Zeichnung | Malerei | Instrumentenbau

Gestern ging die Arbeit am Relief weiter. Sie ist ein Zwischending zwischen Zeichnung und Malerei. Wenn die Federzeichnung der Figuren und Ornamente dann mit einer Schicht Schellack versehen wird, sich Konturen auflösen und große dunkle, durchscheinende Flächen entstehen, bekommt die Malerei die Oberhand. Die Vorgänge der Buchmalerei sind dem ähnlich. Das Gleichgewicht zwischen den Elementen wird oft genug nicht eingehalten. Dann sind mir lineare Figuren zu wichtig, als dass ich sie hinter Farbwolken verschwinden lasse. Bei dekorativen Farbigkeiten greife ich öfter zu einem gewalttätigen Gestus wütend kreisender Schwarzbewegung.

Das gemeinsame malerische Vorhaben mit Franz, würde ich am ehesten als ein Gespräch über Farben, Formen und Gesten bezeichnen. Die Mittel, mit denen wir das machen, sind gleichzeitig Gesprächsgegenstand. Man könnte es auch mit einer Klettertour vergleichen, bei der nicht der Gipfel das Ziel ist, sondern die Kletterei.

Vier Gegenstände, von denen ich drei auf der Straße gefunden habe, fügte ich zu einem Musikinstrument zusammen. Hauptbestandteil ist eine Stahlzunge von einer rotierenden Kehrmaschinenbürste, von denen ich viele auf den Gehwegen finde. Sie bekam einen hölzernen Griff und eine Kastanie als Schwinggewicht am entgegengesetzten Ende. Dazu eine kleine gebogene, weiße Feder, die mit der Stahlzunge in der Kastanie steckt. Wenn man es an die Tischkante legt, festhält und die Kastanie mit der überstehenden Zunge in Schwingung versetzt, beginnt der Tisch zu singen. Modulation ist durch die Verkürzung oder Verlängerung des schwingenden Strangs möglich. Ein Geschenk für meinen Enkel.

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