Frank Reinecke

Als Kind in der ehemaligen DDR habe ich mir oft Postkarten von Westberlin angeschaut. Ich hielt sie ganz nah vor meine Augen, um an der Bordsteinkante zu entdecken, wie es im Westen wirklich ist. Die Erinnerungen des Sechsjährigen, der dort 1960 das letzte Mal vor dem Mauerbau seine Großmutter besuchte, reichten dem Zwölfjährigen dann schon nicht mehr und wenig später wuchs die Gewissheit, daß die Welt hinter der Postkartenoberfläche bis zur Rente verschlossen bleiben würde. Es entstand die Sehnsucht, diese fremde Welt zu berühren.

1984 im “Westen” angekommen nahm ich die Berührung des Fremden ernst. Meine künstlerische Arbeit allerdings kam den Menschen hier eigenartig vor. Eine Anregung währen eines Gespräches in Berlin, im Stadtteil Marzahn etwas gegen die Verrohung der Jugend zu setzen, verknüpfte sich bei mir bald mit der Meldung in einer Zeitschrift, daß in den USA ein handlicher 3-D-Laserscanner entwickelt werden sollte. Dieses Gerät, so wurde es beschrieben, tastet Formen mit Laserstrahlen ab und rechnet ihre Oberflächen in Dreiecks-gitternetze um. Je mehr Dreiecke -Trixel- die Form umschreiben, um so genauer wird deren Abbild. So formte sich die Idee des “Trixel Planet”, dem Kunstprojekt um das es geht.

Da ich mich seit längerem mit Wanderung, Kulturvermischung und dessen Ausformung befasste, kam mir der Gedanke, solche dreidimensionalen Zeugnisse zu suchen und sie mit einem transportablen 3-D-Laserscanner zu digitalisieren. Es erschien mir reizvoll, diese Dateien per Datenleitung an eine computergestützte Fräse (CNC-Technik) zu schicken, die diese gefundenen Formen an anderer Stelle wieder herstellt. So sollte ein virtueller Fundus entstehen, der Material für einen realen Skulpturengarten bereitstellt, der Wanderung und Kulturvermischung als kulturprägendes Phänomen sensuell wahrnehmbar zeigt.

Nun konzentriert sich die Arbeit auf eigene biografische Themen. Der blick schwenkte von außen nach innen.

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