Blickhorizonte | Jazzgeschichte | Wimmeln

Die Abrissarbeiten rund um das Atelier schaffen neue Blickhorizonte. Der Krisenmodus schafft Konzentration. Es erscheint der blaue breite Schlot eines Kraftwerks in Südosten, Betongerippe fallen zusammen und werden zu verbaubarem Material geschreddert. Ich kann mich musikhörend in die Jazzgeschichte fallen lassen, Tuscheschicht um Tuscheschicht auftragen, Schellackebenen hinzufügen, und nichts lenkt mich ab bei meinem sinnfreien Tun. Je höher der Level an Nervosität und Hysterie steigt, umso ruhiger wird es bei mir. Es ist wie eine natürliche, immunisierende Gegenreaktion.

Das einzige, was mich ablenkt, ist das Wimmeln in meinem Gärtchen. Die männlichen Mauereidechsen stecken nun ihre Reviere ab, Sonnenplätze werden verteidigt, aus Jagdarealen werden Konkurrenten vertrieben. Manchmal taucht zwischendrin auch schon ein Weibchen auf.

Außerdem kann ich dem Grün zuschauen, wie es sich mit unseren Installationen verbindet. Die gebogenen Spiralen treiben aus, Insekten schweben um das gestapelte Material aus Ästen, Gräsern und entstehender Erde. Muscheln und Steine schaukeln an den Perlonfäden im Wind und laden die winzigen Fliegen zum wohnen ein. Das Gärtchen ist der beste Arbeitsort.

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