deshalb zeichne ich es.

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Wann ist Schluss?

Wann ist Schluss? Das ist die entscheidende Frage während der Buchmalerei, während der Lasurmalerei, der Tuschzeichnungen auf Rolle 8. Die Überlagerungssequenzen verdichten sich oder werden Schritt für Schritt ausgedünnt. Immer soll sich daraus eine Spannung oder Intensität steigern, bei der ich das Gefühl habe, weitergekommen zu sein.

Am Abend grundierte ich das Relief mit der Nummer 11, das ich vor einiger Zeit mit Pappmache abgeformt habe. Leider ist es übernacht etwas wellig getrocknet, weswegen ich es noch mal anfeuchten will, um es zwischen zwei Brettern zu trocknen. Dann wird es mit der neuen Tuschmalerei ernst. Die Mischung abstrakter Formen mit Figurenmaterial aus der Vergangenheit, auch wenn es aktuell aus meinem Kopf entspringt, kommt es von daher, trägt schon in sich Reibungsenergie. Auch die Muster von Kleidern haben das, meine Figurensequenzen auf den Transparentpapierrollen und die Malerei, die ich nun vor mir habe, ebenfalls.

In einem Briefumschlag kam gestern eine Zeichnung meines Enkels. Man könnte nun eine Mailartaktion beginnen, hin und her.

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Tanzmasken

Mit Tusche zeichnete ich gestern auf die Relieffläche des dritten Objektes zwei Figuren. Sie erstrecken sich über vier Scherben, nähern sich an Kopf und Schultern einander, sind aber im engeren Sinne keine Tanzfiguren. Aber das wird ein Weg, mit dem zweiten großen Doppelportrait der Väter zu verfahren. Auch auf Rolle 8 entstanden neue Figuren einer fokussierten Suche nach dem nächsten Schritt.

Mir ging noch einmal die Popularchoreografie durch den Kopf, die die Menschen draußen oder in den Supermärkten in ein anderes Bewegungsmuster drängt. Gleichzeitig beginnen sie mit Masken, Teile ihrer Identität zu verbergen. Weiße Masken auf schwarzen Gesichtern und umgekehrt. Theaterleute demonstrieren gegen die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und verteilen Grundgesetztexte, werden von der Polizei zerstreut oder verhaftet.

Bei meinen Tanzfiguren gibt es mehrere schwarz maskierte Gesichter, denn

„DER TOD IST DIE MASKE DER REVOLUTION

DIE REVOLUTION IST DIE MASKE DES TODES“;

wie wir von Heiner Müller erfahren haben. Im Atelier hängen viele Tiermasken mit Menschenportraits bemalt.

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Popularchoreografie

Die Bewegungen, die vom Wind in Gang gehalten werden, lassen die Gestalt des Ateliergärtchens flirren. Tibetische Gebetsfahnen, Birkenblätter, Wasserflächen und deren Reflektionen. Dazu kommen die Schwebfliegen, die Blaumeisen und natürlich die Mauereidechsen.

Es entstanden am Wochenende Zeichnungen auf Rolle 8 und natürlich Buchmalereien, die in letzter Zeit ohne Frottagen entstehen. Nur aus den Bogenlinien, Spiralen und kreisenden Bewegungen wachsen die Weichen Verwischungen, harten Geraden und Figuren. Wenn ich diese aber mit den Tanzfiguren collagiere, entsteht sofort etwas wie eine Bewegungsaufzeichnung im Raum.

Ein Telefonat am Morgen hat meine Arbeitslust noch mehr angeschoben. Ich erzählte ein wenig, was ich mache, schaute mich währenddessen im Atelier und im dazugehörigen Gärtchen um. Auf dem Beton fand ich ein Stück Gips. Mit dem zeichnete ich zwei Schwünge und eine Spirale auf den Boden. Dabei fiel mir ein, dass die derzeitigen Abstandregeln im öffentlichen Raum eine Art Popularchoreografie schaffen. Sie ähnelt einem Raum von Bill Forsythe im Museum für Moderne Kunst, in den man sich mit vielen Menschen gemeinsam so bewegen sollte, dass zwischen ihnen immer mindestens ein Abstand von einem Meter bleibt.

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Weiter Raum um mich

Die Transparentpapierrolle habe ich etwa einen Meter aufgerollt und hingestellt, damit das Licht einer Architektenlampe, die ich sonst zum Zeichnen benutze, von hinten hindurch fällt. Die so beleuchtete Tanzsequenz bekommt dadurch einen tiefen Raum, der den Abstand der Figuren noch mehr betont. Ich fügte gestern zwei weitere Figuren hinzu, die aus den Kulissen heraustreten, den Kontakt zueinander verlieren und vereinzelt einer weiteren Überlagerungssequenz entgegensehen.

Mit den Buchmalereien hörte ich heute vorzeitig auf. Ich wollte den Beginn, in seiner knappen Form erhalten, weil ich glaube, dass auch davon eine Verdichtung ausgeht.

Seit ein paar Tagen fühle ich einen weiten Raum um mich, der sich mit viel Arbeit füllt. Das scheint eine Folge der Kontaktsperre zu sein, die uns durch den neuen Virus auferlegt ist. Es wächst die Empfindung, dass die Leichtigkeit der Produktion zunimmt. Und so gelingt auch viel. Beispielsweise erscheinen mir die Bemalungen der neuen Objekte, die ich gestern fortführte, sehr folgerichtig und spannungsvoll. Im Garten setzte ich die Weidenbiegungen fort, pflanzte am Bahndamm ein weiteres Baumexemplar und fädelte Meeresschneckenhäuser auf, die ich in die gebogenen Schlaufen hängte. So wird das Gärtchen zu einem kompakten Landartobjekt.

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Außen | Innen

Nach einem normalen Vormittag mit meiner Arbeit an den Buchmalereien, Texten und Collagen, verbrachte ich noch etwas Zeit im Gärtchen und auf dem Gelände, kümmerte mich um die Weiden und die Objekte, die mit ihnen und den aufgefädelten Steinen zusammen entstehen.

Am Nachmittag war ich im Taunus. Im Schatten des hohen Waldes war es kalt. In seinen dunklen Ecken lag noch Schnee. Auf den Sonnenflecken aber war der Boden trocken und warm. Dort räumten Ameisen, Hummeln brummten und suchten nach Nahrung. Auf dem Gipfelplateau des Altkönigs versammelten sich all die Leute, die den Stillstand nutzten, um dort oben zu lagern und Abstand zur allgemeinen Aufregung zu finden. Nur der Wald bietet noch wenig eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Zurück im Atelier sah ich auf die Erscheinungsbilder des aufblühenden Frühlings, habe meine warmen Sitzplätze, von denen aus Beobachtungen des Himmels über den Abrissruinen möglich sind. Dort finden sich die zurückgekehrten Vögel, kaum Wolken und die Luftkämpfe der Greifvögel mit Krähen und Scharen von großen Möven. Innen arbeitete ich am 2. Objekt weiter, versah es mit einer Schellackschicht, die verhindert, dass das Wasser, das die Tuschewolken fließen lassen soll, nicht zu schnell aufgesogen wird. Das Spiel zwischen spröden trockenen Linien und den weichen Verläufen, ist ein spannendes Element bei der Bemalung der Reliefs, die nun neu ansteht.

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Weiden

Für die Buchmalereien nahm ich mir einen löchrigen Basaltstein mit einer geraden Schnittfläche zur Hand, um mit Wasser und Aquarellfarben Abdrücke herzustellen. Diese Vorgehensweise übte ich schon vor ein paar Wochen, als man noch auf die Kanareninseln fahren konnte. Die Kombination mit den Gravitationsschwüngen und unterschiedlichen Figuren, die ich aus ihnen entwickelte, führt mich fort von den Frottagen, die ich von den Reliefformen abgenommen hatte. Ohne die Frottagen fühle ich mich nun bei der Gestaltung der täglichen Malereien freier.

Die Arbeit an den Sequenzen von Rolle 8 geht mit der Bemalung der Weidenruten-Relief-Objekte einher. Und die Objekte verbinden sich mit den gebogenen Schwüngen, die ich an den Weiden im Gärtchen vermehre. In dem halten sich nun sehr viele Mauereidechsen auf. Auch an der Kräuterspirale, auf der Wiese, zählte ich gestern alleine 9 Exemplare. Das kommt vom Sonnenschein und der relativen Kälte im Schatten.

Am Bahndamm setzte ich die Weidenzweige, die ich den Winter über ins Wasser gestellt hatte, damit sie Wurzeln ziehen, in die Erde und gieße sie nun täglich. Sie sollen mir Material zum Bau von Objekten zur Verfügung stellen, die sich weiterhin mit dem Väterprojekt verbinden lassen.

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Konzentration durch Reduktion

Auf Rolle 8 arbeite ich mit einem neuen Umrissmotiv der Tanzzeichnungen von 2003. Parallel dazu begann ich das zweite Weidenruten-Relief-Objekt zu bemalen. Es ist leicht, mit Feder und Tusche vom Transparentpapier auf die weiß grundierte Relieffläche zu springen. Dort aber schwimmt Wasser in das Tuschewolken einbrechen.

Das Motiv, mit dem ich dabei bin, eine weitere Überlagerungssequenz zu zeichnen, verbindet verschiedene Tanzfiguren mit Kulissenwänden, die zu den Ballettproben aufgestellt wurden. Manchmal durchziehen die Kantenlinien der Probenwände die Figuren und bilden in ihnen neue Räume.

Innerhalb der verdichteten Liniengeflechte habe ich begonnen, Kanten frei stehen zu lassen und nicht zuzuzeichnen. Dadurch reduziert sich die Dunkelheit zwar, aber die Dichte bleibt dennoch bestehen, eine inhaltliche Bereicherung und Konzentration durch Reduktion.

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Strukturierung

Die Regelmäßigkeit der Arbeitsvorgänge gibt mir in diesen Tagen der Reduktion und Ungewissheit, Struktur. Inzwischen machen wir auch nach jedem Mittagessen einen Spaziergang am neu entstandenen Park entlang. Er ist seit Jahren eingezäunt, weil er nach seiner Fertigstellung von der Stadt nicht abgenommen wurde. Nun scheint sich ein Rechtsstreit hinzuziehen, der die Benutzung der großen Freifläche weiter hinauszögert.

Auf Rolle 8 entwickeln sich die Tuschezeichnungen aus sich heraus. Es gibt keinen Grund, damit aufzuhören, im Gegenteil. Das Material, das dort entsteht füllt das Arsenal für die Bearbeitung der Objekte und Reliefs.

Beim Bemalen des Weidenruten-Relief-Objektes hatte ich mich allerdings ganz von den Figuren von Rolle 8 entfernt, habe sie beiseite gelegt, um freier rangehen zu können. Allerdings sind ja die ganzen Dinge, die beim Zeichnen entstanden sind, in meinem Kopf, kann sie aufrufen, wenn sie benötigt werden oder sie kommen von alleine hervor.

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Sicherheit und Skepsis

Endlich begann ich mit der Tuschmalerei auf dem Relief des ersten Weidenruten-Objektes. Trotz des geringen Risikos, musste ich innerlich etwas Anlauf nehmen, um mich kurz entschlossen daran zu machen. Dabei wäre es möglich, das ganz ruhig, im Vertrauen auf die Beherrschung der Mittel zu tun, Schicht um Schicht mit Grautönen, krakeligen Federstrichen und wässrigen Pinselwolken. Ein produktives Paar sind die Sicherheit, mit der die Arbeitsvorgänge vonstatten gehen können, und die Skepsis gegen die Routine. In diesem Spannungsfeld kann das zweite Doppelportrait gelingen, besser als das erste, das mir bei längerer Beobachtung, zu wenig frisch erscheint etwas behäbig, wäre da nicht der Kontrast von der Lupenreinen Spannung der Lasurmalerei, zu der großen Entfernung mit der man es betrachten muss.

Am Vormittag arbeitete ich geradezu wütend an der Verbindung der letzten zwei Sequenzen auf Rolle 8, wie ich es mir gestern schon vorgenommen hatte. Vielleicht wollte ich den Start in die Tuschmalerei, nur vor mir her verschieben.

Nach allem, am Abend, band ich noch einige Spiralen an einer der Weiden im Gärtchen. Ein ziemlich ungewohnter Anblick ist das in seiner Häufung, etwas gewalttätig vielleicht und auch surreal. Zwischendrin sitz ich in meinem sonnigen Rohrsessel und fädle einzelne Lavasteine auf, die ich dann in die gebundenen Schlaufen hänge.

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Bleistift | Mechanik | Germania 3

Mit Bleistift habe ich zaghaft begonnen, auf einer Relieffragmentfläche von einem der Weidenrutenobjekte, zu zeichnen. Wie viel Respekt vor diesem Arbeitsschritt besteht, merke ich nun immer stärker. Es staute sich auf, was ich mir in den letzten Monaten dazu überlegte, bis das Arsenal so gefüllt wurde, dass nichts mehr hineinpasste. Ob das jetzt der Moment ist, an dem es geöffnet wird, ist mir noch nicht ganz klar. Aber er nähert sich.

Auf Rolle 8 ergeben sich Umschwünge und Neuorientierungen schneller und unkomplizierter. Dort gibt es klare Arbeitsgänge, deren Mechanik alleine ein Vorwärtsgehen bedingen. Das ging gestern mit einer weiteren Tanzzeichnung vonstatten. Sie hat noch keine Elemente der vorigen Figur in sich. Lebt nur durch die Überlagerungen der eigenen Formen. Aber sicher werde ich diese Sequenz mit der vorangegangenen verbinden. Entweder so, dass ich das gegenwärtige Material nach hinten schiebe, über den fülligen Umriss oder umgekehrt, ihn nach vorne über die neuen Figuren. Es geht auch, dass ich beide Vorgänge nacheinander abbilde, hin und her, was zur Folge haben wird, dass diese Verbindung zur Hauptsache wird.

Als ich am Abend zeichnete hörte ich eine Bearbeitung von Heiner Müllers Germania 3 für Radio. Zwischendrin lachte ich schallend. Hitler, Ubricht, Thälmann, Goebbels, Hagen und Krimhild, lakonische Regieanweisungen, Börsennachrichten…

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Etwas Neues | Theorie

Auf der Transparentpapierrolle Nummer 8, die wie alle anderen 50 m lang ist, füllte ich den fülligen Umriss der aktuellen Tanzfigur weiter mit den dichten, durch das zusammengerollte Papier durchscheinenden, Tuschelinien der vorangegangenen Zeichnungen. Nun muss sich innerhalb dieser Sequenz etwas Entscheidendes ändern, merke ich. Es muss was Neues her, das sich mit dem Vorigen verbindet!

Und gestern hatte ich mir vorgenommen, die grundierten Objekte, die ich zuvor aus den Formen genommen hatte, mit dem Tanzthema zu bearbeiten. Das war leichter gedacht, als getan. Denn die Übertragung der gefundenen Figurationen, erfüllt zurzeit nicht das, was ich mir von dieser Verbindung erhoffe. Folgerichtiger wäre eine Fortführung der Gravitationsschwünge, die aus den gebogenen Weidenruten entstanden und sich nun an den Rückseiten der Relieffragmente befinden. Sie träten auf den grundierten Flächen, als zersplitterte Bögen, zwischen die Linien und fächerten sich dann zu anderen Figuren auf. So etwa die Theorie…

Bereits vor 9 Uhr saßen die Mauereidechsen nach der frostigen Nacht, noch während Eis auf dem Seerosenwasser war, unter der Acrylglaskuppel und sonnten sich.

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Tanzthema in den Objekten

Nach der frostigen Nacht, habe ich im Gärtchen, schon jetzt am Morgen, vier Eidechsen gezählt. Sie sitzen auf den Holzskulpturen, zwischen den Efeuranken und unter der Acrylkuppel in der Sonne, wo sie ihre Körper aufwärmen können. Das Leben im Gärtchen hat zugenommen.

Gestern hängte ich alle Tafeln des ersten Doppelportraits des Väterprojektes vor meine große gespannte Leinwand. Das sieht noch etwas improvisiert aus, aber die Wirkung ist schon ziemlich kraftvoll. Das ist jedenfalls ein ganz guter Anfang.

Die Objekte sind nun aus der Form heraus, und ich kann mit ihnen weiterarbeiten. Zunächst kommt eine weiße Grundierung und dann werde ich versuchen die Arbeitsergebnisse von Rolle 8, das Tanzthema also, auf die Objekte anzuwenden. Für mich ist es sehr spannend, dieses Figurenmaterial mit den Reliefs zu verbinden. In solchen Situationen zögere ich öfter, wie beim Aufhängen des ersten Doppelportraits.

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Weidenflechterei | Durchblicke

Das erste der Objekte aus Weidenruten und einem Relieffragment ist nun getrocknet. Ich habe es aus der Form genommen und dann in den Raum gehängt. Die Spannung, die sich zwischen der Fläche des Reliefs und den Schwüngen der gebogenen Ruten aufbaut, führt zu einer skulpturalen Qualität, die die Neugier wecken kann, ganz um das Objekt herumzulaufen, um alle Blickwinkel und Konstellationen anschauen zu können. Nun erscheint es mir logischer uns ästhetisch richtiger, wenn das Holz nicht mit Pappmache ummantelt ist. Die Tradition von Weidenflechterei scheint auf und führt auch in die Landartgefilde.

Nach wie vor bin ich im Gärtchen dabei, die Äste der Weiden nach innen zu biegen. In die so umgeformten Baumareale hänge ich immer noch aufgefädelte Steine, Schneckenhäuser und Muscheln. Die Räume werden hiermit etwas aufgeladen, wie mit Elektrizität oder anderer Energie. Außerdem schafft die Anmutung von Meer einen weiteren Assoziationsraum.

Wenn ich die Gravitationsschwünge innerhalb der Buchmalereien mit den Aquarellstiften verstärke und an den Kreuzungen die Richtung wechsle, so einen Umriss schaffe, entstehen neue Figurationen, die innerhalb der Collagen Fenster in die gestrigen Linien und Farben werden können, Durchblicke in die junge Vergangenheit. Diese Linienverläufe haben mit Tanz zutun.

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Rolle rückwärts

Von der inhaltlichen Gestaltung Abstand zu nehmen, um notwendige handwerklich Dinge zu tun, nur um mir das Ergebnis einer halbjährigen Arbeit mir selber sichtbar zu machen, fällt mir sichtlich schwer. Gestern musste ich mich zwingen, am Vormittag Pappmache herzustellen, mit dem ich am Nachmittag die Befestigungen an den Rückseiten der Reliefs anbrachte, um alle 16 Formate zusammengestellt aufhängen zu können. Seltsamerweise interessiert mich dieser Zusammenklang nicht mehr so sehr. Die Herstellung war wichtig, die damit verbundenen Erinnerungen.

Eher denke ich nun an die Objekte, die die nächste Arbeitsphase vorbereiten oder schon Teil dieser sind. Reliefscherben füge ich mit gewachsenen Strukturen aus dem Garten zusammen, empfinde damit den Zusammenhang von Tanzzeichnungen und Frottagen der Scherbenformen nach, die auf Rolle 8 entstehen.

Dort möchte ich als nächstes eine Rolle rückwärts machen, zurückkehren zum 13.03., also zurückrollen, um die neu entstandenen Verdichtungen dort, weiter hinten, einzufügen. Somit verändere ich die Geschichte der Zeichnungskontinuität, mache das aber mit einem Datum kenntlich.

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Blickhorizonte | Jazzgeschichte | Wimmeln

Die Abrissarbeiten rund um das Atelier schaffen neue Blickhorizonte. Der Krisenmodus schafft Konzentration. Es erscheint der blaue breite Schlot eines Kraftwerks in Südosten, Betongerippe fallen zusammen und werden zu verbaubarem Material geschreddert. Ich kann mich musikhörend in die Jazzgeschichte fallen lassen, Tuscheschicht um Tuscheschicht auftragen, Schellackebenen hinzufügen, und nichts lenkt mich ab bei meinem sinnfreien Tun. Je höher der Level an Nervosität und Hysterie steigt, umso ruhiger wird es bei mir. Es ist wie eine natürliche, immunisierende Gegenreaktion.

Das einzige, was mich ablenkt, ist das Wimmeln in meinem Gärtchen. Die männlichen Mauereidechsen stecken nun ihre Reviere ab, Sonnenplätze werden verteidigt, aus Jagdarealen werden Konkurrenten vertrieben. Manchmal taucht zwischendrin auch schon ein Weibchen auf.

Außerdem kann ich dem Grün zuschauen, wie es sich mit unseren Installationen verbindet. Die gebogenen Spiralen treiben aus, Insekten schweben um das gestapelte Material aus Ästen, Gräsern und entstehender Erde. Muscheln und Steine schaukeln an den Perlonfäden im Wind und laden die winzigen Fliegen zum wohnen ein. Das Gärtchen ist der beste Arbeitsort.

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Otis Rush | Flächen | Collagen

Den Bluesmusiker Otis Rush habe ich noch aus den Sechzigerjahren von einer Amiga Schallplatte mit Aufnahmen der Folk- und Bluesfestivals in Dresden im Kopf. Heute Vormittag höre ich ihn in Aufnahmen von 1958, in denen er die Siebzigerjahre schon voraus genommen hat. Alles aber etwas abgespeckter, ohne das opulente Getöse.

Auf Rolle 8 zeichnete ich gestern, nachdem der Schatten ins Gärtchen gewandert war und meine Arbeit dort beendete, die Tanzsequenz weiter, die von einer neu gefundenen Zeichnung von 2003 stammt. Es findet sich in den Papierstapeln immer wieder eine, die ich lange nicht gesehen und vergessen hatte. Durch das Hin- und Herrollen und Durchzeichnen der durchscheinenden Linien verdichtet sich die Figurenfolge. Verschiedene durchmusterte Felder addieren sich ineinander und vergrößern aber auch die gestalteten Felder innerhalb der Umrisse. Wenn zusätzlich die Tuschelinien, durch andere Federn, breiter werden, kommt es nach einer Weile, also nach einigen Hin und Her, zu dichten schwarzen Flächen, deren Musterung im Gegenlicht aber noch gut erkennbar bleibt.

Am Morgen, noch zu Hause, überlegte ich, wie ich die Scans in die heutigen Collagen einfügen könnte. Das Ergebnis ist nun zwischen dem Text zu sehen.

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Vokabular

Auf Rolle 8 begann ich eine neue Überlagerungssequenz mit der Tuschezeichnung eines neuen Tanzfigurenumrisses. Der füllte sich beim Zusammenrollen gleich mit den durchscheinenden Teilen der vorigen Überlagerungen, die ich dort hineinzeichnete.

Mir fällt auf, dass ich im Lauf der Zeit ein eigenes Vokabular entwickelt habe, das die Arbeitschritte der unterschiedlichen Projekte benennt. Die entstehenden Phänomene können in dieser Weise geordnet werden und entwickeln sich zu planbaren Probierphasen. Alles bleibt eher vage und verweigert das fertige Produkt, das dann irgendwann doch von alleine auftaucht.

Im sonnigen Garten bog ich am Nachmittag die unteren Äste meiner größten Weide nach innen und band die entstandenen Schwünge mit Schnur fest. So soll eine konzentrierte Kraft als Formenenergie wachsen, die den gefährdeten Raum verletzlich zeigt und visuell schützt. In die so entstehenden Schlaufen hänge ich mit den Schülern und alleine an Perlonfäden Muscheln und Steine, die aus aufgefädelten Ketten von den Kanaren stammen. Sie schaukeln im Wind und ziehen Insekten an, die sie als Unterschlupf nutzen.

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Materialdifferenzen

In der Rückschau auf die letzten drei Tage mischen sich Jazz aus dem Haus Vaterland, Sidney Bechet hat dort beispielsweise gastiert, mit den Tanzzeichnungssequenzen auf Rolle 8. Sie erscheinen unfertig und in den Materialdifferenzen schillernd. Frottagen aus Graphit, neben mehrschichtigen Tuschezeichnungen, von beiden Seiten des Transparentpapiers. Die zerschredderte Balletttradition der Forsythecompany, die Gravitationsschwünge der Weidenruten, der Kubismus der Zwanzigerjahre und Thelonius Monk mit seiner Hinwendung zur extrem freien Improvisation, ergeben ein Gewebe.

Die Objekte aus Pappmache, Pflanzenteilen und Relieffragmente vom Freitag, trocknen noch. Ein paar zusammengerollte Weidenzweige liegen im Wasser. Mit ihnen will ich weitere Objekte bauen. Wegen des sich ausbreitenden neuen Virus, kann ich mich zurückgezogen im Atelier konzentrieren. Kaum andere Aktivitäten sind geplant. Nur notwendige Einkäufe.

Am vergangenen Freitag habe ich mit meinen Schülern Pappmache hergestellt und das Relief Nummer 11 abgegossen. Ein Mädchen, gerade aus Bangladesh gekommen, blieb die ganze Zeit in ihrer dicken Daunenjacke, obwohl das Atelier gut geheizt war. Dass die Dinge, wie Buchmalereien, Tuschezeichnungen und Objekte nun zusammenlaufen, habe ich auch dem Impuls zu verdanken, der aus der Arbeit mit den Jugendlichen kam.

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Schnelle Lichtwechsel

Die Gebäude in der Nachbarschaft werden mit großen Zangen angegriffen, Ecken weggerissen, wie von Granaten. Kettengetriebene Abbaumaschinen schaffen Platz mit lärmender Gewalt. Vor hundert Jahren standen hier zwischen Feldern und Schrebergärten Brücken in der Leere, ohne Anbindungen an einen Bahndamm, wie skulpturale Menetekel dessen was dann kommen sollte und jetzt wieder vergeht. Stetiges Zerstören, Aufbauen und Zerstören, planvoll mit Luftaufnahmen und Fliegerbomben, mit Trümmerfrauen und Baubrigaden, mit Abrissmonstern und Betonpumpen.

Schönheit kommt nur als Frage vor, überwölbt als Himmel das Geschehen. Woran festhalten?

Nun erscheint der Virus als Möglichkeit inne zu halten. Von dem Objekt, der Maschine, die im Entstehen ist, kann zurückgetreten werden. Rezession ist die Hoffnung. Vorübergehende Befreiung von der Beschleunigung. Gerade ist draußen der Lärm verstummt. Die Wolken ziehen eilig und erzeugen die schnellen Lichtwechsel des Frühjahres.

Mit den Schülern gehe nachher ich ins Gärtchen, Zweige biegen, Lavakiesel dazwischen hängen, im Atelier aufwärmen und Pappmache herstellen.

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Zwischensprache

Gestern machte ich ein paar Aufnahmen von den Abrissarbeiten rund um mich herum. Diese monströsen Arbeiten beeinflussen meine Buchmalereien, die zeichnerische Arbeit an Rolle 8, meinen Strich und das Tempo der Verwischungen und stempelhaften Vervielfältigungen der Motivfragmente. Es rhythmisiert mit seinem zerstörerischen Klang, der durch die Atelierwände dringt.

Die Arbeit mit meinen Schülern soll sich nun wieder mehr den Objekten nähern, die wir aus Pappmache herstellen. Ich möchte das Wachstum im Gärtchen, die Gravitationsschwüngen und das Thema Tanz verbinden. Für mich ist dieses Zusammenspiel ganz natürlich und folgt den Gang meiner Arbeit am Väterprojekt. Es gibt schon ein Objekt, einen ersten Schritt dahin, allerdings noch ohne Bemalung.

Vielleicht ist das der Weg, wie ich mit den Choreografinnen und Tänzerinnen aus den YOU&EYE Projekt zusammenarbeiten kann. Zeichnerische Notierungen tänzerischer Bewegungen scheinen in ihren Arbeitsgruppen ja schon eine Rolle zu spielen. Die Aufgabe wäre, die verschiedenen Gattungen mit einer Sprache als Zwischenglied oder Scharnier zu verknüpfen.

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Übertragungen

Beim YOU&EYE Treffen im Dezernat erzählte ich gestern von meiner Arbeit mit meinen Teilnehmern. Sie erstreckt sich in das Gärtchen, und das Tun dort, beeinflusst auch rückwirkend die künstlerische Arbeit im Atelier. Relieffragmente verbinden sich mit Ästen und deren Verzweigungen zu schwebenden Objekten. Die kreisenden Zeichnungen und Grundstrukturen des Väterprojektes werden von den eingebogenen Ästen der Weiden aufgenommen.

Mit den Tänzerinnen sprach ich über ein Treffen im Atelier. Ich möchte ihnen die Arbeit mit den Gravitationsschwüngen, den Tanzzeichnungen auf Rolle 8 und die Landart draußen vor den Rolltoren zeigen. Vielleicht ergeben sich Gemeinsamkeiten, die eine Zusammenarbeit im gestalteten Raum ermöglichen.

Außerdem berichtete ich von den Abrissarbeiten, die die Arbeit beeinflussen. Vielleicht müsste ich sie dokumentieren, um den Zusammenhang mit den Collagen, den Relieffragmentierungen und Transparentpapiersequenzen auf Rolle 8 aufzuzeigen. Sie sind spektakulär laut, gewalttätig und kriegsnah. Die riesigen Abrissmaschinen haben aber auch eine Bewegungseleganz von Urtieren, denen nichts entgegenzusetzen ist.

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Zeit | Überlagerungen | Gärtchen

Auf Rolle 8 zeichnete ich gestern an einer Sequenz weiter, die ich am 17.02. begonnen hatte. Weil die Tanzzeichnungen, die als Vorlage für die ersten Durchzeichnungen auf Transparentpapier dienen, schon älter sind, sie stammen von 2003, kommen sie mir zwar fern, aber inhaltlich aufgeladener vor. Vielleicht versah sie die verstrichene Zeit auf mit neuen Deutungsmöglichkeiten.

Ich füge Auszüge der Überlagerungssequenz zwar mit den Buchmalereien zusammen, bin mir aber über ihr Zusammenspiel nicht einig mit mir selbst. Die verschiedenen Techniken, die gegenständlichen und ungegenständlichen Sujets, all das will nicht so recht zusammenklingen, ist noch nicht bereit für die Anwendung auf den Reliefs.

Der starke Regen stürmt durch mein Gärtchen. Die Weidenkätzchen, an denen schon verschiedene Wildbienen waren, sind nass verstrubbelt und nicht flauschig. An den Unterseiten der Äste beobachte ich Getier, das Blattläusen mit großen Schilden auf den Rücken ähnelt. Wohnstätten aus Muscheln und durchlöcherten Basaltkieseln, hängen, für die Insekten, in den nach innen eingebogenen Ästen. Immer wieder, an sonnigen Tagen, kommen die Mauereidechsen aus ihren Überwinterungshöhlen und schielen nach den Fliegen, die sich an denselben Stellen sonnen.

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Dekonstruktion

Die Buchmalereien haben sich zu einer spröden Angelegenheit entwickelt. Ich fühle mich mit ihnen nicht wohl. Oder es ist eine andere Art meines Einverständnisses mit dieser Arbeit. Ich akzeptiere die Ästhetik, die sich von den Formen der Natur abwendet und sich eher mit dem Abrissgeschehen in der direkten Umgebung verbindet. Mit den Häusern verschwinden auch die Bäume, die von riesigen Maschinen einfach ausgerissen werden. Mit ihnen wird auch alles Gesträuch entfernt, das in den letzten Jahren, als die Gelände nicht genutzt wurden, wild gewachsen ist. Ein Desaster für alles Kleingetier, das sich dort eingerichtet hatte.

Eine ganz andere Welt entwickelt sich in den Tuschezeichnungen auf Rolle 8. Sie leben von der Schönheit der Umrisse der Tanzzeichnungen und der Strukturen, mit denen sie gefüllt werden. Ich zögere mit der Übertragung auf die Reliefs, weil ich dafür eine ruhige Arbeitsphase benötige, in der ich mich nur auf diesen Arbeitsschritt konzentrieren kann. Aber bald wird es soweit sein, dann entstehen die ersten kleinen Reliefs mit den Tanzfiguren.

Am Sonnabend sahen wir einen Nick – Cave – Abend mit der Schauspielerin Elvira Bach und ihrer Band Wichboy. Sie sang sehr schön, bewegte sich großartig und musizierte begeisternd mit der Band. Aber sie spielte eine Sängerin. Und dieser Abstand zu einer Figur machte den Unterschied zu einem normalen Konzert. Um diesen Vorgang spannungsvoller zu gestalten, würde aber eine Figur gebraucht, die sich entwickelt, sich vielleicht langsam in Nick Cave verwandelt.

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Atlantikenergie

Immer dieselben Arbeitsschritte nach einer Reise. Am ersten Tag beginne ich die Buchmalereien zu scannen, die unterwegs entstanden sind. Und immer unterscheiden sie sich deutlich von dem, was vorher und nachher entstanden ist und entsteht.

Jetzt bin ich im Umgang mit den farbigen Linien und Flächen nicht gerade vorsichtig. Es steckt darinnen eine Energie, die aus dem starken Wind vom Atlantik herzurühren scheint. Es besteht eine Lust an harten Formen und starken Farben. Das ganze gespeicherte Licht will auch nach draußen. Schon gestern machte sich das Luft.

In den draußen hängenden Ketten aus Strandmaterialien konnte ich feststellen, dass sie von Insekten als Wohnstätten genutzt werden. In den Hohlräumen der Muscheln und Schnecken, in den Labyrinthen der Lavakiesel und Korallenbauten, befinden sich Eiablageplätze, Larvenkammern und Gespinste, in die Jagdbeute eingewoben ist. In den Projekten, die ich mit den Schülern im Rahmen von YOU&EYE mache, wird das nun eine wichtige Rolle spielen.

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Express

Am vergangenen Wochenende, während ich Ornette Coleman mit Aufnahmen von 1958 hörte, geriet ich innerhalb der Buchmalereien in eine expressive Bewegung. Das schaukelte sich etwas hoch, und ich fühlte mich ziemlich wohl dabei. Was da aufleuchtete, gab es bei mir schon vor 35 Jahren, in den gegenständlichen Zeichnungen aus Schauspielproben in Dresden und Heidelberg.

Jetzt fühle ich mich in dem Spannungsfeld zwischen den gestischen Liniengeflechten aus Gravitationsschwüngen, groben Beistrichen aus der Frottagenstruktur und den wolkigen Aufweichungen, sehr wohl. Die letzteren sind auch von feinen Handlinien durchsetzt, die mit ihrer Zartheit einen weiteren Kontrast zu den kräftigen Linien bilden.

Die Grauschattierungen, die durch die rhythmischen Berührungen des Handballens, den ich zuvor auf einem Schwamm angefeuchtet habe, verschwimmen, setzen sich aus vielfarbigen Schraffuren zusammen, die das Grundmaterial der Farbwolken bilden. Die häufigen Wiederholungen dieser Bewegungen, bekommen manchmal einen hämmernden Charakter. Und dann kommt es vor, dass in dieses getupfte Weichfeld noch mal eine harte trockene Linie schneidet.

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Transparentpapier und Pappmache

Die Entwicklung des Bildmaterials, bzw. die Arbeitsschritte zu seiner Herstellung, läuft auf Rolle 8 geradezu planmäßig. Zwei angefüllte und verdichtete Tanzfigurenumrisse, habe ich wieder mit einer Frottage überlagert, deren Graphitlinien mit Tusche nachgezogen worden sind.

Der Haken dabei ist, dass die entwickelten Strukturen, alle auf dem Material basieren, das mich zu dieser Arbeitsweise alleinig in die Lage versetzt, Transparentpapier nämlich. Die Frage, wie ich die Figurationen auf Pappmache übertragen kann, bleibt bestehen.

Ich könnte sie einfach zeichnerisch übertragen. Das wäre die einfachste und vielleicht beste Variante. Wenn mir das aber nicht genügte, müsste ich eine andere Möglichkeit finden, die mit der Struktur und der Materialität der Reliefs direkt zutun hat. Es ist nicht sehr hilfreich, darüber noch weiter nachzudenken. Ich muss es einfach probieren.

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Schutzgebiete

Das Weiterzeichnen auf Rolle 8 erzeugt immer neue Muster durch die Verdichtung im Wechsel mit Fragmentierung und Vereinzelung der Formen. Dadurch entstehen Zwischenräume, Freiräume, die manchmal nicht gefüllt werden dürfen. Sie sind wie Schutzgebiete, in denen nichts Zeichnerisches entstehen darf.

Ich dachte über das kontinuierliche Arbeiten mit alten Bildgestaltungsprogrammen nach. Ich benutze ein Fotoretuschierprogramm ja immer gegen seine eigentlichen Intensionen. Lange Zeit hantiere ich damit sehr eingeschränkt, nutzt die Vielfalt keinesfalls aus, sondern beschränke mich in den Mitteln. Das aber kann zu Neuerungen an anderer Stelle führen.

Das Zusammenfügen der Tuschezeichnungen mit den Buchmalereien, ist immer mit Verlusten auf beiden Seiten verbunden. Die unterschiedlichen Techniken passen oft auch nicht recht zueinander, behindern sich gegenseitig und stellen, wenn ich nicht aufpasse, kein rechtes Vorwärtskommen dar. Manchmal dauert es eine ganze Weile, bis eine Zusammenstellung, wie oben, fertig ist.

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Jojo Rabbit

Die Tanzzeichnungen von 2003 bestehen oft nur aus einer oder zwei Linien, die Figuren umschreiben und sich mehrfach kreuzen. Daraus entstehen geschlossene Flächen, die auf die Transparentpapierrolle übertragen, mit den Liniengeflechten gefüllt werden können, die auf dem Papierstreifen zuvor entstanden sind. Deren Inhalt war, in den letzten Tagen, die Vereinzelung von fragmentierten Splitterflächen.

Nun ist es folgerichtig, wieder Splitterfrottagen der Stückformen des Väterportraits hinzuzufügen. Alles trifft in den Collagen aufeinander, von denen ich nun täglich 3 anfertige, was das Material für die nächsten Reliefbemalungen entscheidend vermehrt und verdichtet.

In einem schönen, kleinen Kino, das in mehrere Bars eingebettet, eine gepflegte und gemütliche Atmosphäre bietet, sahen wir auf Empfehlung von unserem Freund Michi „Jojo Rabbit“. Er hat das hervorragende Syncronbuch zu dieser Komödie geschrieben, in der ein Hitlerjunge hin und her gerissen ist zwischen seinem Freund, dem Führer und einem versteckten jüdischen Mädchen. Sehr gelungene Sequenzen, über die wir schallend lachen konnten. Bei manchen Wendungen hatte ich deswegen ein etwas schlechtes Gewissen.

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Ähnliche Vorgänge | Wellenbewegung

Das Weiterführen von Vereinzelung und Neuordnung der Gestaltungspartikel, die aus der Begegnung von Frottagen der Formen des Väterdoppelportraits und den Tanzzeichnungen von 2003 entstehen, war Thema der gestrigen Arbeit auf Rolle 8. Es bildet sich eine Wellenbewegung aus Überlagerungen und Fragmentierungen. Dabei werden die laufend neu entstehenden Varianten der Umrisse auf ihre Eignung untersucht, als alleiniges Objekt zu stehen, oder in Verbund der neuen Splitter zu funktionieren. Eine weitere Überlagerungssequenz aus diesen Teilen, wäre ebenfalls denkbar.

Mit ganz anderen Mitteln bilden sich innerhalb der Buchmalereien ähnliche Vorgänge ab. Weil ich auf beiden Arbeitsebenen, der Transparentpapierrolle und den Miniaturaquarellen, derzeit auf die Vorgaben der 10. Reliefform zurückgreife, kommt es zu Ähnlichkeiten bei den Umrissen der Frottagen, Tuschzeichnungen und Farblinien. Manchmal treffen sie im rechten Winkel aufeinander.

Vormittags besuchte ich die Ausstellung mit Bildern von Vinzent van Gogh im Städelmuseum. Daraus ging eine freudig–kreative Stimmung hervor, eine Gemeinsamkeit aus der Liebe zu den Gärten und ihrem lebendigen Formenpotential.

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Neue Zersplitterungen

Aus der Dynamik der Lücken in der Überlagerungssequenz auf Rolle 8, sind erneute Zersplitterungen entstanden. Sie führen zu neuen Figuren, mit denen ich weitere, abstrakte Geschichten erzählen kann.

Das Zusammenspiel der Buchmalereien mit den Formen des Väterreliefs über die Frottagen und die Weiterentwicklung der Transparentpapierrollenarbeit, führen zu Überlegungen, mich über kleinere plastische Arbeiten dem nächsten Väterportrait zu nähern. Weil die Frottagen, die sich mit den Tanzfiguren zusammenfügen, von Bereichen der Formen stammen, die ich auch fragmentarisch mit Pappmache abformen kann, ist es möglich zeichnerisch und plastisch mit dem vorhandenen Material in kleinerem Maßstab zu experimentieren.

Weitere Biegungen der nach außen strebenden Äste der Weide des Gärtchens leiten die Kraft nun nach innen um. Die Wirkung dieser kompositorischen Tat hat eine emotionale Komponente. Einerseits wird das natürliche Wachstum umgelenkt und begibt sich, bei anhaltender Biegung, durch die Schnur gehalten, fest in diese Form. Andererseits wirkt die Gesamtform des Baumes fast tänzerisch. Den Teilnehmern von YOU&EYE macht das Arbeiten mit den lebenden Naturmaterialien Freude. Steine und Muscheln zwischen den Schwüngen schaffen bildliche Massepunkte für die Gravitation.

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Fehlstellen

Während der Arbeit auf Rolle 8 kam es gestern zu einer Begegnung einer Frottage von Splittern des 3. Scherbengerichts, von der Form Nummer 10, mit einer Tanzzeichnung aus dem Ballettsaal in der Oper, der nun bald Rückgebaut werden soll.

Innerhalb der Sequenz, die durch das Zeichnen der durchscheinenden Linien beim Zusammenrollen des Transparentpapiers entstand, ließ ich Lücken, um manche Überlagerungen erst in der nächsten oder übernächsten Umdrehung abzubilden. Dadurch entstand eine Komposition, mit einer rätselhaften Dynamik, die auf einer Länge von etwa einem Meter, eine große Spannung auslöst.

Diese Zeichnung berührt mich ähnlich tief, wie die vom 20.12. 2019, in der sich das Rückbauornament des Palastes der Republik mit einer Splitterfrottage und einer Tanzfigur verbinden. Woher diese Tiefe der Wirkung kommt, kann ich mir nicht erklären. Allerdings tat ich mich gestern eine ganze Weile schwer mit dem regelmäßigen Durchzeichnen der zunehmenden Verdichtungen und zwang mich zu den oben beschriebenen Fehlstellen.

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Energie | Verdichtung | Konzentration

Das Steigen zwischen den hohen, kahlen Stämmen, die Lichtschattenlicht auf den beschneiten Waldboden des Altkönighanges zeichnen, wärmt. Der Atem geht ruhig. Eis zwischen den Steinen der Keltenringe, und kurz unter dem Gipfelplateau, südwestlich, ist es warm. Über den Schnee schnurrt eine Hummel.

Im Totholz des Gärtchens sonnte sich eine Mauereidechse. Dort und in den kleinen Erdhöhlen auf dem Beton überwintern sie. Sie folgten mir in mein Naturrefugium und ich fühle mich nun verantwortlich für sie. Dankbar bin ich, dass das von offiziellen Stellen unterstützt wird, auch von meinen Nachbarn und den Leuten, mit denen ich im Viertel zusammenarbeite. Manchmal ist das wichtig.

Die Gravitationsschwünge besitzen eine außergewöhnliche Energie. Die nach innen, in Richtung des Hauptstammes gebogenen Weidenruten, schaffen eine Verdichtung der Kraft. Im laufenden Jahr sprießen aus den Bögen wieder Triebe nach außen, die dann wieder gebogen werden können. Es ist spannend, wie sich der Baum in dieser Konzentration verhält.

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Verwandlungen

Die Fortführung der Arbeit auf Rolle 8 begann mit einer relativ abstrakten Tanzzeichnung vom Februar 2003. Die Überlagerungen wandeln sich zu Kolonnen von gleichgeschalteten Linien, wie die von einer klassischen Tanzkompanie, die an der Rampe, im perfekten Gleichklang, die Glieder heben und senken, in einer Revue verdrehen und kreuzen. Das hat nur parodistisch mit der Forsythecompany zutun. Ein Rückblick auf Material, aus dem die neue Tanzsprache entstand.

Innerhalb der Buchmalereien geht es ganz anders zur Sache. Diagonalen sprengen dort den Gleichklang und die Wiederholungen ein und desselben Motivs, sind eher schmerzhaft erzwungen, wollen aufgelöst werden und als Dopplung verschwinden. Das alles löst aber jede Tendenz zur Starrheit.

In einer Buchkritik über den neuen Roman von Thomas Brussig, ging es gestern um die Verwandlung von zwei Jugendlichen in Waschbären. Eigentlich war die Kritik ein ziemlicher Verriss, inspirierte mich aber dazu, solche Verwandlungen, in meiner direkten Umgebung zu entdecken. Auslöser dafür können nebensächliche Begebenheiten sein. Ob dann aber immer Waschbären herauskommen, ist nicht gewiss.

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Verlässlichkeit

Seit Freitag war das Atelier ohne Heizung, insgesamt also 4 Tage. Die Tore des Geländes stehen seit Monaten offen, weil die zerstörten Schlösser nicht repariert werden. Fallrohre und Dachrinnen funktionieren nicht, Sperrmüll wird abgeladen, Dämmstoffe fallen von den Wänden und überhöhte Nebenkostenrechnungen für die Reinigung der Flächen werden versendet. Der Zustand des schützenswerten Geländes, auf dem das Projekt „Soziale Stadt Gallus“, inmitten der Abrisslandschaften stattfindet, ist beklagenswert. Das drückt auf die Stimmung aller Mieter. Wir kümmern uns um das Viertel, bemühen uns um Zusammenhalt, entwickeln daraus ein Kraft, die das alles möglich macht. Und dafür benötigen wir eine verlässliche Unterstützung.

Gestern Abend kümmerte ich mich gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Vermieters, um die Befüllung der Heizanlage, legte einen Schlauch aus meiner Küche hinaus zum Anschluss. Nun ist es warm, also konzentriere ich mich wieder auf meine Arbeit.

Das Licht sickert von oben in den Raum, kurze Sonnenaufgangssequenz am Morgen. Die Wirkungen auf die Farbigkeit der Buchmalereien und ihre Rückstrahlung auf mich, fiel mir am Morgen beim Scannen der 12 Malereien der letzten 4 Tage auf. Es handelt sich dabei um meine Hauptarbeit, die ich überall machen kann, ob ich unterwegs oder in einer beengten Situation bin.

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Eingefroren

Vom Nachfahren der Linien der Tanzzeichnungen, mit Tusche auf das Transparentpapier der Rolle 8, lösen sich Erinnerungsblitze aus. Mit der Feder gehe ich durch die Bühnenräume und habe die Bewegungen des Ensembles vor meinen Augen. Wenn Ausschnitte dieses Geschehens auf meinem Papier angelangt sind und heute 17 Jahre später in andere gestalterische Zusammenhänge gelangen, kommt es mir vor, als seien sie der Augenblickhaftigkeit entrissen. Nun existieren die Bewegungen aus diesen Räumen weiter auf Transparentpapier oder im Pappmache der Scherben.

Aber erst in den Collagen treten sie zunächst in Verbindung zu den Splittern der Reliefs, die aus den Frottagen der Buchmalereien hervortreten, aus den Reliefformen in die Verläufe der Suchbewegungen, die zum nächsten Exemplar der Väterreliefs führen sollen.

Mir fällt die Verwandtschaft von Arbeitsweisen auf, deren Ergebnisse ich in den Tempeln im Himalaja sah. Dieselben Figuren werden in verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Gesten dargestellt. Oft sitzen sie in einer Vierergruppe mit dem Rücken zueinander und bieten dem Besucher, der sie im Uhrzeigersinn umrundet, ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen dar. An den Wänden sind sie von weiteren sitzend Meditierenden, die in den Raum schauen, umgeben. Die Anordnung folgt einem Mandala, das hier seine dreidimensionale Entsprechung findet und Orientierung für die Meditation bieten soll.

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Arbeitsweise

Die bewegliche, tanzende Kamera, inmitten einer getanzten Vorstellung, war ein Werkzeug von Thomas Jacoby in Heidelberg. Wir hatten ab und zu Kontakt und arbeiteten auch gelegentlich zusammen. Ich erinnere mich, wie er im Bockenheimer Depot Zeichnungen von mir von einem Kopienstapel nahm und mich anhand dieser erkannte. Im Netz sah ich eine Todesanzeige mit seinem Namen.

Die Zeichnungen von 2003 nehme ich mir nun vor, um sie auf weitere Verwendungsmöglichkeiten zu untersuchen. Gestern entdeckte ich eine, die aus einer einzigen, sich überschneidenden Linie besteht, und mehrere Figuren in einem Raum umschreibt. Diese Binnenflächen, die bei dieser Art zu zeichnen entstehen, bieten sich für eine weitere Verarbeitung an, rufen geradezu nach Vervollständigung, nach Füllung. So leben sie auf Rolle 8 wieder auf. Ich könnte mir auch Animationen mit diesem Material vorstellen. Tanzzeichnungen beginnen zu tanzen.

Im oberen Raum des Ateliers hängt die Skulptur aus Zweigen, mit Pappmache ummantelt, und Relieffragmenten. Leicht erkenne ich in ihrem Umriss eine Figur, die auf einem Gefährt steht. Es könnte ein Boot sein oder ein Luftschiffchen mit Segel. Immer, wenn ich erneut hinschaue, entdecke ich andere Konstellationen. Dieser Blick etabliert sich nun als Arbeitsweise für das nächste Reliefexemplar.

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Kind of Blue, schnell ziehende Wolken und trockenes, elektrisches Licht.

Das Tanz – Abspaltungs – Thema entwickelt sich weiter auf Rolle 8. Tuschezeichnungen der letzten Tage fügte ich in die Collagen des heutigen Trios ein. In den Buchmalereien verzichtete ich auf dieses Thema und konnte ganz frei bei den Gravitationsschwüngen und der Frottage, von einem kleinen Teil der 5. Form, bleiben. Es fühlte sich zunächst gut an, die Themen auf diese Weise getrennt zu behandeln, um sie dann später zusammenzufügen.

Um diese Arbeitsweise auf die Reliefs zu übertragen, eignet sich zunächst wieder die Bearbeitung einzelner Scherben. Ich denke an roh belassenes Pappmache, nur teilweise weiß grundiert, an Tuschezeichnungen mit Feder und Pinsel und an Absperrungen und Verwischungen mir Schellack. Klare Formen, Zersplitterungen, die sich manchmal in Wolken auflösen. Es wird eine Zeit dauern, bis ich an das erste Format herangehe.

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen auf der Transparentpapierrolle, in den Buchmalereien und auf den Reliefs, tragen schon die Spannung einer Spaltung in sich. Das Zusammenfügen ist schwer: Kind of Blue, schnell ziehende Wolken und trockenes elektrisches Licht.

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Vorgeformtes Material

Auf dem Zeichentisch liegt ein Reclam-Band aus dem Jahr 1983. Es handelt sich dabei um eine hochdeutsche Fassung des Nibelungenliedes von Uwe Johnson und Manfred Bierwisch. Ab und zu greife ich zu diesem Stoff und denke dabei an meine Arbeit am Schauspiel Dresden. Von damals, etwa der gleichen Zeit, in der diese 8. Auflage erschienen ist, stammen Bühnenzeichnungen, Aquarelle und Collagen. Durs Grünbein war Regieassistent von Wolfgang Engel.

Die Bühnenzeichnungen sind den Tanzzeichnungen ähnlich. Diese Arbeit ist eine Beschäftigung mit künstlerisch mehrfach vorgeformtem Material. Die Neuinterpretation von Raumkonstellationen mit Figuren.

Mit einer Frottage von der Reliefform Nummer 5 und einer Ballettzeichnung aus dem Jahr 2003, fertigte ich eine Überlagerungssequenz an, mit der ich die zwei Figurenumrisse füllte. Die Weiterarbeit daran, soll mich der Arbeitsweise näher bringen, mit der ich mein Tanzthema der Abspaltung der Söhne von den Vätern in die Reliefmalerei einfügen kann. Die Grenzen der Scherben werden von den Gravitationsschwüngen beschrieben, die Brüche der Splitter, von den Überlagerungssequenzen der 4 Scherbengerichte, die ich auf der vorigen Transparentpapierrolle gezeichnet habe. Dieses Grundmaterial soll mich nun in weitere Aufsplitterungen führen.

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Tanz | Abspaltung

Die ersten Versuche, innerhalb des Väterprojektes, mit dem Tanzthema umzugehen, fanden auf Rolle 8 und nun auch innerhalb der Buchmalereien statt. Die Gliedmaßen tauchen aus dem Nebel auf. Genau so kann das Thema langsam beginnen zu wachsen.

Außerdem gewann, innerhalb dieser Beschäftigung, ein Vorgang der Abspaltung der Söhne von den Vätern, in meinem Nachdenken an Bedeutung. Natürlich lassen sich diese Entwicklungen innerhalb der Familiengeschichten verfolgen und klar lassen sich Erfahrungen damit in der Literatur begutachten. Vielleicht gibt es das sogar auch in den Choreografien von Bill Forsythe. Ich denke aber die Splitterstruktur mit den Spaltfiguren zusammen: „Der Riss ist die Passage“.

Als Hintergrund für ein Interview mit Kayo im Rebstockimbiss, sah ich gestern mein Wandbild, immer im Verhältnis zu seinem klaren, persönlichen Migrationsbericht. Er ist ein guter Darsteller und Erzähler! Da fiel mir auf, dass der Ansatz der Gegenständlichkeit, wie er in diesem Wandbild verfolgt wurde und sich mit seiner Erzählung im Film verband, auch etwas mit dem nächsten Väterportraitexemplar zutun haben wird, aber von den Scherben strukturiert.

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Kinesphärischer Garten

Ausweichend kümmere ich mich um die Pflanzen, koche Kaffee und beobachte die aktuellen Rückbauarbeiten. Heute wird das Tor abgerissen, durch das ich 20 Jahre lang das Gelände betrat, das schon einmal gebrannt hatte und seit dem als Ruine vor dem Gelände stand. Die Landschaft verändert sich. Die Sonne geht woanders auf.

Gestern legte ich alle fertig bemalten Tafeln auf den Boden, dass sie das Gesamtbild ergaben. Ich versuchte das Ganze zu fotografieren, was mir nicht so gut, nicht scharf genug gelang. Nun werde ich die Tafeln einzeln auf die Staffelei stellen, fotografieren und dann im Rechner zum großen Doppelportrait zusammenstellen.

Die Choreografinnen redeten im Anna – Freud – Institut von Tanzspiralen und kinesphärischen Experimenten. Lineare Entsprechungen dessen, ließen sich auf verschiedene Weise auf Papier herstellen und in die „Gartenkunst“ übersetzen, oder in Energieräume aus Weidenruten, Steinen, Erde, Wasser und Totholz. Die Flugbahnen der einfallenden Meisen werden in kurzen Strecken von gespannten Schnüren nachgeschrieben. Irgendwann kommen die Mauersegler wieder und lehren uns, für kurze Zeit, das Leben in Schwüngen.

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Weiden und Tanz

Mit der Bemalung des ersten Exemplars des Väterreliefs bin ich gestern fertig geworden. Es folgt nun die Vorbereitung des nächsten. Das beginnt mit der Ausformung der nächsten Reliefrohlinge und deren Grundierung. Was dann aber folgen wird, weiß ich jetzt noch nicht. Die nächsten Arbeitsschritte werde ich erst gehen können, wenn ich das Tanzthema mit Materialproben und weiteren Überlegungen auf Rolle 8 vorbereitet habe.

Am Vormittag stellte ich während eines Supervisionstreffens im Anna –Freud –Institut die Rolle des Ateliergartens für das Projekt in den Mittelpunkt. Ich beschrieb die Arbeitsweisen, die die Gravitationsschwünge auf dem Papier und den Weidenrutenbiegungen an den Bäumen verbinden. Dabei kommen die Kinder den Prozessen des Wachstums vor dem Atelier näher und entdecken Natur als schützenswerten Partner, dessen Zerstörung sich rächt.

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Spiralbewegungen des Tanzkurses mit den Gravitationsschwüngen und den Weidenbiegungen verbinden können. Ich muss das selber in die Hand nehmen und bei den Choreografinnen vorbeischauen. Das ginge zusammen mit meiner aktuellen Ausprägung des Väterthemas und dessen Weiterentwicklung auf Rolle 8.

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Verlorene Substanz

Zeitiger als sonst geht mein Blick, nach der klaren, kalten Nacht, auf einen apricotfarbenen Horizont. Die Farbe tritt auf, als wäre sie aus den Reliefmalereien in den Himmel gesprungen.

Gestern hat man begonnen, das knapp hundert Jahre alte schöne Backsteingebäude abzureißen, das den Blick vom Gelände nach Südosten bestimmte und bisher unerschütterlich stand, auf seinem Grund. Über ihm ging in letzter Zeit die Sonne auf. Der Greifer krallte sich in die erste Hausecke, um sie zum Einsturz zu bringen und frisst sich seit dem in die alte handwerkliche Baustruktur. Der verlorenen Substanz werden Wohngebäude folgen, die nicht halb so lange stehen.

Die vorletzte und die letzte Relieftafel des ersten Exemplars des Väterportraits, bemalte ich gestern. Noch etwa zwei Stunden Arbeit, dann werde ich damit fertig sein.

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2 Frottagen | 3 Gravitationsschwünge

Am Morgen wandert wieder dieses Licht von oben hinab auf die Tische. Charlie Parker – kein Trio – große Besetzung, aufgewühlt und ohne entspannte Ruhe. Die aufgekratzte Nervosität wirkt sich auf die Bewegungen der Linien und der Handballenverwischungen aus. Über Krähenfüße stolziert die Trompete am Schlagzeug vorbei, vorbei am Rauschen der Becken und den harten Schlägen auf den Rand der Trommel.

Ich ging von zwei rudimentären Frottagen von der 5. Reliefform aus und entwickelte die drei Buchmalereien zunächst durch drei Gravitationsschwünge in den Zwischenräumen. Sie überlagerten sich mit den konstruktiven Linien der Form. Die Übertragung der Strukturen unter den drei Malereien, schafft immer neue Konstellationen und Wiederholungen, die wie ein Fehler in der Matrix wirken, eine Wahrnehmung von Vermehrung und Variation der Formen.

In einem Schwung wurde das Relief mit der Nummer 1 farbig fertig. Ich wischte viel, beeilte mich, nun das Ende vor Augen. Dabei griff ich auf die Vorgänge der Buchmalereien zurück, konnte die Arbeitsweise in gewisser Weise übertragen Noch zwei Formate, dann kann ich mich um die Aufhängung des ersten Exemplars des Väterportraits kümmern, vielleicht noch ein paar Korrekturen machen und Schluss.

Am Morgen dachte ich über das nächste Exemplar nach, das sich auf ganz grafische Weise mit dem Tanzarchitekturthema befasst. Keine Malerei, nur die Verstärkung oder Abschwächung der Reliefstruktur mit Tusche, Schellack und Graphit. Da drinnen bilden die Tanzfiguren einen Erzählungsreigen.

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Sehr langsame Veränderung

Von zwei Frottagen gehen zwei leichte Gravitationsschwünge jeweils nach Rechts. Die Arbeitsweise verändert sich sehr langsam. Schaue ich auf die letzten zwanzig Jahre der täglichen Buchmalerei zurück, hat sie sich dennoch stark verändert, allerdings in ihrer eigenen langsamen, vorsichtigen Kontinuität.

Zu den Themen Tanz, Wanderung und durchmessener Raum, kam nun der längst überfällige Triogedanke, der ja der Arbeitsweise der Buchmalereien innewohnt. Aus den unterschiedlichen Musiken, die sich diesem Dreiklang widmen, steht mir am ehesten der Jazz aus meiner Kinderzeit nahe.

Große Helligkeit sickert von oben in den Raum. Sie wird in einer Stunde die Arbeitstische erreicht haben, auf denen die Reliefformen, deren bemalte Abgüsse und die ganzen Materialien liegen, die ich benötige. Es geht nun um Ölmalerei mit ihrem Duft aus meiner Jugend.

Auf den Zeichentisch stehen Gläser mit Zeichenfedern, Stiften, Messern, Holzstäben, Pinseln und all den anderen Dingen für die Buchmalerei. Sie führt mich.

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Wege

Das Relief Nummer 4 des ersten Doppelportraitexemplares, in der Zählung vom ersten bis zum 4. Scherbengericht, die jeweils aus vier Tafeln bestehen, habe ich gestern fertig bemalt. Das ist ein vergnügliches Arbeiten, das mich nicht gerade sehr fordert. Ich stelle diesen Teil der Arbeit zu den anderen zwölf Teilen, die bis jetzt fertig sind und werde morgen und in der nächsten Woche mit der Bemalung der letzten drei Reliefs beginnen.

Die Gänge auf den Altkönig wirken sich auf meine Beweglichkeit im Alltag aus. Mir fehlt die Arbeit mit den gewanderten Linien. Nach der Malerei am ersten Väterportrait, ergäbe sich die Möglichkeit, im Zusammenhang mit der Vorbereitung des nächsten, die BE WEG UNG im Raum der Stadt, mit in die Arbeit an den Tanzfiguren einzubeziehen, die eine entscheidende Rolle im nächsten Väterportrait spielen sollen.

Einen Gang in der Stadt Frankfurt kann ich außerdem nach Mumbai verschieben, ihn dort mit seinen notwendigen Veränderungen, die durch den anderen Grundriss der Stadt entstehen, gehen, um dieses Ergebnis dann in das Spiti Tal im Himalaja zu verschieben, und die Figur dort erneut durch eine Wanderung zu verändern. In Mussoori, der Hillstation am Fuß der Berge, bin ich ja schon einmal mehrere Hände gelaufen.

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Wappentier

Die intensivere Arbeit mit den Buchmalereien, mit denen ich nun täglich 3 Collagen anfertige, führt mich auf Wege, die noch mehr mit den Sechzigerjahren zutun haben. Das kommt von der Beschäftigung mit den Jazztrios dieser Zeit. Und wenn ich diese Welt mit der meiner Kindheit verbinde, ergeben sich überraschende Überlagerungen. Aber das ist ein neuer Kosmos, dem ich mich langsam mit einer Sonde nähern will. Ausgangspunkt ist die Reihe von Jungpionierportraits, die ich vor einiger Zeit auf Transparentpapier zeichnete.

Gestern fotografierte ich eine Mauereidechse, die sich in meinem Gärtchen sonnte. Die S-Form der Körper dieser Reptilien, wäre ein schönes Wappentier für das Gelände von Teves West, ein Zeichen des Artenschutzes mitten in der Verdichtungswut.

Ich war im Netz auf der Suche nach den Wollfadengeflechten und damit kombinierten Figuren aus Widderschädeln zur Geisterabwehr im Himalaja. Ich fotografierte einige im Spitital und in Ladakh und würde diese Formensprache gerne in die S-Form der Tevesreptilien oder in die der Gravitationsschwünge der Weiden verwandeln. Diese skulpturale Vorgehensweise mit Geflechten aus Naturmaterial interessiert mich schon eine Weile. Ich begegne ihr ganz einfach durch meinen Blick auf die Umgebung. Das führt im Wald und vor meinem Atelier zunächst zu Landart

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Auf den Berg!

Es ist ein sonniger Morgen. Ich habe mir vorgenommen, am Nachmittag den Altkönig zu besteigen. Ich sehne mich nach der Stille des Waldes, nach seiner Luft und den Bildern, die mich dort umgeben. Das Steigen ruft ein besonders angenehmes Körpergefühl hervor – tiefer Atem, Wärme und ein geschlossener Bewegungsablauf mit klarem Ziel.

Mit Preußischblau malte ich gestern die Gravitationsschwünge der letzten vier Reliefs und begann am Abend die Farbigkeit der Splitter anzulegen. Dieser Arbeitsgang lässt sich nun nicht mehr von den Buchmalereien trennen. Um aber das Großformat im geschlossenen Stil zu Ende zu bringen, fahre ich die Malerei mit angezogener Handbremse. Dennoch verfalle ich in eine nachlässigere Malweise und lasse sie gewähren.

Die täglichen drei Formate begleiten die Songs von Chet Baker, mit denen er sein melancholisches Trompetenspiel ergänzt. Inwiefern die Zeichnung oder die Farben davon beeinflusst werden, würde ich gern deutlicher erkennen.

An Rolle 8 mit einer neuen Tanzfigur, bin ich noch nicht rangekommen. Die Malerei hält mich zu sehr in Atem. Dennoch drängt es mich zu dieser Arbeit.

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Kinästhetischer Baum

Auf Rolle 8 werde ich nun mit weiteren Tanzfiguren und Reliefstrukturen arbeiten, um das Thema für das nächste große Väterportrait vorzubereiten. Wenn ich dann, wie beim ersten Exemplar, wieder die Möglichkeiten der Malerei in Verbindung mit Tanzfiguren, direkt auf den Einzelreliefs probiere, ergeben sich im Fortschreiten der Arbeit sicherlich verschiedene Ansätze, deren Suchcharakter, der eigentlich in Entwurfsskizzen seinen Platz hat, dann als Malerei erhalten bleibt.

Gestern begann ich auf dem letzten Relief des ersten Portraitexemplares, die Schellackschicht über die Graphitstruktur zu legen. Damit werde ich heute fertig. Dann kommen die Gravitationsschwünge in Preußischblau, mit denen die richtige Malerei beginnt.

Die Skulptur, die aus einem Geäst besteht, das ich mit Pappmache umgeformt und mit Relieffragmenten versehen habe, klemmt nun in einer geschweißten Dreiecksgitterstruktur im Raum. Sie ist so etwas wie ein schwebendes Regal, in dem ich die verschiedenen Dinge, die ich beobachten will, unterbringen kann.

Im Gärtchen begann ich, die Äste der großen Weide in der kinästhetischen Weise zu verbiegen, die die Radien meiner Hände und Unterarme umfasst. Der tänzerische Ansatz führt zu einem choreografierten Baum.

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Windmarimba, Trixelgrab und Gravitationsspannung

Weiter mit dem Triojazz in den Buchmalereien. Innerhalb der drei Collagen, die ich nun täglich anzufertigen begonnen habe, bekommt er zunächst eine Erweiterung, durch das Einbeziehen der Arbeit des Vortages. Die Konzentration, auf die es mir ankommt, kann sich erste in Zukunft herstellen, wenn ich diese Arbeitsweise eine Weile gepflegt habe.

In der Schirn sahen wir gestern die Malerei von Lee Krassner. Manchmal kamen mir die Malereien etwas ausgebremst und deswegen tendenziell dekorativ vor. Die Rigorosität ihres Mannes erreichte sie nicht, aber vielleicht eine größere Intensität in den Veränderungen ihrer Malweise. Und die war mir in vielerlei Hinsicht nahe.

Die Sehnen zwischen den markierten Kreuzungspunkten der Gravitationsschwünge brachten mich auf die Idee eine ähnliche Verfahrensweise mit meinen Schüler innerhalb von „You&Eye“ draußen im Gärtchen an den Weiden zu probieren. Mit Bindedraht oder Kokosschnüren können die Äste in derselben Weise gebogen werden. Die kinetische Energie, die in diesem Vorgang gebunden wird, verwandelt sich mit der Zeit, durch den Umbau der gewachsenen Struktur, in Form. Daraus wachsen in den Folgejahren neue Verzweigungen, die dann in wieder gebogen werden können.

Das Gesträuch des Gärtchens wird so zu einem Landartwerk, mit verschiedenen Themen: Windmarimba, Trixelgrab und Gravitationsspannung.

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Trio

Ein Jazztrio spielt sich die Bälle zu. Das Solo des Bassisten wird zurückhaltend vom Klavier und Schlagzeug begleitet. So eröffnen sich alle drei Musiker im Verlauf des Stückes, das sie spielen Räume, nehmen sich selbst zurück, um die klaren Linien einer Improvisation des anderen Musikers zu unterstützen und herauszuheben. Dann kehren sie wieder gemeinsam zur Melodielinie, zur Voraussetzung ihres Zusammenspiels, zurück.

Bei den Buchmalereien ist die Frottage das Thema, das dreimal aufgenommen wird.


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Das Verschmelzen und Verschwinden

Auf die Graphitschichten begann ich gestern Schellack, in der Form der Portraitsplitter, aufzutragen. Dabei kann ich die Strukturen, die durch die Schraffur, ähnlich, wie bei den Frottagen entstehen, etwas in den Hintergrund treten lassen. Das geschieht, wenn ich mit dem Pinsel und dem spiritushaltigen Material länger über den betreffenden Arealen kreise. Somit kann ich Nebelspaziergänge unternehmen, wie innerhalb der Buchmalereien.

Im Blick habe ich dabei die Ballettsaalzeichnungen, die sich nicht einfach mit den Splittern des Väterportraits verbinden lassen. Das ist wie mit den Dingen, die nicht zusammengehören. Weil in meiner Arbeitsbiografie aber die Beschäftigung mit Tanz eine wesentliche Rolle spielt, bin ich nun herausgefordert, diese sehr unterschiedlichen Strukturen miteinander zu verbinden.

Ich frage mich, ob ich das auch innerhalb der Buchmalereien vorbereiten kann. Überlegungen, mit denen ich innerhalb der Arbeit von Bill Forsythe konfrontiert war, würden hilfreich dabei sein können. Das Thema „Abwesenheit“ beispielsweise. Die Gravitationsschwünge der tanzenden Körper lassen die Splitter erst verschmelzen und dann verschwinden!

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Wintergehölz

Aus den heutigen Buchmalereien ist ein Gegenstand gewachsen, der mir wie ein direktes Zeichen einer gegenwärtigen Anforderung erscheint. Ein orangefarbenes Pflänzchen leuchtet neben dunklem Nebel. Manches Holz von winterlichen Gesträuchen besitzt ja solche rötlichen Töne, die zwischen dem sonstigen Grau eine besondere Strahlkraft entwickeln.

Das gilt auch für die Gehölze, die auf dem grauen Beton des Tevesgeländes Fuß gefasst haben.

Ich bin zum Rückbau meines Gärtchens aufgefordert worden. Auf meine freundlichen Kompromissvorschläge will die Verwaltung des Tevesgeländes nicht eingehen. Anstatt dessen stellt sie ein Ultimatum.

Rundherum schwillt das Getöse der Abbrucharbeiten an. Die Donner der großen Metallteile, die in große, hohle Container fallen, klingen wie etwas entfernte Sommergewitter. Ansonsten aber greift das Destruktive um sich. Dachrinnen werden nicht repariert, die Tore zum Gelände sind nicht mehr abschließbar, Obdachlose ziehen in die Baracken ein, deren Dach noch intakt ist und die zerfledderten Reste des Blendfestivals zieren den Giebel der verfallenden Baracken.

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Anderer Aggregatzustand

Gestern begann ich, die Graphitschraffur auf die ersten zwei der letzten 4 Reliefabgüsse für das erste Doppelportrait, anzulegen. Das strengte meinen rechten Arm, das Handgelenk und die Muskelstränge auf eine Weise an, dass mich in der Nacht, im Arm, Kontraktionen bewegten, die wie von kleinen Stromstößen auszugehen schienen.

Diese körperliche Wirkung auf mich, erweitert mein Interesse über meinen Lebenslauf, der mit den Vorvätern verwoben ist, hinaus. Anhand des Doppelportraits, kann ich diesem Interesse im Spannungsfeld abstrakter und szenisch-konkreter Suche, nachgehen.

Die Buchmalereien sind nun wieder bei der Schnelligkeit und Leichtigkeit angelangt, wie ich sie anstrebe.

Gestern schrieb ich das Stichwort „galaktischer Kannibalismus“ im Bezug auf meine Gravitationsschwünge auf. Diese mikrokosmische Verdichtung von farbigen Linien in Farbflächen, die vom Wasser in eine neue Konsistenz und Qualität überführt werden, ist wie die Wandlung in einen anderen Aggregatzustand.

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Kein Nebelspaziergang

Das Schreiben erlebte ich gestern als eine Wohltat und gleichzeitig als Unternehmung. Ich spürte die Unebenheiten des Papiers, seine Struktur, die sich über die Feder des Füllers in meine Hand überträgt.

Die Malereien hingegen, machten mir eher zu schaffen. Ich wollte mit der Leichtigkeit eines Spaziergangs durch eine Nebellandschaft wenig Konkretes andeuten und gelangte doch immer wieder in einen architektonischen Rhythmus, in Fachwerk, Scherben und starre Gravitationsschwünge.

Heute ging es schon besser. In die Collage habe ich die dritte Malerei eingefügt und einigen Felder, für den Durchblick auf vergangene Strukturen, ausgeschnitten.

Nach der schönen Zeichnung vom 20.12. 2019, habe ich die Arbeit auf Rolle 8 unterbrochen. Es ist, als würde ich sie durch die Konfrontation mit anderen Strukturen beschädigen.

Die Pappmacheskulptur, die ich mit einem weiteren Relieffragment versehen habe, ist nun in der Form getrocknet, sodass ich sie herausnehmen kann. Die Weiterarbeit wird spontan und weniger ernst bleiben.

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Spaziergänge

Die Buchmalereien, die unterwegs oder an anderen Orten außerhalb des Ateliers entstehen, entwickeln einen Charakter, der unabhängig von den Frottagen der Formen des Väterprojektes ist. Es entstehen andere „Erzählungen“, die sich nur aus den Schwüngen der Rohrgeflechte, die ich zitiere, entwickeln. Es sind Konkretionen, die öfter mit Kreissegmenten zutun haben, die in Nebeln verschwinden oder konkret aus ihnen hervortreten.

Das erinnert mich an die Spaziergänge, die wir in den letzten Tagen des vergangenen Jahres im Nebel unternahmen. Der Wald kam uns mir der Geschwindigkeit unserer Schritte aus dem Nebel entgegen, die Aststrukturen konkretisierten sich und bildeten hinter sich Räume mit enormer Tiefe.

Genau das versuche ich in den Buchmalereien, die sich nun wieder den Reliefstrukturen zuwenden.

Die nächsten Arbeitsschritte meines Projektes liegen klar vor mir. Heute beginne ich die letzten vier Formate des ersten Portraitexemplares zu grundieren.

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Mauern | Pflanzen | Vögel

Ich lese, wie das vergangene Jahr endete. Mit dem Nachdenken über die Väter anhand der aktuellen Begebenheiten an den Familientischen, versuchte ich Stoff für meine Arbeit zu extrahieren.

Dann in der Pfalz, begannen die Mauern der alten Höfe Geschichten zu erzählen. Wenn der Rückzug in die Stille gelingt, meint man die Stimmen aus den Steinen zu hören, wie sie vor hundert, zweihundert Jahren sprachen, sangen, weinten und lachten.

In diesem Jahr habe ich mich schon ein ganzes Stück von der Arbeit entfernt.

In meinem Seerosenteich wächst eine Wasserpflanze, die sich dort im Verlauf des letzten Jahres, ohne mein Zutun entwickelte. Schon im Sommer transportierte ich einen Teil davon in ein anderes Wasserbecken hier auf dem Gelände. Nun aber ist sie wieder so groß wie vorher, und ich wiederholte den Vorgang.

Auch jetzt im Winter ist das Gärtchen, mit seinen Gehölzen, ein beliebter Aufenthaltsort standorttreuer Singvögel. Aber auch große Greifvögel sind hier und lauern aufgeplustert auf Kleingetier.

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Heraklesfigur

Außerhalb des Ateliers verändern sich die die Arbeit an den Buchmalereien. Aus der Umgebung fehlen am wesentlichsten die Reliefformen, mit denen ich die Frottagen mache, von denen das zeichnerische Gerüst der kleinen Formate bestimmt wird. Dann kommen aber auch das spezielle Licht, die Pflanzen und die Musik hinzu, die einen Einfluss auf das Fließen, Kreisen und auf die anderen Gesten haben.

So bin ich also froh, wieder hier zu sein, um mich auf meine gewohnte Produktivität einlassen zu können.

Im Zusammenhang mit der Tanzfigur, deren Oberkörper in die Architektur- und Scherbengesträuche wächst, fällt mir der Heraklestext (Herakles II oder die Hydra) von Heiner Müller ein. Und da denke ich insbesondere an die Schlacht und die versehentlichen Schläge gegen die Eigensubstanz, die ihm während der Beschleunigung unterlaufen. So hätte ich erstmals eine Figur, die ich in die Szene einsetzen kann, und einen Text, der mir beim Väterthema helfen wird.

Gerade habe ich die Collage mit der Nummer 200 in diesem Jahr gemacht. Das ist weniger als in anderen Jahren.

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Verstrickung

Das Zusammenfügen der Tanzfiguren mit den Scherbenstrukturen der Väterarbeit und den Architekturfragmenten des Berlin Loops, erzeugt eine angenehme Unruhe in mir, eine gewisse Hochstimmung. Ohne genau zu wissen, woher das kommt, spüre ich doch, dass mich dieser Vorgang sehr interessiert. Die gezeichneten Strukturen innerhalb der Buchmalereien, die von den Frottagen der Reliefformen ausgehen und sich in Malerei verwandeln, haben auch damit zutun. So stelle ich mir nun ein Reliefexemplar des großen Doppelportraits vor, das sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Das lässt sich ganz gut auf Rolle 8 entwickeln und dann in die Malerei übertragen, glaube ich zumindest.

Die Zersplitterung des Doppelportraits, der Aufbau und die die Fragmentierung der Architektur des Palastes der Republik in der Mitte von Berlin und die Loslösung eines Tanzensemblemitgliedes aus dem Zusammenhang der agierenden Company, das sind die Schichten, aus denen immer neue Bilder hervorgebracht werden sollen. Wenn die Oberkörper in die Gesträuche hineinwachsen, fallen die Interaktionen mit den anderen Tänzern weg und die Figur wendet sich nach innen. Die Liniengebilde sind dann die Mandala-Architektur, auf die sie sich meditierend einlässt. Diese Entfernung von der Truppe und das gleichzeitige eindringen in die eigene Verstrickung, ist der Vorgang, dem ich nachspüren will.

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Krähenraum

Auf Rolle 8 überlagerten sich gestern eine Figur aus der Forsythe Company Zeichnung mit der ich schon ein paar Tage arbeite, mit einer Struktur aus dem „Berlin Loop“ und einer Zeichnung, die ich aus der 2. Malerei vom 17.12. übertrug. Oben habe ich das in die Collage eingefügt.

Die Aufzeichnungen, die ich vor sechs Jahren machte, sind in kleiner Handschrift verfasst. Sie beschäftigen sich mit dem Alten Ägypten und mit globaler Beschleunigung:

Zeit ist Geld, aber Geld ist kein Raum.

Ich schrieb damals in meinem Arbeitszimmer in der Frankenallee, mit blick auf den alten Ahornbaum und seinen Bewohnern, den blinzelnden Krähen. Die tägliche Bildproduktion war im Atelier, also nicht direkt sichtbar. Auch die Buchmalereien waren davon abgekoppelt. Schöne Farbverläufe in verwischten Arealen.

Viele Bildideen aus den Texten sind, aus Mangel an Zeit, nicht umgesetzt worden.

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Sonnenaufgang zwischen den Abrissruinen

Auf einer Fahrt nach Thüringen sah ich gestern Nebellandschaften, wie aus einem Klischeetraum. Darüber stand eine weiße Sonne, ein nur schwach leuchtender Planet in all dem hellen Grau. Nachmittags gegen 3 steht sie schon wieder tief.

Sonnenaufgang auf dem Weg ins Atelier, zwischen den Abrissruinen. Ich blieb stehen und ließ das Licht, durch die Augen, in mich hinein. Die Frau, die in der Restaurantspülküche arbeitet, überholte mich grußlos, blicklos, als wolle sie von der BILDFLÄCHE verschwinden.

Auch auf meinen Buchmalereien befinden sich Nebelbänke und verschlucken die Zeichen, die ich teilweise mit den Stiften wieder in den Vordergrund rücke. Diese Vorgänge folgen meinen Emotionen.

Im Familienkreis sitzt meine Väterarbeit als Figur auf einem der Stühle zwischen den angereisten Personen. Sie schaut mit mir herum und sucht nach den Ähnlichkeiten mit der verschollenen Großvaterfigur. Manches Lachen klingt, wie aus der entfernten Vergangenheit, am Tisch.

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Tempo

Für die Buchmalereien ist es mitunter von Vorteil, wenn die Zeit etwas knapp ist. Ich komme schneller auf den Punkt, zum Wesentlichen. Ballast fällt weg, und leichter schwebt es sich besser. Manchmal denke ich während der Arbeit schon an ihre Weiterverwendung, als Scan für die tägliche Collage, die sich mit den Schichten der vergangenen Tage verbindet, eine perforierte Schicht hinzufügt. Ich stelle mir den Stapel von 2200 Collagen vor.

Anrufe reißen mich aus der Konzentration. Dann muss ich erstmal raus zum Luftschnappen, – Wieso eigentlich „schnappen“? – um mich wieder zu regenerieren.

Besuch von Carlo, dem Politkünstler. Wenn man betrachtet, was in der gegenwärtigen Politik an Entertainment geboten wird, war er vor Jahren schon weiter – ein Visionär! Auch er spricht neben mir, während ich arbeite, drauflos…

Die Abrissarbeiten in der Nachbarschaft schaffen mit großer Schnelligkeit Raum. Vorübergehend wird der Himmelsausschnitt, der das Wettertheater bietet, weiter. Über dem Staub, der aus dem Zivilisationsabraum emporsteigt, bilden sich die gefiederten Konstellationen für die Auguren. Manchmal halte ich inne und betrachte den Vogelflug. Für mich leiten sich allerdings keine Vorhersagen daraus ab.

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Decollagen

Im Bottich schlingern die schwarzen Wellen von den einzeln in größeren Abständen fallenden Tropfen aus der durchhängenden Dachrinne, die voll ist mit Moos und anderem wucherndem Grün. Die Lichtwellen der Sonne treffen auf die staubigen Fenster und dann auf die schwebenden Abrissformen in den Buchmalereien.

Die architektonischen Decollagen fressen sich draußen mit gewaltvollem Schall in das Material industrieller und handwerklicher Zurichtung. Das Wort „Rücksicht“ bleibt still, versinkt im lehmig aufgeworfenen Grund. Dort schlummern dann seine Samen.

Die Scherbenmalerei bedient sich nun nicht mehr der fröhlich – effektvollen Lasurtechnik, sonder bewegt sich in einen zurückhaltenderen Gestus. Die Palette verknappt sich, wirkt erdener. Das tut wohl.

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Farbnebelbänke

Manchmal entstehen innerhalb der Buchmalereien schwebende Objekte. Sie bestehen aus harten Linien vor Farbnebelbänken, die ich mit dem nassen Handballen hergestellt habe. Oft lasse ich die festen Linien verschwimmen, um dann wieder eine weitere weiche Schicht darüber zu legen und die übrig gebliebenen Striche wieder zu verfestigen. Das Spiel geht so lange, wie es das Papier aushält.

Manchmal entstehen dabei Zeichen einer abstrakten Schrift.

Aus einer der Formen habe ich die Skulptur, die ich aus einem kleinen Geäst und Pappmache hergestellt und mit einem Stück Relief verbunden hatte, entfernt. Dieses baumartige Gebilde trägt nun ein Schild, das aus Scherben besteht. Ich denke, es werden noch mindestens zwei solche Schilder hinzukommen, damit das Gebilde etwas ausgeglichener erscheint. Jetzt wohnt in ihm noch keine Folgerichtigkeit.

Der Regen der letzten Wochen gefällt mir so, dass ich ihn am liebsten einatmen würde. Regenwasser fange ich in Bottichen auf.

Die Abrisszangen durchtrennen mühelos mittlere T-Träger. Der erschreckende Klang, wenn sie auf den Betonboden auftreffen, gibt den Rhythmus der letzten Tage vor.

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Vergessen

Noch einmal habe ich die Verbindung von einer Tuschzeichnung auf Transparentpapier mit einem Scherbenrelief aus Pappmache probiert. Ich beschichtete das Relief mit reichlich Schellack und legte die Zeichnung auf die flüssige Oberfläche. Sie zeigt den Kopf einer Tänzerfigur zusammen mit einer Struktur des Abrisses des Palastes der Republik. Die thematischen Verbindungen kläre ich nun handwerklich, indem ich diese Scherbe weiter bemale.

Auch die Buchmalereien helfen dabei. Die zeichnerischen Schichten sind auf die Reliefmalerei übertragbarer geworden, ihre Verbindung wird langsam enger. Es ist gut, mich manchmal auf die Bemalung einzelner Scherben zurückzuziehen. Das macht Experimente leichter.

Während ich an die Sonntage vor vierzig Jahren dachte, an denen es zum Frühstück Bohnenkaffee gab, stellte ich die Espressomaschine ohne Kaffee auf die Herdplatte.

Ich hatte ihn vergessen.

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Abriss

Die Abrissarbeiten rund um das Tevesgelände haben eine scheinbar überspringend erodierende Wirkung. In die einfallenden Baracken auf unserem Gelände ziehen obdachlose Migranten ein. In die Räume des Internationalen Bundes wurde wieder eingebrochen. Die Tore, die auf das Gelände führen, sind alle nicht mehr abschließbar.

Gestern arbeitete ich an der Bemalung von einzelnen Scherben und will heute versuchen, Transparentpapierzeichnungen auf die Splitter zu collagieren. Schon einmal ist mir das Misslungen.

Es gelingt mir, nun etwas Abstand zur laufenden Produktion herzustellen. Dieser Vorgang schafft neue Ausblicke.

Ich stehe manchmal an den Bauzäunen der Nachbargelände im Osten und Westen und schaue den Greifern zu, die Raum schaffen für die neuen Architekturen. Ich sehe die Werte, die zerstört werden, die handwerklich hergestellten Häuser mit all ihren Sprossen, Beschlägen und Holzrahmen. Ein Jammer…

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Sichtbeziehungen

Tanz und Architektur etabliert sich als Thema. Am Rande einer YOU&EYE -Begegnung im Dezernat sprach ich mit einer Choreografin über Tanz und Skulptur. Mein lang gehegter Wunsch, diese zwei Sprachen miteinander zu entwickeln.

Heut stand ich länger vor einem Schaufenster, in dem die Transparentpapierzeichnung architektonischer Studien über dem historischen Foto eines Bunkers lag. Innerhalb eines Grundrisses gab es viele Diagonallinien, die wie Sichtbeziehungen aussahen.

In den Formen trocknen die abgegossenen Reliefs, warten dann darauf, weiß grundiert zu werden. Aber mit der Malerei geht es erst im nächsten Jahr weiter. Vielleicht bemale ich jetzt noch ein paar Einzelscherben, als Ausstieg aus der Arbeit für dieses Jahr.

Wenn die kleine Baumskulptur mit den Scherbenflächen getrocknet ist, wäre das auch noch ein Objekt der Beschäftigung mit ein wenig Malerei. Das ist aber alles nicht so ernst.

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Reigen mit Humboldtmaske

Statt mich etwas zurück zu ziehen, um  Abstand zu bekommen, entwickelte ich die Verquickungen der Tanzfiguren mit der Rückbauarchitektur weiter. Aus dem vagen Bühnenraum treten die Mitglieder der Forsythe Company in das Stahlgebälk des Palastes der Republik, wie oben in der Collage sichtbar. Der Reigen könnte mit der Wiedererrichtung des Hohenzollernschlosses fortgesetzt werden, alles verdeckt von der wandernden Humboldtmaske.

Am späten Nachmittag goss ich noch die Reliefs 1 und 2 ab. Mit dem Rest des Materials komplettierte ich die Skulptur aus Zweigen und Pappmache mit einer Fläche aus Scherben des 5. Reliefs. Ich stelle mir das Objekt auf einem Sockel vor, halb stehend, halb liegend, bemalt und von allen Seiten sichtbar.

Die heutigen Buchmalereien setzten das Auseinanderfliegen der Formen fort. Wie von einem Windstoß werden die Scherben verwirbelt.

Die Sonne veredelt die Transparentpapierzeichnungen. Eine fotografierte ich und verschickte sie.

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Soundflächen

Die splittergefüllten Umrisse der Tanzfiguren und die Architekturfragmente des Berlin – Loop, fügen sich auf Rolle 8 zu einem Klang. Es ist als rauschten zwei Soundflächen aus weit auseinander liegenden Zeiträumen aufeinander zu, um sich in einer Kollision zu vermischen und dann neu zu ordnen. Bei diesen Tuschezeichnungen mit Rohrfeder, denke ich an Malereien von Jasper Jones, in denen er farbige Linienbündel nebeneinander setzte und in geometrische Muster goss.

Am Wochenende sahen wir zwei sehr unterschiedliche Abende in Schauspiel Frankfurt.

Zunächst, am Freitag in den Kammerspielen, eine Stückentwicklung mit dem Titel „1994 – FUTURO AL DENTE“. Meine Skepsis gegenüber dieser Teamarbeit hat sich wieder bestätigt. Trotz mancher temporeicher Blödelpassagen, über die ich wirklich lachen konnte, sackte der Spannungsbogen öfter in den Keller.

Ganz anders hingegen „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre am Sonnabend auf der großen Bühne. Die Rückschau einer dreiköpfigen Besetzung aus der Hölle auf das Leben. Jede Figur findet nur sehr zögerlich zum Kern ihrer Geschichte. Die Mäander der verdrängenden Gedankenschleifen straffen sich in drei Monologen, die erst nach intensiver Nachfrage den Grund für den Höllenaufenthalt preisgeben.

Das Donnern der Abrissarbeiten brandet an die Atelierfenster. Eine finstere Resonanz aus den Metallcontainern.

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3 Arbeitsstränge

Die letzten Frottagen für die Buchmalereien, habe ich mit einem Graphitblock angefertigt. Die Abbildung ist schärfer und gleichzeitig neutraler.

Während der Pausen zwischen der langsameren Arbeit, baut sich eine Spannung auf, vielleicht auch etwas Nervosität. Kaffekochen – Pflanzengießen – Wassergläser fallen um.

Der Weg ins Atelier, auf dem mir der Wind Tränen in die Augen treibt, ist kaum noch spürbar, vergeht schnell auch, wenn ich langsamer gehe. Die Zeit fühlt sich nebensächlicher an, und weil sie mit der Arbeitsleistung ein Paar bildet, verliert auch diese an Bedeutung.

Eine weitere, verdichtetere Dreiergruppe von Tanzfiguren entstand gestern, mit einer zusätzlichen Schellackschicht, nachmittags auf Rolle 8. Die Regelmäßigkeit mit der ich bei den drei Arbeitssträngen Buchmalereien Zeichnen auf der Transparentpapierrolle und Reliefmalereien bleibe, verleiht dem Tag Stabilität.

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Berlinloop Tanzsequenz

Relief Nummer 8 ist fertig bemalt.

Auf Rolle 8 zeichnete ich an der Berlinloop – Tanz – Sequenz weiter. Etwas davon befindet sich in der Collage oben.

Ich möchte nicht aufgeben, das Material, das in den Überlagerungen auf Transparentpapier entsteht, direkt in die Malerei einzufügen. Gestern dachte ich dann an große preußischblaue Projektionen über die Rasterpunktscherben hinweg, die Gestalt des Doppelportraits beiseite lassend.

Wellen im Nebel, der Sound der Abrissgreifer, Überkopfkipper und der krachende Aufschlag der Innenausbauteile der Achtzigerjahre, die aus den, noch vorhandenen, Fenstern geworfen werden. Halden bilden sich am Fuß der sterbenden Gebäude. Verdichteter Zivilisationsabraum, in grüne Metallwannen, so groß wie Einfamilienhäuser, gepresst – Abtransport. Bald wird die Erde aufgerissen für die Fundamente, Abwasserrohre, Tiefgaragen. In die Baugruben wird das giftige Grundwasser unseres Geländes fließen. Der kontaminierte Sand, in den Schwemmlandzeiten langsam geschichtet und verfrachtet, wird so lange mit dem geschreddertem Abrissmaterial verschnitten, bis die Giftkonzentration den gesetzlichen Werten entspricht. Dann wird damit gebaut.

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Erzählmethoden

Milchiges Winterlicht sickert von oben in den Raum und beginnt die Schatten der Pflanzen, die vor den Fenstern stehen, auf die große gespannte Leinwand zu werfen.

Um mich wieder auf die Malerei zu konzentrieren, habe ich Rolle 8, nach einer weiteren Umdrehung und einer erneut hinzugefügten Verdichtung, beiseite gelegt.

Poetische Methoden, die sich für gegenständliche Erzählmethoden eignen, sind beispielsweise in den gezeichneten Romanen zu finden, die sich so großer Beliebtheit erfreuen. An dieser Stelle hat sich ja offensichtlich in der gestalterischen Vielfalt viel getan. Inwiefern sich Teile davon auf die Reliefmalerei anwenden lassen, ohne sie zu verengen, will ich herausbekommen. Eine der abgeformten Scherben habe ich bereits mit Einzelmotiven auf ihren Splittern versehen. Wenn sie immer wieder ins Dunkel abtauchen, den Erinnerungen ähnlich werden, die sich dann aus sich selbst vervollständigen, habe ich eine Möglichkeit der Erzählung gefunden, wie sie mir mit den Vermischungen der Figuren vorschwebt. Ähnlich funktioniert das gerade auf Rolle 8 mit den Tanzfigurenumrissen.

Dann gibt es noch den Stil, den ich auf der großen Wandzeichnung im Rebstockimbiss ausprobierte, der sich mit den Splittern der Väterarbeit verbinden kann.

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Nummer 8 | Nummer 8

Erst in ihrer Verarbeitung auf der Transparentpapierrolle mit der Nummer 8 kommen die reduzierten Ballettzeichnungen von 2003 zu einer größeren Entfaltung. Die Liniengeflechte, mit denen die Umrissfiguren angefüllt sind, stammen aus dem „Berlin-Loop“ und den, auf der Rolle vorausgegangenen, Tanzfiguren. So entsteht eine Prozession, wie an den ägyptischen Grabkammerwänden. Die kann nun immer weiterlaufen, sich verdichten und Personal hinzunehmen.

Im Zusammenhang mit dem „Handprint Wien“ entstanden, 2007 in der Freundgasse, Transparentpapierzeichnungen, in denen Grabmalereien eine Rolle spielen. Auch die Buchmalereien dieser Zeit sind sehr figürlich, teils mit feinen Tuschelinien gezeichnet.

Für heute aber legte ich mir das Relief, das auch die Nummer 8 trägt, auf den Tisch. Darauf existieren bereits die preußischblauen Gravitationsschwünge, die Graphitschraffur und die Schellackschicht auf den Scherben. Am Nachmittag nehme ich mir die Palette der vorausgegangenen Malereien zur Hand und male weiter.

In dem Buch „Dylan in Amerika“ von Sean Wilentz las ich über die Aufnahmesessions des Albums „Blonde on Blonde“ 1965 in Nashville. Eine Dokumentation von Teilen besitzen wir in einer schön editierten Bootlegausgabe. So konnte ich mich der Situation nähern und die Inspirationssituation betrachten.

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Berliner Loop

Von hoher Warte aus einem Hotelzimmer, schaute ich auf Sicherheitsanlagen, Straßensperren, Wachleute und weiteres schweres Gerät von Zeltplanen überspannt, während im Wandbildschirm eine Kaminfeuerschleife lief. Hinter den Wänden und Absperrungen, der Berliner Weihnachtsmarkt.

Auf der Fahrt durch die finsteren Ostprovinzen, zeigten mir spärliche Lampen, Geländebewegungen des Zuges und schnell flackernde Leuchtspuren an, wo ich mich befand. Zwischen Eisenach und Erfurt, das Jugendland. Dom und Siveri, Gesträuche an den Gleisen Barockdächer, Backsteinwände der alten Reichsbahn.

Der Süden Berlins erwacht auch als Lichtererinnerung. Nur die langsamen Schienenstöße, die mit ihrem Rhythmus eine Ballettmusik für die Lampenfelder der großen Güterbahnhöfe spielten, klingen nicht mehr.

Andere Soundtracks außerhalb des Ateliers. Abrissmaschinen klingen wie Dinosaurier, dazwischen Dieselaggregate, Güterwaggons – Material für eine Komposition des Komprimierens.

Die Zeichnungen vom Freitag auf Rolle 8, erzählen meine Biografie im Spiegel des Ballettsaales der Forsythecompany. Baustrukturen des „Berliner Loops“ (Aufbau und Abriss des Palastes der Republik), Angstköpfe der antifaschistischen Revolutionsfilme und Tanzfiguren, die das alles in sich aufnehmen und verdichten.

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Resonanzboden

Mit den Fingerspitzen taste ich die Gipsstege der Formen des Väterreliefs ab, die mit Schellack abgesperrt sind. Sie trennen die Scherben voneinander, die mit Pappmaché abgegossen, getrocknet und bemalt werden.

Leinöl, Terpentin, Spiritus aus den Regalen. Ölfarbtuben, Paletten, eingetrocknete oder ölweiche Pinsel. Gestern war das Relief Nummer 5 fertig bemalt. Die Klänge aus den wenigen Grundfarben, auf die ich mich beschränkt habe, erfüllen mich auf angenehme Weise, rücken den Alltag hinter einen Filter.

So hat auch er, je mehr ich die Kompositionen spüre, die Möglichkeit zu leuchten.

In den Buchmalereien spielt das Farbenpiano. Bögen aus der Hand führen in den Klang. Resonanzboden ist der sich ausweitende Erinnerungsraum.

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Abrissgreifer | Biotope

Durch die anhaltende Konzentration auf die Reliefmalerei, komme ich doch zu einer anderen Qualität, die mir die Arbeit leichter macht. Gleichzeitig gibt es aber eine Form von Beschleunigung, die zusammen mit der Kontinuität eine Gravitation entstehen lässt, die wie ein Strudel wirkt. Alles, was nicht mit der zentralen Bewegung zutun hat, bleibt an der Peripherie zurück. Dann ist es Zeit, auf die Bremse zu treten.

Ich höre Bill Evans als spielerisch-ruhigen Solisten.

Ich vernachlässige die Arbeit an Rolle 8. Eine Weiterentwicklung wäre mir an dieser Stelle wichtig.

Im Restaurant gegenüber sitzt ein Mauereidechsenexperte mit Vertretern der Abrissfirma, die auf Teves Ost Arbeitet, beim Kaffee. Die Erschütterungen stören den Winterschlaf der Echsen… Die riesigen Greifer der Rückbaumaschinen und die Gewalt der Verdichtungszerstörung, stehen den gewachsenen Biotopen gegenüber, die auf den Brachflächen entstanden sind.

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Verdichtung folgt Verdichtung

Die Reliefteile des Doppelportraits der Väter, die bereits fertig bemalt sind, will ich vor die große gespannte Leinwand im Atelier hängen. Wenn sie an Schnüren hängen, die am oberen Holm des Rahmens befestigt sind, kann ich sie in übereinander anbringen, um ihren Zusammenklang zu überprüfen. Gegebenenfalls ist dann noch ein malerisches Eingreifen möglich.

Auf den Nachbargeländen sind nun Abrissarbeiten im Gange. Das schafft eine ambivalente Stimmung zwischen Destruktion und Verdichtung. Der Rückbau relativ moderner Gebäude, die Dekonstruktion inspiriert mich dazu, die Arbeit zum Abriss des Palastes der Republik in Berlin, mir noch einmal vorzunehmen. Oben habe ich Figurenumrisse, angefüllt mit dem Stahlgebälk des Baus, aus den Siebzigerjahren, eingefügt. Sie stammen aus dem Jahr 2007 von Rolle 5.

Die Malerei geht kontinuierlich voran. Daneben interessieren mich aber andere Vorgehensweisen, die die Transparentpapierarbeiten von den vorhandenen gezeichneten Rollen, mit einbeziehen. Gerne würde ich das Material noch einmal auf Transparentpapier übertragen und auf die weißen Flächen, zwischen den Rasterpunkten, kleben. Kleinere Collagen, im Experimentalstadium, führen mich dahin.

Die Verdichtung der Stadt folgt meiner zeichnerischen Arbeit und meine Arbeit folgt ihr…
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Rollenarchiv

In den alten Transparentpapierrollen, die mittlerweile wie ein Archiv meiner Arbeitsphasen sind und weit deutlicher bildnerische Schritte zur Erweiterung der Themen zeigen als die Buchmalereien, befinden sich immer wieder überraschende Details, die ich vergessen hat.

So spielte eine skythische Hirschfigur, die in der Hüfte um 180° gedreht ist, eine Rolle bei Loop, auch Auf- und Rückbau des Palastes der Republik. Ich habe diese Drehmitarbeit mit der liegenden 8 des Unendlichkeitszeichens gegenüber und gleichzeitig das Stahlgerüst des Baus genauso gedreht.

Den Tanzfigurenumriss, den ich bin 20.11. dieses Jahres, füllte ich es mit den Stahlgeflechten der Rückbaubilder an. Beim Aufrollen des Papier erscheinens Kombinationen mit indischen Architekturversätzen oder solchen, die in Wien eine Rolle gespielt haben, als ich die “Handprint Wien lief” lief.

Auch eine Packpapierzeichnung, die ich vom Dach des Rohbaus aus, in Richtung Westen anfertigte, findet sich zwischen verschiedenen Figuren. Die programmatische Blickrichtung der Skizze, versteckt damals ich in meinem Soldatenspind zwischen Buchseiten.

Ich stelle mir diese ganzen Bilder zwischen den Rasterpunkten des großen Doppelporträts, innerhalb der weißen Flächen, vor.

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Abstrakte Biografie

Auf den Transparentpapierrollen 5 und 6 habe ich Überlagerungssequenzen gefunden, in denen ich mich mit Figurationen des Rückbaus des Palastes der Republik beschäftigt habe. Damals verband ich den Vorgang, den ich für mich selbst, weil ich am Bau des Gebäudes beteiligt war, als Loop bezeichnete, mit Tanzzeichnungen und mit dem Projekt „Frankfurter Kraftfeld“. Eine dieser Tanzzeichnungen tauchte jetzt wieder auf (Collage / 20.11.), allerdings angefüllt mit der Manjurishree-Sequenz und mit dem neuen Scherbengericht.

Dieses Material spielt eine Rolle für das Väterprojekt, das auf Rolle 8, in den Buchmalereien und in der Bemalung der Reliefs fortgeführt wird.

In diesem Zusammenhang ging mir der Begriff „Abstrakte Autobiografie“ durch den Kopf.

Von Vinzenz bekam ich eine GPS-Spur aus Brüssel geschickt. So zeichnet auch er gehend. Das gefällt mir.

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Lenin | Design

Auf meinem Zeichentisch liegt das Programmheft zu dem Stück „Macbeth“, das wir, in der Übersetzung von Heiner Müller, letztens im Berliner Ensemble gesehen haben. Das Heft ist in dem Design gedruckt, das der Intendant aus Frankfurt mit in die brandenburgischen Sümpfe genommen hat. Der hiesige Intendant, der auf ihn in Frankfurt folgte, behielt das äußere Erscheinungsbild der Druckwerke bei. Somit doppelt sich für uns nun das Lektürebild. Die Darsteller sind ausgetauscht, und wachsen wieder schnell an die Abonnentenherzen.

Die jungen Menschen, die jeden Morgen mit den Algorithmen aufwachen, schreiben über die Rezeption von Heiner Müllers Texten, über die Kritik daran und sein Verhältnis zu Lenins Schriften.

Diese werden mit Lust zitiert, in langen Passagen. Ich habe die dicken Wälzer mit den roten Ledereinbänden nur selten aus den DDR – Bücherregalen herausgenommen. Jetzt finden sich diese Wörter neu zwischen dem radikalen Modeton im Frankfurter Design. Die Worte klingen auch anders.

Gestern malte ich wieder fleißig und lange und rätsele darüber, wie ich die Pappformate des Väterportraits zusammenmontiere. Das soll locker sein, mit etwas Abstand, an Schnüren hängend…

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Unschärfen | Routine

Die Malerei am 6. Relief habe ich nun vorläufig beendet. Das heißt, dass ich später noch ein paar Akzente setzen werde. Vorher aber beginne ich mit dem nächsten. Eigentlich will ich nun schnell mit dem ersten Exemplar des, aus 16 Teilen bestehenden, Reliefs fertig werden, damit ich mich an die anderen Techniken und Stile begeben kann, die bei den nächsten Doppelportraits eine Rolle spielen sollen. Wenn dies vorübergehend Routine einfließen lässt, will ich das hinnehmen und schauen, was sich daraus noch entwickelt. Geduld ist angesagt.

Die Buchmalereien zeigen, dass Geduld auch Freude machen kann. Die schwimmenden Unschärfen treten wie Nebel zwischen die harten Kanten der Frottagen und ihrer Strichverstärkungen. Das möchte ich in die nächste Reliefmalerei einführen. Die Scherben können sich in Wolken auflösen. Das nächste Exemplar, die Nummer 7, eignet sich für dieses Vorgehen weniger, weil dieser Teil des Rasterpotraits nur aus wenigen Punkten besteht. Aber die 8, mit der ich weitermalen werde, bietet mehr Scherbenflächen, die in dieser Weise gestaltet werden können.

Gestern war unsere Gärtnerin Vanessa da. Wir beschäftigten uns mit den Kräutern und einer Pflanze, die ich seit zwei Jahren in meinem Gärtchen habe und noch nicht identifizieren konnte. Sie heißt Topinambur, hat hohe Stengel, gelbe Blüten und essbare Wurzelknollen, sagt die Expertin. Ich erntete ein paar Kilo und möchte sie gerne in meiner Küche verarbeiten.

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Alchemie

Alchimistenküche – ein paar Blättchen vom indischen Schellack mit etwas Bienenwachs in ein kleines Glas mit Spiritus streuen, die Espressomaschine summt auf der Herdplatte und die Ölfarben für die Reliefmalerei versuche ich mit Schellack zu mischen, um dann kalte, helle, grünblaue Töne entgegen zu setzen.

Glenn Gould zeigt mir, wie man Spannungsbögen aufbaut und Räume mit Bewegungen, seiner Stimme und den Instrument schafft.

Mich erinnert das an die Mönche in Ladakh, ihre Handbewegungen, während der Zeremonien, ihre tiefen Stimmen und die Rhythmen der großen Trommeln.

Das Schamanische des Pianisten.

Gleich kommt die Gärtnerin, mit der wir etwas mehr Wildnis über den Beton und die Steine, die sich in den letzten hundert Jahren hier auf Teves West angesammelt haben, bringen wollen.

Malerei am Relief Nummer 6 des ersten großen Väterportaits gestern. Heute will ich daran weiterarbeiten. Ein neuer Rechner stahl mir gestern eine Menge Zeit, die ich eher dafür aufwenden wollte.

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Gewalt beobachten

Gestern arbeitete ich lange am 6. Relief des großen Väterportraits. Dabei muss ich mich etwas disziplinieren, um dieses Exemplar in etwa dem Stil zu beenden, in dem ich es begonnen habe. Die Experimente gehen weiter und sind schon an anderen interessanten Arbeitsweisen angekommen, die mich aus der „nostalgischen“ Lasurmalerei herausführen werden.

Die Collagen, Überlagerungssequenzen und Rückgriffe auf älteres Material, bilden neue Gestaltungsräume für die Arbeit am nächsten Portraitexemplar.

Manchmal kann ich kleinere Wutausbrüche beobachten, die sich an meinen Installationen im freien Raum draußen vor dem Atelier, Platz verschaffen. Man könnte das als allgemeinen „normalen“ Vandalismus betrachten. Mir scheint aber, dass die Hinwendung zu gewalttätigen Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft zu beobachten ist und verschiedene Gründe hat, nun bis in meine nähere Peripherie vordringt.

Die beobachtende Position ist luxuriös, kann nur aus einer stabilen Situation gelingen. Sie folgt aus beständiger Produktivität, die ich manchmal etwas abbremsen muss, um mich nicht zu überfordern.

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Kombinierend verdichten

Einen verästelten Zweig begann ich vor einiger Zeit mit Pappmache zu ummanteln. Schicht um Schicht ist bisher getrocknet und bildete eine pflanzenartige Kleinskulptur. Am vergangenen Wochenende habe ich gerade Kanten und Flächen hinzugefügt, die einen Kontrast zu den fließenden Formen bilden. Nun können Reliefteile des Väterprojektes addiert werden.

Der Debütroman der holländischen Autorin Lize Spit „Und es schmilzt“ hatte in einer Bühnenfassung in den Kammerspielen Premiere. Ein anstrengender Abend nach einer anstrengenden Arbeitswoche. Die Reduktion eines Romanstoffes für die Bühne müsste einen Mehrwert an Textdichte erzeugen. Das geschieht meist nicht. Regie und Schauspielerleistungen waren dennoch geschlossen und reich an Qualitäten.

Die Umrissfiguren der Tanzzeichnungen von 2003 konfrontierte ich weiter mit dem neuen Scherbengericht. Es entsteht auf Rolle 8, wie auch die Sequenzen mit den Kombinationen aus Tanzfiguren und Splitterflächen.

Ansonsten beschäftigte ich mit den Aufnahmesessions von „Highway 61 Revisted“. Die Methoden der Songgestaltung kann ich auf meine Collagenarbeit übertragen und die Konfrontation unterschiedlicher Themen und Stile pflegen. Ich hörte 20 verschiedene Einspielungen von „Like a Rolling Stone“, als Walzer, als Blues und so weiter.

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Scherben aus dem Aushub

Höhepunkt der vergangenen Arbeitswoche war die Tanzzeichnung deren Figurenumrisse ich mit den, auf Rolle 8 durchscheinenden Sequenzen der Alchifigur und des neuen Scherbengerichtes, anfüllte.

Heute kommen Schüler in mein Atelier, die mit den Strukturen meiner Väterarbeit eigene Experimente machen sollen, aber auch, am Ende der Arbeit, ein ganzes großes Portrait in eigener Regie fertig stellen sollen.

In diesem Zusammenhang gehen mir die Beziehungen durch den Kopf, die ich mit dem, was ich seit vielen Jahren hier im Atelier zeichne und meiner Umgebung, eingegangen bin. Zunächst gibt es das Arbeitstagebuch, das ein Angebot für alle ist, die mit mir zutun haben, sich näher mit meiner Arbeit zu beschäftigen. Ich spüre bei meinen Gesprächpartnern auch oft ein Wissen von meinen künstlerischen Vorgehensweisen, worüber ich mit ihnen nicht gesprochen habe. Es gibt auch Stadtführungen durch das Viertel, die in meinem Atelier Station machen. Hier halte ich einen Vortrag über mein aktuelles Projekt und vergewissere mich dadurch selber über den Stand der Dinge. Die Ausstellung von Scherben aus einem Aushub auf dem Tevesgelände im MAK, war der Aufbau einer Beziehung des Untergrundes meiner Arbeitsumgebung mit dem Scherbengericht des Väterprojektes.

Solche Zusammenhänge gibt es mit verschiedenen Arbeitsbereichen der Stadtgesellschaft, wie Naturschutz, Bildung, Theater und Architektur.

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Straffung der Produktion

Das Anfüllen der Figurenumrisse der Zeichnung aus dem Ballettsaal der Forsythecompany, mit Teilen des neuen Scherbengerichtes und der Figurensequenz aus Alchi, ist gut gegangen. Fast ist die Zeichnung ein wenig zu schön geraten, was ich versucht habe, mit der Collage oben, zu korrigieren. Durch die Konfrontation mit der zweiten Buchmalerei von heute, die ich an einer Stelle perforiert habe, um einen milchigen Durchblick auf die gestrige Collage zu bekommen, ist das Ornamentale etwas gekippt.

Der Versuch hingegen, der sich auf die Idee vom 12.11. bezieht, eine weitere Zersplitterung auf sehr dünnes Papier zu zeichnen, um sie dann auf die entsprechende Partie einer Scherbe des Reliefs mit Schellack zu kleben, misslang. Das lag daran, dass sich die Landschaft des Reliefs unter der Zeichnung, zu wenig abhob.

Es wäre notwendig dieses erneute Scherbengericht noch einmal zu modellieren.

Ich bin gebeten, meine stadtteilbezogene Arbeit seit dem Beginn des vorigen Jahres darzustellen. Diese Anforderung geht aus dem § 9 meines Mitvertrages hervor. Das ist eine Bitte, der ich gerne nachkomme. Es gibt nichts, was ich so gerne mache, wie meine Arbeit ordnend und knapp zu beschreiben. Das hat meistens eine straffende Wirkung auf die Produktion.

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Scherbengerichte | Tanzfiguren

Auf Rolle 8 begann die Ausführung dessen, was mir in der Nacht zuvor durch den Kopf gegangen war. Eine modellierte und abgeformte Scherbe des 5. Reliefs, also aus dem 2. Scherbengericht, war die Vorlage einer Frottage. Die Graphitlinien wurden durch eine Rohrfederzeichnung verstärkt und durch die Rollüberlagerungen, aus denen die durchscheinenden Linien in die Umrisse gezeichnet werden, verdichtet. Teile davon sind oben in die Collage eingefügt. Dann zeichnete ich eine zweite Scherbe dazu und bearbeitete sie genauso, was auch zu Rückwirkungen auf der ersten führte.

Zwischen dem vorausgegangenen Motiv aus Alchi und der ersten angefüllten Scherbe entstand eine Lücke, in die genau eine Tanzzeichnung aus dem Ballettsaal der Forsythecompany vom Jahr 2003 passte. Es handelt sich um eine Gruppe von Umrissfiguren, die nun mit einer Mischung aus der schon überlagerten Alchifigur und den Linienverdichtungen dieses erneuten Scherbengerichtes von gestern angefüllt werden.

Diese Serie von Tanzfiguren wird mir immer wichtiger. Sie sind wie die schwebenden Textteile der Dylansongs, die von irgendwoher erscheinen und unvermittelt zwischen der Erzählung stehen. Ich finde, dass eine solche Zeichnung eine gegenständliche Verankerung bildet und einen anderen Reiz, der die Wahrnehmung korrigieren kann.

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Methoden

In der Nacht gingen mir Ideen, die Techniken der Sequenzen auf den Transparentpapierrollen und die der Buchmalereien auf die Reliefs zu übertragen. Dabei könnten Frottagen der Formen durch die Überlagerungszeichnungen mit Rohrfedern und Tusche verdichtet werden. Dann eignen sich einzelne Scherben, die dann noch zweimal zersplittert wurden, als Collagenteile, die dann mit einer Schellackschicht aufgeklebt werden. Das sollte ich an kleineren Scherben erst einmal probieren, um zu schauen, ob es sich für größere Flächen eignet.

Gestern habe ich noch lang in den Abend an Der Manjurishree-Sequenz auf Rolle 8 gearbeitet. Einen Ausschnitt habe ich oben in die Collage eingefügt.

Es ist allerdings auch möglich, von den Strukturen der Reliefunebenheiten auszugehen, um sie als Anhaltspunkt für Verdichtungen anzusehen.

Am Abend las ich noch ein wenig über Produktionsmethoden von Bob Dylan. Das hat mich neu inspiriert. Das Zusammenfügen von scheinbar zusammenhangslosen Gegenständen, kann ich als Instrument ernsthafter Suche nachvollziehen.

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Biennale

Nach einer knappen Woche in Venedig, wo wir uns die Biennale angeschaut haben, sind mir die Tätigkeiten hier im Atelier angenehm nah und wohltuend. Erstmalig wurde mir der Zuckerguss in der Lagunenstadt etwas zu viel, was natürlich mit am Tourismus, d.h. an der Vermarktung der Stadt liegt. Auch die Kunstwerke erreichten mein wirkliches Interesse nur an wenigen Stellen. Ich muss schauen, wie der Besuch nachwirkt, ob sich das Erlebnis der großen Ausstellung auf meine Arbeit auswirkt.

Meine Buchmalereien erscheinen mir eher schwächer, als brauchten sie einen Veränderungsschub.

Sehr angenehm, wie auch beim vorigen Mal, war das Wohnen nahe dem großen Kanal, mit einem atemberaubenden Blick von der Dachterrasse über die Dächer, Kuppeln und Kanäle. Zwischen dem Nordwestufer und der Friedhofsinsel San Michele war eine temporäre Pontonbrücke gebaut worden, auf der wir über das Wasser spazierten. Die Perspektiven waren ungewohnt und reizvoll.

In den Wochenendtagen räumte ich nun fast alle Pflanzen auf meine Regalkonstruktion, die in jedem Jahr etwas anders aussieht. Diesmal gibt es eine pyramidale Symmetrie. Das hat etwas Barockes.

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Kulissen

Das Gehen zwischen den improvisierten Kulissen für eine Schauspielprobe führt durch Lichtkegel, die Kreise auf einem Bühnenboden voller Klebebandmarkierungen projizieren. Wann bin ich vom imaginierten Zuschauerraum oder vom Regietisch aus zu sehen? Wann muss meine Mimik der geforderten Stimmung entsprechen, die ich im Schatten hinter einer Wand noch einmal ausprobieren kann. Hinter mir stehen bereitgestellte Wandkonstruktionen für den Umbau auf den nächsten Akt, dessen Text schon in meinem Kopf rumort?

Es gibt Bereitstellungsflächen für Kulissen und für Blöcke von Menschen, die gleich nach dem Warten, mit geübtem Fähnchenschwenken und der richtigen Mimik an einer Tribüne vorbeimarschieren werden. Sie sind die Darsteller und Darstellerinnen des Volkes. Ich fotografierte die Tribünen von hinten und pochte somit, argwöhnisch von uniformierten und nicht uniformierten Wächtern beobachtet, auf die Verschiebung meiner Perspektive.

Später arbeitete ich gerne mit den Räumen des Tanzes. Die Ensembles, mit denen ich zutun hatte wechselten, aber nicht die Fragestellungen des Spannungsaufbaus. Die Tanzzeichnungen unterfüttern die Gravitationsschwünge der heutigen Buchmalereien. Auf Rolle 8 kann ich die Perspektiven miteinander konfrontieren.

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