Trockenwiese | Rolle 8 | Zöglingsportraits

Am Morgen ist die Trockenwiese nass vom Tau. Nach den Buchmalereien pflege ich sie ein wenig, indem ich die großen Stauden, die keine Samenstände mehr haben, entferne. In der Kräuterspirale lebt versteckt ein Wespenvolk, das noch nicht entdeckt und ausgeräuchert worden ist. Wenn sie fort sind, interessiere ich mich für ihre papierene Stadt.

Weil das Relief noch trocknet, arbeitete ich weiter auf Rolle 8. Die Umrisse von Buchmalereien sollen nun ernsthaft zu einer Überlagerungssequenz verdichtet werden. Das Ziel ist nicht, dies in die Bemalung der Reliefs mit einzubeziehen. Es geht nur um mein Wohlbefinden, während dieser Meditation. Allerdings sind die Zeichnungen auf den Splittern auch mit dem Vergnügen an dieser Arbeit eng verbunden. Die ornamentalen Motive unterscheiden sich zwar von denen auf Rolle 8, fließen aber auch kontinuierlich in steter Konzentration aus der Zeichenfeder. Impulse zur Linienführung kommen von den modellierten Oberflächenstrukturen der Splitter. Der Erfolg zeigt sich im anhaltenden spannungsvollen Wohlbefinden.

Auf allen Kanälen geht es um das Wiedervereinigungsjubiläum, das am 3. 10. begangen wird. Die Veränderung meiner Erinnerungen an die DDR durch meine Gegenwartserfahrungen, schlagen sich selten deutlich in meiner Arbeit nieder. Lediglich in den Zöglingsportraits auf Transparentpapier, findet sich eine direkte Äußerung des Erinnerns an diese Zeit.

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