Aufbrechen

Der Höllenlärm am Atelier hat etwas nachgelassen. Beteiligt sind nicht mehr 5 Bagger, ein Überkopfkipper und die große Steinmühle, sondern nur noch insgesamt 3 Maschinen. Deswegen ist es hier nun wieder möglich, eher einen klaren Gedanken zu fassen.

Aus der Knochenpflasterfläche hinter meiner Wiese, wächst seit etwa 3 Jahren eine Pappel. Sie ist mittlerweile etwa 3 Meter hoch und wird von einem Fuß gehalten, der lediglich die Stärke der Fugen zwischen den Steinen haben kann. Auf dieser unsicheren Basis muss er den Stürmen trotzen die aus Westen heranrollen, bis seine Kraft durch das Wurzelwerk so angewachsen ist, dass er die Pflasterschicht sprengen und in die Breite wachsen kann. Um ihn dabei zu unterstützen, setzte ich mich gestern Abend auf einen Gartenhocker, nahm meinen Fäustel und einen großen Meißel, um einen der ihn bedrängenden Steine, heraus zu brechen. Nach einer Stunde hatte ich den Grund der Betonschicht erreicht und damit die Erde. Stück für Stück werde ich die Fläche nun aufbrechen, um dem Baum das Wachstum zu erleichtern.

Wenn ich mir die Muster meines Nomadenteppichs in meinem Zimmer anschaue, den ich mir im vergangenen Jahr in Ladakh gekauft habe, dann entdecke ich subtile Unregelmäßigkeiten, hinter denen ein Code oder eine Formel zu stecken scheint. Erst mal kann ich nur zählen und vergleichen, um die geheimnisvollen Beziehungen aufzuspüren. Ersichtlich wird zunächst, dass er zumindest von zwei Personen gewebt worden sein muss.

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Die Enge | Das Figürliche | Die Insektensammlung

Die Buchmalereien bekommen zu Hause einen anderen Charakter. Sie sind zurückhaltend ruhiger, konzentrierter und emotionsloser. Die Enge des Raums, der andere Ausblick und das Fehlen des anderen Arbeitsmaterials, sind der Grund dafür. Aber sie haben dennoch ihren Reiz und führen mich irgendwohin, wo ich noch nicht war.

Nun bin ich wieder ins Atelier gegangen. Ich probiere, wie es möglich ist, unter den Bedingungen des Abrisslärms zu arbeiten. Nach der herbstlich kühlen Nacht, wird der Raum schnell von der Morgensonne aufgeheizt. Im Gärtchen sonnen sich die jungen Eidechsen, nicht länger als 5 Zentimeter, zwischen meinen Stein- und Muschelketten, Holzstapeln, Lochziegeln und ausgehöhlten Ästen. Wenn sie schlau sind, überwintern sie in meinem Atelier. Dort hat sich eine von ihnen über meine Insektensammlung hergemacht!

Meine Hinwendung zum Figürlichen, innerhalb der Gravitationsschwünge in den Büchern, zielt immer noch auf eine natürlich wachsende Einbindung von Figuren bei der Bemalung der Reliefs, die derzeit eine Pause erlebt. Es stehen zu viele Unterbrechungen an, als dass ich eine längere geschlossene Zeit der Konzentration dafür finden kann.

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Das reicht mir

Die Inversion der Aura

Vom Schicksal der charismatischen Autorität im sozialen System der Kunst“,

heißt ein Text von Hans Zitko, den ich gestern Abend gelesen habe. Darin werden Systeme und Verhaltensweisen beschrieben, die mir durchaus bekannt sind. Mein Rückzug aus der Öffentlichkeit des Kunstbetriebes, beruht auf meiner fundamentalen Skepsis ihm gegenüber. Er würde mich bei der Suche nach Bildlösungen und der Konzentration, die dafür notwendig ist, behindern. Durch Markttechniken etablierte Strömungen interessieren mich nicht. Und was ich davon mitbekomme, erfüllt mich mit Unbehagen.

Das führt zu einer asketischen Situation. Sie flirtet mit der Armut und ist gleichzeitig elitär durch die Behauptung von Freiheit. Für mich ist das folgerichtig, solange die Produktion nicht stockt und mein persönliches Glück mit ihr verbunden ist. Es entsteht einerseits durch die Rückschau, beispielsweise auf Transparentpapierrollen und Buchmalereien, andererseits gewinnt die gegenwärtige Arbeit aus ihr, ihre Dimension.

Bestätigung kommt aus Kreisen, die mit dem Kunstmarkt nicht direkt zutun haben, von offiziellen Kulturinstitutionen, Experten und zufälligen Atelierbesuchern. Das reicht mir.

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Ruhe wegen des Lärms

Wegen des Lärms ruht fast die ganze Arbeit im Atelier. Ich wundere mich über mich selbst, wie gut ich das kann. Unter der Unterbrechung des Väterprojektes leide ich kaum. Ich freue mich über meine Fähigkeit, abzuschalten, auf Abstand zu gehen und die Arbeit nicht so wichtig zu nehmen. Eigentlich macht das alles leichter.


Von meinem aktuellen Arbeitsplatz aus, kann ich die Aktivitäten der Sozialarbeiter auf der Quäkerwiese sehen. Es erinnert mich an meine Stadtteilarbeit vor 20 Jahren. Davon habe ich mich, zugunsten meiner Arbeit, entfernt. Es gibt Kontakte zur Schule, wegen des Projektes “YOU&EYE”, Schüler und Kunstinteressenten finden sich manchmal bei mir ein. Ansonsten aber, bleibe ich bei mir.


Immer mal greife ich im Atelier zur Gitarre, drehe den Verstärker weiter auf sonst, um den Baggern entgegen etwas setzen. Am Morgen, hier zu Hause, hörte ich ein neues Album von Bob Dylan, dessen Tournee wir in diesem Jahr vermissen. Dass er aber nach vielen Jahren wieder eigene Songs aufgenommen hat, tröstet etwas.

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Handabdrücke und Reliefs

Als ich mich gestern ins Bett legte, erwartet ich wieder ein Traum, kann mich aber an keinen erinnern. Stattdessen aber kamen Ideen, die Väterreliefs mit den gewanderten Handprints von Frankfurt und Wien zu verbinden, die Strukturen zu schichten.

Gerade habe ich vor dem Atelier einen jungen Pianisten und Komponisten kennen gelernt. Ich sprach mit ihm über die Möglichkeiten, Musik zu visualisieren. Er schaltete gleich auf das Musikverstehen von tauben Menschen um, was natürlich nahe liegend ist, aber war ich noch nicht bedacht hatte. Wir hatten sofort einen lebendigen Austausch und verabredeten über die Visuals noch mal zu sprechen.

Während der Lektüre zur Konstruktion und Bedeutung von tibetischen Mandalas, stellt ich fest, dass meine 16 Teile des Väterreliefs dort gut einfügen. Ansonsten ist das Thema weitläufig und nicht unkompliziert. Das liegt aber auch an der unvollständigen Quellenlage, denn die Praxis der Meditation, die Mandalas unterstützen, ist nur im engen Kreis mündlich überliefert.

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Ein Traum

Den Leuten, die von rechts nach links, vor meinem Balkon auf der Frankenallee gehen, bläst heute ein kräftiger Wind entgegen. Die Baumkronen werden gekämmt, und das Rauschen erfüllt den ganzen Luftraum. Ich bin froh, dass ich hinter der Scheibe sitze, wo  mein Haarschopf ruhig auf meinem Kopf liegen kann.

Ich stelle mir vor, wie jetzt der Staub aus Sand, Erde und Zement in meinem Gärtchen geweht wird, wie er gemeinsam mit dem Maschinenlärm in der Gebäude eindringt. Wie gut, meinen Ausweicharbeitsplatz hier in meinem Zimmer zu haben.

In der Nacht träumte ich von einer hügeligen Landschaft, in der einer sektenartigen Produktionsgenossenschaft. Ihr Zweck ist mir nicht klar. Mit meiner Voraussagepflock, den ich zwei Meter in der Erde trieb, um aus den geologischen Schichten die Zukunft zu lesen, sagte ich ihnen ein infernalisches Musikfestival voraus. Dann riefen sie den Chef herbei, der mit einem frisierten Soundauto und zwei Beißhunden kam, die er auf mich hetzte. In der Hocke aber war ich mit den Hunden auf Augenhöhe, wodurch sie mit den Schwänzen wedelten und mir das Gesicht ableckten. Zum Schluss sprudelte eine Quelle aus der Stelle, in die ich am Hang den Pflock getrieben hatte.

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Vom Lärm vertrieben

Seit einigen Tagen beginne ich die Arbeitstage wieder zu Hause, wie ich das vor einigen Jahren auch tat. Gegen den Abrisslärm in der direkten Nachbarschaft komme ich auf die Dauer nicht an. Deswegen stellte ich mir einen Tisch vor die schöne zweiflüglige Balkontür meines Zimmers in der Frankenalleewohnung. Dort fertige ich als erstes am Morgen die Buchmalereien an, um dann im Schreiben am täglichen Überdenken meiner Arbeitssituation festzuhalten.

Die Buchmalereien werden in dieser Umgebung zurückhaltender, weniger zweckgebunden und somit freier. Mir gingen neue Wanderungsprojekte durch den Kopf. Jetzt jedoch, in diesem Sommer will ich mich etwas zurücklehnen. Die anhaltende Pandemie trägt die Möglichkeit in sich, gründlich nachzudenken.

Dass ich mich etwas vom Väterprojekt entfernt habe, zumindest von seiner täglich fortschreitenden Vervollständigung, kommt mir ganz vernünftig vor. In diesem Abstand entstehen Ideen zu neuen Projekten und der Blick auf die aktuelle Arbeit an den Reliefs schärft sich wieder.

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Gefällige Gefilde

Gestern begann ich ein Objekt zu bemalen. Ich mache das für jemanden, es hat also einen Adressaten. Gleich hat sich die Arbeit in gefälligere Gefilde entwickelt – schrecklich! Es geht nicht um die Suche nach neuen Wegen zur gestalterischen Spannung. Bewährtes kommt zum Zuge… Das lässt sich aber, weil es erkannt ist, noch ändern.

Gegen den eisern dröhnenden, steinbrechenden Abrisslärm, habe ich wieder meine Ohren verstopft. Gestern hatte ich das Gefühl, dass durch diese Maßnahme, mehr Konzentration möglich würde, auch wenn die Maschinen schweigen. Gegen die Hitze öffnete ich zum hochgezogenen Rolltor noch die Seitentür, damit es ein wenig Luftbewegung gibt.

Zum Abend erwarte ich Besuch im Atelier. Ich möchte ihm meine Väterarbeit zeigen. Sie hat ja im jetzigen Stadium schon viele Facetten, angefangen bei den Scherbengerichten, den Transparentpapierrollen, bis hin zu den Verbindungen von buddhistischen Wandmalereimotiven mit meinen Tanzzeichnungen.

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Gehörschutz

Vom Altkönig aus sah ich mir die Stadt gestern mit dem Fernglas an. Ich floh vom Lärm der Abrissmaschinen. Der Giebel der Friedenskirche, der dunkle Klotz in der Frankenallee, sah aus der Entfernung aus, wie der einer holsteinischen Scheune. Aber immer wieder suchte ich nach dem Haus in dem wir wohnen, oder nach seiner nächsten Umgebung.

Mit Gehörschutz schirme ich mich nun vom Maschinenlärm ab. Die Steinmühle, 5 Bagger und der Überkopfkipper sind akustisch völlig ausgeblendet und geben nun den inneren Geräuschen den Vortritt. Jeder Schritt, den ich gehe, erzeugt ein Echo in meinem Knochengerüst. Die Wendungen des Kopfes machen die Halswirbelsäule und ihre Bänder hörbar, auch das Geräusch des pulsierenden Blutes rauscht durch den Kopf. Das Körperempfinden wird deutlicher und der Tinnitus erhält die Oberhand.

Eine barocke Figur tauchte heute in der ersten Buchmalerei auf. Es könnte auch ein Rockstar aus den Siebzigerjahren sein. Mitten im abstrakten Geschehen zieht es mich zu diesen konkreten gegenständlichen Manifestationen. Sie erscheinen wie in Träumen.

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Choreografien

36 Scans der Buchmalereien, die ich in der letzten Zeit gemacht habe, führten mich wieder zurück in die Situationen ihrer Entstehung. Ich erinnere mich an die Abwägungen der Farben und die Entscheidungen, wann Schluss ist. Und immer wieder tun sich Lösungen, die ich während ihrer Entstehung oder kurz danach als unbefriedigend empfand, als hilfreiche Entscheidungen auf. Sie treten aus dem ästhetischen Trott heraus und Zetteln dann etwas Neues an.

Draußen sehe ich eine Choreografie von 5 Baggern, einem Überkopfkipper und einer Steinmühle. Sie tanzen zu einem infernalischen Sound, der nur noch von meiner Musikanlage im geschlossenen Atelier übertönt wird. Franz, mit dem ich mich bald zu gemeinsamer Arbeit verabreden möchte, hört auch während der Arbeit laute Musik.

So lange diese Abrissarbeiten noch wenige Meter vom Atelier entfernt andauern, überlege ich, einen Teil meiner Tagebucharbeit in mein Zimmer in der Frankenallee zu verlegen. Die Malereien greifen jetzt manchmal auf alte Strukturen zurück, die ich jahrelang mit Holzhaarnadeln in das Papier gedrückt habe und die dann durch Schraffuren sichtbar wurden. Zu Hause kommen dann bestimmt wieder Arbeitsweisen hervor, die aus der Zeit stammen, in der ich dort Tagebuch schrieb.

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Zweifel an der Produktionskontinuität

Nach einer zehntägigen Auszeit kann ich nur langsam wieder in die Arbeitsprozesse hineingehen. Allein an den Seen der Holsteinischen Schweiz, habe ich all das hier, in meinem Atelier befindliche, fast ganz vergessen. Somit besteht jetzt noch der nötige Abstand, um meine Produktionskontinuität kritisch zu bedenken. Dabei kommen Zweifel auf, ob wirkliche Erneuerungen auf diesem Weg möglich sind. Es geht immer nur langsam voran, es gibt keine Brüche, Wendungen und kaum kreative Pausen.

Mit Vandad sprach ich über die Möglichkeiten der Arbeit am Projekt „YOU&EYE“ unter den Bedingungen der Pandemie. Es entstehen bei mir Überlegungen zur digitalen Zusammenarbeit, die in dieser besonderen Situation möglich wird. Einerseits denke ich an die Erstellung einer gemeinsamen digitalen Skulptur, die dann ausgedruckt werden kann, andererseits können Räume entstehen, in denen man sich mit den anderen Projekten treffen kann. Skulptur, Tanz und Musik….

Vier Bagger drehen sich, in der direkten Nachbarschaft, um die eigene Achse und vollführen eine Choreografie, um die Steinmühle, in der das Abrissmaterial zerkleinert und sortiert wird, zu bestücken. Manchmal verfallen sie in einen Rammrhythmus, mit dem sie sehr große Betonbrocken zerkleinern oder Kellerwände zerstören. Auf der Terrasse des Restaurants sitzen die Köche, in diesem Geräusch der Hölle, bei ihrem Morgenkaffee und unterhalten sich!

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Keine Kehrtwende

Der gestrige Tag brachte nur Kontinuität. Die Väterarbeit ist über weite Strecken ein Durchhalteprojekt. Pausen werden wichtiger, um Abstand und Überblick zu gewinnen. Dieses stetige Weiterarbeiten, um nicht ins Stocken zu kommen, wird mir verdächtig. Das war für die Zeit, in der ich es tat, vielleicht richtig und wichtig. Nun wird es Zeit, das zu hinterfragen, auch wenn mir mulmig wird dabei. Was wird, wenn mein Garant der Produktivität unbedeutender wird? Kommt der Motor ins Stocken?

Ein neues Herangehen, würde Fragen wie Regelmäßigkeit von Zeitrhythmen, Arbeitsmoral und tägliche Produktionsrituale infrage stellen. Diese Überlegungen sollte ich weicher handhaben, nicht so rigoros, sonst stünde mein Arbeitsleben bald auf dem Kopf. Und für eine Kehrtwende ist es zu spät.

Am wichtigsten erschienen mir heute Vormittag die Collagen. Sie bedienen sich der Arbeitsschritte, die ich gestern mit der Reliefmalerei unternahm. Eine Tanzzeichnung von 2003 bettete ich zeichnerisch in Ornamentstrukturen ein, die später noch mit einer weiteren Schicht zusammengezogen und eingedunkelt werden.

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Wegschauen müssen

Montags sind die Scans der Buchmalereien des Wochenendes nachzuholen. Mit den tagaktuellen zusammen, sind es immer 9. Bis zum Mittag ist dann die gesamte Tagebucharbeit erledigt und ich beginne mich meistens mit den Reliefs zu beschäftigen.

Die abstrakten Linien, mit denen ich derzeit die modellierte Oberflächenstruktur nachzeichne, ergeben manchmal kreatürliche Anklänge. Das sind gebogene Figuren, Augenpaare oder Karikaturen von Gesichtern. Bis dahin ist das alles nicht so spannend. Die Schellackschicht, die die Tusche wieder anlösen kann, fokussiert notwendigerweise noch einmal zum Abschluss.

Wichtiger und ergebnisreicher erscheinen mir derzeit die Buchmalereien. In ihrer unspektakulären Form, verbergen sie das Potential, das sie für mich besitzen. Dieses mehrschichtige Herangehen an sie, würde sich innerhalb der Reliefbemalungen positiv auf die Intensität des Gesamten auswirken. Man sollte das Gefühl bekommen, wegschauen zu müssen!

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Allein mit den Tieren

Der Morgen verging schnell, weil ich mir vorgenommen hat, alles langsam zu machen. An den vergangenen Vormittagen war ich hier auf Teves West mit den Tieren allein. Aus einer großen stehenden Papprolle rettete ich eine Taube, die sich dort hinein verflogen hat und nicht mehr raus kam. Dabei verletzte ich die linke Hand leicht. Die Taube flog, nachdem ich sie aus der Rolle scheuchen musste, ohne Dank davon. Später kehrte sie zu einem der Wasserstellen am Gärtchen zurück und bekam noch ein paar Körner von mir dazu.

Nun ist das Restaurant wieder geöffnet, mein Nachbar ist da, Stimmen, Geklapper und dahinter der Schaufelbagger, Schuttschredder und Kipper, die Abrisshalden sortieren. Das Laufen laufen die Notstromaggregate der Netzknotenbetreiber mit sehr tiefer frequenz und auf dem Bahndamm sind die Streckenbauer mit Kränen und Maschinen unterwegs. Nur der Fluglärm fehlt heute, weil die Windrichtung und damit die Abflugrute gewechselt.

Die Buchmalereien verändern sich. Sie bieten nun eher Material, das ich in der Reliefbemalung könnte. So wiederholt sich bei mir im Kleinen ein Vorgang, bei den mittelalterlichen Buchmalereien persisch-pakistanischen Ursprungs, in Tibet an den Wänden der Klöster wanderten. Auf meiner Arbeit der Gegenwart.

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Unfertiges

Das dritte Motiv auf dem Relief ist wieder eine Tanzzeichnung mit mehreren Figuren. Nach der Übertragung auf die unruhige Oberfläche, benötige ich noch 2 Elemente, die ich in die Komposition einfügen will. Die Hoffnung liegt dabei in den Buchmalereien. Deren tägliche Entwicklung schafft Sicherheit zwischen den Buchdeckeln. Oft genug treibt mich die Unzufriedenheit mit ihnen an. Dann besteht die Tendenz, zu viel zu machen. Der klare Schusspunkt, wenn er auch ein Bekenntnis zum Unfertigen beinhaltet, rundet den Vorgang ab.

Manchmal stelle ich sie mir schon während der Malerei, in den Werktagscollagen vor. Das sollte nicht sein, es ist aber manchmal schwer von der weiteren Verwendung beim Malen abzusehen. Die Herausforderung bei den Collagen besteht insbesondere darin, dass sie sich nicht zu ähnlich sehen sollen, denn oft treten wesentliche Elemente in allen dreien gleichzeitig auf.

Von meinem Schreibplatz im geöffneten Rolltor zum Gärtchen hin, sehe ich eine Ringeltaube auf dem Rand des Seerosenzubers sitzen. Sie wartet lange, um zu trinken, schaut sich immer wieder um und starrt dann auf die Wasseroberfläche. Vielleicht will sie auch von den Schlingpflanzen essen, die wohlschmeckend sein sollen, wie mir die vietnamesische Küchenhilfe vom Restaurant gegenüber versicherte. Dann schlägt sie den Kopf auf die Wasseroberfläche, als wolle sie zwischen den schwimmenden Seerosenblättern Platz zum Trinken schaffen. Das geht dann schnell und sie fliegt raschelnd auf.

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Übung für das Irrenhaus

Ich denke über das Arbeitsangebot von F., dass mir Gelegenheit gibt, mal aus meinem Hamsterrad herauszukommen. Vielleicht ergeben sich auch thematisch andere Perspektiven, als die des Väterprojektes, mit dem ich mich seit Jahren beschäftige. Ich möchte vorher nicht so viel konzipieren, eher abwarten, was entstehen wird. Der einzige Rahmen wäre die erste gemeinsame Zeichnung, auf die wir uns immer wieder beziehen und die Rhythmik der Bewegungen aufeinander zu und voneinander weg.

Das Tanzmotiv, das in der heutigen Collage eine Hauptrolle bekommen hat und die Figur aus Tabo, zeichnete ich gestern auf das Relief, das ich aktuell bearbeite. Auf der Suche nach Figurationen, die sich in Spannung hinzugesellen können, entstand in den heutigen Buchmalereien ein Paar, das einer gefalteten Blüte zu entspringen scheint.

Nun lerne ich mit den täglichen Verwüstungen der Amseln in meinem Gärtchen umzugehen. Es ist eine Übung für das Irrenhaus, das ich täglich 4-mal zwischen Wohnung und Atelier durchquere. Ich bewarb mich mit meinem, in knapp 20 Jahren gewachsenen, Garten für eine Ausstellung im Architekturmuseum, bei der es um die versteckte Stadtbegrünung geht. In dem kurzen Bericht, den man online abgeben sollte, beschrieb ich, wie Laub zwischen die Blumentöpfe geweht wurde, und damit alles anfing.

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Gemeinsame Arbeit

F. mich besuchte gestern. Auf meinen Vorschlag vor einiger Zeit hin, eine gemeinsame Arbeit zu versuchen, regte er nun ein Projekt an. Über gemeinsam gestaltete Blätter, wie mir das vorschwebte, hinaus, würden wir mehr entwickeln. Im Zentrum könnte eine gemeinsame Zeichnung stehen, von der ausgehend, andere Dinge erzeugt werden. Aber immer wieder soll der Blick zurück auf den Anfang gehen, auf dessen Entwicklungsmaterial wir uns beziehen. Spontan schlug ich vor, dass ich, irgendwann im Verlauf der Arbeit, Objekte baue, die er bemalen kann.

Die Schmerzensfigur aus Tabo, die von drei Vögeln attackiert wird, übertrug ich gestern im Zentrum des neuen Reliefs. Dazu kommt nun eine Tanzzeichnung, und dann werde ich sehen, ob ich mich in der weiteren Arbeit auf die Buchmalereien beziehen kann. Sie verblassen gerade etwas um Nebel, suchen unentschlossen, ein weiter neuer Schritt zu gehen.

Am Vormittag bin ich mit den Wässern der Gärten, dem alten Ahorn, der Wiese und des Ateliergärtchens. Das lenkt mich etwas ab. Der Blick zum Himmel oder in den Wettervorhersagen, sieht unsere Region eher trocken bleiben. Mich.

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Formen in den Räumen

Am Morgen wässerte ich, gleich nach dem Frühstück, den alten Ahornbaum, der den Blick durch die Fenster auf der Alleeseite dominiert. Manche seiner Blätter bekommen, trotz meiner Pflege, schon braune Spitzen. Dieser fehlende Regen macht mich nervös. Nach dem Supermarkteinkauf langte ich im lärmumtosten Atelier an. Abriss, Zerkleinerung der Betonbrocken, Sortierung in Stein, Metall und Holz, Gleisbau auf dem Bahndamm und Grundrauschen von der Autobahn.

Ich grundierte gestern die Reliefs und versuche nun die Konzentration zu finden, um erneut in die Malerei einzusteigen. In den Buchmalereien suche ich nach neuem Material. Kulissen, Figuren, ein Fisch, Schwünge, Dreiecksgitter und Farbwolken. Es geht nur langsam voran. Ich sollte mal pausieren und zu den Objekten wechseln, zu Rolle 8 oder gar zur Holzbildhauerei im Zusammenhang mit geschweißten Gitterkonstruktionen … Oder einfach Pause machen, weg von der Priorität der Produktion.

Die Mauersegler sind abgereist. Der letzte Teil des Sommers beginnt. Die Flugkurven kreisen noch nach, sind noch wahrzunehmen, wenn ich mich anstrenge. Formen, die in den Räumen bleiben, obwohl sie schon fort sind. Ich biege die Weiden den Flugschwüngen nach, baue ein wenig Sommer in die Objekte des Herbstes ein.

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Reliefs | Theater | Landart

Wie geplant, sind die Reliefs, die ich am Ende der vergangenen Woche mit Pappmaché abgeformt habe, nun trocken. Das heißt, dass ich sie heute grundieren und mit der ersten Schellackschicht versehen kann. Dann bereite ich die herausgesuchten Zeichnungsmotive so vor, dass ich sie auf die zersplitterte Fläche übertragen kann.

Am Wochenende sichtete ich alte Zeichnungen. Manchmal rührt sich in mir die Stimmung, in der sie entstanden sind. Vieles kommt aus Theaterzusammenhängen, von Schauspielproben, in denen ich gezeichnet habe, aus den Ballettsälen, von eigenen Bühnenbildern und aus Stücktexten. Somit habe ich dem Theater viel zu verdanken. Dennoch entfernte ich mich zugunsten eigener, theaterferner Projekte von der Bühne. Aber ich schöpfe immer wieder aus den Arbeiten, die in dieser Zeit entstanden sind und aus dem was ich dort über Dramaturgie und Raum gelernt habe.

Mein Gärtchen ist eigentlich wie ein Bild, das ich gemacht habe. Ich betrachte es als Landart. Es wird ja täglich weiter gestaltet. Viel fremdes Material wird eingefügt und das Wachstum wird gelenkt. Vorgestern schnitt ich erneut die Robinie, damit die Ebereschen besser wachsen können. Im Herbst benötige ich wieder eine Fuhre Erde. Vielleicht taucht ja Vanessa, die Gärtnerin wieder auf, die mir wertvolle Ratschläge erteilt.

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Wendefigur

Das Architekturmuseum hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, in dem es um Ideen der Architektur- und Stadtbegrünung geht. Ich überlege nun, ob ich mit meinem Gärtchen daran teilnehme. Dabei geht es mir in erster Linie um einen Anlass, mich mit seiner Geschichte zu beschäftigen, die Stationen, die zufällig auf Bildern festgehalten sind, zusammen zu tragen und einen Text darüber zu verfassen. Mich interessiert, wie sich das Grün parallel zu meiner Arbeit entwickelt hat, bis es Teil von ihr geworden ist.

Wenn ich auf einem Stuhl gegenüber sitze, sehe ich das Konglomerat aus Totholz, Bruchsteinen, wild gewachsenen Gräsern und Blumen, Lochsteinen und Bäumen, als ein entstehendes Bild. Mit den Weidenbiegungen, Muschelketten und Materialschichtungen, griff ich dann in das natürliche Wachstum ein, fing an zu gestalten. Die Tiere, die sich eingefunden haben, die klimatisierende Wirkung und die Nachbarschaftsgespräche dort, gehören dazu.

Noch einmal erinnerte ich mich heute an die Wendefigur, mit der ich eine Animation zu der Oper „Die Ehen zwischen den Zonen 3, 4 und 5“ in Heidelberg gemacht habe. Doris Lessing saß auf der Wäschetruhe in meinem Malsaal und gab Interviews zu ihrem Libretto. Philipp Glass spielte ein Klavierkonzert. Ich saß neben ihm in der Proszeniumsloge und zeichnete eine lange Reihe von musikalischen Blättern. Vielleicht wäre diese Figur, die den Grenzübergang Bornholmer Straße, im November 1989, als eine der ersten übertrat, in Verbindung mit den musikalischen Blättern ein weiterer Arbeitsschritt im Väterprojekt.

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Neue Nachbarschaft

Mit der Schreckensfigur der gequälten Kreatur, aus den Wandmalereien in Tabo, arbeitete ich gestern auf Rolle 8. Ich platzierte sie in eine Frottage von der Form des nächsten Reliefs, das ich bemalen will. Hinzu fügte ich eine sehr sparsame Tanzzeichnung, die schon mehrfach Auftritte in verschiedenen Umgebungen hatte. Ihre Form hat eine Offenheit, die geradezu nach immer neuer Nachbarschaft ruft.

Die Buchmalereien sind heute etwas wild ausgefallen. Ich probierte, mit den Fasern einer gespaltenen Vogelfeder, die ich am hinteren Ende so zurechtgeschnitten habe, dass zwei Pinselspitzen entstehen, und mit Aquarellfarben, drehende Bewegungen zu malen. Das verwischte ich dann wieder und zeichnete Figuren hinzu, die wie Sternenbilder aussehen.

Mit den Krähen, die sich rund um den sprühenden Rasensprenger versammelten, versuchte ich ins Gespräch zu kommen. Sie sind sehr scheu und beobachten aus den Bäumen jede meiner Bewegungen. In meiner hochgereckten Hand zeigte ich ihnen das Futter, das ich dann neben die Vogeltränke im Schlagloch des Betons legte. Dort weichen sie manchmal Brot ein, das sie gefunden haben. Sie kommen dann und holen sich die Körner. Allerdings kommen auch die Tauben und kleine gelbe Vögel, die durch ihren schnellen Flug helle Striche in der Luft hinterlassen.

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Reliefs 5 | 6 | Bewässerung

Die zusammenliche Figur, von der ich schon schrieb, ging mir noch mal in der Nacht durch die Kopfgerollte. Auf Rolle 8 könnte ich mit einem Sequenzentwickeln, die auf die Weiterarbeit am Relief. Im 6. Relief dieses Exemplars würde ich mit ihr, den Vögeln, die weiteren ihre Augen auspicken und Tanzzeichnungen ähnlich verfahren, wie auf dem vorigen.

Relief Nummer 5 bemalte ich gestern fertig. Die gegenständlichen Anklänge auf den Splittern, die die die die Hauptfiguren umgeben, habe ich mit einem Schellacklasur zurückgenommen. Denn das ist alles zu vage, um es höher zu hängen. Die Bemalung pausiert nun erst mal.

Am Morgen war ich mit dem Bewässern der Pflanzen meiner Umgebung beschäftigt. Zuerst bekam der, etwa hundert Jahre alt, Ahorn vor meinem Balkon in der Frankenallee, ungefähr 70 Liter Wasser, die ich bei Trockenheit täglich über die Straße trage. Hier auf Teves stellt ich den Rasensprenger auf die Wiese, wo er immer mal gerückt muss, dann aber auch die Kräuterspirale mit anfeuchtet. Am Schluss kommt mein Gärtchen dran.

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Mehr Figuren

Im Kloster Tabo, in Ladakh, gibt es eine Wandmalerei über die Unterweisung einer Figur, mit dem Namen Sudhana, in die buddhistische Lehre. In dieser Bildererzählung gibt es Personifizierungen unterschiedlicher Schrecken. In einem Bild sieht man einen Mann, der zusammengerollt von einem Hund und von Vögeln angegriffen wird. Das erinnert an tibetische Bestattungspraktiken, in denen die zusammengeschnürten Leichen den wilden Tieren dargeboten werden, ähnlich wie die Parsen auf den Totentürmen verfuhren.

Mir geht eine Skulptur durch den Kopf, die aus einem Dreiecksgitternetz aus Rundstahl besteht, in dem Figuren gefangen sind, wie in einer fremden Struktur, die außerhalb ihrer Wahrnehmung besteht. Die Stangen durchbohren die Körper der Holzskulpturen und halten sie fest. Eine dieser, könnte die sein, die ich im oberen Abschnitt beschrieben habe. Sie tauchte auch abgewandelt in den heutigen Buchmalereien auf.

Mittlerweile etablieren sich solche Figurationen immer öfter auf den Tagebuchseiten. Ihre Gliedmaßen tauschen sich dabei immer etwas aus, wachsen neu zusammen, nach einem immer verschiedenen Bauplan. Um ein solches skulpturales Projekt zu verwirklichen, müsste ich die Arbeit am Väterprojekt ernsthaft unterbrechen.

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Figuren | Insekten | Objekte

Außer den Tanzfiguren, der Felsgravur und den Malereien aus Lhalung, gab es auf dem Relief noch keine Figuren. In den Buchmalereien wachsen sie aus den Dreiecksgittern. Das soll sich auf die Bemalung der Splitter übertragen. Erzwingen kann ich es nicht. Aber wenn das in meinem Kopf ist, erscheint es auch irgendwann von alleine.

Zu den vielen Insekten im Gärtchen haben sich nun auch einige Wespen gesellt. Wenn man sie auf der Hand lässt und nicht verscheucht, fangen sie sofort an einen zu zwicken. Mit ihren Beißwerkzeugen versuchen sie die Haut zu durchtrennen. Mich würde schon interessieren, ob sie das schaffen, kann aber dem Impuls, sie abzuschütteln, nicht entsagen.

Es ist schade, dass die Arbeit an den Objekten zum Erliegen gekommen ist. Das war eine schöne Ergänzung zu der strengen Konzentration auf die Reliefs. Ich bin aber ganz eingetaucht in diese Kontinuität. Weniges kann mich da heraus holen.

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Figuratives | Gesträuch | Wiese

In den Buchmalereien nimmt das Figurative zu. Köpfe und Gliedmaßen wachsen aus den konstruktiven Strukturen und Gravitationsschwüngen. Ziel ist es, diesen Schritt auf die Reliefs zu übertragen. Heute ist das 144. Tagebuch voll geworden. Morgen nehme ich ein neues aus dem Karton. Dann geht es weiter.

Die Federzeichnungen, die die Splitter des Reliefs noch einmal in unregelmäßige Flächen unterteilen, verändern sich. Sie bekommen einen wuchernden Charakter, als würde sich ein Gesträuch verdichten. Ähnliches passiert auf den Transparentpapierrollen. Dort sind es aber Überlagerungen mit den vorangegangenen Motiven, die beim Zusammenrollen durchscheinen und additiv durchgezeichnet werden.

Wenn die Schafgarbe abgeblüht ist, bildet sie am oberen Ende korbartige Gefäße, wie Nester. In ihnen fotografierte ich rote Blattwanzen, die an ihren Unterseiten schwarze Punkte und an den oberen Flügelabdeckungen rote Längsstreifen haben. Still und senkrecht saß eine Hummel unter einer Distelblüte, um sich vor dem Regen zu schützen. Die Wiese ist ein Trockenbiotop. Jede Feuchtigkeit sickert unter die Schotterschicht. Nur vom Moos wird sie etwas gehalten. Weil trotzdem eine große Menge von Blühpflanzen wächst, hat in diesem Jahr die Insektenaktivität stark zugenommen. Ich könnte eine Sammlung von Tierfotografien aus dem Gärtchen und von der Wiese zusammenstellen.

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Bön Frauen

Die Figur aus dem Kloster Lhalung, die mir gestern in den Blick kam, setzte ich gleich, zusammen mit den erwähnten Elementen, in die Malerei des Reliefs ein. Es gibt an den Innenwänden mehrere Frauenfiguren, die auf Hirschen reiten, Mäntel aus Pfauenfedern tragen, Männerleichen durch die Luft wirbeln, deren Köpfe abgetrennt in den Händen halten und mancherlei magische Handlungen vollziehen. Sie entstammen der vorbuddhistischen Bönreligion, die matriachale Elemente aufwies. Noch im vergangenen Jahr spürten wir diese andere Haltung der einheimischen Frauen dort im Himalaja, die gut ohne ihre Männer auskamen, von denen sie oft mehrere haben. In den Wandmalereien sind sie einer Wächterfigur zugeordnet, die die bösen Berggeister von den mannigfaltigen Vertretern der buddhistischen Lehre fernhalten soll.

Diese Frauen dachte ich am Morgen zusammen mit den Brandenburgischen Konzerten. Vielleicht verbindet beide das tänzerische Element.

Rund um die Figur mit den Gravitationsschwüngen, dem stählernen Fachwerkfragment vom Palast der Republik und der Felsgravur einer Oryxantilope, begann ich dann die Splitter des ersten Scherbengerichtes, die die Motivgruppe umgeben, mit Strukturen zu versehen, die von ihrer Oberflächengestalt herrühren und sie verstärken.

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Labyrinthe

Ich zeichnete die nächsten Tanzfiguren auf das Relief. Zusätzlich nahm ich eine Figur aus den Wandmalereien des Klosters Lhalung in den Blick. Auf Rolle 8 fasste ich sie mit Gravitationsschwüngen, einem Stahlkonstruktionsfragment von Palast der Republik und der Felsgravur einer Oryxantilope aus Twyfelfontein zusammen. Das geografische Dreieck, das diese Komposition mit ihren weit entfernten Eckpunkten einschließt, erscheint nicht als Zeichnung, sondern nur im Subtext.

Mit Schellacklasuren löste ich die Tuschestrukturen der Splitter an und dunkelte sie in dieser Weise vorsichtig und warm ein. Ich kann in dieser Arbeitsweise eine Nuancenvielfalt etablieren, die mit differenzierten Schattierungen die strengen, kontrastreichen, schwarzweißen Figuren umgibt.

Am Morgen versorgte ich meinen Ahornbaum auf der Frankenallee mit etwa 60 Litern Wasser. Ich trage sie ihm mit zwei großen Gießkannen, vom Garten hinter dem Haus durch das Treppenhaus, über die Straße hinweg an den Stamm, wo ich die Erde aufgelockert hatte. Seitdem ich das mache, schaue ich meinen Freund aus anderen Perspektiven genauer an, vertiefe mich in die Labyrinthe seines Geästs.

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Das Paradiesische

Manchmal habe ich Zeitfenster vor Augen, in denen ich es schaffen möchte, ein Relief zu bemalen, oder ein ganzes sechzehnteiliges Exemplar fertig zu stellen. Wenn ich spüre, dass bei der kleinteiligen Arbeit mit Feder und Tusche, die Konzentration nachlässt, gehe ich ins Gärtchen, um dort Nisthöhlen für Insekten zu bauen, zu gießen oder nur, um zu schauen. Aus diesem Schauen entstehen manchmal Textabschnitte im handschriftlichen Tagebuch, die sich etwas am Nature Writing orientieren.

Im Glücksfall, treffen diese Momente mit einem starken Empfinden der vielteiligen Situation statt. Dann schweben Apsaras in der Form von Wolken vor dem blauen Himmel vorbei, das Licht, das durch den Efeu vor dem Fenster fällt, erfüllt dann den Raum mit weichem Licht und die Arbeit auf den Tischen ordnet sich in dieses Geschehen ein, das zu einem intensiven Moment verschmilzt, in dem ich erkenne, dass dies das Paradies ist.

Aber dann entdecke ich die Maus, die von draußen herein gelaufen kam und sehe, dass das Amselpaar meine Mischung aus Laub, Gartenschnitt und Erde wieder einmal völlig auseinander genommen und verteilt hat. Dann bekommt der Nachbar laut tönenden Besuch, wodurch sich das Paradiesische sofort auflöst. Und die Weiden, die ich an Bahndamm pflanzte, haben meine fünftägige Abwesenheit nur knapp überlebt, sind fast ganz eingetrocknet…

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Keine Disziplin!

Die verinnerlichte Regelmäßigkeit des Arbeitslebens erlaubt mir kaum Übertretungen des selbst gesteckten Rahmens. Heute bin ich beispielsweise aus verschiedenen, nicht zwingenden Gründen, erst gegen 10 Uhr ins Atelier gekommen. Schon steigt etwas wie ein schlechtes Gewissen in mir auf. Am Abend habe ich mit Gerd Bier getrunken und heute Vormittag höre ich Rockmusik aus den Neunzigerjahren, „Voodoo Lounge“ von den Rolling Stones aus der Zeit, als ich sie auf dem Hockenheimring kennen gelernt habe. Weiß nicht, was mit mir los ist!

Die Tuschmalerei auf dem Relief geht nur langsam voran. Jeder einzelne Splitter bekommt seine Aufmerksamkeit, sie werden wie kleine Objekte behandelt oder wie Teile einer großen Landschaft. Hilfreich sind dabei die Unebenheiten, die vom Modellieren mit der Hand herrühren. In den Senken und auf den Graten dieser Gegenden folge ich Höhenlinien und ausgetrockneten Flusstälern. Die Scherben verwandeln sich in driftende Kontinentalplatten, auf denen Expeditionen stattfinden, um sie auszumessen, zu kartieren und zu gestalten.

Gerd will mich besuchen, um das Effektgerät der Gitarre anzuschauen. Wir wollen nach Möglichkeiten der Visualisierungen der Musik suchen, die mir weiter helfen können. Bei unserem Gespräch auf der Frankenallee kam ich darauf, diese „Malerei“ mit der Gitarre ohne das Effektgerät zu machen. So steht nicht so viel zwischen den entstehenden Strukturen und mir.

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Heraustreten aus der Nacht

Im Wintergarten einer Freundin habe ich von meinem Vorhaben erzählt, die Gitarre als Generator für Bilder zu benutzen. Die Idee, die Visuals aus den Soundeffekten dieses Instrumentes anderweitig zu nutzen, bleibt in meinem Kopf. Die entstehenden Strukturen stelle ich mir als dreidimensionale Dreiecksgitterlandschaften vor. Ob und wie das mit den Väterportraits zusammengehen kann, ist noch fraglich.

Vielleicht stößt die Arbeitsweise, alles mit allem zu verbinden, auch bald an ihre Grenzen. Jenseits davon beginnt das Land der Stilisierung, des Weglassens und den neuen Denkens. Manchmal begegnet mir das schon in den Buchmalereien. Sie sind das geeignete Medium, einen solchen Vorgang zu entwickeln.

Ich malte weiter am Relief. Die Splitter füllen sich mit Mustern, die spontan aus der Feder in der rechten Hand fließen. In der zunehmenden Dunkelheit ihrer Umgebung, versuche ich die Figurengruppen immer noch sichtbar zu halten. Ihre Wiederholungen möchte ich nun im Binnenbereich wieder heller gestalten, damit sie heraustreten können aus der Nacht. So kann man sie mit den versteckteren vergleichen und sie neu entziffern.

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Landschaften

In der Nachbarschaft fördert eine Kernbohrmaschine Sedimente aus 30 Metern Tiefe an die Oberfläche. Den Jahrtausende abgelagerten Sand, der nun ausgebaggert wird, für die Wohnblocks der neuen Nachbarschaft, füllen die Arbeiter in längliche Kästen, für die Geologen.

Schüler der Hindemithschule besichtigten gestern mein Gärtchen auf dem Beton: Wildnis in der Stadt. Sie sahen Insekten, Eidechsen und Vögel und fingen sich dann doch an, für meine Arbeit zu interessieren. Sie fragten mir Löcher in den Bauch. Wenig später kam noch eine Ehepaar aus Darmstadt, die meine Website gesehen hatten.

In der verbleibenden Zeit füllte ich die Splitter neben den Figuren auf dem Relief. Auf der Schellackschicht steht das Wasser, das ich mit dem Pinsel aufgetragen habe, lange, so dass ich mit der Feder ausblühende Tuschpunkte hineinsetzen kann. In die weiche Struktur werden, nach ihrer Trocknung, harte Linien hineingezeichnet, wodurch Verbindungen entstehen, die aus dem Abstrakten heraus Landschaftliches bilden.

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Relief 5 vom zweiten Portrait der Väter

Gestern begann ich mit der Fortsetzung der Tuschmalerei auf dem Relief Nummer 5 des zweiten Exemplars der Doppelportraits. Noch einmal übertrug ich eine Tanzszene, mit mehreren sitzenden und einer stehenden Figur im Kulissenraum. Auf Rolle 8 verknüpfte ich sie zuvor mit einem Zöglingsportrait aus dem Jugendwerkhof Gerode. Das erschien mir jetzt in der Überlagerung auf dem Relief zu viel. So arbeitete ich die Figuren nur in die plastischen Splitter ein.

Die weiteren Gestaltungsschichten hatte ich gestern gedanklich mit Visualisierungen von übereinander gelegten Loops aus Gitarrenriffs erweitert. Dabei kam mir der Gedanke, ohne die Musik zu hören, mit der Gitarre zu zeichnen. Es wäre die Fortentwicklung der Overheadmalereien, wie wir sie vor vierzig Jahren begonnen hatten.

Natürlich steht die Frage danach im Raum, ob dies sinnvoll zu einer Verdichtung des Materials führen kann. Es bedeutet einen ziemlichen Aufwand für mich, das ins Werk zu setzen. Schon der Gedanke daran ermüdet mich etwas. Aber die Arbeitsschritte, von denen ich überhaupt nicht wissen konnte, wohin sie führten, zogen immer Erfahrungen nach sich, die dann, zumindest anderweitig, nutzbar waren.

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Trio-Strukturen

Im Haus Karolina, auf dem Leiningerhof, in der Pfalz, änderten sich die Buchmalereien zu ruhigeren, reduzierten Kompositionen. Die weiten Blicke während unserer Wanderungen, hatten sicherlich einen Einfluss darauf, genau wie die Ruhe die uns umgab.

Hier im Atelier gibt es jetzt die schöne Herausforderung, nun mit den Reliefmalereien weiter zu machen. Gleichzeitig aber steht die Gitarre mit dem Effektgerät bereit, um das Triogeschehen, das sich in den Buchmalereien, den Collagen und nun auch teilweise auf Rolle 8 manifestiert, mit dreiteiligen Loops zu inspirieren. Ich sollte das alles in Ruhe genießen.

Die musikalischen Strukturen würde ich dabei gerne mit grafischen Darstellungen eines entsprechenden Programms bildlich aufnehmen um sie in die Arbeit auf Rolle 8 einfügen zu können. Dafür bin ich allerdings technisch noch nicht fit genug und müsste mir manche Arbeitsweisen, zwischen Instrument und Rechner, selber beibringen.

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Geschichtetes Ateliergeschehen

Ein warmer Morgen, der quirlig begann. Ein Supermarkteinkauf, nun im Atelierkühlschrank. Im Vorübergehen ein Blick auf die Arbeit der letzten Tage. Die verdichtet sich in den Collagen. Trotz der schmalen Werktagebucheintragung gestern, ist dokumentiert, wie sich die Vorarbeit auf Rolle 8, auf die Reliefbemalung ausgewirkt hat. Der Scan des Reliefausschnittes mit den Buchmalereien und die vorhergehenden Collagierungen, schichten alltägliches Ateliergeschehen.

Erstmalig nach langer Zeit, benutzte ich in den Buchmalereien wieder richtige Aquarellfarben. Diese Lasuren haben einen anderen Charakter, als die verwischten Aquarellstiftlinien, die in letzter Zeit dominierend waren. Mich erinnert es an längst vergangene, lange Arbeitsphasen.

Betonzangen zermalmen auf den Nachbargrundstücken das Baumaterial der Achtzigerjahre. Das künstliche Gestein und Baustahl werden getrennt. Große Abraumkegel und bizarr gekräuselte Gestänge bleiben übrig. In meinem Paradies versammelt sich, wie an jedem Tag die Vogelwelt. Die winzigen jungen Eidechsen sind stetig auf der Flucht vor jeder Bewegung.

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Pause

Das ist keiner der gewöhnlichen regelmäßigen Arbeitstage heute. Am Vormittag fand ein Treffen des You&Eye Teams im Anna-Freud-Institut statt. So etwas zerschießt normalerweise meine Kontinuität für diesen Tag.

Für heute hatte ich mir aber nichts Besonderes mehr vorgenommen, denn gestern begann ich das Relief Nummer 5 zu bemalen. Soweit wollte ich vor meiner Pause kommen.

Ich spüre, dass ich mich etwas ausruhen, etwas Abstand herstellen muss. Das fällt nicht ganz leicht, ist aber vernünftig.

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Eingedampfte Gegenwart

In empfindsam eingedampfter Gegenwart, bekommt jede Kleinigkeit ihre Bedeutung. Brocken getrockneter Farbreste liegen auf der Acrylplatte des Zeichentischs. Darunter befinden sich die zusammengesetzten Splitter der vier Scherbengerichte, mit denen ich das Doppelportrait der Väter zusammengesetzt hatte. Der Klang von tropfendem Wasser, mit dem ich das Gärtchen feucht halte, dringt an mein Ohr und eine der Wasserflächen vibriert konzentrisch. Das Insekt, das ich mit meiner Hand aus der Mitte heraushebe, will sich nicht von meiner Haut abschütteln lassen, mit der ich gerade Wasserfarbenmuster von einer zur anderen Buchmalerei übertragen habe. Das vom Wasser malträtierte Papier wirft Grate auf, die sich der nächsten Schraffur in den Weg stellen.

Wenn ich in dieser sinnlichen Situation beginne, die Werktagscollagen einzurichten und dabei die jüngsten Zeichnungen von Rolle 8 mit einbeziehe, kann es sein, dass ich, wenn ich mit dem ganzen Werktagebuch fertig bin, erst einmal eine Pause bei meinen Eidechsen im Gärtchen brauche.

Gründlich grundierte ich gestern das 5. Relief mit mehreren Schichten Weiß und Schellack. Das erweitert die Möglichkeiten für die Zeichnungen, denn mit der Tusche, die längere Zeit flüssig auf der Oberfläche steht, lassen sich Verläufe, Ausblühungen und Wolken kontrastreich zu den Splitterkanten der Reliefoberfläche inszenieren.

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Zeilen

Die drei Motive, die auf Rolle 8 vor den Tanzfiguren entstanden sind, fügte ich nun überlagernd und fragmentarisch in die Figurenumrisse ein. Bei den Wiederholungen der Schwünge, Rasterpunkte und Gitterstrukturen, gibt es unterschiedliche Konstellationen der Schichtungen. Abgesehen davon, dass ich von der Triostruktur kurzzeitig abgewichen bin, läuft alles, was ich mit vornahm, wie in einem Uhrwerk ab. Nun kann ich das Relief Nummer 5 grundieren und mit seiner Bemalung beginnen.

Weil Buchmalereien und Überlagerungssequenzen immer lang gestreckter werden, manchmal eine Zeilenform und etwas Schriftartiges annehmen, kam es bei einer der gestrigen Collagen dazu, dass ich die Motive in zwei Zeilen übereinander anordnete. Das hat Dynamik hinzugefügt und führt zu besserer Lesbarkeit.

Gestern schnitt ich Weidenruten, entblätterte und wässerte sie, um mit den Objekten aus Reliefscherben und gebogenen Ruten weiter zu machen. Auch das geschieht mit dem Ziel, materialgerechter zu arbeiten.

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Indienststellung

Die Figur einer Wandmalerei, die ich im Kloster Lhalung gesehen und nun auf Rolle 8 übertragen habe, gehört zu einer Gruppe weiblicher Bön-Gottheiten, die einer plastischen Abwehrfigur beigestellt sind. Die Übergänge der Religionen werden innerhalb dieser Bauten besonders sichtbar. Die Indienststellung vermeintlich fremden Personals aus Hinduismus und Bönglauben in die Vorgänge der buddhistischen Erzählungen, sind mir natürlich nahe.

In meiner derzeitigen Überlagerungssequenz auf Rolle 8, finden sich eine Felsgravur einer Oryxantilope der Nama Buschleute in Namibia, die besagte Böngöttin aus Lhalung, das Zöglingsportrait aus dem Jugendwerkhof Gerode, eine Tanzszene aus einem Ballettsaal in Frankfurt, mehrere Gravitationsschwünge und die Umrisse meiner dritten Buchmalerei vom 14.06. 2020. Diese Reihung und die nun folgenden Überlagerungssequenzen, bilden die Voraussetzung für die Weiterarbeit an der Bemalung der nächsten Relieftafeln.

Mit Franz Konter sprach ich über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. Zunächst könnte ich mir vorstellen, mit ihm gemeinsam, hier in meinem Atelier, etwas zu malen. Nach einem solchen Test, kann man weitersehen.

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Überraschungen

Gestern war ein Trio-Tag. Eine Tanzzeichnung von 2003 und einen Buchmalereiumriss vom 15.06. dieses Jahres, wiederholte ich dreifach auf Rolle 8. Durchzeichnungen, mit denen ich die Umrisse der Tanzzeichnungen füllte, entstanden beim rückwärts Zusammenrollen des Transparentpapierstreifens. Das wurde in den 3 Werktagscollagen von heute sichtbar.

Auch die 3 Buchmalereien von heute fügte ich dort ein. Der nächste Schritt auf Rolle 8 wird sein, dass ich die Struktur aus der Collagensequenz, die den Tanzzeichnungen vorausging, auch in die Tanzzeichnungen einfüge. So sollen sich in der mittleren der 3 Wiederholungen, dann beide Strukturen sehr dicht überlagern.

Auf dem Zeichentisch liegen die Zöglingsportraits, aus dem Jugendwerkhof Gerode, der Sechzigerjahre, neben den Abbildungen von Malereien und Skulpturen aus tibetischen Klöstern, die wir im vergangenen Jahr besucht hatten. Wenn ich die Dreiecksgitter der Buchmalereien über die jeweiligen Abbildungen lege, ergeben sich neue Spannungen. Ich denke über die Sinnhaftigkeit dieser Überlagerungen nicht nach, sondern lasse mich überraschen.

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Trio | Sound | Collagen

Flink beendete ich die Buchmalereien am Morgen. Kein Gedanke währenddessen an ihre Weiterverarbeitung innerhalb der werktäglichen Triocollagen oder auf Rolle 8. Auf sie übertrug ich ein Tanzmotiv mit einer stehenden und 4 sitzenden Figuren. Außerdem beginne ich nun wieder, die Umrisse von Buchmalereien, für die Sequenzen auf der Transparentpapierrolle zu nutzen. Das heißt, dass ich in eine Triosequenz eines Tanzmotives und die Überlagerungen der Weiterverarbeitung der Buchmalerei ineinander übergehen lasse. Bis zum Ende der kommenden Woche möchte ich diesen Prozess in die Reliefbemalungen übergehen lassen.

Von Relief Nummer 5 habe ich ein weiteres Exemplar abgegossen. Dazu noch ein paar Scherben vom 11. Relief, die ich zu zwei Objekten zusammenfügte. Eines versah ich mit einer Weidenrute, die ich auf seiner Rückseite zu einer Spirale gebogen befestigte. Im Zusammenhang mit diesen Arbeitsreihen denke ich auch an Trio-Sound-Collagen, an Loops aus drei Geräuschen, die sich in verschiedenen Rhythmen überlagern.

Wiebke Hüster beklagte, in der FAZ, den Zustand der Frankfurt-Dresdener Tanzcompany. Die Eigenheit von Bill Forsythe hatte die Kraft, eine Loslösung von der Oper in noch mehr eigenständige Erneuerung des Tanzes zu verwandeln. Godani, der derzeitige Choreograph, führte die Sparte steil hinab in die Banalität, bis wir uns diesen Anblick nicht mehr antun wollten. Für mich versuche ich die Zeit, als Frankfurt das tänzerische Epizentrum war, zeichnerisch zu bewahren und für meine Arbeit zu nutzen. Der Verlust aber, ist kaum wettzumachen.

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Zöglingsportraits aus dem Jugendwerkhof Gerode

Das heutige Datum ist in mein Hirn geprägt. Die eckigen Collagenstrukturen der letzten Sequenz auf Rolle 8, füllte ich in den Umriss der Figur der vorangegangenen Trio-Tanz-Überlagerung. Das Ergebnis lässt sich auf die Ereignisse des 17 Juni 1953 beziehen. Dazu fallen mir die Zöglingsportraits aus dem Jugendwerkhof Gerode, in dem ich gewohnt habe, ein. Ernste Kindergesichter, die durch das stalinistische Brauchbarkeitsraster gefallen waren. Die Eltern tot oder im Gefängnis, im Westen oder in Haushalten, denen es der Staat nicht zutraute, eine Erziehung im Sinne des Sozialismus zu gewährleisten. Manche von ihnen würde man heute in Förderschulen schicken. Drei dieser Portraits hängen in meinem Zimmer in der Frankenallee und einige habe ich heute aus einem Grafikschrank hervorgekramt.

Sie entstanden während der Vorbereitungsphase des Väterprojektes 2015. Es wäre also folgerichtig, sie noch einmal, in die fortlaufenden Zeichnungen auf Rolle 8, einzubringen. Zöglingsportraits mit Buchmalereien und die 4 ausgewählten Tanzzeichnungen, sind das Ausgangsmaterial für weitere Überlagerungssequenzen.

Aus Filzpappe und Wasser habe ich das Pappmache angerührt, aus dem ich die nächsten Reliefs gießen will. Innerhalb einiger neuer kleinerer Reliefobjekte, von der Größe einzelner Scherben, möchte ich die Bemalungsmöglichkeiten weiter entwickeln. Ein zähes Vorankommen.

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Triosequenz einer Collage

Vom Bildschirm des Rechners habe ich die Umrisse der ersten Collage dieses Jahres auf Rolle 8 durchgezeichnet. Aus einer Triosequenz, also einer dreimaligen Wiederholung dessen, ist beim Zusammenrollen und Durchzeichnen der durchscheinenden Linien, eine Verdichtung entstanden, die ich nun auch noch in die Umrisse des vorhergehenden Motivs übertragen möchte. Dabei handelt es sich um eine dreiteilige Tanzzeichnungssequenz von 2003.

Wie sich dieser Arbeitsschritt auf die Bemalung der Reliefs auswirkt, kann ich noch nicht sagen. Aber eines hat sich eingelöst: nach der Kleinteiligkeit der Ornamente und gegenständlichen Motive bei der Bemalung der Reliefteile, bin ich nun wieder etwas großzügiger und lockerer geworden.

Außerdem meinte ich zu erkennen, dass sich die klareren Strukturen der Buchmalereien für dieses Vorgehen besser eignen als die der Collagen, die in sich schon so vielfältig sind. Parallel zum Abgießen weiterer Reliefs, werde ich mit diesem Experiment fortfahren.

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Jazz | Mikrokosmos | Malerei

Nach der Unterbrechung der Arbeit an der Bemalung der Reliefs, habe ich etwas Inspiration nötig. Dafür sind die Konzerte von Miles Davis und John Coltrane aus dem Jahr 1960 gut. Im damaligen Frühjahr fanden die, die ich auf einer CD-Sammlung habe, in Paris, Kopenhagen und Stockholm statt. Inspirierend ist auch das Interview Bob Dylans, das am 12 Juni in der „New York Times“ erschienen ist. Ich bekam es per Mail von Birgit.

Am Morgen dachte ich daran, die Buchmalereien wieder mehr in die Arbeit auf Rolle 8 einzubeziehen. Dabei geht es um die Umrisse der entstandenen abstrakten Figuren, der Dreiecksgitternetze, der Gravitationsschwünge und Farbwolken. Das Ornamentale der Reliefmalereien überzeugt mich noch nicht. Es müsste mehr von den Bildern aus den Tagebüchern haben.

In ihnen findet nun manchmal, wenn ich im schattigen Gärtchen schreibe, eine Beschäftigung mit diesem Mikrokosmos statt. Die schillernden Käfer, die ich aus den Wasserbottichen rette, um sie nahe vor meine Augen zu halten, die Hackordnung in den Vogelschwärmen und den Eidechsenpopulationen, die mich inmitten des explodierenden Wachstums erfreuen, all das ist mir wichtig genug, um es festzuhalten. Auch daraus wächst Inspiration für die Weiterarbeit.

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Bildtrios | Stille | Rolle 8

Zum Ende der Buchmalereien hin, bin ich öfter etwas unruhig. Die Arbeit bringt mich in einen beschleunigten Rhythmus, den ich unterbreche, indem ich ins Gärtchen gehe. Dort verlangsame ich bei Sichtung von Eidechsen meine Bewegungen, gieße Blumentöpfe und schneide Äste, die im Weg und zerkleinere sie für den Boden unter meinem „Geheck“. Dann kehre ich zurück an den Zeichentisch und stelle das Bildtrio schnell fertig.

Gräser, die auf meinem Pflanzenschnittstapel wachsen, haben nun schwere Samenstände. Diese Ären hängen senkrecht herab, harren der erneuten Aussaat. Leichter Wind kräuselt die Reflektionen der Wasserbottiche auf die Unterseiten der Weidenblätter. Durch meine Einbiegungen der Äste im zeitigen Frühjahr, wuchs das Laub blickdicht und hält nun den Ostwind ab. Außer mir, ist niemand auf dem Gelände. In der dankenswerten Stille, ist das Flattern der Sperlinge, die gemerkt haben, dass ich Vogelfutter in den im Baum hängenden Pflanzenuntersetzer nachgefüllt habe, zu hören.

Trotz der gestrigen Arbeitsunterbrechung, werde ich heute mit der Bemalung des 10. Reliefs fertig. Die Unsicherheiten bei der Weiterarbeit, kann ich ganz gut auf Rolle 8 klären. Eine Fliege läuft über meine Schrift und die Malereien. Als erste bekommt sie die Arbeit zu Gesicht.

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Planmäßige Annäherung

Auf und zwischen den Schichten aus Tusche, Wasser und Schellack zeichnete ich gestern mit einer spitzen Feder. Es entstanden ausblühende Strukturen, die manchmal Anlass gegenständlicher Situationen werden. Dann fügen sich Gesichter zu Figuren, Konstruktionsprinzipien aus Dreiecken zu fließenden Ornamenten und harte, schwarze Linien zu weichen wolkenartigen Gebilden. Es entsteht daraus noch wenig Raum, weil ich darauf noch kein Augenmerk gelegt habe.

So nähere ich mich planmäßig der Gestaltungsweise vom Relief Nummer 11 an. Die Kleinteiligkeit ist konzentrationsaufwendig. Zwischendrin zeichne ich auf Rolle 8 oder lese die grauen Texte der DDR-Bürger-Interviews.

Es treten hier auf Teves periodische Berdrohungsszenarien auf. Ein Fortstauto der Deutschen Bahn inspizierte den Bahndamm und den 30 Meter breiten Streifen davor. Sie schneiden trockenes Holz heraus und lassen die Wildnis, die uns hier eine gewisse Artenvielfalt erhält, aber unberührt. Auf der blühenden Wiese zählte ich vorhin die Bienen. Ein Zwergkaninchen ist dort unterwegs und Schmetterlinge, Grashüpfer und viele verschiedene Insekten. In diesem Frühsommer habe ich noch keine jungen, frisch geschlüpften, Eidechsen gesehen. Die müsste aber bald soweit sein. Die Polizei hat die Obdachlosen vertrieben. Das wäre nicht notwendig gewesen.

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3 | 3 | 3

Unter dem Balkon meines Zimmers in der Frankenallee demonstrierten viele tausend Menschen gegen rassistische Gewalt. Ich beobachtete die Körperhaltungen der Demonstranten. Viele von ihnen strahlten eine lauernde Bereitschaft aus. Die unterschwellige Wut auf alles, was mit dem Staat zutun hat, bedient sich nun des Ereignisses der Ermordung eines Schwarzen Menschen in den USA. Die Redner forderten die Masse auf, Sätze nachzusprechen, die sie bereitwillig schreiend skandierten. Eine maoistische Atmosphäre, etwas bedrohlich. Die vielen anderen Möglichkeiten, mit Rassismus umzugehen, reichen ja eigentlich in die eigene Haltung, die erinnerte rassistische Handlungsweisen, wenn auch verdeckt, hervorbringt.

Während der Arbeit am Wanderungsspurenprojekt, war ich ständig mit rassistischer europäischer Kolonialgeschichte konfrontiert. Dieser erinnerungskulturelle Faktor hat weitreichende Folgen für den gegenwärtigen Umgang mit dem Problem der Aneignung „fremder“ Kulturtechniken, Geschichtsstoffe oder Kunstpraktiken. Da wird oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Der Triogedanke, wie er beim musizieren praktiziert wird, übertrage ich auf meine bildnerische Arbeit. 3 Buchmalereien, Überlagerungssequenzen aus 3 Wiederholungen auf den Transparentpapierrollen und die 3 Werktagscollagen fügen sich ineinander. Auch innerhalb der Buchmalereien spielt die Zahl 3 eine Rolle. Derzeit beginne ich mit 3 Zusammenballungen von Gravitationsschwüngen. Aus den Kreuzungspunkten entstehen 3 Dreiecksgitternetze, die dann in 3 Buchmalereien weiter verarbeitet werden.

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Trio – Überlagerung

Gestern begann ich mit einer Tanzzeichnung das, auf Rolle 8, Was ich mir vorgenommen hatte. Diese Trio-Überlagerungssequenz, d.h. drei Wiederholungen des Tanzmotives werden so übereinander gezeichnet, dass sie sich mit ihren Mustern einander ihre Umrisse in unterschiedlichen Rhythmen füllen. Diese ergeben sich aus den Abständen, die daraus resultieren, ob ich die Rolle mit den kleinen Radius zurück, also in die Richtung ihres Anfangs rolle ausfüllen oder umgekehrt, nach vorne mit dem größeren Radius. In den so variierenden Überlagerungen konzentrieren sich die Strukturen der Momente, in denen ich gezeichnet habe – eine Verstärkung der Erinnerung. Diese Bereicherung der Formensprache, soll Eingang in die Zeichnungen finden, die ich mit Tusche, Feder und Pinsel zwischen mehrere Schellackschichten der Reliefs lege.

Der Duktus von Relief 10, an dem ich gerade zeichne und der von Relief 11, das ihm in der oberen Zeile des Gesamtportraits folgt, muss sich nun zugunsten der Figurengruppen ändern, die auf Nummer 11 eine große Rolle spielen. Das Gesamtexemplar soll sich diesen Übergängen vom Ornament zu den Figuren widmen.

Dann bleibt noch das Vorhaben, plastisch zu arbeiten. Hierfür werde ich einzelne Scherben mit Pappmache abformen, sie mit gebogenen Weidenruten verbinden und sie in der Weise weiter bearbeiten, wie ich das jetzt mit dem Relief mache. All das geschieht in den nächsten Tagen.

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Das Übliche | Das Lustprinzip

Gestern Vormittag arbeitete ich das Übliche: handschriftliches Tagebuch, 3 Buchmalereien, Arbeitstagebuchtextdatei, Scans und 3 Collagen für den Text „Aktuelle Arbeit“ auf meiner Website und schließlich die Aktualisierung der Website. Dann zeichnete ich noch Tuschornamente auf den Rasterpunkt des 10. Reliefs, der in den Collagen von heute seine Rolle spielt.

Am Nachmittag allerdings, fuhr ich zu einem Treffen mit meiner Tochter und ihrem Sohn. Wie spazierten über einen bewaldeten Berg, der Hollmut heißt. Der Forst wird nicht mehr gepflegt, soll Urwald werden. Die Fichten sterben, auf Grund der Trockenheit, und es setzen sich andere Gehölze durch, zumeist Laubbäume. Meine Tochter hat ein paar schöne Bilder fotografiert, auf denen der Enkel und ich Steine in eine große Wiese werfen. Das konnte man sehr oft wiederholen: Steine aufheben, 5 Meter weiter nach rechts tragen und dann im rechten Winkel auf die Wiese werfen.

Schon vor ein paar Tagen dachte ich über Abwechslungen bei der Arbeit nach. Jetzt favorisiere ich die Weiterarbeit mit den aussortierten Tanzzeichnungen auf Rolle 8. Das schafft wieder etwas mehr Lockerheit und Input. Außerdem habe ich Lust dazu, und diesem Prinzip sollte sich meine Arbeit immer mehr nähern.

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Oder Nichtstun?

Die Zeit zum Arbeiten zersiedelt sich gerade etwas. Gestern zeichnete ich zwar weiter an den Tuschestrukturen des Reliefs, machte auch am Vormittag meine Tagebucharbeit, aber eine längere Konzentration kam nicht zustande. Nachmittags Besuch und Gespräche über das System Goethe-Institut. Heute Nachmittag reise ich zu einem erfreulichen Treffen nach Heidelberg. Ich sollte und kann das genießen.

Die gestrigen Telefon – Textdialoge über den chinesischen Großkünstler gingen noch weiter hin und her. Mir kommt es so dünn vor, was über ihn berichtet wird.

In den Collagen stapeln sich die Schichten in einer spielerischen Weise, was dem ganzen Vorgehen etwas mehr Leichtigkeit verleiht. Dennoch will ich gleichzeitig so etwas wie Tiefe nicht beiseite lassen, kann mir aber ihrer nicht sicher sein. Manchmal denke ich über einen Technikwechsel nach, um etwas Abstand zu gewinnen. Plastisches Arbeiten wäre die gegebene Abwechslung. Oder Nichtstun?

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Zwischen den Schichten

Während der Pfingsttage arbeitete ich wenig, vorsichtig und langsam an der Tuschmalerei auf dem Relief weiter. Manchmal wird mir die Ornamentik etwas zu gefällig. Dann setze ich auf schwarze Schichten, die sich schwer und unbarmherzig darüber legen.

Auf meinem Smartphone landete eine Nachricht, mit einem Link auf einen Artikel im Tagesspiegel. Darin geht es um die Aussage von Ai Weiwei, dass die Deutschen nichts aus ihrer Vergangenheit gelernt hätten. In der nächsten Nachricht, die sich darauf bezog, hieß es: „Wenn wir nicht von der gelben Gefahr zerrieben werden, dann von der braunen“. Dieser Satz ist meiner Meinung nach deswegen so interessant, weil er aus Gedankenlosigkeit eine Haltung auf den Punkt bringt, deren Kulturleistung sich gleichzeitig aus erinnertem Rassismus und Antifaschismus speist. Der rassistische Topos der gelben Gefahr, in den letzten hundert Jahren immer wieder auf Chinesen angewandt, trifft sich dabei mit der undifferenzierten Schuldzuweisung an die Deutschen, die aus ihrer Vergangenheit nichts gelernt hätten, von einem Chinesen.

Die Wahrheit befindet sich, bei genauerem Hinsehen, in den heutigen Collagen! Die abstrakten Buchmalereien überlagern die, zum Teil gegenständlichen, Tuschmalereien auf den Relief Nummer 10. Zwischen den Schichten kann man suchen.

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Auf die Sprünge helfen

Die Tuschmalerei auf dem Relief Nummer 10 verhält sich diszipliniert, zurückhalten und wenig gestisch oder zufällig. Ich könnte das ändern, wenn ich die bewegte Relieffläche mit weiteren Schichten Schellack versehe, die die Tusche länger flüssig halten und das Verlaufen unterstützen. Daraus ergibt sich dann das andere, fremdgesteuertere Tempo, das der Spontaneität auf die Sprünge helfen kann. Die Verbindungen der Buchmalereien und der Reliefmalereifragmente, in den drei „Werktagscollagen“, die ich unter der Woche an jedem Morgen mache, inspirieren mich eher zu den neuen Objekten aus Weidenruten und Reliefteilen. Für die derzeitige Malerei spielen sie eine geringere Rolle

Alleida Assmanns Buch zur Erinnerungskultur habe ich nun fertig gelesen. Ich glaube, dass meine künstlerische Erinnerungsarbeit von diesen komplexen Gedankenausflügen beeinflusst wird. Die Prämissen der neuen Erinnerungskultur, den Schluss des Textes, will ich nun noch einmal lesen und es dann weglegen.

Wenn ich in meinem Gärtchen herumkrame, stoßen die Amseln mitunter ihre Warnpfiffe aus. Wegen der vielen scheuen Tierchen gehe ich schon die ganze Zeit mit angelegten Ellbogen und langsamen Bewegungen zwischen den Pflanzen herum. Außerdem halte ich die Erde feucht, um das Kleinstgetier zu päppeln, das die Amseln zur Aufzucht brauchen. Mittlerweile füttern sie die Küken auch mit Kirschen, deren Kerne sie mir vors Atelier werfen.

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Zeichnen ist wie Schreiben

Das Zeichnen, auf dem Relief Nummer 10, ist wie Schreiben. Ich fange links oben an und fülle die Fläche nach rechts und nach unten mit Zeichen an. Am Morgen dachte ich, zwischendrin mal wieder freier auf Rolle 8 zu arbeiten. Figurensequenzen ohne die Kanten der Scherben und Splitter, mit den 4 Zeichnungen, die ich für die Weiterarbeit ausgesucht hatte, würden wieder neues Material entstehen lassen, das für die Tuschmalerei hilfreich sein könnte.

Immer noch bin ich mir über das Mittel der zufälligen Anordnung von frei gezeichneten Figuren und Szenen in Zusammenspiel mit abstrakten Strukturen, nicht ganz sicher. Diese Unsicherheit ist der derzeitige Suchmotor. Er führt dann wahrscheinlich wieder zu den Zwischenergebnissen, die am Ende das Eigentliche bleiben.

Das Buch über das Berliner Scheunenviertel las ich gestern fertig. Es endete mit der Beschreibung des neuen Suhrkampdomizils. Sicher war der Verlag Auftraggeber für den Text mit seinen vielen Abbildungen und kenntnisreichen Wendungen. Etwas Fernweh entsteht. Ein paar kleinere Reisen nach Heidelberg, zu meinen Eltern und in die Pfalz stehen an. Raus aus dem Pendelverkehr zwischen Frankenallee und Atelier.

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Rhythmus und Übergang

Aus den Tanzzeichnungen von 2003 habe ich nun die nächsten 4 ausgewählt, mit denen ich weiterarbeiten möchte. Außerdem übertrug ich zwei Figuren, die schon auf den Reliefs 6 und 7 eine Rolle spielte, in vierfacher Wiederholung auf Nummer 10. Nun ist der Rhythmus gesetzt, in dem ich mich in diesem obersten der vier Streifen, auf die rechte Seite zu bewege. Die Aufgabe, einen Übergang von der strengeren Form der zwei Formate auf der linken Seite, zu der wilden Komposition mit vielen Figuren ganz Rechts zu schaffen, habe dabei ich vor Augen.

Die Arbeit geht derzeit nur langsam voran. Wegen des abgebremsten Pandemielebens, stottert mein, ansonsten gut laufender, Arbeitsmotor etwas. Vor ein paar Tagen begann ich das 143. Tagebuch mit neuen Buchmalereien.

So lese ich manchmal in einem Architekturbüchlein über das Berliner Scheunenviertel, in dem mein Vater mit seiner Mutter und seinen Geschwistern lebte. Der Autor ist ein konservativ-zurückhaltender Architekturkritiker. Interessant war die Platzierung des kleinen Seitenerzählstrangs, in diesem Zusammenhang, vom Mord an einem Polizisten, an dem Erich Mielke beteiligt war. Für diese Tat, in der Nähe der Volksbühne, wurde er dann in den Neunzigerjahren auch rechtskräftig verurteilt.

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Neuer Auftritt der Tanzzeichnungen

Einer der Zeichentische, an denen ich entweder an den Transparentpapierrollen oder an den Buchmalereien arbeite, ist nun ganz bedeckt mit Tanzzeichnungen. Am 15.02. 2003 hatte ich mehrere Stapel von Kopien dieser Zeichnungen auf den Boden der TAT gelegt. Die Gäste der Premiere den Tanzstücks von Georg Reischl mussten über diese Bodenskulptur steigen, um auf die Zuschauertribünen zu kommen. Jetzt bekommen sie einen neuen Auftritt innerhalb des zweiten Doppelportraits der Väter. Bei der erneuten Sichtung der Blätter, ergeben sich natürlich viele Möglichkeiten der Weiterverarbeitung auf Rolle 8, mit dem Ziel, das Ergebnis in die Reliefstruktur einzufügen.

Gestern Abend besuchte mich Franz hier im Atelier. Wir verknüpften ein paar Reiseerlebnisse über anatolische Teppiche und die dazugehörenden Landschaften und fanden so zu meiner aktuellen Arbeit. Das seltene Feedback ist mir umso wichtiger, als es mich bei meiner Suche bestätigte.

In einem morgendlichen Chat meinte Vinzenz, dass er mal meine Transparentpapierrollen am Stück ausgestellt sehen würde. Dafür benötigten wir 400 laufende Wandmeter Ausstellungsfläche. Das würde auch mir gefallen. Beim Sichten einer älteren Rolle gestern, stieß ich auf Buchmalereiumrisse, die sich mit anderen Motiven verbunden hatten. Über diese Arbeitsweise, hatte ich zu der Verbindung der Tanzfiguren mit anderen Strukturen gefunden.

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Neuland

Die Erinnerungsräume, in denen wir uns befinden, sind wie Kinesphären. Ich stelle mir vor, wie sie sich überschneiden und die Schnittmengen neue Räume umschreiben, Skulpturen der gemeinsamen Erinnerung. Zunächst ist das tänzerisch darstellbar. Der Raum der Bewegung von zwei Figuren wird als skulpturaler Wert festgehalten. Dort wo sich ihre Bewegungsräume begegnen, entsteht das gemeinsam durchtanzte Volumen. Es ist virtuell und mit formgebenden Medien darstellbar.

Ein ähnliches Phänomen tritt derzeit bei den Collagen auf. In ihnen bilden sich, aus den Überlagerungen, Formen, die Durchblicke ermöglichen. Diese erlauben die unterschiedlichen Darstellungen aus den vorangegangenen Arbeiten, gleichzeitig in den Blick zu nehmen. Außerdem formen sie sich gegenseitig um. Vergleiche ich diese Erfahrungen, mit denen aus dem Zusammenspiel von Jazzmusikern, etwa Miles Davis und John Coltrane, so erweist sich diese künstlerische Methode vielgestaltig. Coltranes wildes Saxophon wird von der gelasseneren Trompete von Miles Davis aufgenommen, kommentiert und beruhigt und umgekehrt. Ihr Zusammenspiel ergibt das Konglomerat verschiedener Musik- und Lebenserfahrungen, wird zu einer gemeinsamen Form verbacken.

Vor fünfzehn Jahren habe ich mit der Verschneidung von verschiedenen Küstenlinien neue Areale gefunden, die ich „Neuland“ nannte. Sie sollten eine Grundform für den Trixel Planeten bilden. Auf diese Weise begleitet mich das Thema schon eine Weile in unterschiedlichen Zusammenhängen.

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AufZeichnungen

Langsame, gleichmäßige Arbeit am 7. Relief. Die Vermischung der Tanzfigurensequenz mit den zersplitterten Rasterpunkten bekommt einen Grad von Fremdheit, der neu ist. So halte ich das Steuer fest in der Hand und weiß nicht wo die Fahrt, ohne Kompromisse und immer geradeaus, hingeht.

Meine älteren Tanzzeichnungen, mit denen ich mich intensiver beschäftige, zeigen Protagonisten von verborgenen Erzählungen der eigenen Geschichte. Somit erweitert sich die Erinnerung um Interpretationen ihrer AufZeichnungen. Je nach dem Ort der Suche, werden die Zeichen, auf den weißen Flecken der Erinnerrungskartierung,  eingeordnet. (Auf alten Karten bekamen die unerforschten Gebiete die Aufschrift: „Hier wohnen Löwen“.)

Diese Arbeit ist auf einen langen Zeitraum angelegt und wird sicher noch verschiedene Facetten hervorbringen. Dort, wo sich die unterschiedlichen Erinnerungshorizonte überschneiden, entstehen die Flächen, auf denen sich die Erzählungen begegnen, sich unterschiedliche Interpretationen überlagern. Es sind die spannendsten Areale dieser Arbeit, die ihren Anfang in den Überlagerungssequenzen auf den Transparentpapierrollen haben.

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In My Room von Falk Richter

Die Übertragung der zweiten Tanzsequenz von Rolle 8 auf das 7. Relief, füllte den gestrigen Arbeitsnachmittag an. Die Anstrengung war groß, weil ich ein genaueres Abbild mit umständlichen Techniken anfertigte. Die Präzision war erforderlich, weil es sich um eine Zunahme von sich überlagernden Figuren handelte, bei der man den Überblick behalten sollte.

In My Room“ heißt eine Theaterarbeit am Maxim Gorki Theater von Falk Richter. In dieser Collage geht es um die verschiedenen Erfahrungen die Männer, in diesem Fall die Schauspieler, mit ihren Vätern gemacht haben. Die Parallelen zwischen meiner Haltung und Herangehensweise und den Empfindungen des Regisseurs, von denen er in einem kurzen Video erzählte, berühren mich. Allerdings glaube ich, dass ich einen Schritt weiter gehe, tiefer in der Geschichte grabe und meine Gegenwart mehr mit ihr verbinde.

Heute will ich mit der Bearbeitung des Reliefs weiterkommen. Ich überlege, zunächst eine Schellackschicht über die Tuschezeichnung zu legen, dann die Figurenumrisse mit einer zweiten Schicht auszufüllen, wobei die hellen Partien des Rasterportraits hell bleiben müssen. Sind die Figuren dabei dennoch mit einem zarten Tuscheinnenleben füllbar?

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Garten der Ablenkungen

Montag.

Ich wässerte das Gärtchen, fertigte die täglichen Buchmalereien an und versuche mich wieder auf den Punkt der Arbeit zu konzentrieren, an dem ich vorige Woche angelangt bin. Aber mich zwitschern die Vögel an und das zitternde Licht erneuert den Morgen zwischen den Gewächsen.

Ich nehme mir das quadratische Blatt des dritten Scherbengerichtes, mit der Nummer 152 und dem Datum 28.12. 2016, zur Hand. Auf der Schellackschicht umschloss ich die Scherbe mit einem Tuschefleck, wie mit einer Nährlösung. Dann nehme ich mir die Tagebucheintragungen dieses Tages vor und lese von viel Unsicherheit. Auf dem Doppelportrait bildet die Scherbe 152 einen Teil vom unteren Rand des Kinns. Immer mal habe ich einen Impuls, diese umschlossenen Splitter, wieder einzeln abzuformen und sie mit gebogenen Weidenstangen zu Objekten zu machen.

Aber die Pflanzen, die draußen in den Regalen wachsen, benötigen auch noch Wasser. So habe ich wieder einen Grund, den Zeichentisch zu verlassen und im Garten der Ablenkungen zu verschwinden. Dort aber empfinde ich die sichtbaren Dinge viel stärker als sonst. Nebensächlichkeiten können so eine größere Rolle in meinem Nachdenken über das Erinnern bekommen. Die Bücher von Aleida Assmann und Frank Witzel zu diesem Thema ergänzen sich. Ich lese sie langsam.

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Im Raum

Sehr wach und schnell erledigte ich die Buchmalereien am Morgen. Die Arbeit auf Rolle 8 führte mich gestern in die Sicherheit, die ich zum Weiterarbeiten benötigte. Sie nähert sich dem Zustand, den ich am 20.12. mit einer Kombination einer Tanzfigur mit einer Buchmalereistruktur zufällig erreichte. Diese Struktur setzte sich aus einer Relieffrottage und Linien, die vom Abriss des Palastes der Republik stammten, zusammen und beschäftigte mich, in seiner Unscheinbarkeit, viele Tage.

Jetzt überlagern sich verschiedene Tanzfigurenumrisse und treffen dabei wieder auf Relieffrottagen. Auf den Reliefs kommen dann, innerhalb dieser Begegnungen, Erinnerungsornamente hinzu. All das ist im Entstehen und folgt vorsichtigen Tastversuchen. Die Konstellationen in den Räumen der Bühnenzeichnungen, beziehen sich auf eigene Gefühlslagen. Haltungen entsprechen eigenem Sozialerleben, erzählen von mir im Raum.

Derzeit kommt den Collagen, die in diesem Text erscheinen, ein wichtigerer Arbeitsanteil zu. Der freiere Umgang mit den Fotobearbeitungswerkzeugen, führt zu einer gewissen Grobheit, geometrische Ausschnitte tauchen auf, aber auch malerisch-wolkige Areale. Aus diesen Zusammenspielen ergeben sich Hinweise für den Umgang mit der Reliefmalerei.

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Relevanz?

Am Vormittag verflocht ich, auf Rolle 8, das Tanzthema weiter mit dem Väterportrait. Eine Figur, die ich schon auf Relief 11, in all dem Gewusel, auftreten ließ, reduzierte ich wieder auf den Umriss, der die Zeichnung von 2007 bildet. Als Wiederholungssequenz fügte ich sie von Rechts nach Links in die Linien der Reliefformfrottagen ein. An diesen Überlagerungen von Tanzfiguren, Scherbengerichten und den Punktrastern des Portraits, arbeite ich heute weiter.

In einem Stapel von Abgeformten Pappmachereliefs fand ich ein Exemplar der Nummer 10, das nun die obere Reihe des Gesamtportraits komplettiert. Die weiteren Auswirkungen der vertikalen und diagonalen Kompositionslinien, ergeben sich aus der folgenden Arbeit.

Nachmittags stieg ich auf den Altkönig. Unterwegs dachte ich an zwei Essays, die ich gestern zum Verhältnis von Kunst und Kritik, im Zusammenhang mit den anonymen Wortmeldungen im Internet, hörte. Dabei wurde gesagt, dass sich insbesondere jüngere Künstler diesen Mechanismus verweigern, allem und jedem einen hochgereckten Daumen zu entlocken. Das ist ganz in meinem Sinn. Sich den Bedingungen des Kunstmarktes oder welchen Kriterien auch immer zu entziehen oder der Verfälschung der Arbeit durch die Inszenierung des Künstlers, bedeutet die Unabhängigkeit, mit der ich meine eigenen Welten entwickeln kann. Die Relevanz muss mir egal sein.

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Genealogie

In Windeseile habe ich heute die Buchmalereien angefertigt, schnell gestoppt. Ich versuchte zu rekapitulieren, was bei der Übertragung der Farbflächen mittels der Haut meines Handballens, erzeugt wird. Von den Linien der Handoberfläche geht eine Spannung aus, die zarte Farbübergänge mit einer Verwandlungsenergie auseinanderpflückt.

Als müsste ich den überraschenden Stillstand von Gestern aufholen, ging ich meinen Weg in das Atelier mit schnellem Schritt. Ich will mich vergewissern, wie das Tanzthema mit dem Väterprojekt zusammenhängt. Das Auffüllen des Punktrasters damit, setzt einerseits die Genealogie der Väter mit meinem Erleben fort, andererseits werden verschiedene Welten in Beziehung gesetzt, um neue Geschichten zu erzählen, denn alles hat mit allem zutun.

Um dem Struktur zu verleihen, fertigte ich gestern Frottagen weiterer Formen der oberen Reliefreihe auf Rolle 8 an, um Übergänge von Tanzzeichnungssequenzen zu probieren. Außerdem ist ein Blatt mit den stilisierten Rasterlinien des Portraits entstanden, mit dem ich das gestern gefundene Modell der Übergänge überprüfen will.

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Stilisierung und Verspieltheit

Beim Nachdenken über die Gesamtkomposition des 2. Väterportraits, versuchte ich zwischen den unterschiedlichen Stilen der zwei bisher bemalten Tafeln, von insgesamt 16, eine logische Verbindungslinie zu ziehen. Dabei übertrug ich die Art der realistischen Anlehnungen von Tafel 11, auf die Gestaltung von Tafel 1. Sie befindet sich diagonal gegenüber, an der unteren linken Ecke. Daraus ergibt sich zusätzlich, die Verbindung von den stilisierten Tanzfigurenumrissen auf Tafel 6 zur Tafel 16, die sich diagonal gegenüber an der rechten unteren Ecke befindet. Aus diesen Eckpunkten, ergäben sich nun die stilistischen Übergänge in den Horizontalen, den Vertikalen und den Diagonalen. Wenn ich das ernst nehme, muss ich es vorher zeichnerisch, mit einfacheren Motiven, ausprobieren.

Strenge und Verspieltheit bilden somit das formale Gegensatzpaar, das es zusammenzuhalten gilt.

Das Gärtchen wuchert. Die Amsel sitzt still und unsichtbar in ihrem Nest. In den nächsten Tagen müssten die Jungen schlüpfen. Dann ist es mit der Ruhe vorbei.

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Kunstreservat

Wenn meine südwestliche Ateliertür jetzt offen steht, schaue ich, nach dem Abriss des großen Backsteingebäudes, in einen weiträumigen Himmel. Auf dem Platz, der sich nun nach Südwesten öffnet und viel mehr Licht bekommt, sprach ich mit meinen Nachbarn über die Zukunft des Tevesgeländes, über die Zeit unserer Arbeit an diesem Ort hinaus. Nun haben wir schon fast zwanzig Jahre hier zusammen verbracht, was an sich schon eine Besonderheit ist. Die kommenden fünf Jahre werden die Situation, durch den Wohnungsbau rundherum, grundsätzlich verändern. Dann muss sich das Areal durch einen besonderen Charme bewähren. Für mich ist das Zusammenspiel von einem natürlichen Wachstum, auch was Pflanzen und Natur angeht, und konzentrierter Arbeit das stabilisierende und zukunftsorientierte Element. Man müsste nun also einen neuen Anlauf unternehmen, um die Widmung des Ganzen zu justieren.

Neben der Tagebucharbeit zeichnete ich am vergangenen Wochenende am Relief Nummer 6 weiter. Die Gestaltung schließt sich durch die Dunkelheit, die die Motive umgibt und sie gleichzeitig hervorhebt. Von der rechten Seite her könnte ich nun einen andere Figurensequenz gegenläufig erstellen, die sich in der Mitte mit der zuerst geschaffenen trifft und vermischt. So etwas kann ich auf der großen Transparentpapierrolle entwickeln.

Der derzeitige Schutz meiner Arbeit vor der analogen Öffentlichkeit, lässt mich über ein Reservat nachdenken, in dem sich die Kunst geschützt entwickeln kann, um das Besondere hervorbringen zu können, was man immer wieder von ihr verlangt.

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Rückblick in Formensprachen

Auf der Arbeitsplatte, auf der ich, derzeit mit Feder und Tusche, die Reliefzeichnungen anfertige, stehen auch zwei Transparentpapierrollen, die ich 2007 bis 2008 zeichnete. Damals vergrößerte ich einige meiner Buchmalereien, die aus Papiergravuren, farbigen Schraffuren und Tuschefiguren bestehen, druckte sie aus und legte sie unter das Transparentpapier, um die Konturen durchzuzeichnen. Die füllte ich dann mit verschiedenen Strukturen an. Die stammten vom Abriss des Palastes der Republik in Berlin, aus Stadtkartenausschnitten von Wien und Wanderungsspuren des Trixel Planeten.

Nun flechte ich Teile dieser Formensprache in die Zeichnungen und in die Bemalung der Reliefs des Väterprojektes ein. Mit Feder und Tusche zeichnete ich Strukturen verschiedener Herkunft in die Umrisse der Tanzfiguren. Die abstrahierten Erzählungen, die inhaltlichen Schwerpunkte also, sollen sich innerhalb der Figuren, die sich, wie in einer Prozession wiederholen, konzentrieren. Die anderen Teile der Scherben sollen so gestaltet sein, dass sich einerseits das Rasterportrait am Ende deutlich abbildet, in der Nähe aber die Figuren hervorgehoben bleiben.

Das Zusammenspiel der Buchmalereien und der Arbeitszustände des Reliefs innerhalb der Collagen, stellen das beschriebene Vorgehen immer mal infrage. Es ist mir wichtig, die kritische Distanz, innerhalb der eigenen Arbeiten, selbst zu entwickeln.

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Inhaltsverflechtungen in Tanzfigurenumrissen

Gestern begann ich die Figurensequenzen, die ich auf das 6. Relief dieses zweiten Väterportraits übertragen habe, mit Tuschestrukturen zu füllen. Dabei arbeite ich mit Schellackschichten, mit Tusche, Wasser, Feder und Pinsel. Das geht gut von der Hand, wenn ich mich von dem Figurenstil der ersten Transparentpapierrollen inspirieren lasse. Damals, mitten in der Arbeit zum „Trixel Planet“, speiste sich die Ästhetik aus Felsgravuren, ethnischen Zeichen und den Wanderungsspuren aus der menschlichen Geschichte, die ich damals gesucht und gesammelt hatte.

Die Konzentration auf diese Themenfelder hat nun nachgelassen. Dennoch spielt, bei Betreten der verschachtelten Erinnerungsräume in mir, das Material noch eine nicht unbedeutende Rolle. Der Oryxmann, die Handabdrücke und die Stadtkarten bieten mir nun Anlässe, an die Bilder und Gefühle dieser Zeit zu denken und sie mit den Geschichten zu verbinden, die mich noch vor meiner Zeit zu beeinflussen begannen.

Felsgravuren und Tanzentwicklungsarbeit habe ich noch nicht bewusst zusammengebracht. Aber ihre Kombination mit Handprintkartierungen von Stadtwanderungen gibt es schon. Die Welten die sich jetzt auftun, verzweigen sich sehr stark. Das wird wieder auf eine Stilisierung, im Sinne von Reduktion, herauslaufen. Vielleicht beginnt das mit der Konzentration von Inhaltsverflechtungen auf die Tanzfigurenumrisse. Die anderen Scherbenteile könnte ich dem Fließen der Tusche überlassen…

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Gleichzeitigkeit

Es ist etwas anspruchsvoll, die seriellen Tanzfiguren vom Entwurfstransparentpapier, per Freihandzeichnung auf das Relief Nummer 6 zu übertragen. In den Collagen mit den Buchmalereien, eröffnen sich nun schon Ansichten, wie die Zwischenräume in den Szenen anderes Material aufnehmen können. Der Blick auf die Transparentpapierrollen aus dem Jahr 2007, zeigt Strukturen und Figuren, die mit der Stilisierung zutun haben, von der ich gestern schrieb, als ich die Hoffnung auf die Wirkung des Romans „Innerer Schiffbruch“, auf meine Arbeit, aussprach. All diese Figuren in ihren Bezügen, erscheinen mir reifer als das, was mir in dem vergangenen Monat einfiel und was ich auf der Wand der Kaschemme hinterließ.

Ein Glück, dass ich auf diese Dinge zurückgreifen kann, mit ihnen in die Erinnerungen finden werde, die damals schon, als ich mich mit dem Rückbau des Palastes der Republik beschäftigte, eine Rolle gespielt haben, sich gruppierten zu Bildern der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Vorgänge.

Die täglichen Erfindungen von Formen, Strukturen und Szenen, ermüdet mich manchmal etwas. Dann denke ich an den Altkönig, meinen Fluchtpunkt, den ich heute wieder besteigen will.

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Zwischenräume

Bis jetzt konnte ich das Prinzip der Bemalung des neuen Väterreliefs auf Rolle 8 entwickeln. Aber für eine Art Entwurf von einem ganzen Reliefteil der 16, reicht die Höhe der Rolle nicht aus. Deswegen begann ich mit einer größeren zu arbeiten. So fügte ich im unteren Teil noch eine weitere sitzende Tanzfigur ein, womit nun drei Motive in seriellen Rasterungen miteinander verbunden sind. Dieses Rahmenmaterial ordnet den Splitterraum des Reliefs neu.

Ich stelle mir die Frage, inwiefern die Tanzsequenzen Zwischenräume und in Verbindung mit den Splittern Geflechte bilden, durch deren Konstellationen meine Erinnerungen neu gesteuert werden. Diese Voreinstellung formt den Blick auch in die Zeit vor meiner Existenz. Ähnlichkeiten der Formen, die wieder erkannt werden, führen auf Wege bildlicher Vorstellungen, die die Vergangenheit neu beleuchten.

Ich begann mit der Lektüre des Textes „Innerer Schiffbruch“ von Frank Witzel, ein Autor meiner Generation, der sich nach dem Tod seiner Eltern auf die Suche nach Geschehnissen und Gefühlen macht, die in den Schichten der eigenen Erfahrungen verborgen sind. Eigentlich erhoffe ich mir davon Einschränkungen meiner Ideen, zugunsten einer Stilisierung und Rücknahme der überbordenden Erzählung.

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Hamlet | Tuschmalerei | Amselnest

Sandra Hüller spielte, in einer Aufzeichnung aus dem Schauspiel Bochum, die Figur des Hamlet im gleichnamigen Stück. Der Regisseur Johan Simons collagierte Fragmente aus Hamletmaschine von Heiner Müller mit ein. Eine hervorragende Inszenierung, wie ich finde und großartig gespielt von Frau Hüller. Selten hat mir Theater im Fernsehen Spaß gemacht. Aber da hat sich bei den Umsetzungen in letzter Zeit viel getan. Eine kleine Sehnsucht zurück zur Theaterarbeit entstand in mir. Ich musste an die Bühnenbilder denken, die ich gemacht habe. Das zur Oper Medee hatte ein wenig mit dem Bild gemein, das wir gestern Sahen. Auch da gab es Wände die um das Zentrum kreisten.

Ich muss viel über die Tuschmalerei denken, die innerhalb der Weiterarbeit an den Reliefs, vor mir liegt. Ich schwanke hin und her, ob ich es so machen sollte, wie ich es mir jetzt vorstelle: ein serielles Raster der Tanzfiguren, in der Spannung zu den erfundenen Szenen und abstrakten Tuschgesten.

Im Nest, in der Robinie meines Gartens, wird nun tatsächlich gebrütet. Eine Amsel sitzt geduldig und mutig auf ihren Eiern. Ich bin gespannt, ob sie die Jungen, wenn sie geschlüpft sind, durch bekommt. Und ich frage mich, ob sich dann der Vater blicken lässt, um bei der Aufzucht mitzumachen.

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Rasterung

Die Figurensequenzen auf den Transparentpapierrollen entstehen dadurch, dass Motive, die beim Zusammenrollen des Papiers durchscheinen, übereinander gezeichnet werden. Je größer der Durchmesser der Rolle ist, desto größer sind die Abstände der Wiederholungen. Der aufgewickelte Teil mit den schon gezeichneten Sequenzen der Vergangenheit, befindet sich derzeit auf dem großen Durchmesser der Rolle 8. Der kleinere besteht aus dem Papier, das noch bearbeitet werden wird. Ich kann also auch diese Seite, die kleine, rechte, Zurückrollen und dabei Figuren durchzeichnen. Der Abstand der so entstehenden Wiederholungen ist kleiner. Mache ich diese Hin- und Herbewegung mit unterschiedlichen Szenen, überlagern sie sich in unterschiedlichen Rhythmen, vergleichbar mit den Technobeats, die übereinander gelegt, auseinanderdriften und dann wieder zusammenfinden.

Wenn das per Bemalung auf das Relief übertragbar ist, wogegen nichts spricht, addiert sich eine neue Rasterung über die 4×4 Reliefteile. Auch das ließe sich noch weitertreiben.

Wegen der belastenden Abrissarbeiten in der direkten Nachbarschaft, bin ich gestern Nachmittag in den Wald geflohen. Ich fand alte, überwucherte Fischteiche an einem Bachlauf und an den Stämmen der alten, riesigen Buchen, Baumperlen.

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Ostamsel

Jetzt fällt die große Backsteinfassade südwestlich des Ateliers den Abrissbaggern zum Opfer. Im Winter reichte ihr Schatten über die gesamte Betonfläche des Platzes. Der Westwind wurde durch die lange Nordwestfassade des, nun fast nicht mehr vorhandenen, Gebäudes gebündelt und zwischen unsere Häuser gedrückt. Die mikroklimatischen Verhältnisse werden sich nun verändern, wodurch das Gärtchen, in den kalten Jahreszeiten, mehr Sonne bekommt.

Die Amsel, die in den letzten Wochen darin hauste und die Erde zerwühlte, baut sich nun in der Mitte der Baumkrone der Robinie ein Nest. Ich lasse sie in Ruhe und werde, bis sie dort ihre Eier hineingelegt hat, die Äste nicht beschneiden. Schon einmal, in meinem vorigen Atelier, das ich selber gebaut hatte, nistete eine Amsel auf dem Querstück meines Ofenrohres, das nach draußen ragte. Als ich aber heizen wollte, nahm ich das Nest, mitsamt den Eiern und dem Vogel darauf, herunter, legte zwei Backsteine zur Isolation auf das Rohr und setzte sie wieder auf die Steine. Währenddessen blieb die Amsel die ganze Zeit heroisch auf ihren Eiern hocken. Eine Ostamsel!

In die Reliefformfrottage auf Rolle 8, fügte ich Tanzfiguren ein, wie bei einer normalen Überlagerungssequenz. Das ist noch zu mechanisch. Da muss noch was kommen!

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Übertragung

Relief Nummer 6 goss ich gestern etwas stabiler ab. Das heißt, dass ich zum Pappmache mehr Kleister hinzufügte und eine dickere Schicht in die Form gab. Beim Hängen des ersten Portraits merkte ich, dass die Tafeln bei der weiteren Verarbeitung etwas mehr Festigkeit benötigen.

Vorher fertigte ich von den oberen zwei Dritteln der Form eine Frottage an, übertrug die Kantenlinien der Splitter und Scherben also auf Rolle 8. Die Tanzfiguren möchte ich nun gezielter in die Struktur einfügen, sie einerseits wieder mehr stilisieren und andererseits versuchen, die Arbeitsweisen der überlagernden Wiederholungen und Verdichtungen von den Transparentpapapierrollen auf die Reliefs zu übertragen.

Die Abrissmaschinen entwickeln Zementstaubwolken, die mich an die Kalima-Wetterlage in Fuerteventura erinnern. Im Rachen habe ich ein trockenes Gefühl, die Augen brennen und die Atemwege sind allgemein belastet. Das Stadtbild wird immer unwirklicher: vernebelte Luft und vermummte Leute in ihrer allgemeinen Ausweichchoreografie.

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Getier

Der große Abrissgreifer kommt herangefahren, wie eine Belagerungsmaschine aus dem Mittelalter. Die Konstruktion der Zangen ornamentiert den Zerstörungsvorgang. Zementstaub legt sich über das Gelände, wie schon in der vergangenen Woche. Atemmasken erfüllen nun mehrere Zwecke.

Unbeeindruckt davon gehen die Tiere meines „Waldes“ ihren Lebensstrategien nach. Die Echsen wechseln von der Efeuinsel an der Atelierwand hinüber zu meinem Stapel aus Totholz, Erde und wachsenden Kräutern. Große Mengen von Kleinstlebewesen sind dort unterwegs. Verschiedenes Getier schwimmt auch in der Seerosenwanne. Das Eidechsenwäldchen besteht aus Ebereschen, Weiden, Eichen, Ahorn, Haselnuss, Birken, einem Walnussbaum und aus einer Robinie, die ich sehr im Zaum halten muss. Es gibt auch noch Gehölze deren Namen mir nicht bekannt sind. Sie bilden gemeinsam die schattigen Räume der Revierkämpfe, der Jagden und der Fortpflanzung. Außerhalb liegen die sonnigen Steine, deren Menge stetig zunimmt, weil ich einen Steinhaufen am Bahndamm, auf meinem Weg hierher, Brocken für Brocken abbaue und an den Rand des Gärtchens lege.

Über das Wochenende stand das bemalte Relief auf der Staffelei unter Beobachtung. Heute will ich das nächste Exemplar des Reliefs Nummer 6 herstellen. Dann male ich Nummer 11 fertig.

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Und doch zieht es mich immer wieder hinaus, das Grausige zu schauen.

Auf der Reliefmalerei stellte sich mit der Tanzfigur von 2003, eine weitere ein. Nach einigem Probieren hat sich nun also eine Methode entwickelt, das Tanzthema mit dem großen Doppelportrait der Väter zu verbinden. Mit diesem Schritt, nimmt die Arbeit nun Fahrt auf. Mit leichterem Gang, kann der Kopf nun wieder gehoben werden und viel Neues erscheint im Blickfeld.

Die gestrigen zeichnerischen Vorgänge erinnern mich an meine Malerei in den Neunzigerjahren, als ich viel im Ballettsaal gezeichnet und mit dem des Tanzensemble des Heidelberger Theaters zusammengearbeitet habe. Diese Auseinandersetzung mit Bewegung, hat mir viel Material in die Hand gegeben, aus dessen Fundus, seien es die Zeichnungen, Erinnerungen und bildnerische Herangehensweisen, ich nun schöpfen kann. Indem mir das bewusst wird, blättere ich nun in den alten Zeichnungen, verbinde sie mit den Wandmalereien in Alchi oder Tabo und fahre auf den Reliefs mit Tusche und Schellack fort.

Kammermusik von Schostakowitsch begleitet die Abrissarbeiten in der Nachbarschaft. Noch sind die schönen Ornamente der Geländer an den großen Fenstern aus den optimistischen Sechzigerjahren zwischen dem steigenden Schutt sichtbar. Brutal springt der Greifer in die Fensterhöhlungen und auf der Folie dahinter erscheint das angstvolle Portrait des Komponisten aus den Dreißigern, dessen Musik mein Atelier anfüllt. Staub legt sich auf meine Atemwege. Ich schließe alle Tore meines Raumes und doch zieht es mich immer wieder hinaus, das Grausige zu schauen.

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Arbeitsschritte

Die Überlagerungen auf Rolle 8, also die Verdopplung des gefundenen Figurenensembles und Verflechtung mit den Splitterkanten der Scherben 20, 34 und 35 im dritten Scherbengericht, kosteten gestern mehr Konzentration, als ich mir das für die Umsetzung dieser klaren Idee von gestern vorstellte. Die zusätzlichen Bruchkanten und die Oberflächenbeschaffung, veränderten bei der Übertragung von Rolle 8 auf Relief 11, die Figuren noch einmal, sodass eine Szene mit einer anderen Ausstrahlung entstand und sich weiter dorthin entwickeln wird, wenn ich sie fertig male. Bisher gibt es nur die gezeichneten Linien der beiden Varianten nebeneinander, getrennt von einer Tanzfigur aus 2003. Alle Tuschzeichnungen habe ich mit Schellack abgesperrt, wodurch die nächsten Arbeitschritte fließender werden. Die Tuschelasuren können lange stehen, trocknen und lassen sich besser verarbeiten.

In den Collagen für die Website klären sich manche Zusammenhänge und Klänge auf andere Weise. Ich kann die Motive aus anderen Perspektiven überprüfen, die Weiterarbeit entwickeln. Manchmal „teile“ ich die Buchmalereien mit meinem Enkel, der auch kreisende Linien malt.

Nach den Amseln, Meisen, Spatzen, Rotkehlchen, Eichelhähern und Rotschwänzchen, kommen nun auch die Ringeltauben und die gefährlichen Elstern zum Trinken in mein Gärtchen. Obwohl ich in einem Schlagloch auf dem Beton eine Wasserstelle betreibe, ziehen sie die Seerosenwanne und meinen Bottich zwischen den Weiden vor.

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Forsythe-Training

Zunächst begann ich gestern auf Rolle 8, in die Frottage des Reliefareals, das ich als nächstes bemalen wollte, in die Splitter der Scherben 16, 18 und 33, des dritten Scherbengerichtes, ein Figurenensemble einzuarbeiten. Die Vorlage übertrug ich dann, mit Änderungen, die durch die Einbeziehung der Oberflächenstruktur der modellierten Splitter entstanden, auf die entsprechenden Scherben des Reliefs.

Nun aber kann ich, mit der lange praktizierten Technik des Durchzeichnens, währen ich das Transparentpapier aufrolle, die Figurengruppe erneut in die Splitter rechts davon einfügen und gleichzeitig durch Überlagerungen verdichten. In der Wiederholung der Motive ergäben sich neue Zersplitterungen. Eine weitere Übertragung der Ergebnisse auf das Relief, würde wieder mit den Veränderungen durch die Oberflächenstruktur begleitet. Diese Vorgehensweise würde auf allen Reliefs dieses Portraitexemplares durchhaltbar sein.

Die Figuren, die gestern entstanden, sind etwas steif und wenig tänzerisch. Die Bruchkanten der Splitter überschneiden sich mit den Gelenken, in denen die Glieder einzeln verdreht werden, wie beim Forsythe-Training.

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Rokoko-Apfelmännchen-Prinzip

Die Produktion stockte gestern etwas. Ich saß vor dem Wind im offenen Rolltor am Tisch und arbeitete an der Reliefmalerei weiter. Fehler, die ich machte lenkten mich auf andere Wege. Ich dachte, diesen Arbeitsschritt doch mit Frottagen auf Rolle 8 zu begleiten. So könnte ich mit dem entsprechenden Areal des Reliefs, per Formfrottage, schon vorher Inhalte und Strukturen auf Transparentpapier probieren.

Die gebogenen Weidenruten im Gärtchen, entwickeln nun Äste an den Peripherien, die von den Bögen aus nach außen wachsen. Wenn die genügend verholzt sind, lassen sie sich in gleicher Weise biegen. Ein Rokoko-Apfelmännchen-Prinzip. Mittendrin, die erste Libelle des Jahres. All das lehnt sich gegen das allgemeine Herunterfahren aller Bewegung im Zusammenspiel mit der windigen Trockenheit und den Bedrohungen, die daraus erwachsen, auf.

In diesen Monaten des Rückzuges denke ich über die Kraft nach, die es noch brauchen wird, die begonnene Reliefmalerei auf allen 16 Tafeln, in dieser abwechslungsreichen Dichte, durchzuhalten. Schon die erste Tafel, mit der Nummer 11, ganz oben rechts, ist anspruchsvoll und fordert mich ganz.

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Unruhige Komposition

Während der Buchmalereien am Morgen dachte ich an Jasper Jones, an seine farbigen Linienmuster, mit denen er sich lange beschäftigte. Innerhalb der Gravitationsschwünge, auf den daraus entstehenden Flächen, fertigte ich ähnliche Linienansammlungen an. Relevant wurde dieses Vorgehen für mich aber erst, als ich im zweiten und dritten Format des Tages, die Flächen und ihre Muster langsam auflöste.

Ich zeigte gestern meine neue Reliefmalerei B., um mir die Unsicherheit, die sich mit ihnen verbindet, zu nehmen. Das 11. Relief, mit dem ich die Tuschmalerei begann steht nun auf dem Mahagonigrafikschrank, meinem Gesellenstück, im scharfen Seitenlicht. Ich kann es mit dem vergleichen, das ich für das erste große Väter-Doppel-Portrait bemalt habe. Aus der Ferne vermischen sich Gegenständlichkeiten, gezeichnete Muster und Scherbenstrukturen zu einer unruhigen Komposition. Erst aus der Nähe können die Einzelheiten erkannt werden. Gestern Abend sah ich mit noch einmal die Wandmalereien von Alchi an, deren Detailfreude mich anspornt.

Im Gärtchen blühen die schönen weißen Dolden der Ebereschen und ziehen die Insekten an. Später, dann wenn die roten Beeren wachsen, kommen die Meisen, die Amseln und manchmal auch ein Eichelhäher. Am Wochenende habe ich die Pflanzenregale rausgestellt, die ich mit ein paar Sukkulenten füllen will. Alles andere, was rundherum wächst wird vom Ostwind weiter ausgetrocknet. Ich wässere meine Pflanzen regelmäßig, auch die der Nachbarn, die nicht da sind. Wenn ich meine Totholzstapel rücke, kommen mir viele kleine Lebewesen unter die Finger, die sich da wohl fühlen, aber auch von den Mauereidechsen gejagt werden.

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Geschwindigkeiten

Die Feder meines Füllers zwingt mich langsamer und kleiner zu schreiben. Dadurch entsteht etwas mehr handschriftlicher Text, und ich beschäftige mich länger mit meinem Erinnern, Hinschauen und Tasten.

Weniger ernsthaft malte ich gestern weiter an meinem Relief. Die Angst vor Banalität weicht dem Spielerischen. Allzu konkrete Anspielungen kann ich mit einem Schellack-Tusche-Gemisch zurücknehmen oder ganz verschwinden lassen.

Die Buchillustrationen meiner Kindheit erscheinen manchmal auf der Projektionsleinwand hinter meinen Augen. Die süßlichen Wunschländereien der Erwachsenen. Auf derselben Leinwand überfallen mich aber auch morgens beim Aufwachen, sehr schnell laufende Diashows. Was da inhaltlich abläuft ist schwer zuzuordnen. Aber ich glaube, dass es sich um zusammenhangslose Bildfolgen handelt, die aus abstrakten Strukturen und gegenständlichen Szenen bestehen. Meist versuche ich dieses schmerzliche Bombardement schnell zu beenden, indem ich die Augen öffne. Aber das ist in meiner derzeitigen Arbeitssituation vielleicht nicht richtig, denn das was ich jetzt male, ist genau so etwas in anderer Geschwindigkeit.

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Figuren-Raum-Erinnerungen

Die derzeitige Tuschmalerei, die abstrakte Elemente auf das Relief Nummer 11 bringt, löst die gegenständlichen Erinnerungen aus, Figuren-Raum-Erinnerungen. Ähnlich bin ich bei der Wandmalerei in der Kaschemme vorgegangen und habe mich damit drei Monate wohl gefühlt. Es ist auch jetzt so, dass diese Arbeitsweise einen Schub auslöst, der aus der Neugier kommt, was in dieser Weise noch alles entstehen wird. Weil mich das ganz und gar beschäftigt, sehe ich bei der Bearbeitung von Rolle 8 einer Pause entgegen.

Das Relief steht zur Beobachtung auf der Staffelei und ist ein Magnet für mich, der mich in Gravitationsschwüngen darum herum kreisen lässt. Die Wege führen um den Zeichentisch, durch das offene Rolltor und das Gärtchen, in dem sich die Eidechsen aufwärmen. Amseln graben meine Blumenbeete um, baden im Seerosenbottich und lassen mich nahe an sich heran.

Parallel zu der Lektüre von Aleida Assmanns Intervention zur Erinnerungskultur, denke ich über die Folgen der medialen Aufarbeitung der Nazigeschichte im Fernsehen der DDR nach. Sie hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen. Die Abzählreime der Kindheit verflochten sich mit den Appellen von KZ Insassen, bei denen abgezählt wurde, um jeden 3. zu erschießen. Aufgaben, denen ich als Kind nicht gewachsen war, waren in meiner rückwärtigen Erwartung immer mit dem Tod bedroht. Die zeitliche und strukturelle Nähe meiner gesellschaftlichen Umgebung zum Naziregime ahnte ich offensichtlich. Der Jugendwerkhof als Konzentrationspunkt für Erinnerung.

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Neu zusammengesetzt

Mit der Tuschmalerei erinnere ich mich. Die abstrakten Muster, mit denen ich die Splitter der Reliefs fülle, rufen vergessene Gegenstände auf und bilden untereinander, durch das Sichtbarmachen, neue Zusammenhänge. Teilweise verfließt die Tusche im Wasser, franst aus und bildet Wolken. Dort hinein schneiden dünne Linien, die ich mit der Rohrfeder ziehe. Schellackschichten festigen das zarte Geschehen, machen es unangreifbarer, sorgen aber auch dafür, dass Tuschewolken ganze Areale abdecken können, ohne sie gänzlich verschwinden zu lassen. In dieser Weise begab ich mich gestern in die Malerei am zweiten Väterportrait. Aus Bewegungen, die eher langsam und feinmotorisch bestimmt sind, folgte bisher nur manchmal eine größere Geste. Mit fortschreitender Arbeit wird sich das ändern.

Frau Kanamüller vom Stadtplanungsamt schickte mir eine dicke Broschüre über unsere gemeinsame Arbeit an der Sozialen Stadt. Aus dieser Tätigkeit wuchs, nachdem ich das Gelände zunächst alleine besetzt hatte, unser Teves als ein „Leuchtturmprojekt“. Alle Werkgruppen, die bisher hier entstanden sind, verbinden sich mit dieser Arbeit und entwickeln sie vor allem weiter.

Aleida Assmann beschreibt in ihrem Buch „Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur“, eine Hinwendung zur Geschichte, wie ich sie in diversen Arbeiten, ausgehend von den Wanderungsspuren unternahm. In den Zersplitterungen des Väterprojektes bilden sich auch die Fundstücke der Ausgrabungen ab, die ich zum Zwangsarbeitergedenken machte. Die zersplitterten Erzählungen des Ortes, an dem ich arbeite, werden auch neu zusammengesetzt und ergeben so die Sinngebung der hiesigen, erzählenden Arbeit.

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Arbeitsleben

Die Abrissmaschinen donnern und endlich beginnt das Arbeitsleben wieder. Die Sonne kommt seitlich durch das Glas, heizt das Atelier schnell auf und fällt als Streiflicht über das Relief mit der Nummer 11, das ich nun bemalen möchte. Im Liniengeflecht hält es Figuren bereit, die ich sichtbar machen und wieder verschwinden lassen kann. Sie gehen eine Beziehung mit den Umrissen der Tanzzeichnungen auf Rolle 8 ein.

In der Nähe von Schlossborn, hinter dem Feldberg, haben wir einen Weg entdeckt, der an einem Bach und Fischteichen vorübergeht, zwischen Waldrand und hügeligen Wiesen. Nahe unter der Wasseroberfläche stehen sonnenbeschienene Rotfedern in den Teichen, am Rand ein Graureiher. Wenige Menschen sind dort unterwegs, manche zu Pferd. Aus den Hängen tritt an vielen Stellen Wasser. Sumpfdotterblumen, Schilf und Weiden wachsen in teilweise naturbelassenen Auen.

Während der Feiertage räumte ich den Großteil meiner Pflanzen, die ich zum Überwintern in Regalen vor den Fenstern stehen hatte, nach draußen. Dort stehen sie auf dem Beton und erweitern das Gärtchen. Nachdem die Temperatur gefallen ist, sind die Eidechsen wieder verschwunden. Nur manchmal stecken sie ihre Köpfe aus dem Lochziegel unter der Acrylkuppel in die Sonne.

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Getier

Im offenen Rolltor steht auch in diesem Sommer ein Zeichentisch direkt vor dem Ateliergarten. Dahinter, in den Weiden und Holzstapeln, gestalte ich Biotope für Schwebfliegen und Eidechsen . Sie ernähren sich von den Pilzen, Milben, Asseln in den Löchern in den Steine und Hölzer. In den Wasserbottichen baden die Vögel und bringen ihrerseits Getier und Samen mit. Schnecken, Regenwürmer und Spinnen kommen aus den Überwinterungsquartieren, gleiten und huschen zwischen den allgegenwärtigen Eidechsen.

Am Bahndamm habe ich 5 Weiden gepflanzt, die Rohstofflieferanten für weitere Objekte werden sollen. Deswegen gieße ich sie täglich, wie auch den Garten.

In den Buchmalereien bildete sich heute eine gewisse Strenge und Zurückhaltung, wenig Spiel… Auf Rolle 8 verdichtete ich die Figurensequenz mit drei Paaren weiter. Zwischen den dunklen Tuschefeldern, bleiben durchscheinende Linien stehen. Sie schaffen eine Formenvielfalt und etwas Unruhe. Was sich daraus entwickeln wird, weiß ich nicht. Deshalb zeichne ich es.

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Wann ist Schluss?

Wann ist Schluss? Das ist die entscheidende Frage während der Buchmalerei, während der Lasurmalerei, der Tuschzeichnungen auf Rolle 8. Die Überlagerungssequenzen verdichten sich oder werden Schritt für Schritt ausgedünnt. Immer soll sich daraus eine Spannung oder Intensität steigern, bei der ich das Gefühl habe, weitergekommen zu sein.

Am Abend grundierte ich das Relief mit der Nummer 11, das ich vor einiger Zeit mit Pappmache abgeformt habe. Leider ist es übernacht etwas wellig getrocknet, weswegen ich es noch mal anfeuchten will, um es zwischen zwei Brettern zu trocknen. Dann wird es mit der neuen Tuschmalerei ernst. Die Mischung abstrakter Formen mit Figurenmaterial aus der Vergangenheit, auch wenn es aktuell aus meinem Kopf entspringt, kommt es von daher, trägt schon in sich Reibungsenergie. Auch die Muster von Kleidern haben das, meine Figurensequenzen auf den Transparentpapierrollen und die Malerei, die ich nun vor mir habe, ebenfalls.

In einem Briefumschlag kam gestern eine Zeichnung meines Enkels. Man könnte nun eine Mailartaktion beginnen, hin und her.

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Tanzmasken

Mit Tusche zeichnete ich gestern auf die Relieffläche des dritten Objektes zwei Figuren. Sie erstrecken sich über vier Scherben, nähern sich an Kopf und Schultern einander, sind aber im engeren Sinne keine Tanzfiguren. Aber das wird ein Weg, mit dem zweiten großen Doppelportrait der Väter zu verfahren. Auch auf Rolle 8 entstanden neue Figuren einer fokussierten Suche nach dem nächsten Schritt.

Mir ging noch einmal die Popularchoreografie durch den Kopf, die die Menschen draußen oder in den Supermärkten in ein anderes Bewegungsmuster drängt. Gleichzeitig beginnen sie mit Masken, Teile ihrer Identität zu verbergen. Weiße Masken auf schwarzen Gesichtern und umgekehrt. Theaterleute demonstrieren gegen die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und verteilen Grundgesetztexte, werden von der Polizei zerstreut oder verhaftet.

Bei meinen Tanzfiguren gibt es mehrere schwarz maskierte Gesichter, denn

„DER TOD IST DIE MASKE DER REVOLUTION

DIE REVOLUTION IST DIE MASKE DES TODES“;

wie wir von Heiner Müller erfahren haben. Im Atelier hängen viele Tiermasken mit Menschenportraits bemalt.

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Popularchoreografie

Die Bewegungen, die vom Wind in Gang gehalten werden, lassen die Gestalt des Ateliergärtchens flirren. Tibetische Gebetsfahnen, Birkenblätter, Wasserflächen und deren Reflektionen. Dazu kommen die Schwebfliegen, die Blaumeisen und natürlich die Mauereidechsen.

Es entstanden am Wochenende Zeichnungen auf Rolle 8 und natürlich Buchmalereien, die in letzter Zeit ohne Frottagen entstehen. Nur aus den Bogenlinien, Spiralen und kreisenden Bewegungen wachsen die Weichen Verwischungen, harten Geraden und Figuren. Wenn ich diese aber mit den Tanzfiguren collagiere, entsteht sofort etwas wie eine Bewegungsaufzeichnung im Raum.

Ein Telefonat am Morgen hat meine Arbeitslust noch mehr angeschoben. Ich erzählte ein wenig, was ich mache, schaute mich währenddessen im Atelier und im dazugehörigen Gärtchen um. Auf dem Beton fand ich ein Stück Gips. Mit dem zeichnete ich zwei Schwünge und eine Spirale auf den Boden. Dabei fiel mir ein, dass die derzeitigen Abstandregeln im öffentlichen Raum eine Art Popularchoreografie schaffen. Sie ähnelt einem Raum von Bill Forsythe im Museum für Moderne Kunst, in den man sich mit vielen Menschen gemeinsam so bewegen sollte, dass zwischen ihnen immer mindestens ein Abstand von einem Meter bleibt.

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Weiter Raum um mich

Die Transparentpapierrolle habe ich etwa einen Meter aufgerollt und hingestellt, damit das Licht einer Architektenlampe, die ich sonst zum Zeichnen benutze, von hinten hindurch fällt. Die so beleuchtete Tanzsequenz bekommt dadurch einen tiefen Raum, der den Abstand der Figuren noch mehr betont. Ich fügte gestern zwei weitere Figuren hinzu, die aus den Kulissen heraustreten, den Kontakt zueinander verlieren und vereinzelt einer weiteren Überlagerungssequenz entgegensehen.

Mit den Buchmalereien hörte ich heute vorzeitig auf. Ich wollte den Beginn, in seiner knappen Form erhalten, weil ich glaube, dass auch davon eine Verdichtung ausgeht.

Seit ein paar Tagen fühle ich einen weiten Raum um mich, der sich mit viel Arbeit füllt. Das scheint eine Folge der Kontaktsperre zu sein, die uns durch den neuen Virus auferlegt ist. Es wächst die Empfindung, dass die Leichtigkeit der Produktion zunimmt. Und so gelingt auch viel. Beispielsweise erscheinen mir die Bemalungen der neuen Objekte, die ich gestern fortführte, sehr folgerichtig und spannungsvoll. Im Garten setzte ich die Weidenbiegungen fort, pflanzte am Bahndamm ein weiteres Baumexemplar und fädelte Meeresschneckenhäuser auf, die ich in die gebogenen Schlaufen hängte. So wird das Gärtchen zu einem kompakten Landartobjekt.

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Außen | Innen

Nach einem normalen Vormittag mit meiner Arbeit an den Buchmalereien, Texten und Collagen, verbrachte ich noch etwas Zeit im Gärtchen und auf dem Gelände, kümmerte mich um die Weiden und die Objekte, die mit ihnen und den aufgefädelten Steinen zusammen entstehen.

Am Nachmittag war ich im Taunus. Im Schatten des hohen Waldes war es kalt. In seinen dunklen Ecken lag noch Schnee. Auf den Sonnenflecken aber war der Boden trocken und warm. Dort räumten Ameisen, Hummeln brummten und suchten nach Nahrung. Auf dem Gipfelplateau des Altkönigs versammelten sich all die Leute, die den Stillstand nutzten, um dort oben zu lagern und Abstand zur allgemeinen Aufregung zu finden. Nur der Wald bietet noch wenig eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Zurück im Atelier sah ich auf die Erscheinungsbilder des aufblühenden Frühlings, habe meine warmen Sitzplätze, von denen aus Beobachtungen des Himmels über den Abrissruinen möglich sind. Dort finden sich die zurückgekehrten Vögel, kaum Wolken und die Luftkämpfe der Greifvögel mit Krähen und Scharen von großen Möven. Innen arbeitete ich am 2. Objekt weiter, versah es mit einer Schellackschicht, die verhindert, dass das Wasser, das die Tuschewolken fließen lassen soll, nicht zu schnell aufgesogen wird. Das Spiel zwischen spröden trockenen Linien und den weichen Verläufen, ist ein spannendes Element bei der Bemalung der Reliefs, die nun neu ansteht.

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Weiden

Für die Buchmalereien nahm ich mir einen löchrigen Basaltstein mit einer geraden Schnittfläche zur Hand, um mit Wasser und Aquarellfarben Abdrücke herzustellen. Diese Vorgehensweise übte ich schon vor ein paar Wochen, als man noch auf die Kanareninseln fahren konnte. Die Kombination mit den Gravitationsschwüngen und unterschiedlichen Figuren, die ich aus ihnen entwickelte, führt mich fort von den Frottagen, die ich von den Reliefformen abgenommen hatte. Ohne die Frottagen fühle ich mich nun bei der Gestaltung der täglichen Malereien freier.

Die Arbeit an den Sequenzen von Rolle 8 geht mit der Bemalung der Weidenruten-Relief-Objekte einher. Und die Objekte verbinden sich mit den gebogenen Schwüngen, die ich an den Weiden im Gärtchen vermehre. In dem halten sich nun sehr viele Mauereidechsen auf. Auch an der Kräuterspirale, auf der Wiese, zählte ich gestern alleine 9 Exemplare. Das kommt vom Sonnenschein und der relativen Kälte im Schatten.

Am Bahndamm setzte ich die Weidenzweige, die ich den Winter über ins Wasser gestellt hatte, damit sie Wurzeln ziehen, in die Erde und gieße sie nun täglich. Sie sollen mir Material zum Bau von Objekten zur Verfügung stellen, die sich weiterhin mit dem Väterprojekt verbinden lassen.

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Konzentration durch Reduktion

Auf Rolle 8 arbeite ich mit einem neuen Umrissmotiv der Tanzzeichnungen von 2003. Parallel dazu begann ich das zweite Weidenruten-Relief-Objekt zu bemalen. Es ist leicht, mit Feder und Tusche vom Transparentpapier auf die weiß grundierte Relieffläche zu springen. Dort aber schwimmt Wasser in das Tuschewolken einbrechen.

Das Motiv, mit dem ich dabei bin, eine weitere Überlagerungssequenz zu zeichnen, verbindet verschiedene Tanzfiguren mit Kulissenwänden, die zu den Ballettproben aufgestellt wurden. Manchmal durchziehen die Kantenlinien der Probenwände die Figuren und bilden in ihnen neue Räume.

Innerhalb der verdichteten Liniengeflechte habe ich begonnen, Kanten frei stehen zu lassen und nicht zuzuzeichnen. Dadurch reduziert sich die Dunkelheit zwar, aber die Dichte bleibt dennoch bestehen, eine inhaltliche Bereicherung und Konzentration durch Reduktion.

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Strukturierung

Die Regelmäßigkeit der Arbeitsvorgänge gibt mir in diesen Tagen der Reduktion und Ungewissheit, Struktur. Inzwischen machen wir auch nach jedem Mittagessen einen Spaziergang am neu entstandenen Park entlang. Er ist seit Jahren eingezäunt, weil er nach seiner Fertigstellung von der Stadt nicht abgenommen wurde. Nun scheint sich ein Rechtsstreit hinzuziehen, der die Benutzung der großen Freifläche weiter hinauszögert.

Auf Rolle 8 entwickeln sich die Tuschezeichnungen aus sich heraus. Es gibt keinen Grund, damit aufzuhören, im Gegenteil. Das Material, das dort entsteht füllt das Arsenal für die Bearbeitung der Objekte und Reliefs.

Beim Bemalen des Weidenruten-Relief-Objektes hatte ich mich allerdings ganz von den Figuren von Rolle 8 entfernt, habe sie beiseite gelegt, um freier rangehen zu können. Allerdings sind ja die ganzen Dinge, die beim Zeichnen entstanden sind, in meinem Kopf, kann sie aufrufen, wenn sie benötigt werden oder sie kommen von alleine hervor.

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Sicherheit und Skepsis

Endlich begann ich mit der Tuschmalerei auf dem Relief des ersten Weidenruten-Objektes. Trotz des geringen Risikos, musste ich innerlich etwas Anlauf nehmen, um mich kurz entschlossen daran zu machen. Dabei wäre es möglich, das ganz ruhig, im Vertrauen auf die Beherrschung der Mittel zu tun, Schicht um Schicht mit Grautönen, krakeligen Federstrichen und wässrigen Pinselwolken. Ein produktives Paar sind die Sicherheit, mit der die Arbeitsvorgänge vonstatten gehen können, und die Skepsis gegen die Routine. In diesem Spannungsfeld kann das zweite Doppelportrait gelingen, besser als das erste, das mir bei längerer Beobachtung, zu wenig frisch erscheint etwas behäbig, wäre da nicht der Kontrast von der Lupenreinen Spannung der Lasurmalerei, zu der großen Entfernung mit der man es betrachten muss.

Am Vormittag arbeitete ich geradezu wütend an der Verbindung der letzten zwei Sequenzen auf Rolle 8, wie ich es mir gestern schon vorgenommen hatte. Vielleicht wollte ich den Start in die Tuschmalerei, nur vor mir her verschieben.

Nach allem, am Abend, band ich noch einige Spiralen an einer der Weiden im Gärtchen. Ein ziemlich ungewohnter Anblick ist das in seiner Häufung, etwas gewalttätig vielleicht und auch surreal. Zwischendrin sitz ich in meinem sonnigen Rohrsessel und fädle einzelne Lavasteine auf, die ich dann in die gebundenen Schlaufen hänge.

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Bleistift | Mechanik | Germania 3

Mit Bleistift habe ich zaghaft begonnen, auf einer Relieffragmentfläche von einem der Weidenrutenobjekte, zu zeichnen. Wie viel Respekt vor diesem Arbeitsschritt besteht, merke ich nun immer stärker. Es staute sich auf, was ich mir in den letzten Monaten dazu überlegte, bis das Arsenal so gefüllt wurde, dass nichts mehr hineinpasste. Ob das jetzt der Moment ist, an dem es geöffnet wird, ist mir noch nicht ganz klar. Aber er nähert sich.

Auf Rolle 8 ergeben sich Umschwünge und Neuorientierungen schneller und unkomplizierter. Dort gibt es klare Arbeitsgänge, deren Mechanik alleine ein Vorwärtsgehen bedingen. Das ging gestern mit einer weiteren Tanzzeichnung vonstatten. Sie hat noch keine Elemente der vorigen Figur in sich. Lebt nur durch die Überlagerungen der eigenen Formen. Aber sicher werde ich diese Sequenz mit der vorangegangenen verbinden. Entweder so, dass ich das gegenwärtige Material nach hinten schiebe, über den fülligen Umriss oder umgekehrt, ihn nach vorne über die neuen Figuren. Es geht auch, dass ich beide Vorgänge nacheinander abbilde, hin und her, was zur Folge haben wird, dass diese Verbindung zur Hauptsache wird.

Als ich am Abend zeichnete hörte ich eine Bearbeitung von Heiner Müllers Germania 3 für Radio. Zwischendrin lachte ich schallend. Hitler, Ubricht, Thälmann, Goebbels, Hagen und Krimhild, lakonische Regieanweisungen, Börsennachrichten…

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Etwas Neues | Theorie

Auf der Transparentpapierrolle Nummer 8, die wie alle anderen 50 m lang ist, füllte ich den fülligen Umriss der aktuellen Tanzfigur weiter mit den dichten, durch das zusammengerollte Papier durchscheinenden, Tuschelinien der vorangegangenen Zeichnungen. Nun muss sich innerhalb dieser Sequenz etwas Entscheidendes ändern, merke ich. Es muss was Neues her, das sich mit dem Vorigen verbindet!

Und gestern hatte ich mir vorgenommen, die grundierten Objekte, die ich zuvor aus den Formen genommen hatte, mit dem Tanzthema zu bearbeiten. Das war leichter gedacht, als getan. Denn die Übertragung der gefundenen Figurationen, erfüllt zurzeit nicht das, was ich mir von dieser Verbindung erhoffe. Folgerichtiger wäre eine Fortführung der Gravitationsschwünge, die aus den gebogenen Weidenruten entstanden und sich nun an den Rückseiten der Relieffragmente befinden. Sie träten auf den grundierten Flächen, als zersplitterte Bögen, zwischen die Linien und fächerten sich dann zu anderen Figuren auf. So etwa die Theorie…

Bereits vor 9 Uhr saßen die Mauereidechsen nach der frostigen Nacht, noch während Eis auf dem Seerosenwasser war, unter der Acrylglaskuppel und sonnten sich.

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Tanzthema in den Objekten

Nach der frostigen Nacht, habe ich im Gärtchen, schon jetzt am Morgen, vier Eidechsen gezählt. Sie sitzen auf den Holzskulpturen, zwischen den Efeuranken und unter der Acrylkuppel in der Sonne, wo sie ihre Körper aufwärmen können. Das Leben im Gärtchen hat zugenommen.

Gestern hängte ich alle Tafeln des ersten Doppelportraits des Väterprojektes vor meine große gespannte Leinwand. Das sieht noch etwas improvisiert aus, aber die Wirkung ist schon ziemlich kraftvoll. Das ist jedenfalls ein ganz guter Anfang.

Die Objekte sind nun aus der Form heraus, und ich kann mit ihnen weiterarbeiten. Zunächst kommt eine weiße Grundierung und dann werde ich versuchen die Arbeitsergebnisse von Rolle 8, das Tanzthema also, auf die Objekte anzuwenden. Für mich ist es sehr spannend, dieses Figurenmaterial mit den Reliefs zu verbinden. In solchen Situationen zögere ich öfter, wie beim Aufhängen des ersten Doppelportraits.

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Weidenflechterei | Durchblicke

Das erste der Objekte aus Weidenruten und einem Relieffragment ist nun getrocknet. Ich habe es aus der Form genommen und dann in den Raum gehängt. Die Spannung, die sich zwischen der Fläche des Reliefs und den Schwüngen der gebogenen Ruten aufbaut, führt zu einer skulpturalen Qualität, die die Neugier wecken kann, ganz um das Objekt herumzulaufen, um alle Blickwinkel und Konstellationen anschauen zu können. Nun erscheint es mir logischer uns ästhetisch richtiger, wenn das Holz nicht mit Pappmache ummantelt ist. Die Tradition von Weidenflechterei scheint auf und führt auch in die Landartgefilde.

Nach wie vor bin ich im Gärtchen dabei, die Äste der Weiden nach innen zu biegen. In die so umgeformten Baumareale hänge ich immer noch aufgefädelte Steine, Schneckenhäuser und Muscheln. Die Räume werden hiermit etwas aufgeladen, wie mit Elektrizität oder anderer Energie. Außerdem schafft die Anmutung von Meer einen weiteren Assoziationsraum.

Wenn ich die Gravitationsschwünge innerhalb der Buchmalereien mit den Aquarellstiften verstärke und an den Kreuzungen die Richtung wechsle, so einen Umriss schaffe, entstehen neue Figurationen, die innerhalb der Collagen Fenster in die gestrigen Linien und Farben werden können, Durchblicke in die junge Vergangenheit. Diese Linienverläufe haben mit Tanz zutun.

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Rolle rückwärts

Von der inhaltlichen Gestaltung Abstand zu nehmen, um notwendige handwerklich Dinge zu tun, nur um mir das Ergebnis einer halbjährigen Arbeit mir selber sichtbar zu machen, fällt mir sichtlich schwer. Gestern musste ich mich zwingen, am Vormittag Pappmache herzustellen, mit dem ich am Nachmittag die Befestigungen an den Rückseiten der Reliefs anbrachte, um alle 16 Formate zusammengestellt aufhängen zu können. Seltsamerweise interessiert mich dieser Zusammenklang nicht mehr so sehr. Die Herstellung war wichtig, die damit verbundenen Erinnerungen.

Eher denke ich nun an die Objekte, die die nächste Arbeitsphase vorbereiten oder schon Teil dieser sind. Reliefscherben füge ich mit gewachsenen Strukturen aus dem Garten zusammen, empfinde damit den Zusammenhang von Tanzzeichnungen und Frottagen der Scherbenformen nach, die auf Rolle 8 entstehen.

Dort möchte ich als nächstes eine Rolle rückwärts machen, zurückkehren zum 13.03., also zurückrollen, um die neu entstandenen Verdichtungen dort, weiter hinten, einzufügen. Somit verändere ich die Geschichte der Zeichnungskontinuität, mache das aber mit einem Datum kenntlich.

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Blickhorizonte | Jazzgeschichte | Wimmeln

Die Abrissarbeiten rund um das Atelier schaffen neue Blickhorizonte. Der Krisenmodus schafft Konzentration. Es erscheint der blaue breite Schlot eines Kraftwerks in Südosten, Betongerippe fallen zusammen und werden zu verbaubarem Material geschreddert. Ich kann mich musikhörend in die Jazzgeschichte fallen lassen, Tuscheschicht um Tuscheschicht auftragen, Schellackebenen hinzufügen, und nichts lenkt mich ab bei meinem sinnfreien Tun. Je höher der Level an Nervosität und Hysterie steigt, umso ruhiger wird es bei mir. Es ist wie eine natürliche, immunisierende Gegenreaktion.

Das einzige, was mich ablenkt, ist das Wimmeln in meinem Gärtchen. Die männlichen Mauereidechsen stecken nun ihre Reviere ab, Sonnenplätze werden verteidigt, aus Jagdarealen werden Konkurrenten vertrieben. Manchmal taucht zwischendrin auch schon ein Weibchen auf.

Außerdem kann ich dem Grün zuschauen, wie es sich mit unseren Installationen verbindet. Die gebogenen Spiralen treiben aus, Insekten schweben um das gestapelte Material aus Ästen, Gräsern und entstehender Erde. Muscheln und Steine schaukeln an den Perlonfäden im Wind und laden die winzigen Fliegen zum wohnen ein. Das Gärtchen ist der beste Arbeitsort.

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Otis Rush | Flächen | Collagen

Den Bluesmusiker Otis Rush habe ich noch aus den Sechzigerjahren von einer Amiga Schallplatte mit Aufnahmen der Folk- und Bluesfestivals in Dresden im Kopf. Heute Vormittag höre ich ihn in Aufnahmen von 1958, in denen er die Siebzigerjahre schon voraus genommen hat. Alles aber etwas abgespeckter, ohne das opulente Getöse.

Auf Rolle 8 zeichnete ich gestern, nachdem der Schatten ins Gärtchen gewandert war und meine Arbeit dort beendete, die Tanzsequenz weiter, die von einer neu gefundenen Zeichnung von 2003 stammt. Es findet sich in den Papierstapeln immer wieder eine, die ich lange nicht gesehen und vergessen hatte. Durch das Hin- und Herrollen und Durchzeichnen der durchscheinenden Linien verdichtet sich die Figurenfolge. Verschiedene durchmusterte Felder addieren sich ineinander und vergrößern aber auch die gestalteten Felder innerhalb der Umrisse. Wenn zusätzlich die Tuschelinien, durch andere Federn, breiter werden, kommt es nach einer Weile, also nach einigen Hin und Her, zu dichten schwarzen Flächen, deren Musterung im Gegenlicht aber noch gut erkennbar bleibt.

Am Morgen, noch zu Hause, überlegte ich, wie ich die Scans in die heutigen Collagen einfügen könnte. Das Ergebnis ist nun zwischen dem Text zu sehen.

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Vokabular

Auf Rolle 8 begann ich eine neue Überlagerungssequenz mit der Tuschezeichnung eines neuen Tanzfigurenumrisses. Der füllte sich beim Zusammenrollen gleich mit den durchscheinenden Teilen der vorigen Überlagerungen, die ich dort hineinzeichnete.

Mir fällt auf, dass ich im Lauf der Zeit ein eigenes Vokabular entwickelt habe, das die Arbeitschritte der unterschiedlichen Projekte benennt. Die entstehenden Phänomene können in dieser Weise geordnet werden und entwickeln sich zu planbaren Probierphasen. Alles bleibt eher vage und verweigert das fertige Produkt, das dann irgendwann doch von alleine auftaucht.

Im sonnigen Garten bog ich am Nachmittag die unteren Äste meiner größten Weide nach innen und band die entstandenen Schwünge mit Schnur fest. So soll eine konzentrierte Kraft als Formenenergie wachsen, die den gefährdeten Raum verletzlich zeigt und visuell schützt. In die so entstehenden Schlaufen hänge ich mit den Schülern und alleine an Perlonfäden Muscheln und Steine, die aus aufgefädelten Ketten von den Kanaren stammen. Sie schaukeln im Wind und ziehen Insekten an, die sie als Unterschlupf nutzen.

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Materialdifferenzen

In der Rückschau auf die letzten drei Tage mischen sich Jazz aus dem Haus Vaterland, Sidney Bechet hat dort beispielsweise gastiert, mit den Tanzzeichnungssequenzen auf Rolle 8. Sie erscheinen unfertig und in den Materialdifferenzen schillernd. Frottagen aus Graphit, neben mehrschichtigen Tuschezeichnungen, von beiden Seiten des Transparentpapiers. Die zerschredderte Balletttradition der Forsythecompany, die Gravitationsschwünge der Weidenruten, der Kubismus der Zwanzigerjahre und Thelonius Monk mit seiner Hinwendung zur extrem freien Improvisation, ergeben ein Gewebe.

Die Objekte aus Pappmache, Pflanzenteilen und Relieffragmente vom Freitag, trocknen noch. Ein paar zusammengerollte Weidenzweige liegen im Wasser. Mit ihnen will ich weitere Objekte bauen. Wegen des sich ausbreitenden neuen Virus, kann ich mich zurückgezogen im Atelier konzentrieren. Kaum andere Aktivitäten sind geplant. Nur notwendige Einkäufe.

Am vergangenen Freitag habe ich mit meinen Schülern Pappmache hergestellt und das Relief Nummer 11 abgegossen. Ein Mädchen, gerade aus Bangladesh gekommen, blieb die ganze Zeit in ihrer dicken Daunenjacke, obwohl das Atelier gut geheizt war. Dass die Dinge, wie Buchmalereien, Tuschezeichnungen und Objekte nun zusammenlaufen, habe ich auch dem Impuls zu verdanken, der aus der Arbeit mit den Jugendlichen kam.

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