Sicherheit und Skepsis

Endlich begann ich mit der Tuschmalerei auf dem Relief des ersten Weidenruten-Objektes. Trotz des geringen Risikos, musste ich innerlich etwas Anlauf nehmen, um mich kurz entschlossen daran zu machen. Dabei wäre es möglich, das ganz ruhig, im Vertrauen auf die Beherrschung der Mittel zu tun, Schicht um Schicht mit Grautönen, krakeligen Federstrichen und wässrigen Pinselwolken. Ein produktives Paar sind die Sicherheit, mit der die Arbeitsvorgänge vonstatten gehen können, und die Skepsis gegen die Routine. In diesem Spannungsfeld kann das zweite Doppelportrait gelingen, besser als das erste, das mir bei längerer Beobachtung, zu wenig frisch erscheint etwas behäbig, wäre da nicht der Kontrast von der Lupenreinen Spannung der Lasurmalerei, zu der großen Entfernung mit der man es betrachten muss.

Am Vormittag arbeitete ich geradezu wütend an der Verbindung der letzten zwei Sequenzen auf Rolle 8, wie ich es mir gestern schon vorgenommen hatte. Vielleicht wollte ich den Start in die Tuschmalerei, nur vor mir her verschieben.

Nach allem, am Abend, band ich noch einige Spiralen an einer der Weiden im Gärtchen. Ein ziemlich ungewohnter Anblick ist das in seiner Häufung, etwas gewalttätig vielleicht und auch surreal. Zwischendrin sitz ich in meinem sonnigen Rohrsessel und fädle einzelne Lavasteine auf, die ich dann in die gebundenen Schlaufen hänge.

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Bleistift | Mechanik | Germania 3

Mit Bleistift habe ich zaghaft begonnen, auf einer Relieffragmentfläche von einem der Weidenrutenobjekte, zu zeichnen. Wie viel Respekt vor diesem Arbeitsschritt besteht, merke ich nun immer stärker. Es staute sich auf, was ich mir in den letzten Monaten dazu überlegte, bis das Arsenal so gefüllt wurde, dass nichts mehr hineinpasste. Ob das jetzt der Moment ist, an dem es geöffnet wird, ist mir noch nicht ganz klar. Aber er nähert sich.

Auf Rolle 8 ergeben sich Umschwünge und Neuorientierungen schneller und unkomplizierter. Dort gibt es klare Arbeitsgänge, deren Mechanik alleine ein Vorwärtsgehen bedingen. Das ging gestern mit einer weiteren Tanzzeichnung vonstatten. Sie hat noch keine Elemente der vorigen Figur in sich. Lebt nur durch die Überlagerungen der eigenen Formen. Aber sicher werde ich diese Sequenz mit der vorangegangenen verbinden. Entweder so, dass ich das gegenwärtige Material nach hinten schiebe, über den fülligen Umriss oder umgekehrt, ihn nach vorne über die neuen Figuren. Es geht auch, dass ich beide Vorgänge nacheinander abbilde, hin und her, was zur Folge haben wird, dass diese Verbindung zur Hauptsache wird.

Als ich am Abend zeichnete hörte ich eine Bearbeitung von Heiner Müllers Germania 3 für Radio. Zwischendrin lachte ich schallend. Hitler, Ubricht, Thälmann, Goebbels, Hagen und Krimhild, lakonische Regieanweisungen, Börsennachrichten…

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Etwas Neues | Theorie

Auf der Transparentpapierrolle Nummer 8, die wie alle anderen 50 m lang ist, füllte ich den fülligen Umriss der aktuellen Tanzfigur weiter mit den dichten, durch das zusammengerollte Papier durchscheinenden, Tuschelinien der vorangegangenen Zeichnungen. Nun muss sich innerhalb dieser Sequenz etwas Entscheidendes ändern, merke ich. Es muss was Neues her, das sich mit dem Vorigen verbindet!

Und gestern hatte ich mir vorgenommen, die grundierten Objekte, die ich zuvor aus den Formen genommen hatte, mit dem Tanzthema zu bearbeiten. Das war leichter gedacht, als getan. Denn die Übertragung der gefundenen Figurationen, erfüllt zurzeit nicht das, was ich mir von dieser Verbindung erhoffe. Folgerichtiger wäre eine Fortführung der Gravitationsschwünge, die aus den gebogenen Weidenruten entstanden und sich nun an den Rückseiten der Relieffragmente befinden. Sie träten auf den grundierten Flächen, als zersplitterte Bögen, zwischen die Linien und fächerten sich dann zu anderen Figuren auf. So etwa die Theorie…

Bereits vor 9 Uhr saßen die Mauereidechsen nach der frostigen Nacht, noch während Eis auf dem Seerosenwasser war, unter der Acrylglaskuppel und sonnten sich.

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Tanzthema in den Objekten

Nach der frostigen Nacht, habe ich im Gärtchen, schon jetzt am Morgen, vier Eidechsen gezählt. Sie sitzen auf den Holzskulpturen, zwischen den Efeuranken und unter der Acrylkuppel in der Sonne, wo sie ihre Körper aufwärmen können. Das Leben im Gärtchen hat zugenommen.

Gestern hängte ich alle Tafeln des ersten Doppelportraits des Väterprojektes vor meine große gespannte Leinwand. Das sieht noch etwas improvisiert aus, aber die Wirkung ist schon ziemlich kraftvoll. Das ist jedenfalls ein ganz guter Anfang.

Die Objekte sind nun aus der Form heraus, und ich kann mit ihnen weiterarbeiten. Zunächst kommt eine weiße Grundierung und dann werde ich versuchen die Arbeitsergebnisse von Rolle 8, das Tanzthema also, auf die Objekte anzuwenden. Für mich ist es sehr spannend, dieses Figurenmaterial mit den Reliefs zu verbinden. In solchen Situationen zögere ich öfter, wie beim Aufhängen des ersten Doppelportraits.

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Weidenflechterei | Durchblicke

Das erste der Objekte aus Weidenruten und einem Relieffragment ist nun getrocknet. Ich habe es aus der Form genommen und dann in den Raum gehängt. Die Spannung, die sich zwischen der Fläche des Reliefs und den Schwüngen der gebogenen Ruten aufbaut, führt zu einer skulpturalen Qualität, die die Neugier wecken kann, ganz um das Objekt herumzulaufen, um alle Blickwinkel und Konstellationen anschauen zu können. Nun erscheint es mir logischer uns ästhetisch richtiger, wenn das Holz nicht mit Pappmache ummantelt ist. Die Tradition von Weidenflechterei scheint auf und führt auch in die Landartgefilde.

Nach wie vor bin ich im Gärtchen dabei, die Äste der Weiden nach innen zu biegen. In die so umgeformten Baumareale hänge ich immer noch aufgefädelte Steine, Schneckenhäuser und Muscheln. Die Räume werden hiermit etwas aufgeladen, wie mit Elektrizität oder anderer Energie. Außerdem schafft die Anmutung von Meer einen weiteren Assoziationsraum.

Wenn ich die Gravitationsschwünge innerhalb der Buchmalereien mit den Aquarellstiften verstärke und an den Kreuzungen die Richtung wechsle, so einen Umriss schaffe, entstehen neue Figurationen, die innerhalb der Collagen Fenster in die gestrigen Linien und Farben werden können, Durchblicke in die junge Vergangenheit. Diese Linienverläufe haben mit Tanz zutun.

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Rolle rückwärts

Von der inhaltlichen Gestaltung Abstand zu nehmen, um notwendige handwerklich Dinge zu tun, nur um mir das Ergebnis einer halbjährigen Arbeit mir selber sichtbar zu machen, fällt mir sichtlich schwer. Gestern musste ich mich zwingen, am Vormittag Pappmache herzustellen, mit dem ich am Nachmittag die Befestigungen an den Rückseiten der Reliefs anbrachte, um alle 16 Formate zusammengestellt aufhängen zu können. Seltsamerweise interessiert mich dieser Zusammenklang nicht mehr so sehr. Die Herstellung war wichtig, die damit verbundenen Erinnerungen.

Eher denke ich nun an die Objekte, die die nächste Arbeitsphase vorbereiten oder schon Teil dieser sind. Reliefscherben füge ich mit gewachsenen Strukturen aus dem Garten zusammen, empfinde damit den Zusammenhang von Tanzzeichnungen und Frottagen der Scherbenformen nach, die auf Rolle 8 entstehen.

Dort möchte ich als nächstes eine Rolle rückwärts machen, zurückkehren zum 13.03., also zurückrollen, um die neu entstandenen Verdichtungen dort, weiter hinten, einzufügen. Somit verändere ich die Geschichte der Zeichnungskontinuität, mache das aber mit einem Datum kenntlich.

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Blickhorizonte | Jazzgeschichte | Wimmeln

Die Abrissarbeiten rund um das Atelier schaffen neue Blickhorizonte. Der Krisenmodus schafft Konzentration. Es erscheint der blaue breite Schlot eines Kraftwerks in Südosten, Betongerippe fallen zusammen und werden zu verbaubarem Material geschreddert. Ich kann mich musikhörend in die Jazzgeschichte fallen lassen, Tuscheschicht um Tuscheschicht auftragen, Schellackebenen hinzufügen, und nichts lenkt mich ab bei meinem sinnfreien Tun. Je höher der Level an Nervosität und Hysterie steigt, umso ruhiger wird es bei mir. Es ist wie eine natürliche, immunisierende Gegenreaktion.

Das einzige, was mich ablenkt, ist das Wimmeln in meinem Gärtchen. Die männlichen Mauereidechsen stecken nun ihre Reviere ab, Sonnenplätze werden verteidigt, aus Jagdarealen werden Konkurrenten vertrieben. Manchmal taucht zwischendrin auch schon ein Weibchen auf.

Außerdem kann ich dem Grün zuschauen, wie es sich mit unseren Installationen verbindet. Die gebogenen Spiralen treiben aus, Insekten schweben um das gestapelte Material aus Ästen, Gräsern und entstehender Erde. Muscheln und Steine schaukeln an den Perlonfäden im Wind und laden die winzigen Fliegen zum wohnen ein. Das Gärtchen ist der beste Arbeitsort.

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Otis Rush | Flächen | Collagen

Den Bluesmusiker Otis Rush habe ich noch aus den Sechzigerjahren von einer Amiga Schallplatte mit Aufnahmen der Folk- und Bluesfestivals in Dresden im Kopf. Heute Vormittag höre ich ihn in Aufnahmen von 1958, in denen er die Siebzigerjahre schon voraus genommen hat. Alles aber etwas abgespeckter, ohne das opulente Getöse.

Auf Rolle 8 zeichnete ich gestern, nachdem der Schatten ins Gärtchen gewandert war und meine Arbeit dort beendete, die Tanzsequenz weiter, die von einer neu gefundenen Zeichnung von 2003 stammt. Es findet sich in den Papierstapeln immer wieder eine, die ich lange nicht gesehen und vergessen hatte. Durch das Hin- und Herrollen und Durchzeichnen der durchscheinenden Linien verdichtet sich die Figurenfolge. Verschiedene durchmusterte Felder addieren sich ineinander und vergrößern aber auch die gestalteten Felder innerhalb der Umrisse. Wenn zusätzlich die Tuschelinien, durch andere Federn, breiter werden, kommt es nach einer Weile, also nach einigen Hin und Her, zu dichten schwarzen Flächen, deren Musterung im Gegenlicht aber noch gut erkennbar bleibt.

Am Morgen, noch zu Hause, überlegte ich, wie ich die Scans in die heutigen Collagen einfügen könnte. Das Ergebnis ist nun zwischen dem Text zu sehen.

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Vokabular

Auf Rolle 8 begann ich eine neue Überlagerungssequenz mit der Tuschezeichnung eines neuen Tanzfigurenumrisses. Der füllte sich beim Zusammenrollen gleich mit den durchscheinenden Teilen der vorigen Überlagerungen, die ich dort hineinzeichnete.

Mir fällt auf, dass ich im Lauf der Zeit ein eigenes Vokabular entwickelt habe, das die Arbeitschritte der unterschiedlichen Projekte benennt. Die entstehenden Phänomene können in dieser Weise geordnet werden und entwickeln sich zu planbaren Probierphasen. Alles bleibt eher vage und verweigert das fertige Produkt, das dann irgendwann doch von alleine auftaucht.

Im sonnigen Garten bog ich am Nachmittag die unteren Äste meiner größten Weide nach innen und band die entstandenen Schwünge mit Schnur fest. So soll eine konzentrierte Kraft als Formenenergie wachsen, die den gefährdeten Raum verletzlich zeigt und visuell schützt. In die so entstehenden Schlaufen hänge ich mit den Schülern und alleine an Perlonfäden Muscheln und Steine, die aus aufgefädelten Ketten von den Kanaren stammen. Sie schaukeln im Wind und ziehen Insekten an, die sie als Unterschlupf nutzen.

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Materialdifferenzen

In der Rückschau auf die letzten drei Tage mischen sich Jazz aus dem Haus Vaterland, Sidney Bechet hat dort beispielsweise gastiert, mit den Tanzzeichnungssequenzen auf Rolle 8. Sie erscheinen unfertig und in den Materialdifferenzen schillernd. Frottagen aus Graphit, neben mehrschichtigen Tuschezeichnungen, von beiden Seiten des Transparentpapiers. Die zerschredderte Balletttradition der Forsythecompany, die Gravitationsschwünge der Weidenruten, der Kubismus der Zwanzigerjahre und Thelonius Monk mit seiner Hinwendung zur extrem freien Improvisation, ergeben ein Gewebe.

Die Objekte aus Pappmache, Pflanzenteilen und Relieffragmente vom Freitag, trocknen noch. Ein paar zusammengerollte Weidenzweige liegen im Wasser. Mit ihnen will ich weitere Objekte bauen. Wegen des sich ausbreitenden neuen Virus, kann ich mich zurückgezogen im Atelier konzentrieren. Kaum andere Aktivitäten sind geplant. Nur notwendige Einkäufe.

Am vergangenen Freitag habe ich mit meinen Schülern Pappmache hergestellt und das Relief Nummer 11 abgegossen. Ein Mädchen, gerade aus Bangladesh gekommen, blieb die ganze Zeit in ihrer dicken Daunenjacke, obwohl das Atelier gut geheizt war. Dass die Dinge, wie Buchmalereien, Tuschezeichnungen und Objekte nun zusammenlaufen, habe ich auch dem Impuls zu verdanken, der aus der Arbeit mit den Jugendlichen kam.

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Schnelle Lichtwechsel

Die Gebäude in der Nachbarschaft werden mit großen Zangen angegriffen, Ecken weggerissen, wie von Granaten. Kettengetriebene Abbaumaschinen schaffen Platz mit lärmender Gewalt. Vor hundert Jahren standen hier zwischen Feldern und Schrebergärten Brücken in der Leere, ohne Anbindungen an einen Bahndamm, wie skulpturale Menetekel dessen was dann kommen sollte und jetzt wieder vergeht. Stetiges Zerstören, Aufbauen und Zerstören, planvoll mit Luftaufnahmen und Fliegerbomben, mit Trümmerfrauen und Baubrigaden, mit Abrissmonstern und Betonpumpen.

Schönheit kommt nur als Frage vor, überwölbt als Himmel das Geschehen. Woran festhalten?

Nun erscheint der Virus als Möglichkeit inne zu halten. Von dem Objekt, der Maschine, die im Entstehen ist, kann zurückgetreten werden. Rezession ist die Hoffnung. Vorübergehende Befreiung von der Beschleunigung. Gerade ist draußen der Lärm verstummt. Die Wolken ziehen eilig und erzeugen die schnellen Lichtwechsel des Frühjahres.

Mit den Schülern gehe nachher ich ins Gärtchen, Zweige biegen, Lavakiesel dazwischen hängen, im Atelier aufwärmen und Pappmache herstellen.

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Zwischensprache

Gestern machte ich ein paar Aufnahmen von den Abrissarbeiten rund um mich herum. Diese monströsen Arbeiten beeinflussen meine Buchmalereien, die zeichnerische Arbeit an Rolle 8, meinen Strich und das Tempo der Verwischungen und stempelhaften Vervielfältigungen der Motivfragmente. Es rhythmisiert mit seinem zerstörerischen Klang, der durch die Atelierwände dringt.

Die Arbeit mit meinen Schülern soll sich nun wieder mehr den Objekten nähern, die wir aus Pappmache herstellen. Ich möchte das Wachstum im Gärtchen, die Gravitationsschwüngen und das Thema Tanz verbinden. Für mich ist dieses Zusammenspiel ganz natürlich und folgt den Gang meiner Arbeit am Väterprojekt. Es gibt schon ein Objekt, einen ersten Schritt dahin, allerdings noch ohne Bemalung.

Vielleicht ist das der Weg, wie ich mit den Choreografinnen und Tänzerinnen aus den YOU&EYE Projekt zusammenarbeiten kann. Zeichnerische Notierungen tänzerischer Bewegungen scheinen in ihren Arbeitsgruppen ja schon eine Rolle zu spielen. Die Aufgabe wäre, die verschiedenen Gattungen mit einer Sprache als Zwischenglied oder Scharnier zu verknüpfen.

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Übertragungen

Beim YOU&EYE Treffen im Dezernat erzählte ich gestern von meiner Arbeit mit meinen Teilnehmern. Sie erstreckt sich in das Gärtchen, und das Tun dort, beeinflusst auch rückwirkend die künstlerische Arbeit im Atelier. Relieffragmente verbinden sich mit Ästen und deren Verzweigungen zu schwebenden Objekten. Die kreisenden Zeichnungen und Grundstrukturen des Väterprojektes werden von den eingebogenen Ästen der Weiden aufgenommen.

Mit den Tänzerinnen sprach ich über ein Treffen im Atelier. Ich möchte ihnen die Arbeit mit den Gravitationsschwüngen, den Tanzzeichnungen auf Rolle 8 und die Landart draußen vor den Rolltoren zeigen. Vielleicht ergeben sich Gemeinsamkeiten, die eine Zusammenarbeit im gestalteten Raum ermöglichen.

Außerdem berichtete ich von den Abrissarbeiten, die die Arbeit beeinflussen. Vielleicht müsste ich sie dokumentieren, um den Zusammenhang mit den Collagen, den Relieffragmentierungen und Transparentpapiersequenzen auf Rolle 8 aufzuzeigen. Sie sind spektakulär laut, gewalttätig und kriegsnah. Die riesigen Abrissmaschinen haben aber auch eine Bewegungseleganz von Urtieren, denen nichts entgegenzusetzen ist.

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Zeit | Überlagerungen | Gärtchen

Auf Rolle 8 zeichnete ich gestern an einer Sequenz weiter, die ich am 17.02. begonnen hatte. Weil die Tanzzeichnungen, die als Vorlage für die ersten Durchzeichnungen auf Transparentpapier dienen, schon älter sind, sie stammen von 2003, kommen sie mir zwar fern, aber inhaltlich aufgeladener vor. Vielleicht versah sie die verstrichene Zeit auf mit neuen Deutungsmöglichkeiten.

Ich füge Auszüge der Überlagerungssequenz zwar mit den Buchmalereien zusammen, bin mir aber über ihr Zusammenspiel nicht einig mit mir selbst. Die verschiedenen Techniken, die gegenständlichen und ungegenständlichen Sujets, all das will nicht so recht zusammenklingen, ist noch nicht bereit für die Anwendung auf den Reliefs.

Der starke Regen stürmt durch mein Gärtchen. Die Weidenkätzchen, an denen schon verschiedene Wildbienen waren, sind nass verstrubbelt und nicht flauschig. An den Unterseiten der Äste beobachte ich Getier, das Blattläusen mit großen Schilden auf den Rücken ähnelt. Wohnstätten aus Muscheln und durchlöcherten Basaltkieseln, hängen, für die Insekten, in den nach innen eingebogenen Ästen. Immer wieder, an sonnigen Tagen, kommen die Mauereidechsen aus ihren Überwinterungshöhlen und schielen nach den Fliegen, die sich an denselben Stellen sonnen.

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Dekonstruktion

Die Buchmalereien haben sich zu einer spröden Angelegenheit entwickelt. Ich fühle mich mit ihnen nicht wohl. Oder es ist eine andere Art meines Einverständnisses mit dieser Arbeit. Ich akzeptiere die Ästhetik, die sich von den Formen der Natur abwendet und sich eher mit dem Abrissgeschehen in der direkten Umgebung verbindet. Mit den Häusern verschwinden auch die Bäume, die von riesigen Maschinen einfach ausgerissen werden. Mit ihnen wird auch alles Gesträuch entfernt, das in den letzten Jahren, als die Gelände nicht genutzt wurden, wild gewachsen ist. Ein Desaster für alles Kleingetier, das sich dort eingerichtet hatte.

Eine ganz andere Welt entwickelt sich in den Tuschezeichnungen auf Rolle 8. Sie leben von der Schönheit der Umrisse der Tanzzeichnungen und der Strukturen, mit denen sie gefüllt werden. Ich zögere mit der Übertragung auf die Reliefs, weil ich dafür eine ruhige Arbeitsphase benötige, in der ich mich nur auf diesen Arbeitsschritt konzentrieren kann. Aber bald wird es soweit sein, dann entstehen die ersten kleinen Reliefs mit den Tanzfiguren.

Am Sonnabend sahen wir einen Nick – Cave – Abend mit der Schauspielerin Elvira Bach und ihrer Band Wichboy. Sie sang sehr schön, bewegte sich großartig und musizierte begeisternd mit der Band. Aber sie spielte eine Sängerin. Und dieser Abstand zu einer Figur machte den Unterschied zu einem normalen Konzert. Um diesen Vorgang spannungsvoller zu gestalten, würde aber eine Figur gebraucht, die sich entwickelt, sich vielleicht langsam in Nick Cave verwandelt.

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Atlantikenergie

Immer dieselben Arbeitsschritte nach einer Reise. Am ersten Tag beginne ich die Buchmalereien zu scannen, die unterwegs entstanden sind. Und immer unterscheiden sie sich deutlich von dem, was vorher und nachher entstanden ist und entsteht.

Jetzt bin ich im Umgang mit den farbigen Linien und Flächen nicht gerade vorsichtig. Es steckt darinnen eine Energie, die aus dem starken Wind vom Atlantik herzurühren scheint. Es besteht eine Lust an harten Formen und starken Farben. Das ganze gespeicherte Licht will auch nach draußen. Schon gestern machte sich das Luft.

In den draußen hängenden Ketten aus Strandmaterialien konnte ich feststellen, dass sie von Insekten als Wohnstätten genutzt werden. In den Hohlräumen der Muscheln und Schnecken, in den Labyrinthen der Lavakiesel und Korallenbauten, befinden sich Eiablageplätze, Larvenkammern und Gespinste, in die Jagdbeute eingewoben ist. In den Projekten, die ich mit den Schülern im Rahmen von YOU&EYE mache, wird das nun eine wichtige Rolle spielen.

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Express

Am vergangenen Wochenende, während ich Ornette Coleman mit Aufnahmen von 1958 hörte, geriet ich innerhalb der Buchmalereien in eine expressive Bewegung. Das schaukelte sich etwas hoch, und ich fühlte mich ziemlich wohl dabei. Was da aufleuchtete, gab es bei mir schon vor 35 Jahren, in den gegenständlichen Zeichnungen aus Schauspielproben in Dresden und Heidelberg.

Jetzt fühle ich mich in dem Spannungsfeld zwischen den gestischen Liniengeflechten aus Gravitationsschwüngen, groben Beistrichen aus der Frottagenstruktur und den wolkigen Aufweichungen, sehr wohl. Die letzteren sind auch von feinen Handlinien durchsetzt, die mit ihrer Zartheit einen weiteren Kontrast zu den kräftigen Linien bilden.

Die Grauschattierungen, die durch die rhythmischen Berührungen des Handballens, den ich zuvor auf einem Schwamm angefeuchtet habe, verschwimmen, setzen sich aus vielfarbigen Schraffuren zusammen, die das Grundmaterial der Farbwolken bilden. Die häufigen Wiederholungen dieser Bewegungen, bekommen manchmal einen hämmernden Charakter. Und dann kommt es vor, dass in dieses getupfte Weichfeld noch mal eine harte trockene Linie schneidet.

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Transparentpapier und Pappmache

Die Entwicklung des Bildmaterials, bzw. die Arbeitsschritte zu seiner Herstellung, läuft auf Rolle 8 geradezu planmäßig. Zwei angefüllte und verdichtete Tanzfigurenumrisse, habe ich wieder mit einer Frottage überlagert, deren Graphitlinien mit Tusche nachgezogen worden sind.

Der Haken dabei ist, dass die entwickelten Strukturen, alle auf dem Material basieren, das mich zu dieser Arbeitsweise alleinig in die Lage versetzt, Transparentpapier nämlich. Die Frage, wie ich die Figurationen auf Pappmache übertragen kann, bleibt bestehen.

Ich könnte sie einfach zeichnerisch übertragen. Das wäre die einfachste und vielleicht beste Variante. Wenn mir das aber nicht genügte, müsste ich eine andere Möglichkeit finden, die mit der Struktur und der Materialität der Reliefs direkt zutun hat. Es ist nicht sehr hilfreich, darüber noch weiter nachzudenken. Ich muss es einfach probieren.

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Schutzgebiete

Das Weiterzeichnen auf Rolle 8 erzeugt immer neue Muster durch die Verdichtung im Wechsel mit Fragmentierung und Vereinzelung der Formen. Dadurch entstehen Zwischenräume, Freiräume, die manchmal nicht gefüllt werden dürfen. Sie sind wie Schutzgebiete, in denen nichts Zeichnerisches entstehen darf.

Ich dachte über das kontinuierliche Arbeiten mit alten Bildgestaltungsprogrammen nach. Ich benutze ein Fotoretuschierprogramm ja immer gegen seine eigentlichen Intensionen. Lange Zeit hantiere ich damit sehr eingeschränkt, nutzt die Vielfalt keinesfalls aus, sondern beschränke mich in den Mitteln. Das aber kann zu Neuerungen an anderer Stelle führen.

Das Zusammenfügen der Tuschezeichnungen mit den Buchmalereien, ist immer mit Verlusten auf beiden Seiten verbunden. Die unterschiedlichen Techniken passen oft auch nicht recht zueinander, behindern sich gegenseitig und stellen, wenn ich nicht aufpasse, kein rechtes Vorwärtskommen dar. Manchmal dauert es eine ganze Weile, bis eine Zusammenstellung, wie oben, fertig ist.

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Jojo Rabbit

Die Tanzzeichnungen von 2003 bestehen oft nur aus einer oder zwei Linien, die Figuren umschreiben und sich mehrfach kreuzen. Daraus entstehen geschlossene Flächen, die auf die Transparentpapierrolle übertragen, mit den Liniengeflechten gefüllt werden können, die auf dem Papierstreifen zuvor entstanden sind. Deren Inhalt war, in den letzten Tagen, die Vereinzelung von fragmentierten Splitterflächen.

Nun ist es folgerichtig, wieder Splitterfrottagen der Stückformen des Väterportraits hinzuzufügen. Alles trifft in den Collagen aufeinander, von denen ich nun täglich 3 anfertige, was das Material für die nächsten Reliefbemalungen entscheidend vermehrt und verdichtet.

In einem schönen, kleinen Kino, das in mehrere Bars eingebettet, eine gepflegte und gemütliche Atmosphäre bietet, sahen wir auf Empfehlung von unserem Freund Michi „Jojo Rabbit“. Er hat das hervorragende Syncronbuch zu dieser Komödie geschrieben, in der ein Hitlerjunge hin und her gerissen ist zwischen seinem Freund, dem Führer und einem versteckten jüdischen Mädchen. Sehr gelungene Sequenzen, über die wir schallend lachen konnten. Bei manchen Wendungen hatte ich deswegen ein etwas schlechtes Gewissen.

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Ähnliche Vorgänge | Wellenbewegung

Das Weiterführen von Vereinzelung und Neuordnung der Gestaltungspartikel, die aus der Begegnung von Frottagen der Formen des Väterdoppelportraits und den Tanzzeichnungen von 2003 entstehen, war Thema der gestrigen Arbeit auf Rolle 8. Es bildet sich eine Wellenbewegung aus Überlagerungen und Fragmentierungen. Dabei werden die laufend neu entstehenden Varianten der Umrisse auf ihre Eignung untersucht, als alleiniges Objekt zu stehen, oder in Verbund der neuen Splitter zu funktionieren. Eine weitere Überlagerungssequenz aus diesen Teilen, wäre ebenfalls denkbar.

Mit ganz anderen Mitteln bilden sich innerhalb der Buchmalereien ähnliche Vorgänge ab. Weil ich auf beiden Arbeitsebenen, der Transparentpapierrolle und den Miniaturaquarellen, derzeit auf die Vorgaben der 10. Reliefform zurückgreife, kommt es zu Ähnlichkeiten bei den Umrissen der Frottagen, Tuschzeichnungen und Farblinien. Manchmal treffen sie im rechten Winkel aufeinander.

Vormittags besuchte ich die Ausstellung mit Bildern von Vinzent van Gogh im Städelmuseum. Daraus ging eine freudig–kreative Stimmung hervor, eine Gemeinsamkeit aus der Liebe zu den Gärten und ihrem lebendigen Formenpotential.

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Neue Zersplitterungen

Aus der Dynamik der Lücken in der Überlagerungssequenz auf Rolle 8, sind erneute Zersplitterungen entstanden. Sie führen zu neuen Figuren, mit denen ich weitere, abstrakte Geschichten erzählen kann.

Das Zusammenspiel der Buchmalereien mit den Formen des Väterreliefs über die Frottagen und die Weiterentwicklung der Transparentpapierrollenarbeit, führen zu Überlegungen, mich über kleinere plastische Arbeiten dem nächsten Väterportrait zu nähern. Weil die Frottagen, die sich mit den Tanzfiguren zusammenfügen, von Bereichen der Formen stammen, die ich auch fragmentarisch mit Pappmache abformen kann, ist es möglich zeichnerisch und plastisch mit dem vorhandenen Material in kleinerem Maßstab zu experimentieren.

Weitere Biegungen der nach außen strebenden Äste der Weide des Gärtchens leiten die Kraft nun nach innen um. Die Wirkung dieser kompositorischen Tat hat eine emotionale Komponente. Einerseits wird das natürliche Wachstum umgelenkt und begibt sich, bei anhaltender Biegung, durch die Schnur gehalten, fest in diese Form. Andererseits wirkt die Gesamtform des Baumes fast tänzerisch. Den Teilnehmern von YOU&EYE macht das Arbeiten mit den lebenden Naturmaterialien Freude. Steine und Muscheln zwischen den Schwüngen schaffen bildliche Massepunkte für die Gravitation.

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Fehlstellen

Während der Arbeit auf Rolle 8 kam es gestern zu einer Begegnung einer Frottage von Splittern des 3. Scherbengerichts, von der Form Nummer 10, mit einer Tanzzeichnung aus dem Ballettsaal in der Oper, der nun bald Rückgebaut werden soll.

Innerhalb der Sequenz, die durch das Zeichnen der durchscheinenden Linien beim Zusammenrollen des Transparentpapiers entstand, ließ ich Lücken, um manche Überlagerungen erst in der nächsten oder übernächsten Umdrehung abzubilden. Dadurch entstand eine Komposition, mit einer rätselhaften Dynamik, die auf einer Länge von etwa einem Meter, eine große Spannung auslöst.

Diese Zeichnung berührt mich ähnlich tief, wie die vom 20.12. 2019, in der sich das Rückbauornament des Palastes der Republik mit einer Splitterfrottage und einer Tanzfigur verbinden. Woher diese Tiefe der Wirkung kommt, kann ich mir nicht erklären. Allerdings tat ich mich gestern eine ganze Weile schwer mit dem regelmäßigen Durchzeichnen der zunehmenden Verdichtungen und zwang mich zu den oben beschriebenen Fehlstellen.

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Energie | Verdichtung | Konzentration

Das Steigen zwischen den hohen, kahlen Stämmen, die Lichtschattenlicht auf den beschneiten Waldboden des Altkönighanges zeichnen, wärmt. Der Atem geht ruhig. Eis zwischen den Steinen der Keltenringe, und kurz unter dem Gipfelplateau, südwestlich, ist es warm. Über den Schnee schnurrt eine Hummel.

Im Totholz des Gärtchens sonnte sich eine Mauereidechse. Dort und in den kleinen Erdhöhlen auf dem Beton überwintern sie. Sie folgten mir in mein Naturrefugium und ich fühle mich nun verantwortlich für sie. Dankbar bin ich, dass das von offiziellen Stellen unterstützt wird, auch von meinen Nachbarn und den Leuten, mit denen ich im Viertel zusammenarbeite. Manchmal ist das wichtig.

Die Gravitationsschwünge besitzen eine außergewöhnliche Energie. Die nach innen, in Richtung des Hauptstammes gebogenen Weidenruten, schaffen eine Verdichtung der Kraft. Im laufenden Jahr sprießen aus den Bögen wieder Triebe nach außen, die dann wieder gebogen werden können. Es ist spannend, wie sich der Baum in dieser Konzentration verhält.

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Verwandlungen

Die Fortführung der Arbeit auf Rolle 8 begann mit einer relativ abstrakten Tanzzeichnung vom Februar 2003. Die Überlagerungen wandeln sich zu Kolonnen von gleichgeschalteten Linien, wie die von einer klassischen Tanzkompanie, die an der Rampe, im perfekten Gleichklang, die Glieder heben und senken, in einer Revue verdrehen und kreuzen. Das hat nur parodistisch mit der Forsythecompany zutun. Ein Rückblick auf Material, aus dem die neue Tanzsprache entstand.

Innerhalb der Buchmalereien geht es ganz anders zur Sache. Diagonalen sprengen dort den Gleichklang und die Wiederholungen ein und desselben Motivs, sind eher schmerzhaft erzwungen, wollen aufgelöst werden und als Dopplung verschwinden. Das alles löst aber jede Tendenz zur Starrheit.

In einer Buchkritik über den neuen Roman von Thomas Brussig, ging es gestern um die Verwandlung von zwei Jugendlichen in Waschbären. Eigentlich war die Kritik ein ziemlicher Verriss, inspirierte mich aber dazu, solche Verwandlungen, in meiner direkten Umgebung zu entdecken. Auslöser dafür können nebensächliche Begebenheiten sein. Ob dann aber immer Waschbären herauskommen, ist nicht gewiss.

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Verlässlichkeit

Seit Freitag war das Atelier ohne Heizung, insgesamt also 4 Tage. Die Tore des Geländes stehen seit Monaten offen, weil die zerstörten Schlösser nicht repariert werden. Fallrohre und Dachrinnen funktionieren nicht, Sperrmüll wird abgeladen, Dämmstoffe fallen von den Wänden und überhöhte Nebenkostenrechnungen für die Reinigung der Flächen werden versendet. Der Zustand des schützenswerten Geländes, auf dem das Projekt „Soziale Stadt Gallus“, inmitten der Abrisslandschaften stattfindet, ist beklagenswert. Das drückt auf die Stimmung aller Mieter. Wir kümmern uns um das Viertel, bemühen uns um Zusammenhalt, entwickeln daraus ein Kraft, die das alles möglich macht. Und dafür benötigen wir eine verlässliche Unterstützung.

Gestern Abend kümmerte ich mich gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Vermieters, um die Befüllung der Heizanlage, legte einen Schlauch aus meiner Küche hinaus zum Anschluss. Nun ist es warm, also konzentriere ich mich wieder auf meine Arbeit.

Das Licht sickert von oben in den Raum, kurze Sonnenaufgangssequenz am Morgen. Die Wirkungen auf die Farbigkeit der Buchmalereien und ihre Rückstrahlung auf mich, fiel mir am Morgen beim Scannen der 12 Malereien der letzten 4 Tage auf. Es handelt sich dabei um meine Hauptarbeit, die ich überall machen kann, ob ich unterwegs oder in einer beengten Situation bin.

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Eingefroren

Vom Nachfahren der Linien der Tanzzeichnungen, mit Tusche auf das Transparentpapier der Rolle 8, lösen sich Erinnerungsblitze aus. Mit der Feder gehe ich durch die Bühnenräume und habe die Bewegungen des Ensembles vor meinen Augen. Wenn Ausschnitte dieses Geschehens auf meinem Papier angelangt sind und heute 17 Jahre später in andere gestalterische Zusammenhänge gelangen, kommt es mir vor, als seien sie der Augenblickhaftigkeit entrissen. Nun existieren die Bewegungen aus diesen Räumen weiter auf Transparentpapier oder im Pappmache der Scherben.

Aber erst in den Collagen treten sie zunächst in Verbindung zu den Splittern der Reliefs, die aus den Frottagen der Buchmalereien hervortreten, aus den Reliefformen in die Verläufe der Suchbewegungen, die zum nächsten Exemplar der Väterreliefs führen sollen.

Mir fällt die Verwandtschaft von Arbeitsweisen auf, deren Ergebnisse ich in den Tempeln im Himalaja sah. Dieselben Figuren werden in verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Gesten dargestellt. Oft sitzen sie in einer Vierergruppe mit dem Rücken zueinander und bieten dem Besucher, der sie im Uhrzeigersinn umrundet, ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen dar. An den Wänden sind sie von weiteren sitzend Meditierenden, die in den Raum schauen, umgeben. Die Anordnung folgt einem Mandala, das hier seine dreidimensionale Entsprechung findet und Orientierung für die Meditation bieten soll.

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Arbeitsweise

Die bewegliche, tanzende Kamera, inmitten einer getanzten Vorstellung, war ein Werkzeug von Thomas Jacoby in Heidelberg. Wir hatten ab und zu Kontakt und arbeiteten auch gelegentlich zusammen. Ich erinnere mich, wie er im Bockenheimer Depot Zeichnungen von mir von einem Kopienstapel nahm und mich anhand dieser erkannte. Im Netz sah ich eine Todesanzeige mit seinem Namen.

Die Zeichnungen von 2003 nehme ich mir nun vor, um sie auf weitere Verwendungsmöglichkeiten zu untersuchen. Gestern entdeckte ich eine, die aus einer einzigen, sich überschneidenden Linie besteht, und mehrere Figuren in einem Raum umschreibt. Diese Binnenflächen, die bei dieser Art zu zeichnen entstehen, bieten sich für eine weitere Verarbeitung an, rufen geradezu nach Vervollständigung, nach Füllung. So leben sie auf Rolle 8 wieder auf. Ich könnte mir auch Animationen mit diesem Material vorstellen. Tanzzeichnungen beginnen zu tanzen.

Im oberen Raum des Ateliers hängt die Skulptur aus Zweigen, mit Pappmache ummantelt, und Relieffragmenten. Leicht erkenne ich in ihrem Umriss eine Figur, die auf einem Gefährt steht. Es könnte ein Boot sein oder ein Luftschiffchen mit Segel. Immer, wenn ich erneut hinschaue, entdecke ich andere Konstellationen. Dieser Blick etabliert sich nun als Arbeitsweise für das nächste Reliefexemplar.

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Kind of Blue, schnell ziehende Wolken und trockenes, elektrisches Licht.

Das Tanz – Abspaltungs – Thema entwickelt sich weiter auf Rolle 8. Tuschezeichnungen der letzten Tage fügte ich in die Collagen des heutigen Trios ein. In den Buchmalereien verzichtete ich auf dieses Thema und konnte ganz frei bei den Gravitationsschwüngen und der Frottage, von einem kleinen Teil der 5. Form, bleiben. Es fühlte sich zunächst gut an, die Themen auf diese Weise getrennt zu behandeln, um sie dann später zusammenzufügen.

Um diese Arbeitsweise auf die Reliefs zu übertragen, eignet sich zunächst wieder die Bearbeitung einzelner Scherben. Ich denke an roh belassenes Pappmache, nur teilweise weiß grundiert, an Tuschezeichnungen mit Feder und Pinsel und an Absperrungen und Verwischungen mir Schellack. Klare Formen, Zersplitterungen, die sich manchmal in Wolken auflösen. Es wird eine Zeit dauern, bis ich an das erste Format herangehe.

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen auf der Transparentpapierrolle, in den Buchmalereien und auf den Reliefs, tragen schon die Spannung einer Spaltung in sich. Das Zusammenfügen ist schwer: Kind of Blue, schnell ziehende Wolken und trockenes elektrisches Licht.

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Vorgeformtes Material

Auf dem Zeichentisch liegt ein Reclam-Band aus dem Jahr 1983. Es handelt sich dabei um eine hochdeutsche Fassung des Nibelungenliedes von Uwe Johnson und Manfred Bierwisch. Ab und zu greife ich zu diesem Stoff und denke dabei an meine Arbeit am Schauspiel Dresden. Von damals, etwa der gleichen Zeit, in der diese 8. Auflage erschienen ist, stammen Bühnenzeichnungen, Aquarelle und Collagen. Durs Grünbein war Regieassistent von Wolfgang Engel.

Die Bühnenzeichnungen sind den Tanzzeichnungen ähnlich. Diese Arbeit ist eine Beschäftigung mit künstlerisch mehrfach vorgeformtem Material. Die Neuinterpretation von Raumkonstellationen mit Figuren.

Mit einer Frottage von der Reliefform Nummer 5 und einer Ballettzeichnung aus dem Jahr 2003, fertigte ich eine Überlagerungssequenz an, mit der ich die zwei Figurenumrisse füllte. Die Weiterarbeit daran, soll mich der Arbeitsweise näher bringen, mit der ich mein Tanzthema der Abspaltung der Söhne von den Vätern in die Reliefmalerei einfügen kann. Die Grenzen der Scherben werden von den Gravitationsschwüngen beschrieben, die Brüche der Splitter, von den Überlagerungssequenzen der 4 Scherbengerichte, die ich auf der vorigen Transparentpapierrolle gezeichnet habe. Dieses Grundmaterial soll mich nun in weitere Aufsplitterungen führen.

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Tanz | Abspaltung

Die ersten Versuche, innerhalb des Väterprojektes, mit dem Tanzthema umzugehen, fanden auf Rolle 8 und nun auch innerhalb der Buchmalereien statt. Die Gliedmaßen tauchen aus dem Nebel auf. Genau so kann das Thema langsam beginnen zu wachsen.

Außerdem gewann, innerhalb dieser Beschäftigung, ein Vorgang der Abspaltung der Söhne von den Vätern, in meinem Nachdenken an Bedeutung. Natürlich lassen sich diese Entwicklungen innerhalb der Familiengeschichten verfolgen und klar lassen sich Erfahrungen damit in der Literatur begutachten. Vielleicht gibt es das sogar auch in den Choreografien von Bill Forsythe. Ich denke aber die Splitterstruktur mit den Spaltfiguren zusammen: „Der Riss ist die Passage“.

Als Hintergrund für ein Interview mit Kayo im Rebstockimbiss, sah ich gestern mein Wandbild, immer im Verhältnis zu seinem klaren, persönlichen Migrationsbericht. Er ist ein guter Darsteller und Erzähler! Da fiel mir auf, dass der Ansatz der Gegenständlichkeit, wie er in diesem Wandbild verfolgt wurde und sich mit seiner Erzählung im Film verband, auch etwas mit dem nächsten Väterportraitexemplar zutun haben wird, aber von den Scherben strukturiert.

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Kinesphärischer Garten

Ausweichend kümmere ich mich um die Pflanzen, koche Kaffee und beobachte die aktuellen Rückbauarbeiten. Heute wird das Tor abgerissen, durch das ich 20 Jahre lang das Gelände betrat, das schon einmal gebrannt hatte und seit dem als Ruine vor dem Gelände stand. Die Landschaft verändert sich. Die Sonne geht woanders auf.

Gestern legte ich alle fertig bemalten Tafeln auf den Boden, dass sie das Gesamtbild ergaben. Ich versuchte das Ganze zu fotografieren, was mir nicht so gut, nicht scharf genug gelang. Nun werde ich die Tafeln einzeln auf die Staffelei stellen, fotografieren und dann im Rechner zum großen Doppelportrait zusammenstellen.

Die Choreografinnen redeten im Anna – Freud – Institut von Tanzspiralen und kinesphärischen Experimenten. Lineare Entsprechungen dessen, ließen sich auf verschiedene Weise auf Papier herstellen und in die „Gartenkunst“ übersetzen, oder in Energieräume aus Weidenruten, Steinen, Erde, Wasser und Totholz. Die Flugbahnen der einfallenden Meisen werden in kurzen Strecken von gespannten Schnüren nachgeschrieben. Irgendwann kommen die Mauersegler wieder und lehren uns, für kurze Zeit, das Leben in Schwüngen.

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Weiden und Tanz

Mit der Bemalung des ersten Exemplars des Väterreliefs bin ich gestern fertig geworden. Es folgt nun die Vorbereitung des nächsten. Das beginnt mit der Ausformung der nächsten Reliefrohlinge und deren Grundierung. Was dann aber folgen wird, weiß ich jetzt noch nicht. Die nächsten Arbeitsschritte werde ich erst gehen können, wenn ich das Tanzthema mit Materialproben und weiteren Überlegungen auf Rolle 8 vorbereitet habe.

Am Vormittag stellte ich während eines Supervisionstreffens im Anna –Freud –Institut die Rolle des Ateliergartens für das Projekt in den Mittelpunkt. Ich beschrieb die Arbeitsweisen, die die Gravitationsschwünge auf dem Papier und den Weidenrutenbiegungen an den Bäumen verbinden. Dabei kommen die Kinder den Prozessen des Wachstums vor dem Atelier näher und entdecken Natur als schützenswerten Partner, dessen Zerstörung sich rächt.

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Spiralbewegungen des Tanzkurses mit den Gravitationsschwüngen und den Weidenbiegungen verbinden können. Ich muss das selber in die Hand nehmen und bei den Choreografinnen vorbeischauen. Das ginge zusammen mit meiner aktuellen Ausprägung des Väterthemas und dessen Weiterentwicklung auf Rolle 8.

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Verlorene Substanz

Zeitiger als sonst geht mein Blick, nach der klaren, kalten Nacht, auf einen apricotfarbenen Horizont. Die Farbe tritt auf, als wäre sie aus den Reliefmalereien in den Himmel gesprungen.

Gestern hat man begonnen, das knapp hundert Jahre alte schöne Backsteingebäude abzureißen, das den Blick vom Gelände nach Südosten bestimmte und bisher unerschütterlich stand, auf seinem Grund. Über ihm ging in letzter Zeit die Sonne auf. Der Greifer krallte sich in die erste Hausecke, um sie zum Einsturz zu bringen und frisst sich seit dem in die alte handwerkliche Baustruktur. Der verlorenen Substanz werden Wohngebäude folgen, die nicht halb so lange stehen.

Die vorletzte und die letzte Relieftafel des ersten Exemplars des Väterportraits, bemalte ich gestern. Noch etwa zwei Stunden Arbeit, dann werde ich damit fertig sein.

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2 Frottagen | 3 Gravitationsschwünge

Am Morgen wandert wieder dieses Licht von oben hinab auf die Tische. Charlie Parker – kein Trio – große Besetzung, aufgewühlt und ohne entspannte Ruhe. Die aufgekratzte Nervosität wirkt sich auf die Bewegungen der Linien und der Handballenverwischungen aus. Über Krähenfüße stolziert die Trompete am Schlagzeug vorbei, vorbei am Rauschen der Becken und den harten Schlägen auf den Rand der Trommel.

Ich ging von zwei rudimentären Frottagen von der 5. Reliefform aus und entwickelte die drei Buchmalereien zunächst durch drei Gravitationsschwünge in den Zwischenräumen. Sie überlagerten sich mit den konstruktiven Linien der Form. Die Übertragung der Strukturen unter den drei Malereien, schafft immer neue Konstellationen und Wiederholungen, die wie ein Fehler in der Matrix wirken, eine Wahrnehmung von Vermehrung und Variation der Formen.

In einem Schwung wurde das Relief mit der Nummer 1 farbig fertig. Ich wischte viel, beeilte mich, nun das Ende vor Augen. Dabei griff ich auf die Vorgänge der Buchmalereien zurück, konnte die Arbeitsweise in gewisser Weise übertragen Noch zwei Formate, dann kann ich mich um die Aufhängung des ersten Exemplars des Väterportraits kümmern, vielleicht noch ein paar Korrekturen machen und Schluss.

Am Morgen dachte ich über das nächste Exemplar nach, das sich auf ganz grafische Weise mit dem Tanzarchitekturthema befasst. Keine Malerei, nur die Verstärkung oder Abschwächung der Reliefstruktur mit Tusche, Schellack und Graphit. Da drinnen bilden die Tanzfiguren einen Erzählungsreigen.

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Sehr langsame Veränderung

Von zwei Frottagen gehen zwei leichte Gravitationsschwünge jeweils nach Rechts. Die Arbeitsweise verändert sich sehr langsam. Schaue ich auf die letzten zwanzig Jahre der täglichen Buchmalerei zurück, hat sie sich dennoch stark verändert, allerdings in ihrer eigenen langsamen, vorsichtigen Kontinuität.

Zu den Themen Tanz, Wanderung und durchmessener Raum, kam nun der längst überfällige Triogedanke, der ja der Arbeitsweise der Buchmalereien innewohnt. Aus den unterschiedlichen Musiken, die sich diesem Dreiklang widmen, steht mir am ehesten der Jazz aus meiner Kinderzeit nahe.

Große Helligkeit sickert von oben in den Raum. Sie wird in einer Stunde die Arbeitstische erreicht haben, auf denen die Reliefformen, deren bemalte Abgüsse und die ganzen Materialien liegen, die ich benötige. Es geht nun um Ölmalerei mit ihrem Duft aus meiner Jugend.

Auf den Zeichentisch stehen Gläser mit Zeichenfedern, Stiften, Messern, Holzstäben, Pinseln und all den anderen Dingen für die Buchmalerei. Sie führt mich.

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Wege

Das Relief Nummer 4 des ersten Doppelportraitexemplares, in der Zählung vom ersten bis zum 4. Scherbengericht, die jeweils aus vier Tafeln bestehen, habe ich gestern fertig bemalt. Das ist ein vergnügliches Arbeiten, das mich nicht gerade sehr fordert. Ich stelle diesen Teil der Arbeit zu den anderen zwölf Teilen, die bis jetzt fertig sind und werde morgen und in der nächsten Woche mit der Bemalung der letzten drei Reliefs beginnen.

Die Gänge auf den Altkönig wirken sich auf meine Beweglichkeit im Alltag aus. Mir fehlt die Arbeit mit den gewanderten Linien. Nach der Malerei am ersten Väterportrait, ergäbe sich die Möglichkeit, im Zusammenhang mit der Vorbereitung des nächsten, die BE WEG UNG im Raum der Stadt, mit in die Arbeit an den Tanzfiguren einzubeziehen, die eine entscheidende Rolle im nächsten Väterportrait spielen sollen.

Einen Gang in der Stadt Frankfurt kann ich außerdem nach Mumbai verschieben, ihn dort mit seinen notwendigen Veränderungen, die durch den anderen Grundriss der Stadt entstehen, gehen, um dieses Ergebnis dann in das Spiti Tal im Himalaja zu verschieben, und die Figur dort erneut durch eine Wanderung zu verändern. In Mussoori, der Hillstation am Fuß der Berge, bin ich ja schon einmal mehrere Hände gelaufen.

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Wappentier

Die intensivere Arbeit mit den Buchmalereien, mit denen ich nun täglich 3 Collagen anfertige, führt mich auf Wege, die noch mehr mit den Sechzigerjahren zutun haben. Das kommt von der Beschäftigung mit den Jazztrios dieser Zeit. Und wenn ich diese Welt mit der meiner Kindheit verbinde, ergeben sich überraschende Überlagerungen. Aber das ist ein neuer Kosmos, dem ich mich langsam mit einer Sonde nähern will. Ausgangspunkt ist die Reihe von Jungpionierportraits, die ich vor einiger Zeit auf Transparentpapier zeichnete.

Gestern fotografierte ich eine Mauereidechse, die sich in meinem Gärtchen sonnte. Die S-Form der Körper dieser Reptilien, wäre ein schönes Wappentier für das Gelände von Teves West, ein Zeichen des Artenschutzes mitten in der Verdichtungswut.

Ich war im Netz auf der Suche nach den Wollfadengeflechten und damit kombinierten Figuren aus Widderschädeln zur Geisterabwehr im Himalaja. Ich fotografierte einige im Spitital und in Ladakh und würde diese Formensprache gerne in die S-Form der Tevesreptilien oder in die der Gravitationsschwünge der Weiden verwandeln. Diese skulpturale Vorgehensweise mit Geflechten aus Naturmaterial interessiert mich schon eine Weile. Ich begegne ihr ganz einfach durch meinen Blick auf die Umgebung. Das führt im Wald und vor meinem Atelier zunächst zu Landart

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Auf den Berg!

Es ist ein sonniger Morgen. Ich habe mir vorgenommen, am Nachmittag den Altkönig zu besteigen. Ich sehne mich nach der Stille des Waldes, nach seiner Luft und den Bildern, die mich dort umgeben. Das Steigen ruft ein besonders angenehmes Körpergefühl hervor – tiefer Atem, Wärme und ein geschlossener Bewegungsablauf mit klarem Ziel.

Mit Preußischblau malte ich gestern die Gravitationsschwünge der letzten vier Reliefs und begann am Abend die Farbigkeit der Splitter anzulegen. Dieser Arbeitsgang lässt sich nun nicht mehr von den Buchmalereien trennen. Um aber das Großformat im geschlossenen Stil zu Ende zu bringen, fahre ich die Malerei mit angezogener Handbremse. Dennoch verfalle ich in eine nachlässigere Malweise und lasse sie gewähren.

Die täglichen drei Formate begleiten die Songs von Chet Baker, mit denen er sein melancholisches Trompetenspiel ergänzt. Inwiefern die Zeichnung oder die Farben davon beeinflusst werden, würde ich gern deutlicher erkennen.

An Rolle 8 mit einer neuen Tanzfigur, bin ich noch nicht rangekommen. Die Malerei hält mich zu sehr in Atem. Dennoch drängt es mich zu dieser Arbeit.

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Kinästhetischer Baum

Auf Rolle 8 werde ich nun mit weiteren Tanzfiguren und Reliefstrukturen arbeiten, um das Thema für das nächste große Väterportrait vorzubereiten. Wenn ich dann, wie beim ersten Exemplar, wieder die Möglichkeiten der Malerei in Verbindung mit Tanzfiguren, direkt auf den Einzelreliefs probiere, ergeben sich im Fortschreiten der Arbeit sicherlich verschiedene Ansätze, deren Suchcharakter, der eigentlich in Entwurfsskizzen seinen Platz hat, dann als Malerei erhalten bleibt.

Gestern begann ich auf dem letzten Relief des ersten Portraitexemplares, die Schellackschicht über die Graphitstruktur zu legen. Damit werde ich heute fertig. Dann kommen die Gravitationsschwünge in Preußischblau, mit denen die richtige Malerei beginnt.

Die Skulptur, die aus einem Geäst besteht, das ich mit Pappmache umgeformt und mit Relieffragmenten versehen habe, klemmt nun in einer geschweißten Dreiecksgitterstruktur im Raum. Sie ist so etwas wie ein schwebendes Regal, in dem ich die verschiedenen Dinge, die ich beobachten will, unterbringen kann.

Im Gärtchen begann ich, die Äste der großen Weide in der kinästhetischen Weise zu verbiegen, die die Radien meiner Hände und Unterarme umfasst. Der tänzerische Ansatz führt zu einem choreografierten Baum.

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Windmarimba, Trixelgrab und Gravitationsspannung

Weiter mit dem Triojazz in den Buchmalereien. Innerhalb der drei Collagen, die ich nun täglich anzufertigen begonnen habe, bekommt er zunächst eine Erweiterung, durch das Einbeziehen der Arbeit des Vortages. Die Konzentration, auf die es mir ankommt, kann sich erste in Zukunft herstellen, wenn ich diese Arbeitsweise eine Weile gepflegt habe.

In der Schirn sahen wir gestern die Malerei von Lee Krassner. Manchmal kamen mir die Malereien etwas ausgebremst und deswegen tendenziell dekorativ vor. Die Rigorosität ihres Mannes erreichte sie nicht, aber vielleicht eine größere Intensität in den Veränderungen ihrer Malweise. Und die war mir in vielerlei Hinsicht nahe.

Die Sehnen zwischen den markierten Kreuzungspunkten der Gravitationsschwünge brachten mich auf die Idee eine ähnliche Verfahrensweise mit meinen Schüler innerhalb von „You&Eye“ draußen im Gärtchen an den Weiden zu probieren. Mit Bindedraht oder Kokosschnüren können die Äste in derselben Weise gebogen werden. Die kinetische Energie, die in diesem Vorgang gebunden wird, verwandelt sich mit der Zeit, durch den Umbau der gewachsenen Struktur, in Form. Daraus wachsen in den Folgejahren neue Verzweigungen, die dann in wieder gebogen werden können.

Das Gesträuch des Gärtchens wird so zu einem Landartwerk, mit verschiedenen Themen: Windmarimba, Trixelgrab und Gravitationsspannung.

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Trio

Ein Jazztrio spielt sich die Bälle zu. Das Solo des Bassisten wird zurückhaltend vom Klavier und Schlagzeug begleitet. So eröffnen sich alle drei Musiker im Verlauf des Stückes, das sie spielen Räume, nehmen sich selbst zurück, um die klaren Linien einer Improvisation des anderen Musikers zu unterstützen und herauszuheben. Dann kehren sie wieder gemeinsam zur Melodielinie, zur Voraussetzung ihres Zusammenspiels, zurück.

Bei den Buchmalereien ist die Frottage das Thema, das dreimal aufgenommen wird.


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Das Verschmelzen und Verschwinden

Auf die Graphitschichten begann ich gestern Schellack, in der Form der Portraitsplitter, aufzutragen. Dabei kann ich die Strukturen, die durch die Schraffur, ähnlich, wie bei den Frottagen entstehen, etwas in den Hintergrund treten lassen. Das geschieht, wenn ich mit dem Pinsel und dem spiritushaltigen Material länger über den betreffenden Arealen kreise. Somit kann ich Nebelspaziergänge unternehmen, wie innerhalb der Buchmalereien.

Im Blick habe ich dabei die Ballettsaalzeichnungen, die sich nicht einfach mit den Splittern des Väterportraits verbinden lassen. Das ist wie mit den Dingen, die nicht zusammengehören. Weil in meiner Arbeitsbiografie aber die Beschäftigung mit Tanz eine wesentliche Rolle spielt, bin ich nun herausgefordert, diese sehr unterschiedlichen Strukturen miteinander zu verbinden.

Ich frage mich, ob ich das auch innerhalb der Buchmalereien vorbereiten kann. Überlegungen, mit denen ich innerhalb der Arbeit von Bill Forsythe konfrontiert war, würden hilfreich dabei sein können. Das Thema „Abwesenheit“ beispielsweise. Die Gravitationsschwünge der tanzenden Körper lassen die Splitter erst verschmelzen und dann verschwinden!

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Wintergehölz

Aus den heutigen Buchmalereien ist ein Gegenstand gewachsen, der mir wie ein direktes Zeichen einer gegenwärtigen Anforderung erscheint. Ein orangefarbenes Pflänzchen leuchtet neben dunklem Nebel. Manches Holz von winterlichen Gesträuchen besitzt ja solche rötlichen Töne, die zwischen dem sonstigen Grau eine besondere Strahlkraft entwickeln.

Das gilt auch für die Gehölze, die auf dem grauen Beton des Tevesgeländes Fuß gefasst haben.

Ich bin zum Rückbau meines Gärtchens aufgefordert worden. Auf meine freundlichen Kompromissvorschläge will die Verwaltung des Tevesgeländes nicht eingehen. Anstatt dessen stellt sie ein Ultimatum.

Rundherum schwillt das Getöse der Abbrucharbeiten an. Die Donner der großen Metallteile, die in große, hohle Container fallen, klingen wie etwas entfernte Sommergewitter. Ansonsten aber greift das Destruktive um sich. Dachrinnen werden nicht repariert, die Tore zum Gelände sind nicht mehr abschließbar, Obdachlose ziehen in die Baracken ein, deren Dach noch intakt ist und die zerfledderten Reste des Blendfestivals zieren den Giebel der verfallenden Baracken.

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Anderer Aggregatzustand

Gestern begann ich, die Graphitschraffur auf die ersten zwei der letzten 4 Reliefabgüsse für das erste Doppelportrait, anzulegen. Das strengte meinen rechten Arm, das Handgelenk und die Muskelstränge auf eine Weise an, dass mich in der Nacht, im Arm, Kontraktionen bewegten, die wie von kleinen Stromstößen auszugehen schienen.

Diese körperliche Wirkung auf mich, erweitert mein Interesse über meinen Lebenslauf, der mit den Vorvätern verwoben ist, hinaus. Anhand des Doppelportraits, kann ich diesem Interesse im Spannungsfeld abstrakter und szenisch-konkreter Suche, nachgehen.

Die Buchmalereien sind nun wieder bei der Schnelligkeit und Leichtigkeit angelangt, wie ich sie anstrebe.

Gestern schrieb ich das Stichwort „galaktischer Kannibalismus“ im Bezug auf meine Gravitationsschwünge auf. Diese mikrokosmische Verdichtung von farbigen Linien in Farbflächen, die vom Wasser in eine neue Konsistenz und Qualität überführt werden, ist wie die Wandlung in einen anderen Aggregatzustand.

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Kein Nebelspaziergang

Das Schreiben erlebte ich gestern als eine Wohltat und gleichzeitig als Unternehmung. Ich spürte die Unebenheiten des Papiers, seine Struktur, die sich über die Feder des Füllers in meine Hand überträgt.

Die Malereien hingegen, machten mir eher zu schaffen. Ich wollte mit der Leichtigkeit eines Spaziergangs durch eine Nebellandschaft wenig Konkretes andeuten und gelangte doch immer wieder in einen architektonischen Rhythmus, in Fachwerk, Scherben und starre Gravitationsschwünge.

Heute ging es schon besser. In die Collage habe ich die dritte Malerei eingefügt und einigen Felder, für den Durchblick auf vergangene Strukturen, ausgeschnitten.

Nach der schönen Zeichnung vom 20.12. 2019, habe ich die Arbeit auf Rolle 8 unterbrochen. Es ist, als würde ich sie durch die Konfrontation mit anderen Strukturen beschädigen.

Die Pappmacheskulptur, die ich mit einem weiteren Relieffragment versehen habe, ist nun in der Form getrocknet, sodass ich sie herausnehmen kann. Die Weiterarbeit wird spontan und weniger ernst bleiben.

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Spaziergänge

Die Buchmalereien, die unterwegs oder an anderen Orten außerhalb des Ateliers entstehen, entwickeln einen Charakter, der unabhängig von den Frottagen der Formen des Väterprojektes ist. Es entstehen andere „Erzählungen“, die sich nur aus den Schwüngen der Rohrgeflechte, die ich zitiere, entwickeln. Es sind Konkretionen, die öfter mit Kreissegmenten zutun haben, die in Nebeln verschwinden oder konkret aus ihnen hervortreten.

Das erinnert mich an die Spaziergänge, die wir in den letzten Tagen des vergangenen Jahres im Nebel unternahmen. Der Wald kam uns mir der Geschwindigkeit unserer Schritte aus dem Nebel entgegen, die Aststrukturen konkretisierten sich und bildeten hinter sich Räume mit enormer Tiefe.

Genau das versuche ich in den Buchmalereien, die sich nun wieder den Reliefstrukturen zuwenden.

Die nächsten Arbeitsschritte meines Projektes liegen klar vor mir. Heute beginne ich die letzten vier Formate des ersten Portraitexemplares zu grundieren.

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Mauern | Pflanzen | Vögel

Ich lese, wie das vergangene Jahr endete. Mit dem Nachdenken über die Väter anhand der aktuellen Begebenheiten an den Familientischen, versuchte ich Stoff für meine Arbeit zu extrahieren.

Dann in der Pfalz, begannen die Mauern der alten Höfe Geschichten zu erzählen. Wenn der Rückzug in die Stille gelingt, meint man die Stimmen aus den Steinen zu hören, wie sie vor hundert, zweihundert Jahren sprachen, sangen, weinten und lachten.

In diesem Jahr habe ich mich schon ein ganzes Stück von der Arbeit entfernt.

In meinem Seerosenteich wächst eine Wasserpflanze, die sich dort im Verlauf des letzten Jahres, ohne mein Zutun entwickelte. Schon im Sommer transportierte ich einen Teil davon in ein anderes Wasserbecken hier auf dem Gelände. Nun aber ist sie wieder so groß wie vorher, und ich wiederholte den Vorgang.

Auch jetzt im Winter ist das Gärtchen, mit seinen Gehölzen, ein beliebter Aufenthaltsort standorttreuer Singvögel. Aber auch große Greifvögel sind hier und lauern aufgeplustert auf Kleingetier.

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Heraklesfigur

Außerhalb des Ateliers verändern sich die die Arbeit an den Buchmalereien. Aus der Umgebung fehlen am wesentlichsten die Reliefformen, mit denen ich die Frottagen mache, von denen das zeichnerische Gerüst der kleinen Formate bestimmt wird. Dann kommen aber auch das spezielle Licht, die Pflanzen und die Musik hinzu, die einen Einfluss auf das Fließen, Kreisen und auf die anderen Gesten haben.

So bin ich also froh, wieder hier zu sein, um mich auf meine gewohnte Produktivität einlassen zu können.

Im Zusammenhang mit der Tanzfigur, deren Oberkörper in die Architektur- und Scherbengesträuche wächst, fällt mir der Heraklestext (Herakles II oder die Hydra) von Heiner Müller ein. Und da denke ich insbesondere an die Schlacht und die versehentlichen Schläge gegen die Eigensubstanz, die ihm während der Beschleunigung unterlaufen. So hätte ich erstmals eine Figur, die ich in die Szene einsetzen kann, und einen Text, der mir beim Väterthema helfen wird.

Gerade habe ich die Collage mit der Nummer 200 in diesem Jahr gemacht. Das ist weniger als in anderen Jahren.

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Verstrickung

Das Zusammenfügen der Tanzfiguren mit den Scherbenstrukturen der Väterarbeit und den Architekturfragmenten des Berlin Loops, erzeugt eine angenehme Unruhe in mir, eine gewisse Hochstimmung. Ohne genau zu wissen, woher das kommt, spüre ich doch, dass mich dieser Vorgang sehr interessiert. Die gezeichneten Strukturen innerhalb der Buchmalereien, die von den Frottagen der Reliefformen ausgehen und sich in Malerei verwandeln, haben auch damit zutun. So stelle ich mir nun ein Reliefexemplar des großen Doppelportraits vor, das sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Das lässt sich ganz gut auf Rolle 8 entwickeln und dann in die Malerei übertragen, glaube ich zumindest.

Die Zersplitterung des Doppelportraits, der Aufbau und die die Fragmentierung der Architektur des Palastes der Republik in der Mitte von Berlin und die Loslösung eines Tanzensemblemitgliedes aus dem Zusammenhang der agierenden Company, das sind die Schichten, aus denen immer neue Bilder hervorgebracht werden sollen. Wenn die Oberkörper in die Gesträuche hineinwachsen, fallen die Interaktionen mit den anderen Tänzern weg und die Figur wendet sich nach innen. Die Liniengebilde sind dann die Mandala-Architektur, auf die sie sich meditierend einlässt. Diese Entfernung von der Truppe und das gleichzeitige eindringen in die eigene Verstrickung, ist der Vorgang, dem ich nachspüren will.

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Krähenraum

Auf Rolle 8 überlagerten sich gestern eine Figur aus der Forsythe Company Zeichnung mit der ich schon ein paar Tage arbeite, mit einer Struktur aus dem „Berlin Loop“ und einer Zeichnung, die ich aus der 2. Malerei vom 17.12. übertrug. Oben habe ich das in die Collage eingefügt.

Die Aufzeichnungen, die ich vor sechs Jahren machte, sind in kleiner Handschrift verfasst. Sie beschäftigen sich mit dem Alten Ägypten und mit globaler Beschleunigung:

Zeit ist Geld, aber Geld ist kein Raum.

Ich schrieb damals in meinem Arbeitszimmer in der Frankenallee, mit blick auf den alten Ahornbaum und seinen Bewohnern, den blinzelnden Krähen. Die tägliche Bildproduktion war im Atelier, also nicht direkt sichtbar. Auch die Buchmalereien waren davon abgekoppelt. Schöne Farbverläufe in verwischten Arealen.

Viele Bildideen aus den Texten sind, aus Mangel an Zeit, nicht umgesetzt worden.

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Sonnenaufgang zwischen den Abrissruinen

Auf einer Fahrt nach Thüringen sah ich gestern Nebellandschaften, wie aus einem Klischeetraum. Darüber stand eine weiße Sonne, ein nur schwach leuchtender Planet in all dem hellen Grau. Nachmittags gegen 3 steht sie schon wieder tief.

Sonnenaufgang auf dem Weg ins Atelier, zwischen den Abrissruinen. Ich blieb stehen und ließ das Licht, durch die Augen, in mich hinein. Die Frau, die in der Restaurantspülküche arbeitet, überholte mich grußlos, blicklos, als wolle sie von der BILDFLÄCHE verschwinden.

Auch auf meinen Buchmalereien befinden sich Nebelbänke und verschlucken die Zeichen, die ich teilweise mit den Stiften wieder in den Vordergrund rücke. Diese Vorgänge folgen meinen Emotionen.

Im Familienkreis sitzt meine Väterarbeit als Figur auf einem der Stühle zwischen den angereisten Personen. Sie schaut mit mir herum und sucht nach den Ähnlichkeiten mit der verschollenen Großvaterfigur. Manches Lachen klingt, wie aus der entfernten Vergangenheit, am Tisch.

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Tempo

Für die Buchmalereien ist es mitunter von Vorteil, wenn die Zeit etwas knapp ist. Ich komme schneller auf den Punkt, zum Wesentlichen. Ballast fällt weg, und leichter schwebt es sich besser. Manchmal denke ich während der Arbeit schon an ihre Weiterverwendung, als Scan für die tägliche Collage, die sich mit den Schichten der vergangenen Tage verbindet, eine perforierte Schicht hinzufügt. Ich stelle mir den Stapel von 2200 Collagen vor.

Anrufe reißen mich aus der Konzentration. Dann muss ich erstmal raus zum Luftschnappen, – Wieso eigentlich „schnappen“? – um mich wieder zu regenerieren.

Besuch von Carlo, dem Politkünstler. Wenn man betrachtet, was in der gegenwärtigen Politik an Entertainment geboten wird, war er vor Jahren schon weiter – ein Visionär! Auch er spricht neben mir, während ich arbeite, drauflos…

Die Abrissarbeiten in der Nachbarschaft schaffen mit großer Schnelligkeit Raum. Vorübergehend wird der Himmelsausschnitt, der das Wettertheater bietet, weiter. Über dem Staub, der aus dem Zivilisationsabraum emporsteigt, bilden sich die gefiederten Konstellationen für die Auguren. Manchmal halte ich inne und betrachte den Vogelflug. Für mich leiten sich allerdings keine Vorhersagen daraus ab.

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Decollagen

Im Bottich schlingern die schwarzen Wellen von den einzeln in größeren Abständen fallenden Tropfen aus der durchhängenden Dachrinne, die voll ist mit Moos und anderem wucherndem Grün. Die Lichtwellen der Sonne treffen auf die staubigen Fenster und dann auf die schwebenden Abrissformen in den Buchmalereien.

Die architektonischen Decollagen fressen sich draußen mit gewaltvollem Schall in das Material industrieller und handwerklicher Zurichtung. Das Wort „Rücksicht“ bleibt still, versinkt im lehmig aufgeworfenen Grund. Dort schlummern dann seine Samen.

Die Scherbenmalerei bedient sich nun nicht mehr der fröhlich – effektvollen Lasurtechnik, sonder bewegt sich in einen zurückhaltenderen Gestus. Die Palette verknappt sich, wirkt erdener. Das tut wohl.

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Farbnebelbänke

Manchmal entstehen innerhalb der Buchmalereien schwebende Objekte. Sie bestehen aus harten Linien vor Farbnebelbänken, die ich mit dem nassen Handballen hergestellt habe. Oft lasse ich die festen Linien verschwimmen, um dann wieder eine weitere weiche Schicht darüber zu legen und die übrig gebliebenen Striche wieder zu verfestigen. Das Spiel geht so lange, wie es das Papier aushält.

Manchmal entstehen dabei Zeichen einer abstrakten Schrift.

Aus einer der Formen habe ich die Skulptur, die ich aus einem kleinen Geäst und Pappmache hergestellt und mit einem Stück Relief verbunden hatte, entfernt. Dieses baumartige Gebilde trägt nun ein Schild, das aus Scherben besteht. Ich denke, es werden noch mindestens zwei solche Schilder hinzukommen, damit das Gebilde etwas ausgeglichener erscheint. Jetzt wohnt in ihm noch keine Folgerichtigkeit.

Der Regen der letzten Wochen gefällt mir so, dass ich ihn am liebsten einatmen würde. Regenwasser fange ich in Bottichen auf.

Die Abrisszangen durchtrennen mühelos mittlere T-Träger. Der erschreckende Klang, wenn sie auf den Betonboden auftreffen, gibt den Rhythmus der letzten Tage vor.

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Vergessen

Noch einmal habe ich die Verbindung von einer Tuschzeichnung auf Transparentpapier mit einem Scherbenrelief aus Pappmache probiert. Ich beschichtete das Relief mit reichlich Schellack und legte die Zeichnung auf die flüssige Oberfläche. Sie zeigt den Kopf einer Tänzerfigur zusammen mit einer Struktur des Abrisses des Palastes der Republik. Die thematischen Verbindungen kläre ich nun handwerklich, indem ich diese Scherbe weiter bemale.

Auch die Buchmalereien helfen dabei. Die zeichnerischen Schichten sind auf die Reliefmalerei übertragbarer geworden, ihre Verbindung wird langsam enger. Es ist gut, mich manchmal auf die Bemalung einzelner Scherben zurückzuziehen. Das macht Experimente leichter.

Während ich an die Sonntage vor vierzig Jahren dachte, an denen es zum Frühstück Bohnenkaffee gab, stellte ich die Espressomaschine ohne Kaffee auf die Herdplatte.

Ich hatte ihn vergessen.

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Abriss

Die Abrissarbeiten rund um das Tevesgelände haben eine scheinbar überspringend erodierende Wirkung. In die einfallenden Baracken auf unserem Gelände ziehen obdachlose Migranten ein. In die Räume des Internationalen Bundes wurde wieder eingebrochen. Die Tore, die auf das Gelände führen, sind alle nicht mehr abschließbar.

Gestern arbeitete ich an der Bemalung von einzelnen Scherben und will heute versuchen, Transparentpapierzeichnungen auf die Splitter zu collagieren. Schon einmal ist mir das Misslungen.

Es gelingt mir, nun etwas Abstand zur laufenden Produktion herzustellen. Dieser Vorgang schafft neue Ausblicke.

Ich stehe manchmal an den Bauzäunen der Nachbargelände im Osten und Westen und schaue den Greifern zu, die Raum schaffen für die neuen Architekturen. Ich sehe die Werte, die zerstört werden, die handwerklich hergestellten Häuser mit all ihren Sprossen, Beschlägen und Holzrahmen. Ein Jammer…

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Sichtbeziehungen

Tanz und Architektur etabliert sich als Thema. Am Rande einer YOU&EYE -Begegnung im Dezernat sprach ich mit einer Choreografin über Tanz und Skulptur. Mein lang gehegter Wunsch, diese zwei Sprachen miteinander zu entwickeln.

Heut stand ich länger vor einem Schaufenster, in dem die Transparentpapierzeichnung architektonischer Studien über dem historischen Foto eines Bunkers lag. Innerhalb eines Grundrisses gab es viele Diagonallinien, die wie Sichtbeziehungen aussahen.

In den Formen trocknen die abgegossenen Reliefs, warten dann darauf, weiß grundiert zu werden. Aber mit der Malerei geht es erst im nächsten Jahr weiter. Vielleicht bemale ich jetzt noch ein paar Einzelscherben, als Ausstieg aus der Arbeit für dieses Jahr.

Wenn die kleine Baumskulptur mit den Scherbenflächen getrocknet ist, wäre das auch noch ein Objekt der Beschäftigung mit ein wenig Malerei. Das ist aber alles nicht so ernst.

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Reigen mit Humboldtmaske

Statt mich etwas zurück zu ziehen, um  Abstand zu bekommen, entwickelte ich die Verquickungen der Tanzfiguren mit der Rückbauarchitektur weiter. Aus dem vagen Bühnenraum treten die Mitglieder der Forsythe Company in das Stahlgebälk des Palastes der Republik, wie oben in der Collage sichtbar. Der Reigen könnte mit der Wiedererrichtung des Hohenzollernschlosses fortgesetzt werden, alles verdeckt von der wandernden Humboldtmaske.

Am späten Nachmittag goss ich noch die Reliefs 1 und 2 ab. Mit dem Rest des Materials komplettierte ich die Skulptur aus Zweigen und Pappmache mit einer Fläche aus Scherben des 5. Reliefs. Ich stelle mir das Objekt auf einem Sockel vor, halb stehend, halb liegend, bemalt und von allen Seiten sichtbar.

Die heutigen Buchmalereien setzten das Auseinanderfliegen der Formen fort. Wie von einem Windstoß werden die Scherben verwirbelt.

Die Sonne veredelt die Transparentpapierzeichnungen. Eine fotografierte ich und verschickte sie.

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Soundflächen

Die splittergefüllten Umrisse der Tanzfiguren und die Architekturfragmente des Berlin – Loop, fügen sich auf Rolle 8 zu einem Klang. Es ist als rauschten zwei Soundflächen aus weit auseinander liegenden Zeiträumen aufeinander zu, um sich in einer Kollision zu vermischen und dann neu zu ordnen. Bei diesen Tuschezeichnungen mit Rohrfeder, denke ich an Malereien von Jasper Jones, in denen er farbige Linienbündel nebeneinander setzte und in geometrische Muster goss.

Am Wochenende sahen wir zwei sehr unterschiedliche Abende in Schauspiel Frankfurt.

Zunächst, am Freitag in den Kammerspielen, eine Stückentwicklung mit dem Titel „1994 – FUTURO AL DENTE“. Meine Skepsis gegenüber dieser Teamarbeit hat sich wieder bestätigt. Trotz mancher temporeicher Blödelpassagen, über die ich wirklich lachen konnte, sackte der Spannungsbogen öfter in den Keller.

Ganz anders hingegen „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre am Sonnabend auf der großen Bühne. Die Rückschau einer dreiköpfigen Besetzung aus der Hölle auf das Leben. Jede Figur findet nur sehr zögerlich zum Kern ihrer Geschichte. Die Mäander der verdrängenden Gedankenschleifen straffen sich in drei Monologen, die erst nach intensiver Nachfrage den Grund für den Höllenaufenthalt preisgeben.

Das Donnern der Abrissarbeiten brandet an die Atelierfenster. Eine finstere Resonanz aus den Metallcontainern.

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3 Arbeitsstränge

Die letzten Frottagen für die Buchmalereien, habe ich mit einem Graphitblock angefertigt. Die Abbildung ist schärfer und gleichzeitig neutraler.

Während der Pausen zwischen der langsameren Arbeit, baut sich eine Spannung auf, vielleicht auch etwas Nervosität. Kaffekochen – Pflanzengießen – Wassergläser fallen um.

Der Weg ins Atelier, auf dem mir der Wind Tränen in die Augen treibt, ist kaum noch spürbar, vergeht schnell auch, wenn ich langsamer gehe. Die Zeit fühlt sich nebensächlicher an, und weil sie mit der Arbeitsleistung ein Paar bildet, verliert auch diese an Bedeutung.

Eine weitere, verdichtetere Dreiergruppe von Tanzfiguren entstand gestern, mit einer zusätzlichen Schellackschicht, nachmittags auf Rolle 8. Die Regelmäßigkeit mit der ich bei den drei Arbeitssträngen Buchmalereien Zeichnen auf der Transparentpapierrolle und Reliefmalereien bleibe, verleiht dem Tag Stabilität.

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Berlinloop Tanzsequenz

Relief Nummer 8 ist fertig bemalt.

Auf Rolle 8 zeichnete ich an der Berlinloop – Tanz – Sequenz weiter. Etwas davon befindet sich in der Collage oben.

Ich möchte nicht aufgeben, das Material, das in den Überlagerungen auf Transparentpapier entsteht, direkt in die Malerei einzufügen. Gestern dachte ich dann an große preußischblaue Projektionen über die Rasterpunktscherben hinweg, die Gestalt des Doppelportraits beiseite lassend.

Wellen im Nebel, der Sound der Abrissgreifer, Überkopfkipper und der krachende Aufschlag der Innenausbauteile der Achtzigerjahre, die aus den, noch vorhandenen, Fenstern geworfen werden. Halden bilden sich am Fuß der sterbenden Gebäude. Verdichteter Zivilisationsabraum, in grüne Metallwannen, so groß wie Einfamilienhäuser, gepresst – Abtransport. Bald wird die Erde aufgerissen für die Fundamente, Abwasserrohre, Tiefgaragen. In die Baugruben wird das giftige Grundwasser unseres Geländes fließen. Der kontaminierte Sand, in den Schwemmlandzeiten langsam geschichtet und verfrachtet, wird so lange mit dem geschreddertem Abrissmaterial verschnitten, bis die Giftkonzentration den gesetzlichen Werten entspricht. Dann wird damit gebaut.

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Erzählmethoden

Milchiges Winterlicht sickert von oben in den Raum und beginnt die Schatten der Pflanzen, die vor den Fenstern stehen, auf die große gespannte Leinwand zu werfen.

Um mich wieder auf die Malerei zu konzentrieren, habe ich Rolle 8, nach einer weiteren Umdrehung und einer erneut hinzugefügten Verdichtung, beiseite gelegt.

Poetische Methoden, die sich für gegenständliche Erzählmethoden eignen, sind beispielsweise in den gezeichneten Romanen zu finden, die sich so großer Beliebtheit erfreuen. An dieser Stelle hat sich ja offensichtlich in der gestalterischen Vielfalt viel getan. Inwiefern sich Teile davon auf die Reliefmalerei anwenden lassen, ohne sie zu verengen, will ich herausbekommen. Eine der abgeformten Scherben habe ich bereits mit Einzelmotiven auf ihren Splittern versehen. Wenn sie immer wieder ins Dunkel abtauchen, den Erinnerungen ähnlich werden, die sich dann aus sich selbst vervollständigen, habe ich eine Möglichkeit der Erzählung gefunden, wie sie mir mit den Vermischungen der Figuren vorschwebt. Ähnlich funktioniert das gerade auf Rolle 8 mit den Tanzfigurenumrissen.

Dann gibt es noch den Stil, den ich auf der großen Wandzeichnung im Rebstockimbiss ausprobierte, der sich mit den Splittern der Väterarbeit verbinden kann.

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Nummer 8 | Nummer 8

Erst in ihrer Verarbeitung auf der Transparentpapierrolle mit der Nummer 8 kommen die reduzierten Ballettzeichnungen von 2003 zu einer größeren Entfaltung. Die Liniengeflechte, mit denen die Umrissfiguren angefüllt sind, stammen aus dem „Berlin-Loop“ und den, auf der Rolle vorausgegangenen, Tanzfiguren. So entsteht eine Prozession, wie an den ägyptischen Grabkammerwänden. Die kann nun immer weiterlaufen, sich verdichten und Personal hinzunehmen.

Im Zusammenhang mit dem „Handprint Wien“ entstanden, 2007 in der Freundgasse, Transparentpapierzeichnungen, in denen Grabmalereien eine Rolle spielen. Auch die Buchmalereien dieser Zeit sind sehr figürlich, teils mit feinen Tuschelinien gezeichnet.

Für heute aber legte ich mir das Relief, das auch die Nummer 8 trägt, auf den Tisch. Darauf existieren bereits die preußischblauen Gravitationsschwünge, die Graphitschraffur und die Schellackschicht auf den Scherben. Am Nachmittag nehme ich mir die Palette der vorausgegangenen Malereien zur Hand und male weiter.

In dem Buch „Dylan in Amerika“ von Sean Wilentz las ich über die Aufnahmesessions des Albums „Blonde on Blonde“ 1965 in Nashville. Eine Dokumentation von Teilen besitzen wir in einer schön editierten Bootlegausgabe. So konnte ich mich der Situation nähern und die Inspirationssituation betrachten.

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Berliner Loop

Von hoher Warte aus einem Hotelzimmer, schaute ich auf Sicherheitsanlagen, Straßensperren, Wachleute und weiteres schweres Gerät von Zeltplanen überspannt, während im Wandbildschirm eine Kaminfeuerschleife lief. Hinter den Wänden und Absperrungen, der Berliner Weihnachtsmarkt.

Auf der Fahrt durch die finsteren Ostprovinzen, zeigten mir spärliche Lampen, Geländebewegungen des Zuges und schnell flackernde Leuchtspuren an, wo ich mich befand. Zwischen Eisenach und Erfurt, das Jugendland. Dom und Siveri, Gesträuche an den Gleisen Barockdächer, Backsteinwände der alten Reichsbahn.

Der Süden Berlins erwacht auch als Lichtererinnerung. Nur die langsamen Schienenstöße, die mit ihrem Rhythmus eine Ballettmusik für die Lampenfelder der großen Güterbahnhöfe spielten, klingen nicht mehr.

Andere Soundtracks außerhalb des Ateliers. Abrissmaschinen klingen wie Dinosaurier, dazwischen Dieselaggregate, Güterwaggons – Material für eine Komposition des Komprimierens.

Die Zeichnungen vom Freitag auf Rolle 8, erzählen meine Biografie im Spiegel des Ballettsaales der Forsythecompany. Baustrukturen des „Berliner Loops“ (Aufbau und Abriss des Palastes der Republik), Angstköpfe der antifaschistischen Revolutionsfilme und Tanzfiguren, die das alles in sich aufnehmen und verdichten.

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Resonanzboden

Mit den Fingerspitzen taste ich die Gipsstege der Formen des Väterreliefs ab, die mit Schellack abgesperrt sind. Sie trennen die Scherben voneinander, die mit Pappmaché abgegossen, getrocknet und bemalt werden.

Leinöl, Terpentin, Spiritus aus den Regalen. Ölfarbtuben, Paletten, eingetrocknete oder ölweiche Pinsel. Gestern war das Relief Nummer 5 fertig bemalt. Die Klänge aus den wenigen Grundfarben, auf die ich mich beschränkt habe, erfüllen mich auf angenehme Weise, rücken den Alltag hinter einen Filter.

So hat auch er, je mehr ich die Kompositionen spüre, die Möglichkeit zu leuchten.

In den Buchmalereien spielt das Farbenpiano. Bögen aus der Hand führen in den Klang. Resonanzboden ist der sich ausweitende Erinnerungsraum.

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Abrissgreifer | Biotope

Durch die anhaltende Konzentration auf die Reliefmalerei, komme ich doch zu einer anderen Qualität, die mir die Arbeit leichter macht. Gleichzeitig gibt es aber eine Form von Beschleunigung, die zusammen mit der Kontinuität eine Gravitation entstehen lässt, die wie ein Strudel wirkt. Alles, was nicht mit der zentralen Bewegung zutun hat, bleibt an der Peripherie zurück. Dann ist es Zeit, auf die Bremse zu treten.

Ich höre Bill Evans als spielerisch-ruhigen Solisten.

Ich vernachlässige die Arbeit an Rolle 8. Eine Weiterentwicklung wäre mir an dieser Stelle wichtig.

Im Restaurant gegenüber sitzt ein Mauereidechsenexperte mit Vertretern der Abrissfirma, die auf Teves Ost Arbeitet, beim Kaffee. Die Erschütterungen stören den Winterschlaf der Echsen… Die riesigen Greifer der Rückbaumaschinen und die Gewalt der Verdichtungszerstörung, stehen den gewachsenen Biotopen gegenüber, die auf den Brachflächen entstanden sind.

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Verdichtung folgt Verdichtung

Die Reliefteile des Doppelportraits der Väter, die bereits fertig bemalt sind, will ich vor die große gespannte Leinwand im Atelier hängen. Wenn sie an Schnüren hängen, die am oberen Holm des Rahmens befestigt sind, kann ich sie in übereinander anbringen, um ihren Zusammenklang zu überprüfen. Gegebenenfalls ist dann noch ein malerisches Eingreifen möglich.

Auf den Nachbargeländen sind nun Abrissarbeiten im Gange. Das schafft eine ambivalente Stimmung zwischen Destruktion und Verdichtung. Der Rückbau relativ moderner Gebäude, die Dekonstruktion inspiriert mich dazu, die Arbeit zum Abriss des Palastes der Republik in Berlin, mir noch einmal vorzunehmen. Oben habe ich Figurenumrisse, angefüllt mit dem Stahlgebälk des Baus, aus den Siebzigerjahren, eingefügt. Sie stammen aus dem Jahr 2007 von Rolle 5.

Die Malerei geht kontinuierlich voran. Daneben interessieren mich aber andere Vorgehensweisen, die die Transparentpapierarbeiten von den vorhandenen gezeichneten Rollen, mit einbeziehen. Gerne würde ich das Material noch einmal auf Transparentpapier übertragen und auf die weißen Flächen, zwischen den Rasterpunkten, kleben. Kleinere Collagen, im Experimentalstadium, führen mich dahin.

Die Verdichtung der Stadt folgt meiner zeichnerischen Arbeit und meine Arbeit folgt ihr…
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Rollenarchiv

In den alten Transparentpapierrollen, die mittlerweile wie ein Archiv meiner Arbeitsphasen sind und weit deutlicher bildnerische Schritte zur Erweiterung der Themen zeigen als die Buchmalereien, befinden sich immer wieder überraschende Einzelheiten, die ich vergessen hatte.

So spielte eine skythische Hirschfigur, die in der Hüfte um 180° gedreht ist, eine Rolle beim Loop, also Auf- und Rückbau des Palastes der Republik. Ich hatte diese Drehung mit der liegenden 8 des Unendlichkeitszeichens verglichen und gleichzeitig das Stahlgerüst des Baus genauso gedreht.

Den Tanzfigurenumriss, den ich am 20.11. dieses Jahres benutzte, füllte ich damals mit den Stahlgeflechten der Rückbaubilder an. Beim weiteren Aufrollen des Papiers erscheinen Kombinationen mit indischen Architekturversätzen oder solchen, die in Wien eine Rolle gespielt haben, als ich den „Handprint Wien“ lief.

Auch eine Packpapierzeichnung, die ich vom Dach des Rohbaus aus, in Richtung Westen anfertigte, findet sich zwischen verschiedenen Figuren. Die programmatische Blickrichtung der Skizze, versteckte ich damals in meinem Soldatenspind zwischen Buchseiten.

Ich stelle mir diese ganzen Bilder zwischen den Rasterpunkten des großen Doppelportraits, innerhalb der weißen Flächen, vor.

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Abstrakte Biografie

Auf den Transparentpapierrollen 5 und 6 habe ich Überlagerungssequenzen gefunden, in denen ich mich mit Figurationen des Rückbaus des Palastes der Republik beschäftigt habe. Damals verband ich den Vorgang, den ich für mich selbst, weil ich am Bau des Gebäudes beteiligt war, als Loop bezeichnete, mit Tanzzeichnungen und mit dem Projekt „Frankfurter Kraftfeld“. Eine dieser Tanzzeichnungen tauchte jetzt wieder auf (Collage / 20.11.), allerdings angefüllt mit der Manjurishree-Sequenz und mit dem neuen Scherbengericht.

Dieses Material spielt eine Rolle für das Väterprojekt, das auf Rolle 8, in den Buchmalereien und in der Bemalung der Reliefs fortgeführt wird.

In diesem Zusammenhang ging mir der Begriff „Abstrakte Autobiografie“ durch den Kopf.

Von Vinzenz bekam ich eine GPS-Spur aus Brüssel geschickt. So zeichnet auch er gehend. Das gefällt mir.

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Lenin | Design

Auf meinem Zeichentisch liegt das Programmheft zu dem Stück „Macbeth“, das wir, in der Übersetzung von Heiner Müller, letztens im Berliner Ensemble gesehen haben. Das Heft ist in dem Design gedruckt, das der Intendant aus Frankfurt mit in die brandenburgischen Sümpfe genommen hat. Der hiesige Intendant, der auf ihn in Frankfurt folgte, behielt das äußere Erscheinungsbild der Druckwerke bei. Somit doppelt sich für uns nun das Lektürebild. Die Darsteller sind ausgetauscht, und wachsen wieder schnell an die Abonnentenherzen.

Die jungen Menschen, die jeden Morgen mit den Algorithmen aufwachen, schreiben über die Rezeption von Heiner Müllers Texten, über die Kritik daran und sein Verhältnis zu Lenins Schriften.

Diese werden mit Lust zitiert, in langen Passagen. Ich habe die dicken Wälzer mit den roten Ledereinbänden nur selten aus den DDR – Bücherregalen herausgenommen. Jetzt finden sich diese Wörter neu zwischen dem radikalen Modeton im Frankfurter Design. Die Worte klingen auch anders.

Gestern malte ich wieder fleißig und lange und rätsele darüber, wie ich die Pappformate des Väterportraits zusammenmontiere. Das soll locker sein, mit etwas Abstand, an Schnüren hängend…

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Unschärfen | Routine

Die Malerei am 6. Relief habe ich nun vorläufig beendet. Das heißt, dass ich später noch ein paar Akzente setzen werde. Vorher aber beginne ich mit dem nächsten. Eigentlich will ich nun schnell mit dem ersten Exemplar des, aus 16 Teilen bestehenden, Reliefs fertig werden, damit ich mich an die anderen Techniken und Stile begeben kann, die bei den nächsten Doppelportraits eine Rolle spielen sollen. Wenn dies vorübergehend Routine einfließen lässt, will ich das hinnehmen und schauen, was sich daraus noch entwickelt. Geduld ist angesagt.

Die Buchmalereien zeigen, dass Geduld auch Freude machen kann. Die schwimmenden Unschärfen treten wie Nebel zwischen die harten Kanten der Frottagen und ihrer Strichverstärkungen. Das möchte ich in die nächste Reliefmalerei einführen. Die Scherben können sich in Wolken auflösen. Das nächste Exemplar, die Nummer 7, eignet sich für dieses Vorgehen weniger, weil dieser Teil des Rasterpotraits nur aus wenigen Punkten besteht. Aber die 8, mit der ich weitermalen werde, bietet mehr Scherbenflächen, die in dieser Weise gestaltet werden können.

Gestern war unsere Gärtnerin Vanessa da. Wir beschäftigten uns mit den Kräutern und einer Pflanze, die ich seit zwei Jahren in meinem Gärtchen habe und noch nicht identifizieren konnte. Sie heißt Topinambur, hat hohe Stengel, gelbe Blüten und essbare Wurzelknollen, sagt die Expertin. Ich erntete ein paar Kilo und möchte sie gerne in meiner Küche verarbeiten.

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Alchemie

Alchimistenküche – ein paar Blättchen vom indischen Schellack mit etwas Bienenwachs in ein kleines Glas mit Spiritus streuen, die Espressomaschine summt auf der Herdplatte und die Ölfarben für die Reliefmalerei versuche ich mit Schellack zu mischen, um dann kalte, helle, grünblaue Töne entgegen zu setzen.

Glenn Gould zeigt mir, wie man Spannungsbögen aufbaut und Räume mit Bewegungen, seiner Stimme und den Instrument schafft.

Mich erinnert das an die Mönche in Ladakh, ihre Handbewegungen, während der Zeremonien, ihre tiefen Stimmen und die Rhythmen der großen Trommeln.

Das Schamanische des Pianisten.

Gleich kommt die Gärtnerin, mit der wir etwas mehr Wildnis über den Beton und die Steine, die sich in den letzten hundert Jahren hier auf Teves West angesammelt haben, bringen wollen.

Malerei am Relief Nummer 6 des ersten großen Väterportaits gestern. Heute will ich daran weiterarbeiten. Ein neuer Rechner stahl mir gestern eine Menge Zeit, die ich eher dafür aufwenden wollte.

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Gewalt beobachten

Gestern arbeitete ich lange am 6. Relief des großen Väterportraits. Dabei muss ich mich etwas disziplinieren, um dieses Exemplar in etwa dem Stil zu beenden, in dem ich es begonnen habe. Die Experimente gehen weiter und sind schon an anderen interessanten Arbeitsweisen angekommen, die mich aus der „nostalgischen“ Lasurmalerei herausführen werden.

Die Collagen, Überlagerungssequenzen und Rückgriffe auf älteres Material, bilden neue Gestaltungsräume für die Arbeit am nächsten Portraitexemplar.

Manchmal kann ich kleinere Wutausbrüche beobachten, die sich an meinen Installationen im freien Raum draußen vor dem Atelier, Platz verschaffen. Man könnte das als allgemeinen „normalen“ Vandalismus betrachten. Mir scheint aber, dass die Hinwendung zu gewalttätigen Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft zu beobachten ist und verschiedene Gründe hat, nun bis in meine nähere Peripherie vordringt.

Die beobachtende Position ist luxuriös, kann nur aus einer stabilen Situation gelingen. Sie folgt aus beständiger Produktivität, die ich manchmal etwas abbremsen muss, um mich nicht zu überfordern.

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Kombinierend verdichten

Einen verästelten Zweig begann ich vor einiger Zeit mit Pappmache zu ummanteln. Schicht um Schicht ist bisher getrocknet und bildete eine pflanzenartige Kleinskulptur. Am vergangenen Wochenende habe ich gerade Kanten und Flächen hinzugefügt, die einen Kontrast zu den fließenden Formen bilden. Nun können Reliefteile des Väterprojektes addiert werden.

Der Debütroman der holländischen Autorin Lize Spit „Und es schmilzt“ hatte in einer Bühnenfassung in den Kammerspielen Premiere. Ein anstrengender Abend nach einer anstrengenden Arbeitswoche. Die Reduktion eines Romanstoffes für die Bühne müsste einen Mehrwert an Textdichte erzeugen. Das geschieht meist nicht. Regie und Schauspielerleistungen waren dennoch geschlossen und reich an Qualitäten.

Die Umrissfiguren der Tanzzeichnungen von 2003 konfrontierte ich weiter mit dem neuen Scherbengericht. Es entsteht auf Rolle 8, wie auch die Sequenzen mit den Kombinationen aus Tanzfiguren und Splitterflächen.

Ansonsten beschäftigte ich mit den Aufnahmesessions von „Highway 61 Revisted“. Die Methoden der Songgestaltung kann ich auf meine Collagenarbeit übertragen und die Konfrontation unterschiedlicher Themen und Stile pflegen. Ich hörte 20 verschiedene Einspielungen von „Like a Rolling Stone“, als Walzer, als Blues und so weiter.

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Scherben aus dem Aushub

Höhepunkt der vergangenen Arbeitswoche war die Tanzzeichnung deren Figurenumrisse ich mit den, auf Rolle 8 durchscheinenden Sequenzen der Alchifigur und des neuen Scherbengerichtes, anfüllte.

Heute kommen Schüler in mein Atelier, die mit den Strukturen meiner Väterarbeit eigene Experimente machen sollen, aber auch, am Ende der Arbeit, ein ganzes großes Portrait in eigener Regie fertig stellen sollen.

In diesem Zusammenhang gehen mir die Beziehungen durch den Kopf, die ich mit dem, was ich seit vielen Jahren hier im Atelier zeichne und meiner Umgebung, eingegangen bin. Zunächst gibt es das Arbeitstagebuch, das ein Angebot für alle ist, die mit mir zutun haben, sich näher mit meiner Arbeit zu beschäftigen. Ich spüre bei meinen Gesprächpartnern auch oft ein Wissen von meinen künstlerischen Vorgehensweisen, worüber ich mit ihnen nicht gesprochen habe. Es gibt auch Stadtführungen durch das Viertel, die in meinem Atelier Station machen. Hier halte ich einen Vortrag über mein aktuelles Projekt und vergewissere mich dadurch selber über den Stand der Dinge. Die Ausstellung von Scherben aus einem Aushub auf dem Tevesgelände im MAK, war der Aufbau einer Beziehung des Untergrundes meiner Arbeitsumgebung mit dem Scherbengericht des Väterprojektes.

Solche Zusammenhänge gibt es mit verschiedenen Arbeitsbereichen der Stadtgesellschaft, wie Naturschutz, Bildung, Theater und Architektur.

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Straffung der Produktion

Das Anfüllen der Figurenumrisse der Zeichnung aus dem Ballettsaal der Forsythecompany, mit Teilen des neuen Scherbengerichtes und der Figurensequenz aus Alchi, ist gut gegangen. Fast ist die Zeichnung ein wenig zu schön geraten, was ich versucht habe, mit der Collage oben, zu korrigieren. Durch die Konfrontation mit der zweiten Buchmalerei von heute, die ich an einer Stelle perforiert habe, um einen milchigen Durchblick auf die gestrige Collage zu bekommen, ist das Ornamentale etwas gekippt.

Der Versuch hingegen, der sich auf die Idee vom 12.11. bezieht, eine weitere Zersplitterung auf sehr dünnes Papier zu zeichnen, um sie dann auf die entsprechende Partie einer Scherbe des Reliefs mit Schellack zu kleben, misslang. Das lag daran, dass sich die Landschaft des Reliefs unter der Zeichnung, zu wenig abhob.

Es wäre notwendig dieses erneute Scherbengericht noch einmal zu modellieren.

Ich bin gebeten, meine stadtteilbezogene Arbeit seit dem Beginn des vorigen Jahres darzustellen. Diese Anforderung geht aus dem § 9 meines Mitvertrages hervor. Das ist eine Bitte, der ich gerne nachkomme. Es gibt nichts, was ich so gerne mache, wie meine Arbeit ordnend und knapp zu beschreiben. Das hat meistens eine straffende Wirkung auf die Produktion.

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Scherbengerichte | Tanzfiguren

Auf Rolle 8 begann die Ausführung dessen, was mir in der Nacht zuvor durch den Kopf gegangen war. Eine modellierte und abgeformte Scherbe des 5. Reliefs, also aus dem 2. Scherbengericht, war die Vorlage einer Frottage. Die Graphitlinien wurden durch eine Rohrfederzeichnung verstärkt und durch die Rollüberlagerungen, aus denen die durchscheinenden Linien in die Umrisse gezeichnet werden, verdichtet. Teile davon sind oben in die Collage eingefügt. Dann zeichnete ich eine zweite Scherbe dazu und bearbeitete sie genauso, was auch zu Rückwirkungen auf der ersten führte.

Zwischen dem vorausgegangenen Motiv aus Alchi und der ersten angefüllten Scherbe entstand eine Lücke, in die genau eine Tanzzeichnung aus dem Ballettsaal der Forsythecompany vom Jahr 2003 passte. Es handelt sich um eine Gruppe von Umrissfiguren, die nun mit einer Mischung aus der schon überlagerten Alchifigur und den Linienverdichtungen dieses erneuten Scherbengerichtes von gestern angefüllt werden.

Diese Serie von Tanzfiguren wird mir immer wichtiger. Sie sind wie die schwebenden Textteile der Dylansongs, die von irgendwoher erscheinen und unvermittelt zwischen der Erzählung stehen. Ich finde, dass eine solche Zeichnung eine gegenständliche Verankerung bildet und einen anderen Reiz, der die Wahrnehmung korrigieren kann.

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Methoden

In der Nacht gingen mir Ideen, die Techniken der Sequenzen auf den Transparentpapierrollen und die der Buchmalereien auf die Reliefs zu übertragen. Dabei könnten Frottagen der Formen durch die Überlagerungszeichnungen mit Rohrfedern und Tusche verdichtet werden. Dann eignen sich einzelne Scherben, die dann noch zweimal zersplittert wurden, als Collagenteile, die dann mit einer Schellackschicht aufgeklebt werden. Das sollte ich an kleineren Scherben erst einmal probieren, um zu schauen, ob es sich für größere Flächen eignet.

Gestern habe ich noch lang in den Abend an Der Manjurishree-Sequenz auf Rolle 8 gearbeitet. Einen Ausschnitt habe ich oben in die Collage eingefügt.

Es ist allerdings auch möglich, von den Strukturen der Reliefunebenheiten auszugehen, um sie als Anhaltspunkt für Verdichtungen anzusehen.

Am Abend las ich noch ein wenig über Produktionsmethoden von Bob Dylan. Das hat mich neu inspiriert. Das Zusammenfügen von scheinbar zusammenhangslosen Gegenständen, kann ich als Instrument ernsthafter Suche nachvollziehen.

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Biennale

Nach einer knappen Woche in Venedig, wo wir uns die Biennale angeschaut haben, sind mir die Tätigkeiten hier im Atelier angenehm nah und wohltuend. Erstmalig wurde mir der Zuckerguss in der Lagunenstadt etwas zu viel, was natürlich mit am Tourismus, d.h. an der Vermarktung der Stadt liegt. Auch die Kunstwerke erreichten mein wirkliches Interesse nur an wenigen Stellen. Ich muss schauen, wie der Besuch nachwirkt, ob sich das Erlebnis der großen Ausstellung auf meine Arbeit auswirkt.

Meine Buchmalereien erscheinen mir eher schwächer, als brauchten sie einen Veränderungsschub.

Sehr angenehm, wie auch beim vorigen Mal, war das Wohnen nahe dem großen Kanal, mit einem atemberaubenden Blick von der Dachterrasse über die Dächer, Kuppeln und Kanäle. Zwischen dem Nordwestufer und der Friedhofsinsel San Michele war eine temporäre Pontonbrücke gebaut worden, auf der wir über das Wasser spazierten. Die Perspektiven waren ungewohnt und reizvoll.

In den Wochenendtagen räumte ich nun fast alle Pflanzen auf meine Regalkonstruktion, die in jedem Jahr etwas anders aussieht. Diesmal gibt es eine pyramidale Symmetrie. Das hat etwas Barockes.

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Kulissen

Das Gehen zwischen den improvisierten Kulissen für eine Schauspielprobe führt durch Lichtkegel, die Kreise auf einem Bühnenboden voller Klebebandmarkierungen projizieren. Wann bin ich vom imaginierten Zuschauerraum oder vom Regietisch aus zu sehen? Wann muss meine Mimik der geforderten Stimmung entsprechen, die ich im Schatten hinter einer Wand noch einmal ausprobieren kann. Hinter mir stehen bereitgestellte Wandkonstruktionen für den Umbau auf den nächsten Akt, dessen Text schon in meinem Kopf rumort?

Es gibt Bereitstellungsflächen für Kulissen und für Blöcke von Menschen, die gleich nach dem Warten, mit geübtem Fähnchenschwenken und der richtigen Mimik an einer Tribüne vorbeimarschieren werden. Sie sind die Darsteller und Darstellerinnen des Volkes. Ich fotografierte die Tribünen von hinten und pochte somit, argwöhnisch von uniformierten und nicht uniformierten Wächtern beobachtet, auf die Verschiebung meiner Perspektive.

Später arbeitete ich gerne mit den Räumen des Tanzes. Die Ensembles, mit denen ich zutun hatte wechselten, aber nicht die Fragestellungen des Spannungsaufbaus. Die Tanzzeichnungen unterfüttern die Gravitationsschwünge der heutigen Buchmalereien. Auf Rolle 8 kann ich die Perspektiven miteinander konfrontieren.

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Verdichten

Von den Gravitationsschwüngen gehen die Suchbewegungen der Buchmalereien in die Frottagen über oder umgekehrt. Das Buch liegt mit der Schrift seiner letzten beschriebenen Seite auf der Gipsform des 5. Reliefs. Die kreisenden Bewegungen mit einem Aquarellstift, bringen die spitz zulaufenden Flächen zwischen den Stegen der Splitterformen auf dem weißen Blatt hervor, bevor sie in drei Kreisbewegungen den Schwung des Rohrgeflechtes eines Teppichausklopfers nachzeichnen. Schon bin ich wieder bei den Erinnerungen an den Kindheitsalltag in der ostdeutschen Provinz.

Die Beeinflussungen meiner Arbeit, die aus dieser Zeit stammen – sollten sie mich nun interessieren? Ist die Arbeit selbst nicht Forschung genug?

Ich bin um die Gedankenlosigkeit während der Buchmalereien am Morgen froh. Dennoch denke ich an das Buch „Kindheitsmuster“ und an die Aussage von Christa Wolf, dass sie es nach den Jahren ihren späteren Erfahrungen, noch einmal schreiben müsste.

Wir haben damals miteinander über die Wirkung von Kunst gesprochen! Von heute aus gesehen, ist das wirklich naiv gewesen, wie manche Blickperspektiven aus dem Osten es auch waren. Jetzt muss man verdichten, rücksichtslos.

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Auswege

Gestern fand im Filmmuseum die vorerst letzte Veranstaltung zum 90. Geburtstag von Christa Wolf statt. Gezeigt wurde ein Film, der im Wesentlichen aus drei längeren Interviews, Filmausschnitten und Dokumentarmaterial zusammengefügt worden ist. Teileweise war ich emotional sehr berührt und fragte mich, was da in mir emporsteigt. Die ganzen Erinnerungen an die Siebzigerjahre in der DDR, an dieses Gefühl, bis zum Rentenalter in einem Korridor eingesperrt zu sein, der die Aneinanderreihung der sozialistischen Bruderländer umfasste, war eine Selbstverständlichkeit. Wie dieses Bewusstsein mich und meine Umgebung geprägt hat, welche Gefühle meine Jugend bestimmten, habe ich noch nicht zielgerichtet erforscht. Jetzt beginnt das mit dem Väterprojekt.

Das derzeitige Unterwegssein mit meinen Eltern, in den Landschaften unseres Familienlebens, fördert bedrückende Stimmungen an die Oberfläche.

Wir haben diese Landschaften damals langsam durchquert, mit der Waldbahn, zu Fuß oder im Bus. Das Zuhausesein und Unterwegssein waren keine sehr gegensätzlichen Prozesse. Es fehlten einfach Geschwindigkeit und Ausdehnung für Bewegung. Die statische Kontinuität förderte versteckte Fähigkeiten und sorgte für innere Gegensätze: Wut, Resignation, Aufbruch, Abschottung und Rückzug. Das alles unter einem bleiernen Deckel der staatlichen Allmacht. Meine Auswege waren die Kunst und die risikoreiche Ausreise in den Westen.

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Schweigen

Gestern malte ich am 16. Relief und führe einen Farbklang über die Splitter. Ich weiß nun, vom Zusammenlegen der 8 Tafeln des ersten bemalten Doppelportraits, dass die Wirkung dieser intensiven Arbeit auch eine Intensität der Ausstrahlung hervorbringt. Diese Gewissheit ist wichtig für eine Weiterentwicklung dieser Zusammenklänge. Die Dissonanzen innerhalb der Buchmalereien orientieren aber auf eine kritische Auseinandersetzung mit diesen ersten Ergebnissen. Sie soll über diese tägliche Vergewisserung in den Büchern hinausgehen.

Im Atelier befinden sich Werkzeuge, die mich in andere mediale Richtungen führen können. Ich fühle mich aber in den skulpturalen und malerischen Regionen sicherer, traue mir da eine andere Tiefe zu. Vielleicht mache ich nebenher, zur Unterfütterung, digitale Ausflüge mit den 3d Drucker.

Heute steht eine Zusammenarbeit mit Schülern an einem Transparentpapierstreifen auf dem Programm. Dafür soll in den Räumen zwischen den alten, wilhelminischen Mauern eine Werkstattatmosphäre entstehen, in die die Kinder eintauchen können. Das habe ich nun schon öfter gemacht, bin aber bei weitem nicht routiniert genug, um es nebenher abzuhandeln. In solchen Situationen soll manchmal eine Gegenwelt entstehen, die Gefühlen im Zusammenhang mit Materialität, einen Entfaltungsraum schafft.

Und eigentlich will ich während dieser Arbeit nicht sprechen!

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Abläufe | Sukkulenten | Orientierung

Die Buchmalereien funktionieren zunehmend ohne Nachdenken. Impulse für Linien, Farben, Frottagen, Übergänge und Kontraste erwachsen aus dem Unterbewussten. Die Bewegungen der Hände, die Abläufe handwerklicher Gesten, gehen den Erkenntnissen voraus. Der lenkende Faktor des Zufalls beschleunigt neue Herangehensweisen und zieht Erkenntnisse nach sich.

Wegen einer herannahenden Kaltfront trug ich gestern viele meiner kleineren Sukkulenten ins Atelier. Sie fanden auf dem hohen Gesims über dem rechten Rolltor Platz. Weil man die Töpfe dort nur unter Schwierigkeiten mit einer normalen Gießkanne wässern kann, musste ich eine Spezialanfertigung mit einer 60 cm langen Ausgießtülle konstruieren. Von einer Leiter aus kann man das Wasser nun zielgenau fließen lassen.

Gestern Abend beschäftigte ich mich mit den Raumstrukturen buddhistischer Klöster und ihrer Schreine. Die schwierigen Meditationsvorgänge, deren Ziel universeller Wahrnehmung in einer Leere, benötigen Orientierungskonstruktionen, deren Grundlage Mandalas sind. Wenn man sich als Besucher solcher Kulträume über die Grundlagen der Raumbedingungen klar ist, kann man die Malereien und Figuren weitergehend deuten. Für meine Arbeitspraxis kann das eine Bedeutung erlangen.

Ich stelle mir einen quadratischen Raum vor, in dem sich vier Väterdoppelportraits in der Mitte gegenüber hängen. Aus dieser Konstellation ergäben sich weitere Abfolgen von Bildpräsentationen des vorangegangenen Materials an den Wänden dahinter.

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Vorstellbar

Die 16 Relieftafeln, aus denen das Väterdoppelportrait besteht, sind auf vier Scherbengerichte gegründet. Alle vier sind durch ein und dieselbe Figur von ineinander kreisenden Gravitationsschwüngen in Scherben zersprungen. Die so zerteilten Rasterpunkte und geschlossenen schwarzen Flächen, können also ebenfalls untereinander kombiniert werden, dass die Linienschwünge auch ineinander greifen, wenn die erste Tafel des ersten Scherbengerichtes mit der zweiten Tafel des dritten oder vierten nebeneinander gelegt werden. Die so entstehenden Kombinationsmöglichkeiten sind für einen weiteren, späteren Arbeitsschritt relevant. Denn dann können zusätzlich auch Tafeln der verschiedenen Exemplare ganzer, in einem bestimmten Stil gemalter Portraits zueinander finden und eine weitere Dimension eröffnen.

All das ist nur vorstellbar, wenn es in die Praxis umgesetzt wird. Das System hat jedenfalls das Potential zu einer weiterführenden, größeren räumlichen Arbeit, die sich auch mit den Raumsystemen eines Mandalas verbinden kann. Oder ist das eine Drehung zuviel?

Die Schellackschicht des 16. Reliefs, dieses ersten Exemplars, habe ich gestern, am Abend fertig gestellt. Heute beginne ich die Farbigkeit, wie auf den anderen Tafeln fortzuführen. Gleichzeitig möchte ich nun die Reliefs 1-8 vorbereiten. Das heißt, dass ich schauen muss, welche schon abgegossen sind, welche noch fehlen und somit hergestellt werden müssen.

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Erscheinungsgewalt

Gestern grundierte ich das 16, Relief und legte die ersten Schichten auf ihm an. Das preußischblau der Gravitationslinien und die Graphitschicht auf allen Splittern bilden den ersten Arbeitsgang. Dann begann ich jede der erhabenen Flächen mit einem spitzen Pinsel und Schellack zu bearbeiten. Das führe ich, als dritten Schritt, in den nächsten Tagen fort.

Wenn ich nun die ersten 8 Malereien zusammenlege, zeigt sich ihre Entwicklung, die ich nicht zugunsten eines Zusammenklangs angleichen will. Gemeinsam entwickeln sie eine Art von Erscheinungsgewalt, wie es ein einzelnes der Formate bisher nicht erzeugen kann.

In die Collage oben habe ich, neben einem Fenster auf die „Manjurishree-Sequenz“ und einem Stück der zweiten Buchmalerei von heute, ein Fragment der Malerei, auf dem 15. Relief, dominant eingefügt.

Der Arbeitsvormittag war lang und ruhig. Die Malerei beginnt allgemein mit einer erneuten Konzentration zu funktionieren, einer anderen, als beim Modellieren der Reliefs. Die Herausforderung ist eine ganz neue. Die Entscheidungen die ständig zu treffen sind, schließen mannigfaltigere Möglichkeiten ein.

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Abstand

Ein Gefühl, das vierzig Jahre geschlafen hatte, holte mich gestern wieder ein, als ich im Filmmuseum saß und den DEFA-Streifen „Till Eulenspiegel“ sah. Über die etwas naiven Botschaften, die sich kritisch mit der DDR-Gegenwart auseinandersetzten, konnte ich zwar nicht mehr so herzlich lachen, erinnerte mich aber an die Zeit, die ich mir Christa und Gerhard Wolf verbrachte.

Der Regisseur des Filmes, der auch das Script, nach einer größeren Vorlage der Wolfs geschrieben hatte, war zugegen und erzählte Geschichten aus der Kulturpolitik der DDR. Ich kam mir vor, wie ein Fossil.

Abends lese ich in einer Romanübersetzung von B., die zu großen Teilen in Shimla spielt. Von dort aus fuhren wir hinauf in die Dörfer und zu den Klöstern unter den ragenden weißen Berggipfeln.

Als ich zu den Texten von Christa Wolf arbeitete, konnte ich mir nicht vorstellen, in diese Gegenden des Himalaja zu gelangen, wusste nichts von den buddhistischen Tempeln, vom Klima und von den Menschen dort. Hätte ich es jetzt wieder mit diesem Material, wie „Kassandra“ oder „Medea“ zutun, wäre genügend Abstand da, um weiter zu blicken.

Die „Väterarbeit“ soll etwas davon leisten.

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Weitere Zersplitterung

Würde ich in die gegenwärtige Arbeit eine Mandalastruktur einfügen, könnte dies ein Farbraumprogramm etablieren. Unter diesem Aspekt muss ich mir das Kloster Tabo noch einmal ansehen.

Farbkonstellationen entstehen aber auch ganz einfach, indem ich scheinbar konzeptionslos weiter arbeite. Die kleinräumlichen Beziehungen der Splitter untereinander, werden durch das Fließen der Farbauswahl entscheidend beeinflusst. Habe ich hierbei die Mandalastruktur im Hinterkopf und male dann einfach drauflos, wird sich hoffentlich etwas ergeben, das den Dekorationscharakter überspringt. Außerdem spielen jetzt schon die Collagen, die über den Texten stehen, eine weiterführende Rolle.

Dieses derzeitige Exemplar des Doppelportraits will ich aber in dem Stil zu Ende malen, in dem ich es begonnen habe. Dann aber muss etwas geschehen!

Mir ging die weitere Zerkleinerung der Splitter durch den Kopf. Dies wäre ein logischer und natürlicher Schritt. Das würde ich dann nur mit den drei Schichten: Graphit, Schellack und Tuschelinien machen, ganz ohne andere Farben.

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Raumkonstellationen

Weil ich vor vielen Jahren für ein Bühnenbild, zu den „Ratten“ von Gerhard Hauptmann, eine alte abgewetzte Stahltür auf Sperrholz gemalt habe, die Momme Röhrbein und ich „Hey Joe“ tauften, war mein Zugriff auf die Inszenierung, die wir am Sonnabend im Frankfurter Schauspiel sahen, ein spezieller. Die Debatte, welche Geschichten auf deutschen Bühnen erzählt werden, die Einfärbung des Textes auf die gegenwärtigen Kulturdiskussionen, ging an mir vorbei. Entscheidend für mich ist nicht, dass man kulturell fremde Geschichten erzählt, sondern der künstlerische Zugriff, mit dem das getan wird.

Und außerdem ist es so, dass Kunst dort beginnt, wo sie wehtut.

Der Blues im deutschen Drama wird vom Aikidotrainer aus Offenbach gesungen.

Die Vertiefung in das Väterprojekt schafft gleichzeitig den Abstand zur eigenen Biografie, der notwendig ist, um sie nutzbar zu machen.

Mein Abstand zu den Malereien in den westtibetischen Klöstern muss sich hingegen zunächst verringern, damit sich ein Überblick etablieren kann, der eine Auswirkung auf meine eigene Arbeit ermöglicht. Dabei geht es nicht um die Motivik, sondern um Raumkonstellationen, die aus der Mandalageometrie erwachsen.

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Landartmethode

Mit der Manjurishree – Sequenz auf Rolle 8 wird es nun langsam ernst. Die Überlagerungen der Figur aus dem Vairochana Schrein schließen sich mit den Eindrücken bei der Umrundung der Figurengruppe im anderen Gebäude des Klosters Alchi kurz. Deswegen heißt die Arbeit Manjurishree – Sequenz, auch wenn sie aus einer Figur zusammengesetzt ist, die aus einem benachbarten Gebäude stammt.

Die Schellackschicht auf dem Relief Nummer 15 ist nun fertig. Nun werden die Gravitationsschwünge Preußischblau eingefärbt. Dann wird die Malerei so fortgeführt, wie ich sie auf dem 12. Relief, das sich direkt oben an das 15. anschließt, begonnen habe.

An der Außenseite des Ateliergärtchens, flechte ich die langen Weidenzweige nach innen. Die so eingebogenen Ruten bilden skulpturale Formen, die ich im kommenden Jahr weiter gestalten kann. Das Wachstum und das Flechten ergänzen sich so zu einer Landartmethode. Außerdem haben die Geflechte viel mit den sich überlagernden Zeichnungen auf den Transparentpapierrollen zutun.

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Ströme

Den geglätteten und grundierten Abguss des 15. Reliefs, des ersten Exemplars des Väterdoppelportraits, versah ich gestern Vormittag mit der ersten Malereischicht, der Graphitschraffur, die die Oberflächenstrukturen der Splitter noch einmal besonders hervorhebt, wie das Morgenlicht, das die Flächen streift, nur negativ. Dann folgte die Schellackschicht, durch die jeder einzelne Teil einen warmen Grundton und die Versiegelung des Graphits abbekam.

Nach dem Essen stieg ich auf den Altkönig, der sich, wie aus der Ferne zu sehen war, in Wolken hüllte. Bei meinem wärmenden Gang den steilen Hang hinauf, begann es zu regnen. Zunächst waren das eher Nebelnässen, doch schon bald verdichtete sich das herab rinnende Wasser zu dem stetigen Strom, der mich, trotz Regenkleidung, langsam durchtränkte. Es war wie beim Schwimmen, dessen Bewegungen ich und die Leichtigkeit meines Körpers genoss.

Wasserrinnsale, wie aus aufgedrehten Absperrhähnen, flossen die Baumstämme hinab. Ich versuchte diese Ströme zusammenzuzählen, um die Menge des sich sammelnden Wassers abzuschätzen, das sich nun in den Bächen sammeln würde…

Am Abend weitere Splitterabdeckungen mit Schellack.

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Die Toten bleiben Jung | Manjurishree – Sequenz

Ein helles blaugelbes Licht leuchtet jetzt am Morgen auf meine Reliefplatten. Mit der weißen Grundierung, deren Feuchtigkeit die getrockneten Flächen leicht durchdringt, konnte ich das in sich verzogene Exemplar wieder glätten. So, wie das Licht jetzt jede Unebenheit gebirgig aufwirft, sollte dann auch die Graphitschraffur wirken.

Auf Rolle 8 arbeitete ich an der Überlagerungssequenz aus dem Manjurishree – Schrein in Alchi weiter. Ich nenne sie jetzt „Manjurishree – Sequenz“. Das unaufgeregte, kontinuierliche Vorgehen führt zu spannungsvollen Ergebnissen oder Zwischenschritten, die mir Spaß machen.

Gestern Abend hörte ich Carola, im Filmmuseum, bei ihren interessanten Ausführungen zu den beiden Dichterinnen Christa Wolf und Anna Seghers zu. Ich wusste, dass die ältere von der jüngeren verehrt wurde. Diese Zuwendung wirkte sich auch auf das Drehbuch zum Film „Die Toten bleiben jung“ aus, das nah am Romantext blieb. Und Carolas Focus auf die Frauenfiguren fügte dem Abend noch eine weitere Dimension hinzu.

Auch für mein Väterprojekt fügten sich Szenen aus dem gezeigten Film zusammen, die die Darsteller der preußischen Militärs noch aus eigener Anschauung kannten und umsetzen konnten. Harte, sadistische und zynische Erziehungsmethoden sollten später auch sozialistische Persönlichkeiten hervorbringen.

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Symmetrien und Ungleichgewichte

Auf Rolle 8 zeichnete ich an der Sequenz weiter, die von einer Zeichnung herrührt, die ich im Kloster Alchi gemacht habe. Eine, auf einer Fabelgestalt reitende, Figur steht sich hier mehrfach antithetisch gegenüber und überlagert ihre Umrisslinien in der sich aufeinander zu laufenden, fortschreitenden Bewegung. So kommt es zu Symmetrien, die sich mit Ungleichgewichten vermischen.

Vor einem Chorkonzert in der schlichten Heilig Geist Kirche gestern Abend, probierte der Organist die Begleitpartitur, die alleine ohne Chor, wie von Olivier Messiaen klang. Jetzt höre ich ein Klavierkonzert von ihm, das sich mit der Alchi – Sequenz auf Rolle 8 verbindet. Das passt zusammen.

Auch die Buchmalereien verbinden sich eher mit Klängen des vorigen Jahrhunderts. Die Sehnsucht nach einer Struktur jenseits der digitalen Gestaltungsmöglichkeiten wächst.

Am Abend moderiert Carola einen Abend im Filmmuseum an, an dem es um das Drehbuch der DEFA – Produktion „Die Toten bleiben Jung“ nach Anna Seghers geht. An ihm arbeitete Christa Wolf mit, und aus Anlass ihres 90. Geburtstages wird eine Reihe mit Filmen gezeigt, an denen sie auf die eine oder andere Weise beteiligt war. Meine Rückschau innerhalb des Väterprojektes könnte davon profitieren. Also gehe ich hin.

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Trolle

Auf dem Gipfelplateau des Altkönigs herrschte dichter Nebel. In dieser Wolke erschien plötzlich ein Troll in leichtem Laufschritt, mit spitzen Ellbogen an den angewinkelten Armen, klarer Stimme und roten Locken, glaube ich. „Ich laufe gern über dieses wellige Gelände“, sagte er, bei weitem nicht außer Atem und strahlend. So schnell. Wie sie da war, verschwand sie wieder bergab im dichten Grau.

Im Schauspiel sahen wir „Brand“, ein selten gespieltes Stück von Ibsen. In der weiblichen Hauptrolle war Jana Schulz zu sehen, eher ein zerbrechlicher Junge, als eine Braut. Es ging um Alles oder Nichts in diesem düsteren Abend im Nebel, der die Kälte des Tales illustrierte, in das nie ein Sonnenstrahl fällt. Und wieder tauchte ein Troll aus dem Gewaber auf, mit schriller Stimme diesmal und wieder sehr beweglich, wie am Altkönig auch.

Die Abgüsse der Reliefs, die ich in der letzten Woche angefertigt habe, trocknen sehr langsam. Einen habe ich nun in die Sonne gestellt, obwohl dann die Gefahr besteht, dass er sich etwas verzieht – meine Ungeduld! Aber ich möchte nun bald wieder weitermalen.

Innerhalb der ganzen Diskussionen um Digitalisierung, kulturelle Aneignung und diverse Identitäten, kommt mir die Arbeit am Väterprojekt immer anachronistischer vor, aber richtig.

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Wirkung eines faunistischen Gutachtens

Für das Väterprojekt fertigte ich gestern einen weiteren Reliefabguss an. Die Trocknungszeiten nehmen viel Zeit in Anspruch, weswegen immer mehrere Exemplare in Arbeit sein sollten.

Heute am Altkönig im Taunus, werde ich an den Literatur-Nobelpreisträger dieses Jahres denken, dessen Liebe zu diesem Berg ihn mit meiner verbindet. Je länger ich ihn regelmäßig besteige, umso intensiver erlebe ich seine Besonderheiten, vor allem im oberen geschützten Teil.

Entgegen der Behauptung, dass unseren Teves – Mauereidechsen die „Scheißwiese“ mit ihren Bruthügeln aus Schotter „scheißegal“ ist, sonnten sich gestern drei Winzlinge der Brut dieses Sommers auf einem der kleinen, dunklen Steinhügel. Diese jungen Exemplare befanden sich etwas entfernt von ihren gefährlich kannibalischen Eltern, die die goldenen Oktoberstunden am gestrigen Nachmittag auf dem Kalkstein der Kräuterspirale verbrachten.

Somit haben die Schutzmaßnahmen, die das faunistische Gutachten von Andreas Malten, vom Senckenberg Forschungsinstitut, nach sich zog, eine anhaltend positive Wirkung. Dieser Erfolg wirkt sich nicht nur auf die Teveswiese aus, sondern auch auf den Schutz der anderen Refugien, die das Gutachten nachwies.

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Orangerie

Gestern Nachmittag stellte ich Pappmache für einen Reliefabguss her. Dafür habe ich Rollen von grauer Abdeckpappe für Malerarbeiten aus recyceltem Material. Ich nahm mir die Form Nummer 15 vor, die sich in der Reihenfolge an die 5 Reliefs anschließt, die ich schon bemalt habe. Ich strebe an, dass die Arbeitsgänge des Abformens und der Malerei Hand in Hand gehen, damit keine Wartezeiten entstehen.

Das Licht wechselt. Ich habe das Gefühl, dass es wochenlang geregnet hat. Das wirkt sich auf das Wachstum der Wiese aus. Abertausend kleine Pflänzchen sprießen auf der wenigen durchtränkten Erde, die ich nicht identifizieren kann. Aber gerne gehe ich durch die nassen Halme und Blätter, die meine Schuhe benetzen. Ich sammle auch wieder Schottersteine für die Fluchtburgen der jungen Eidechsen, die im kommenden Juni schlüpfen werden.

Nun werde ich, wie in jedem Herbst, bald damit beginnen, die frostempfindlichen Succulenten, Palmen und Pelargonien hereinzuholen. Der fensternahe Bereich des Ateliers verwandelt sich dann in eine Orangerie. In diesem Jahr freue ich mich auf diese Arbeit.

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Heilsamer Fehler

Nach dem langen Regen, der meiner Wiese sehr gut getan hat und dem damit verbundenen Grau, sind an diesem Morgen wieder Lichtwellen unterwegs, die fast waagerecht in mein Atelier branden. Sie lassen die Temperatur am Zeichentisch steigen und die Farben aufleuchten.

Mit der Malerei am 12. Relief, des ersten Exemplars des großen Väterdoppelportraits, bin ich gestern fast fertig geworden. Eine lebendige Farbigkeit stellte sich auch in den Buchmalereien ein.

Mir ging die GPS-Wanderung am Potsdamer Platz als Gestaltungsschicht auf den Reliefs durch den Kopf. Weil die Möglichkeiten solcher Schichtungen mannigfaltig sind, muss ich mich disziplinieren. Die Bezüge haben einen wesentlichen Einfluss auf die Dichte. Das Zwingende der Zusammenstellung muss aus den untersten Lagen der durchscheinenden Malerei hindurch scheinen. Es geht nicht um Schlüssigkeit, sondern um Spannung.

Auf Rolle 8 trainiere ich das nur mit Tusche, Graphit und Schellack. Gestern kippte ich aus Versehen ein Glas Tusche um. Etwas von der schwarzen Flüssigkeit erreichte die Lagen der Transparentpapierrolle. Sich wiederholende dunkle Wolken über der sich mehrfach schichtenden Reiterfigur, waren die Folge. Nun muss ich daraus etwas machen. Es fordert mich dazu heraus. Fehler sind heilsam.

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Neben mir

Selten trete ich neben mich, wenn ich allein bin mit meinen Büchern, um mir beim Zeichnen, Malen, Wischen und Schreiben zuzuschauen. Mit der Malerei geht eine Unruhe einher, die ich, wenn ich mit den drei Formaten des Tages fertig bin, mit einer kleinen Pause besänftige. Ich stehe auf, gehe hinaus ins Gärtchen oder schaue, was auf der Wiese neu, ohne mein Zutun, von alleine wächst, sehe den polternden Güterwaggons zu, die mit ihren wilden Zeichen einer speziellen freien Malerei vorüber rollen.

Manchmal kehre ich dann, nach einem Gespräch mit einem Nachbarn, zurück und fülle die leeren Papierflächen zwischen den Buchmalereien mit den Worten, die meine inneren Bilder umkreisen.

Die Reliefmalerei beginnt mich nun ganz einzufangen. Ich genieße es, mich in den Farbspannungen verlieren zu können. Gestern habe ich sehr vorsichtig versucht, mit einer Rohrfeder und feinen Tuschelinien, den Figuren zu folgen, die neu auf den Splittern entstanden sind. Dann legte ich Öllasuren darüber, die auch noch eine weitere Schellackschicht vertragen. Eine Fortführung der Scherbengerichte.

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Holzschnitte | Reliefmalereien

Im Städel sahen wir gestern die Holzschnitte von den drei „Bücke“ – Künstlern Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff. Insbesondere zu den Arbeiten von Ernst Heckel hatte ich in meiner Jugendzeit eine innige Beziehung. Die ganze Holzschnittreihe zu „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz, die ich 1977 angefertigt habe, lehnte sich daran an. Mit dieser Arbeit begann ich auch meine Herangehensweisen schriftlich in Tagebüchern zu reflektieren. Das Buch „Expressionistische Buchillustration“ von Lothar Lang besaß ich damals schon, und es inspirierte mich zu weiteren Holzschnittreihen, die dann später unter dem Eindruck von Grieshaber auch farbig wurden. Riesenformate entstanden. Diese sehr produktive Zeit wurde durch die Übersiedlung in den Westen zunächst unterbrochen.

In die täglichen Buchmalereien spielen nun, neben den Gravitationsschwüngen, wieder Frottagen von den Gipsformen des Väterprojektes eine Rolle. Wie in den Reliefmalereien, spiegelt sich nun auch hier die Farbigkeit, die aus den Malereien in den Klöstern zwischen den Himalajagipfeln und von den Schmucksteinen, die ich von dort mitbrachte, wieder.

Gestern zeichnete ich eine Reiterfigur auf einem Fabeltier, deren Skulptur ich in einem der Klöster sah und in mein Skizzenbuch übertrug, zweimal antithetisch auf die Transparentpapierrolle 8. Von da aus kann ich nun Überlagerungen anfertigen, die sich von den beiden Seiten, die etwa sechzig Zentimeter voneinander entfernt sind, aufeinander zu bewegen können.

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