Keine Disziplin!

Die verinnerlichte Regelmäßigkeit des Arbeitslebens erlaubt mir kaum Übertretungen des selbst gesteckten Rahmens. Heute bin ich beispielsweise aus verschiedenen, nicht zwingenden Gründen, erst gegen 10 Uhr ins Atelier gekommen. Schon steigt etwas wie ein schlechtes Gewissen in mir auf. Am Abend habe ich mit Gerd Bier getrunken und heute Vormittag höre ich Rockmusik aus den Neunzigerjahren, „Voodoo Lounge“ von den Rolling Stones aus der Zeit, als ich sie auf dem Hockenheimring kennen gelernt habe. Weiß nicht, was mit mir los ist!

Die Tuschmalerei auf dem Relief geht nur langsam voran. Jeder einzelne Splitter bekommt seine Aufmerksamkeit, sie werden wie kleine Objekte behandelt oder wie Teile einer großen Landschaft. Hilfreich sind dabei die Unebenheiten, die vom Modellieren mit der Hand herrühren. In den Senken und auf den Graten dieser Gegenden folge ich Höhenlinien und ausgetrockneten Flusstälern. Die Scherben verwandeln sich in driftende Kontinentalplatten, auf denen Expeditionen stattfinden, um sie auszumessen, zu kartieren und zu gestalten.

Gerd will mich besuchen, um das Effektgerät der Gitarre anzuschauen. Wir wollen nach Möglichkeiten der Visualisierungen der Musik suchen, die mir weiter helfen können. Bei unserem Gespräch auf der Frankenallee kam ich darauf, diese „Malerei“ mit der Gitarre ohne das Effektgerät zu machen. So steht nicht so viel zwischen den entstehenden Strukturen und mir.

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